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Auf dieser Seite:

Liebe Besucher von dimagb.de,

das Thema "Pfusch am Bau" erfreut sich regen Interesses und steigender Nachfrage (d.h. die Leute wollen Murks & Pfusch nicht, aber Informationen dazu). Leider sind es oft die gebrannten Kinder, die nach dem Wasser zum Kühlen suchen. Die jährliche Bauschadenstatistik könnte einen zur Verzweiflung treiben. Aber wo liegen die Ursachen?

  • Es tummeln sich selbsternannte "Experten" und "Fachleute" auf dem Markt, die den Leuten dummes Zeug erzählen, leider oft mit Erfolg
  • Facharbeiter gibt es immer weniger, dafür immer mehr Schwarzarbeiter und Billigkräfte ("gestern noch mit der Kalaschnikow am Balkan, heute schon als Trockenbauer in Berlin")
  • mit steigenden Steuern und Abgaben wird der Bevölkerung das Geld aus der Tasche gezogen und die wenigsten bekommen von ihrer Bankgesellschaft eine Villa geschenkt; Not macht erfinderisch
  • viele qualifizieren sich zum "Sparmeister", meist wird aber am falschen Ende gespart (lieber 15.000 € in den Sand gesetzt, als 1.500 € für eine Begutachtung ausgegeben; oder: lieber dem Bauträger mehr Geld in den Rachen werfen, als sich einen Bauleiter nehmen)
  • vielen Unternehmen steht das Wasser bis zum Hals, deshalb bleibt denen nichts weiter übrig, als billig anzubieten und dann zu bescheißen

Es muss aber noch andere Ursachen geben, denn selbst in den guten alten Zeiten wurde am Bau gemurkst und gepfuscht. Wie dem auch sei, gut finden muss man Murks & Pfusch noch lange nicht.

Nun darf man nicht erwarten, die Welt zu verändern. Aber man kann erreichen, dass vielen die Augen geöffnet werden. Der eine oder andere wird den Brunnen abdecken, bevor das Kind reinfällt. Und wenn nichts davon eintrifft, hat es doch einen gewissen Unterhaltungswert. Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Dokumentationen zu Murks & Pfusch.



Wie können die Schäden am Bau aber entstehen?
Das ist ein Problem der Ausführung.
Die VOB trifft dazu folgende Regelungen:

§ 4 Ausführung

2. (1) Der Auftragnehmer hat die Leistung unter eigener Verantwortung nach dem Vertrag auszuführen. Dabei hat er die anerkannten Regeln der Technik und die gesetzlichen und behördlichen Bestimmungen zu beachten. Es ist seine Sache ... für Ordnung auf der Baustelle zu sorgen.

6. Stoffe oder Bauteile, die dem Vertrag ... nicht entsprechen, sind ... von der Baustelle zu entfernen.

7. Leistungen, die schon während der Ausführung als mangelhaft oder vertragswidrig erkannt werden, hat der Auftragnehmer auf eigene Kosten durch mangelfreie zu ersetzen.

§ 13 Gewährleistung

1. Der Auftragnehmer übernimmt die Gewähr, dass seine Leistung zur Zeit der Abnahme die vertraglich zugesicherten Eigenschaften hat, den anerkannten Regeln der Technik entspricht und nicht mit Fehlern behaftet ist ... . (siehe auch hier)

Die VOB kann Vertragsgrundlage sein, wenn dies vereinbart wird.
Zwingend hingegen sind die Vorschriften des Gesetzgebers.

Die Bauordnung Berlin (BauOBln) schreibt vor:

§ 52b Unternehmer

(1) Jeder Unternehmer ist für die ordnungsgemäße, den baurechtlichen Vorschriften und den genehmigten Bauvorlagen entsprechende Ausführung der von ihm übernommenen Arbeiten und insoweit für die ordnungsgemäße Einrichtung und den sicheren Betrieb der Baustelle verantwortlich. Er hat die erforderlichen Nachweise über die Verwendbarkeit der verwendeten Bauprodukte und Bauarten zu erbringen und auf der Baustelle bereitzuhalten.

Der Abschnitt 3: Bauprodukte und Bauarten
regelt die Übereinstimmung der vorgesehenen Bauprodukte und Bauarten mit den Regeln der Technik, Fragen der bauaufsichtlichen Zulassung und Prüfzeugnisse sowie der Prüfung, Überwachung und Zertifizierung.

Genaue technische Angaben zur Ausführung treffen u.a. die DIN-Normen, die kein Bestandteil des Rechts sind, jedoch zum Vertragsinhalt erklärt werden können. Sie beinhalten weitgehend die Regeln der Technik.


Bislang haben wir uns mit der Theorie befasst.
Hier sehen Sie Beispiele aus der Praxis.

Besonders gut gelungene Beispiele für in F90-Qualität (fb) geschlossene Deckendurchbrüche; alternativ erfolgt das mit Mörtel MGIII oder Beton anstelle Bauschaum (aber mit Styropor und Bauschaum geht es eben halt schneller).
links oben: stößt die Sockelleiste an die Türzarge, lässt man sie abstehen (die Alternative wäre: zuschneiden)


links unten: so schief kann man eine Fensterbank einbauen


rechts unten: hier hat sich der Maler keine Mühe gegeben
Das sind alles noch recht harmlose Beispiele, zumal hier alles gut erkennbar und zuordenbar ist. Interessanter wird es in den folgenden Fällen. Die Begebenheiten sind leider nicht erfunden, die Bezeichnungen (Orte, Namen) lasse ich aus verständlichen Gründen weg.
Weitere Beispiele werden folgen.

Achtung, Selbermacher!
Hände weg von „Werkzeug-Schnäppchen“

(ots) Billige Elektro-Werkzeuge sind derzeit bei fast allen großen Handelsketten im Angebot. Das Heimwerker-Magazin „selbst ist der Mann“ hat einmal in die Regale der großen Anbieter gegriffen und die Geräte einem Praxistest unterzogen. Fazit: Billige Werkzeuge sind für die Anwender gefährlich und letztendlich teuer. Beispiel Schlagbohrer: Das bei Plus erworbene Bohrmaschinen-Set enthielt eine Maschine, deren Gehäuseoberfläche über 60 Grad heiß wurde und deren Schlagzähne bereits nach 20 Bohrungen Verschleiß zeigten. Damit schnitt das Gerät jedoch noch besser ab als das Modell von Tchibo. Hier ließ sich der Bohrer selbst unter Zuhilfenahme von zwei Rohrzangen nicht fest genug ins Bohrfutter spannen, um damit ein Loch zu bohren. Eine Enttäuschung war auch der Akku-Schrauber von Globus. Nach fünf Bohrungen in Holz blieb die Maschine stehen und zeigt mit einem dezenten Knall und sanften Rauchsignalen seine Kapitulation an. Kaum besser erging es den Prüfern mit den Elektro-Werkzeugen von Aldi. Der Elektro-Tacker war nicht in der Lage, die beigelegten Klammern in Weichholz zu treiben.

Die ebenfalls bei Aldi erstandene Kappsäge war das einzige Gerät, das die ihm zugedachte Funktion erfüllen konnte - wenn auch ungenau und mit schwacher Absaugung. Nils Staehler, Chefredakteur „selbst ist der Mann“: "Keines der getesteten Geräte bietet ein sinnvolles Preis-Leistungsverhältnis. Entweder waren die Maschinen gar nicht zu benutzen, oder sie arbeiteten so ungenau, dass durch die Nachbearbeitung der Werkstücke viel Zeit verloren geht."

Quelle: Verbraucher-Newsletter: Artikel vom 25.02.2002,
© 1998-2001 SchwabenNet.de (Impressum),
http://www.verbrauchernews.de Newsletter: http://www.verbrauchernews.de/verbraucher/abo


Um mal das Thema aus der Sichtweise Dritter zu beleuchten,
bin ich im Internet auf Wanderung gegangen - und natürlich fündig geworden.

Pfusch am Bau
Von Werner Ahlschwedt

Der Weg zum Eigenheim ist voller Hindernisse, und Bauen ist eines der Nerven aufreibendsten Abenteuer im Leben. Durch den Schlendrian beim Bau entstehen nach Schätzungen des letzten Bauschadensberichts der Bundesregierung allein bei Neubauten durch Planungs-, Ausführungs- und Materialfehler Schäden von rund 3,4 Milliarden Mark.

Durch Gedankenlosigkeit, mangelnde Kommunikation, fehlende Koordination und Schlendrian wird Bauen zu einem düsteren Kapitel. Von Baugutachtern und Anwälten wird als Grund immer wieder mangelnde Qualifikation, Sorgfalt und Erfahrung mancher Architekten, wenig Sorgfalt in Planung und Ausführung bzw. Überwachung angegeben. Ungenügende Untersuchung von Eignung neuer Baustoffe, Bauteile oder technischer Verfahren sowie ungenügende Bauüberwachung seitens neutraler Baubegleiter sind weitere Gründe und geben dem Bau und seinem Herrn dann den Rest.

Obwohl Pfusch die Bauherren nicht selten 30 bis 50 Prozent der Bausumme kostet, sparen sie an einer qualifizierten, neutralen Aufsicht, die nur ein Prozent der Bausumme kosten muss. Kaum einer ist bereit, zu den 250.000 Mark Bausumme noch 2.000 bis 3.000 Mark für einen Berater zu bezahlen. Vor Pfusch am Bau kann sich meist nur schützen, wer einen erfahrenen Architekten mit Planung und Bau beauftragt. In den meisten Fällen jedoch wird das Haus schlüsselfertig von einem Generalübernehmer angeboten, dem man sich auf Gedeih und Verderb ausliefert. Einzige Chance hierbei, später auch tatsächlich in ein richtiges Haus und nicht in eine Ruine einzuziehen, sind neutrale Baubegleiter. Neutrale Baubegleiter mit Sachverstand bekommt man ...

Den Rest habe ich weggelassen, weil es sich ab da um Schleichwerbung handelt.
Quelle: Internetseite des WDR, Magazin ServiceZeit Bauen und Wohnen
Sendung vom 10. März 2000, www.wdr.de


Mängel vermeiden: Pfusch am Bau!

Viele Besitzer eines neuen Hauses können ein Lied davon singen: Schon bald nach dem Einzug in die eigenen vier Wände stellen sich die ersten Mängel heraus. Wir geben Tipps, wie Sie teuren Ärger vermeiden können und im Falle eines Falles Ihre Rechte wahren.

Der Neubau oder Umbau eines Hauses lässt sich in zwei Phasen aufteilen: die Bauplanung und die Bauausführung. Werden nach (oder gar vor) dem Einzug in die eigenen vier Wände bereits Mängel sichtbar, muss zunächst geklärt werden, ob diese durch eine unzureichende Bauplanung oder durch eine nicht sachgemäße Bauausführung zu Stande gekommen sind.

Für die Bauplanung ist in der Regel der beauftragte Architekt zuständig. Seine Aufgaben sollten zur Sicherheit für Auftraggeber (Bauherr) und Auftragnehmer (Architekt) in einem gemeinsam unterzeichneten Vertrag festgehalten werden. Er sollte folgende Punkte umfassen:

  • Vertragsgegenstand (Baugrundstück, Pläne, Zeichnungen etc.)
  • Architektenleistung (Pflichten, Grundleistungen, Extraleistungen)
  • Honorar (in der Regel nach der HOAI)
  • Eigenleistung des Bauherrn
  • Gewährleistung/Haftung des Architekten
  • Verjährungsfristen
  • Urheberrecht (Übertragung auf Bauherrn)

Der Architekt übernimmt im Regelfall auch die Bauleitung, sofern der Auftraggeber (Bauherr) diese Aufgabe nicht sich selbst oder einem Dritten zuweist. Er achtet durch die regelmäßige Besichtigung der Baustelle darauf, dass die Bauausführung auch der Bauplanung entspricht und somit keine konstruktionsbedingten Fehler auftreten, die später zu Mängeln führen.

Bauvertrag

Ist das geplante Häuschen auf dem Reißbrett fertig und die Finanzierung unter Dach und Fach, muss ein Bauunternehmer beauftragt werden, der für die Bauausführung sorgt. Dafür kann der Bauherr den Architekten um Hilfe bitten, wenn dieser auch mit der Bauleitung beauftragt ist.

Der Bauvertrag ist für Rechte und Pflichten des Bauherrn sowie des Bauunternehmers von entscheidender Bedeutung. Darin sollten alle wichtigen Einzelheiten bis zur Fertigstellung des Gebäudes festgelegt werden, also

  • die vom Bauunternehmer auszuführenden Bauleistungen,
  • der Zeitraum bis zur Fertigstellung
  • die Baukosten (für einzelne Gewerke oder das gesamte Bauvorhaben)
  • die Absicherung der Fähigkeit des Bauunternehmers, die Bauleistung mängelfrei zu erbringen, und die Absicherung der Zahlungsfähigkeit des Bauherrn.

Der Bauvertrag kann sich entweder nach der Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB, Teil B) oder den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) richten. Sinnvoll ist ein Bauvertrag nach dem VOB/B, weil sich dessen Bestimmungen in der Praxis als eine ausgewogene, für beide Seiten akzeptable Grundlage erwiesen haben. Zudem ist die Rechtsposition des Bauherrn bei einem VOB-Vertrag besser, wenn er bereits vor der Bauabnahme Mängel feststellt.

Bauabnahme

Nach Abschluss der Bauarbeiten kommt für Bauherrn und Bauunternehmer ein entscheidender Augenblick die Bauabnahme. Sie ist für den Fall eines späteren gerichtlichen Nachspiels von weitreichender Bedeutung, da mit ihr eine Vielzahl von Rechtswirkungen verbunden ist. Mit der Abnahme erklärt der Bauherr, dass er die erbrachte Bauleistung als in der Hauptsache vertragsgemäß anerkennt.

Der Bauherr ist verpflichtet, die Bauleistung abzunehmen, wenn sie "im Wesentlichen fertig gestellt "und "im Wesentlichen mängelfrei "ist. Die Abnahme muss also auch dann erfolgen, wenn das Vorhaben noch nicht vollständig abgeschlossen ist und kleinere Mängel vorhanden sind, die den Gebrauch nicht wesentlich einschränken. Die Abnahme muss förmlich erfolgen, entsprechende Protokollformulare hält jeder Architekt bereit.

Mängel bei Bauabnahme

Eine mangelhafte Bauleistung des Bauunternehmers liegt vor, wenn zum Zeitpunkt der Bauabnahme

  • zugesicherte Eigenschaften fehlen,
  • die Bauleistung nicht den anerkannten Regeln der Technik entspricht,
  • das Haus von vornherein in seinem Wert oder bei der Benutzbarkeit beeinträchtigt ist.

Der Bauunternehmer ist in diesen Fällen verpflichtet, sowohl die bereits erkennbaren als auch nach der Abnahme noch auftretende Mängel zu beseitigen. In jedem Fall sollten erkannte Defizite schriftlich festgehalten und dem Bauunternehmer ggfs. per Einschreiben mit Rückschein mitgeteilt werden.

Der Nachbesserungsanspruch kann jede mögliche Einzelleistung, im äußersten Fall sogar einen Neubau umfassen. Dazu gehören auch die für die Mängelbeseitigung erforderlichen Neben- und Zusatzarbeiten sowie die Folgekosten, die z.B. durch Einschaltung eines Sachverständigen entstehen. Allerdings ist beim Nachbesserungsanspruch des Bauherrn der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten. Die Art und Weise der Nachbesserung kann der Bauunternehmer selbst bestimmen.

Einen Geldausgleich kann der Bauherr vom Bauunternehmer nur dann verlangen, wenn

  • eine Beseitigung des Mangels objektiv unmöglich ist,
  • eine Nachbesserung für den Bauunternehmer zu einem unverhältnismäßig hohen Aufwand führen würde,
  • eine Mängelbeseitigung für den Bauherrn unzumutbar wäre.

Verjährungsfristen für Gewährleistung beachten

Je nach Objekt und Vertrag hat der Bauherr unterschiedlich lange Ansprüche auf Gewährleistung. Sie richten sich danach, ob die Gewährleistungsfrist individuell, nach der VOB oder dem BGB vereinbart wurde. Individuell vereinbarte Fristen haben stets Vorrang vor den gesetzlichen Verjährungsfristen. Da nach der VOB die Gewährleistungsfrist nur zwei Jahre beträgt, haben sich in der Praxis die Fristen nach dem BGB durchgesetzt:

  • für Mängel, die vor der Bauabnahme entstanden sind:30 Jahre
  • für den Anspruch auf Mängelbeseitigung, Minderung oder Schadenersatz: sechs Monate
  • für Arbeiten am Grundstück: ein Jahr
  • für Bauwerke: fünf Jahre
  • für arglistiges Verschweigen eines Mangels:30 Jahre.

Die Verjährungsfristen beginnen mit der Bauabnahme, sie können nach Absprache der Bauvertragsparteien aber beliebig verlängert werden.

Quelle: www.gesichertesleben.de, Archiv Rubrik: Recht, Artikel vom 17. August 2000

Hier sind wir beim Thema angelangt: nicht alles glauben, was man vorgesetzt bekommt. Zum einen ist die Aussage zu 2 Jahren Gewährleistung nach VOB schlichtweg falsch. Ich selbst befasse mich mit der VOB von Berufs wegen seit 1990 intensiv - und seitdem hat sich im §13 nichts daran geändert, dass 2 Jahre nur gelten, wenn nichts anderes vereinbart wurde.

In der Praxis haben sich keine Fristen nach BGB durchgesetzt, vielmehr ist bei VOB-Verträgen zunehmend eine 5-jährige Verjährungsfrist für die Gewährleistung vereinbart worden. Die Aussage zur Frist "für Mängel, die vor der Bauabnahme entstanden sind:30 Jahre" weckt unberechtigte Hoffnungen.

In meiner naiven Zeit hatte ich den Gewährleistungsparagrafen der VOB/B so interpretiert, dass die Gewährleistung für verdeckte (und/oder verschwiegene Mängel) gar nicht erst eintreten könne, weil einfach die Voraussetzung fehlt. Was sagt § 13 Nr. 1?

"Der Auftragnehmer übernimmt die Gewähr, dass seine Leistung zur Zeit der Abnahme die vertraglich zugesicherten Eigenschaften hat, den anerkannten Regeln der Technik entspricht und nicht mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder dem nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch aufheben oder mindern."

Besteht also ein verdeckter und/oder verschwiegener Mangel, kann der AN doch keine Gewähr übernehmen? Tritt der Mangel nach der Abnahme zutage, wäre er zu beseitigen und erst dann dürfte die Frist beginnen. Klingt doch logisch? Aber denkste. Die Praxis und die Ergebnisse der viel zitierten, viel beschworenen und sagenumwobenen "Rechtsprechung" haben mich eines besseren belehrt.

Insofern vertrete ich die Auffassung, dass Murks und Pfusch am Bau durch die Praxis der Rechtsprechung hierzulande eher gefördert werden. Sie sehen das anders? Bitte: tun Sie hier Ihre Meinung kund.


Pfusch am Bau

Prüfer erkennen die Hälfte aller Fehler in der Planung,
die andere Hälfte müssen Sie vertraglich abwehren.

Ein Haus ohne Mängel gibt es nicht, auch nicht von zuverlässigen Unternehmen. Nicht jeder Mangel ist schwer wiegend, oft geht es um Schönheitsfehler. Wird aber der Keller nicht richtig gegen Feuchtigkeit abgedichtet, geht es an die Bausubstanz.

Prüfer lohnen immer:
Vertrags- und Baukontrolle für ein Einfamilienhaus kosten etwa 4.000 bis 6.000 Mark. Der Vergleich: Einen feuchten Keller nachträglich von außen abzudichten verschlingt leicht 50.000 Mark. Außerdem lässt sich ein geprüftes Haus besser weiterverkaufen. Der TÜV Bau und Betrieb zum Beispiel verlangt für das Bau-Controlling ... [ die folgende Schleichwerbung lasse ich weg ]

Üblicherweise wird zunächst geprüft, ob die Baubeschreibung technisch einwandfrei ist. Ein Prüfer mit Distanz zum Vorhaben entdeckt auch Unklarheiten, die der Planer selbst übersieht. Nach wichtigen Arbeitsabschnitten begehen Ingenieure den Bau (meist nach Kellerdecke, Rohinstallationen und Estrich). Sie dokumentieren die Mängel und prüfen Nachbesserungen. Ein Sachverständiger begleitet auch die Abnahme.

Quelle: www.haus.de,Ein Service der LBS und der Zeitschrift Das Haus

Eine nicht uninteressante Betrachtung der Dinge: der Planer (gemeint sind hier wohl die Deppen Architekten und Ingenieure) plant von vornherein falsch, den Rest besorgen Ihnen die Baufirmen, die gar nicht anders können, als murksen.

Zum Glück für die Bauherren kommen nun die Prüfer (Nachtigall ick hör dir trapsen), sozusagen als Retter in der Not, die für schlappe 6 Riesen auch gleich noch die "Baukontrolle" mit erledigen.

Das könnte man für Schleichwerbung und Bauherrenverklapse halten, muß man aber nicht.  Dass es Verträge nach HOAI gibt, die Werkverträge darstellen (merke: Werkvertrag bedeutet Haftung), wird hier vorsichtshalber gar nicht erst erwähnt.


Pfusch am Bau an der Wurzel bekämpfen -
Beratende Ingenieure von Anfang an einbeziehen

Ob Eigenheim oder Gewerbeimmobilie - Baumängel sind an der Tagesordnung. Nach Erfahrungen der Bayerischen Ingenieurekammer Bau nimmt der Baupfusch aufgrund des angespannten Wettbewerbs zu. Die jährlichen Verluste werden mit elf Milliarden DM beziffert. Bauherren und Auftraggeber sind meist nicht vom Fach oder in der Lage, Vertrags- und Qualitätsunterschiede sofort zu erkennen. Viele Unannehmlichkeiten lassen sich jedoch vermeiden, wenn der Bauherr vor der Auftragsvergabe etwa auf die gewerberechtliche Zulassung des betreffenden Betriebes achtet und sich darüber hinaus des unabhängigen Sachverstandes Beratender Ingenieure versichert.

Baupfusch ist zumeist vorprogrammiert, wenn sich Bauherren bei der Wahl der Baufirmen keine Zeit nehmen. Vollends ausgeliefert ist der Bauherr, wenn Planung, Ausführung und Überwachung in einer Hand liegen. Angebote einzuholen und sie sorgfältig zu vergleichen, sollte selbstverständlich sein. Nicht der Preis ist allein entscheidend, denn das billigste Angebot ist oft nicht das beste.

Wer ein Haus errichtet, erwartet tadellose Bauausführung. Wie können sich Bauherren, Käufer oder auch Mieter vor "Pfusch am Bau" schützen? 100prozentigen Schutz gibt es sicher nicht. Gute Handwerker von schlechten zu unterscheiden, ist nicht einfach. Auch wenn Bauherren und Auftraggeber bei der Auswahl der Betriebe für ihr Bauvorhaben noch so sorgsam vorgehen, sich beispielsweise Empfehlungen einholen und Referenzobjekte nennen lassen und die Arbeiten der Handwerksbetriebe begutachten, sind sie ohne unabhängige Unterstützung nicht vor Pannen gefeit.

An einem normalen Eigenheimbau sind mehr als 15 Gewerke beteiligt. Die meisten davon arbeiten direkt auf der Baustelle. Die Schnittstellen zwischen den Gewerken sind immer potentielle Fehlerquellen. Wer mit seiner Arbeit beginnt, erkennt die Vorarbeiten automatisch als ordnungsgemäß an. Da jedoch oft nicht oder nur unzureichend ausgebildete Arbeitskräfte an vielen Baustellen am Werk sind, ist eine durchgehende unabhängige Qualitätskontrolle in allen Phasen des Baus zwingend erforderlich.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb von Anfang an neutralen Sachverstand einbeziehen. Das könnten etwa die rund 2.000 freiberuflichen und unabhängigen Mitglieder der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau sein. Beratende Ingenieure und Sachverständige bieten eine umfassende und auf die Wünsche der Kunden zugeschnittene baubegleitende Qualitätssicherung und Mängelvermeidung an. Die Fachleute treten auch vor Gericht auf, wenn es zu Auseinandersetzungen kommt. Abgesichert ist der Bauherr im Falle eines Falles auch durch die Haftpflichtversicherung, die jeder Beratende Ingenieur vorhält.

Zum Angebot Beratender Ingenieure zählen u.a. auch die Beratung bei Haus- und Grundstücksfragen, ein Check von Planungsunterlagen und Baubeschreibung, die Beurteilung von Gebrauchtimmobilien, Wertermittlungen bei Grundstücken, Gütefeststellung nach Bauphasen, Baugrunduntersuchungen oder Baustoffprüfungen. Auf Wunsch des Bauherren prüfen sie auch, ob Preis und Leistung der eingekauften Bauarbeiten in angemessenem Verhältnis stehen. Da jeder Investor individuelle Schwerpunkte setzt, werden im Gespräch die zu prüfenden Sachverhalte gemeinsam festgelegt.

Übrigens: Hüten sollte sich der Bauherr vor den zweifelhaften Angeboten von Mammutorganisationen. TÜV und Dekra sind wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Wen kann es da wundern, dass die einstigen Monopolisten ihren halbamtlichen Ruf einsetzen, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Ihre seltenen Baustellenbesuche krönen Dekra und TÜV mit der Vergabe von Gütesiegeln und Gebäudepässen. Die in der Regel fünfmalige Begehung der Baustelle soll dem Bauherrn suggerieren, dass der Bauträger die einschlägigen DIN-Normen und Bauvorschriften eingehalten und die vertraglich vereinbarte Qualität geliefert hat. Dies lückenhafte Verfahren lehnt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau als untauglich ab.

Verbraucherschutz am Bau erfordert nachgewiesene Kompetenz, Unabhängigkeit und ständige Präsenz in allen Bauphasen. Die Erfüllung dieses hohen Anspruchs gewährleisten freiberufliche Beratende Ingenieure.

Quelle: Pressemitteilung der Bayerischen Ingenieure-Kammer Bau
München04.09.2000, www.bayika.de

und noch ein Beitrag von dieser Quelle:

Pfusch am Bau muß nicht sein

Der Einsturz eines Turnhallendachs in Bayreuth wäre vermeidbar gewesen. Zu dieser Feststellung sieht sich die Bayerische Ingenieurekammer-Bau veranlaßt. Als unmißverständliches Zeichen fehlender unabhängiger Überwachung wertet die Kammer die an der Unglücksstelle zu Tage getretenen eklatanten Schlampereien und Fertigungsfehler.

Zwar muß den Bausünden der Vergangenheit der Einsturz der knapp 20 Jahre alten Turnhalle zugeschrieben werden. Aber auch die jüngste Genehmigungs- und Baupraxis bleibt die Antwort auf vermeidbare Risiken schuldig. Kostengünstigkeit und nicht verlässliche Wirtschaftlichkeit im gesetzlichen Rahmen ist vielfach alleiniger Gradmesser für private und öffentliche Investoren. Vollends verloren gehen transparente Planungs-, Ausführungs- und Kontrollstrukturen bei der Beauftragung von Generalunternehmern.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau appelliert an die an der ‚Verschlankung‘ des Bauordnungsrechts Beteiligten: Bei der Handhabung des ‚Vereinfachten Genehmigungsverfahrens‘ muß "die lebenswichtige Aufgabe der Baukontrolle" in Zukunft sichergestellt werden. Auch der bayerische Gesetzgeber ist aufgerufen, dem verbraucherfeindlichen Treiben ein Ende zu bereiten. Entgegen einschlägiger gesetzlicher Bestimmungen wird auf vielen Baustellen der Nachweis der Standsicherheit (Statik) und die Prüfung der statischen Unterlagen von den Bauherren nicht in Auftrag gegeben. Baukontrollen unterbleiben. Der Nachweis der Standsicherheit muß wieder die erforderliche Priorität auch für jeden Investor gewinnen.

Quelle: Internetseite der Bayerischen Ingenieure-Kammer Bau
Kurznachrichten von A-Z, www.bayika.de

Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Natürlich steht es Ihnen frei, sich eine eigene Meinung hierzu zu bilden. Fragen Sie sich stets: wem nützt es? Weitere Informationen zu Pfusch am Bau, Murks, Nepp und Abzocke, Theorie und Praxis sowie zu gesetzlichen Grundlagen finden Sie im Infobereich auf dieser Homepage.

 


Im folgende stelle ich Ihnen Internetseiten vor, die sich mit folgenden Themen befassen:
Murks, Pfusch, Betrug, Abzocke, Nepp, Verblödung, Mangel, Schaden, Haftung

Aus der Thematik ergeben sich auch die Bereiche: Verträge, Bauausführung, Finanzierung, Immobilien. Die Murkser & Pfuscher, Nepper, Schlepper und Bauernfänger tummeln sich auf vielen Gebieten. Um wertungsfrei heran zu gehen, sortiere ich nach Alphabet.

URL Kurzbeschreibung
Baumurks Eine Seite mit hohem Anspruch, die sich (seit längerem) im Aufbau befindet. Aber vielleicht gilt hierbei: was lange währt, wird gut. Einige Buttons sind noch nicht belegt, aber einige Themengebiete sind mit Bildern hinterlegt.
Bur-Bau ... gerade für andere Bauherren wollte ich dokumentieren, wie wichtig folgende Punkte sind: 1. Infos, Infos, Infos 2. gesundes Misstrauen 3. Nutzung anerkannter Verfahren (man spart sonst am falschen Ende) u. 4. als allerwichtigstes eine externe Bauleitung zur QS !
Dachmurks Diese neue Seite ist von Stefan Ibold. Nomen est omen.
Eigene Einschätzung: "Wird relativ regelmäßig gepflegt."
Der Autor nimmt gern Hinweise zur weiteren Gestaltung entgegen.
Denkmalschutz
& Murks
Die Seite von Architekt Konrad Fischer befasst sich u.a. damit, wie man alte Gebäude verhunzt und zur Sau macht. Es werden aber auch Alternativen aufgezeigt, die zur Substanzerhaltung beitragen. Altbau & Denkmalpflege Informationen.
Home Repair &
Photo Gallery
Mal was aus Amiland, zum Thema "Murks vom Selbermacher". Auch für den interessant, der kein Englisch kann (Bilder sagen mehr als tausend Worte). Mein Tipp: Seiten lassen sich komplett übersetzen (translate.google.com ...).
Hügelland Hier erfahren Sie alles, was Sie über Windkraft (-anlagen) wissen müssen: Sinn und vielmehr Unsinn, Nepp und Abzocke, wer dahinter steckt, warum auch Sie dafür blechen müssen. Zahlreiche Fakten. Mirror 1, Mirror 2
IFP: Murks-
Beispiele
Auf der Seite eines Ingenieurbüros ist eine Sektion Murks im Aufbau.
Die ersten Fotos sind veröffentlicht: es geht um Mauerwerk, bei dem
auch der Laie erkennt, dass es der Horror ist.
Klima-
notizen

 
Klaus Öllerer betreibt diese hervorragende Seite. Ich bin darauf gestoßen, als mir der „Global Temperature Report 1978 – 2003“ unter kam - ein Hammer-Beitrag. Klima-Notizen ist eine Seite für alle, die zum Thema nicht verscheißert werden wollen.
Lars
Francke
Erfahrungen mit einem Brandenburgischen Bauunternehmen. Berichte u.a. über: -(unwiderrufliche) Finanzierungsbestätigung / Mauerwerk / horizontale Mauerwerkssperre / Kniestock / Fundamenterder. Und ob es erlaubt ist das alles im www zugänglich zu machen.
LKG
IBfBt
Das LKG Ingenieurbüro für Bautechnik hat unter dem Button "Pfusch am Bau" eine Sammlung von Katastrophen begonnen, sozusagen aus der Rubrik "einstürzende Neubauten": Dächer, Brücken, Häuser (alles als PDF)
Luftdicht o.
luftundicht
Kollegen Trauernicht kennen Sie bereits? Hier finden Sie häufig gemachte Fehler beim Thema Luftdichtheit der Gebäudehülle. Und natürlich ist DER Klassiker dabei: Fenster und Bauschaum!
Murks
zur Auswahl
und zwar im Infobereich dieser Homepage (dimagb.de). Mit einigen Bildern und vielen Erläuterungen, z.B. anhand von Fallbeispielen. Wird laufend ergänzt, besonders durch "Fragen und Antworten".
Öko-
Heuchler
Das neue Projekt sensibilisiert das öffentliche Bewusstsein und macht durch die jährliche Vergabe des Preises "Ökoheuchler des Jahres" auf ökoheuchlerisches Verhalten aufmerksam.
Das Projekt sucht weitere Kandidaten und bittet um Abstimmung per Mausklick.
Paul Bossert
(CH)
"Seht euch auf meiner Homepage im Bereich Publi.html um und verwendet den Beitrag "Energie-Faschismus"! Bis dann ... " Mfg Paul Bossert. Was soll ich dazu noch sagen? Schauen Sie es sich einfach mal an.
Pfusch-
Bau
Eine Internetseite von Roland Steidle aus Waghäusel.
Der Name sagt berits alles.
Reinschauen.
Schadensbilder
von
Eddi Bromm
Bei dieser Bildersammlung geht es
um Feuchteschäden
und Schimmel.
Super-Billig-Bau Diese Seite geht mit dem Thema recht unverkrampft um. Die ganze traurige Wahrheit wird hier lustig rübergebracht. Die vorgestellten Typen des Unternehmens kennen Sie bestimmt von irgendwo her. Bilder vorhanden.
SV Richardson Das Sachverständigenbüro Richardson hat sich auf Baubiologie spezialisiert. Um ein besseres Verständnis für die Problematik zu vermitteln, gibt es einige Fallbeispiele, Stichworte: Schimmel, Schadstoffe.
Worldimprover heißt zu gut deutsch "Weltverbesserer". Es geht hier weniger um´s Bauen, dafür aber kräftig um Nepp, Abzocke, Verdummung usw. Es werden verschiedene gesellschaftliche Bereiche betrachtet. Lohnt sich.

Viele reden davon, wenige kennen ihn, den

BAUSCHADENSBERICHT

bzw. im Originalnamen:
Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
DRITTER BERICHT
über Schäden an Gebäuden
1995

Weder ist es ein Geheimdokument noch liegt ein Copyright darauf (Sie haben ihn ja schon bezahlt, nämlich als Steuerzahler), außerdem enthält er furchtbar interessantes Zahlenmaterial. Das m.E. "wichtigste" möchte ich Ihnen hier auszugsweise zugänglich machen.

Einschub: Wenn es einen 3. Bericht gibt, wie ist es dann mit Nr. 4 ff.?
Dazu berichtet der Deutsche Bundestag am 02. Juli 1998:

Gegen vierten Bauschadensbericht
(ba) Der Bauausschuss hat am 17. Juni einen Antrag der SPD (13/10449) abgelehnt, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, einen vierten Bericht über Schäden an Gebäuden innerhalb von vier Jahren vorzulegen. Der Bericht müsse die Maßnahmen zur Beseitigung und Vermeidung von Bauschäden in der Altbausubstanz der neuen Länder berücksichtigen, so die SPD im Ausschuss.

Zuerst werden Ihnen einige Globaldaten vorgestellt,
danach geht es um
Vermeidbare Bauschäden an Hochbauleistungen


Bestand

Das Brutto-Bau-Anlagevermögen der alten Bundesrepublik beträgt 9.34 Bill. DM; ca. 56,6 % entfallen davon auf den Wohnungsbereich, ca. 10,9 % auf den staatlichen Bereich und ca. 32,3 % auf den gewerblichen Bereich.

Daten für den Bereich der neuen Bundesländer lagen zum Zeitpunkt der Bearbeitung noch
nicht vor.

Der Wohnungsbestand in Gesamtdeutschland beträgt ca. 34 Mio. Einheiten. Hiervon befinden sich 54,4 % in Mehrfamilienhäusern, davon sind wiederum 29,7 % älter als 50 Jahre. Hervorzuheben sind die Abweichungen in den neuen Bundesländern. Hier befinden sich mehr als 67 % der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, die zu 41,7 % aus der Zeit vor 1945 stammen.

Hochbauleistungen und Instandsetzungsbedarf

Das Hochbauvolumen in Deutschland betrug 1992 365,4 Mrd. DM. Auf den Wohnungsbau entfielen davon 216,5 Mrd. DM. 49 % dieser Summe wurden für Instandsetzung und Modernisierung verwendet. Hervorzuheben ist hier wiederum, dass dieser Anteil in den neuen Bundesländern mit 72 % wesentlich höher ist.

Dieses spiegelt den Nachholbedarf bei den Bauleistungen im Bestand der neuen Bundesländer wider und wird besonders deutlich, wenn die tatsächliche Hochbauleistung im Bestand dem Instandsetzungsbedarf gegenübergestellt wird, der aufgrund des Schädigungsgrades besteht.

Der Instandsetzungsbedarf des deutschen Wohnungsbestandes beträgt 163,4 Mrd. DM. Hiervon entfallen mehr als 70 % (117,6 Mrd. DM) auf den Wohnungsbestand in den neuen Ländern, obwohl dessen Anteil am Gesamtwohnungsbestand nur bei ca. 20 % liegt.

Selbst der Instandsetzungsbedarf mit hoher Dringlichkeit übertrifft mit 39,7 Mrd. DM die tatsächlich für Instandsetzung und Modernisierung insgesamt in Ostdeutschland verbaute Summe von 13,9 Mrd. DM um ein Mehrfaches. Hierbei ist als besonders alarmierend das Untersuchungsergebnis zu bewerten, dass dieser - deutlich zu geringe - Mittelaufwand nicht etwa den besonders vom Verfall bedrohten, häufig stadtbildprägenden Altbauten der Baujahre vor 1918 zugute kommt, sondern im Gegenteil die besser erhaltenen, neueren Wohnungen bevorzugt modernisiert werden, da dies kostengünstiger möglich ist.

Neben den Wohnbauten sind die Baubestände des Bundes, der Länder und der Gemeinden sowie der Bestand an Baudenkmälern von allgemeinem Interesse. Dieser Teil des Hochbaubestandes war daher ebenfalls Gegenstand des 3. Bauschadensberichtes.

Die Untersuchungen ergaben eine generell unbefriedigende Datenlage: über globale Gesamtzahlen hinaus - ca. 11 % des Brutto-Bau- Anlagevermögens der alten Bundesländer befindet sich in öffentlicher Hand, die Anzahl der Baudenkmäler in Gesamtdeutschland wird auf 1,3 Mio. geschätzt - werden keine genauen Statistiken zur Struktur dieses wichtigen Baubestandes geführt. Daher liegen
entsprechend - von vereinzelten Ausnahmen abgesehen - keine verlässlichen Daten zum Instandsetzungsbedarf und dessen Dringlichkeit vor.

Vermeidbare Bauschäden

Zu den vermeidbaren Bauschäden im Sinne des 1. und 2. Bauschadensberichtes liegen z.Zt. verlässliche Globaluntersuchungen nicht vor. Sie können daher nur auf der Grundlage von Hochrechnungen ermittelt werden. Die durch Fehler bei der Planung, Ausführung und Materialherstellung verursachten vermeidbaren Schadenskosten bei Hochbauleistungen werden auf ca. 6,7 Mrd. DM geschätzt, wovon rund die Hälfte, nämlich 3,3 Mrd. DM, auf Fehlleistungen bei Instandsetzungen und Modernisierungen entfallen. Angesichts der dringend benötigten Mittel zur Erhaltung des Gesamtbaubestandes muss weiterhin an einer deutlichen Senkung dieser für die Volkswirtschaft unproduktiven Kosten gearbeitet werden.


2.6
Vermeidbare Bauschäden an Hochbauleistungen

Zu Bauschäden im engeren Sinne, wie sie im ersten Bauschadensbericht ausschließlich behandelt worden sind, wurden in den letzten Jahren zwar Globaluntersuchungen zur zeitlichen Schadensverteilung und zu Schäden bei Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Statistisch verlässliche Globaluntersuchungen zur Schadensverteilung und zu den Schadenskosten bei Neubaumaßnahmen wurden jedoch nicht durchgeführt, da aufgrund der geringen zur Verfügung stehenden Forschungsmittel der Schwerpunkt auf dringliche Einzeluntersuchungen gelegt wurde.

Grobe Schätzwerte bei den Schadenskosten bei Neubauten sind daher nur auf der Grundlage der Hochrechnungen älterer Untersuchungen möglich (diese Hochrechnungen berücksichtigen dabei die jeweiligen jährlichen Gebäudefertigstellungen und die zeitliche Schadensverteilung über die Standzeit der einzelnen Altersklassen).

Demnach können die vermeidbaren Bauschäden bei Neubaumaßnahmen für 1992 auf 3,4 Mrd. DM geschätzt werden.



Die zeitliche Verteilung von Neubauschäden lässt erkennen, dass ca. 80 % aller Schadensfälle während der ersten 5 Jahre der Standzeit auftreten, wobei fast 2/3 aller Schadensfälle (65 %) in den ersten beiden Jahren nach Baufertigstellung beobachtet werden.

Diese globale Schadensverteilung kann in Bezug auf einzelne Bauteile und Gewerke deutlich abweichen. So tritt (s. Abb. 2.17) z.B. bei Flachdächern oder Betonarbeiten ein sehr großer Anteil der Schäden auch noch nach 8 - 12 Jahren Standzeit auf, während andererseits, z.B. bei Zementestrichen oder geneigten Dächern, mehr als 90 % der Schäden in den ersten beiden Jahren der Standzeit beobachtet werden.

Die Untersuchungen zeigen, dass Mängel in der Mehrzahl während der fünfjährigen Gewährleistungsfrist gemäß BGB bzw. der zweijährigen Regelfrist nach § 13 Nr. 4 VOB/B erkennbar werden.

Es gibt jedoch auch Gewerke, bei denen verlängerte Gewährleistungsfristen zu empfehlen sind, weil eventuelle Mängel häufig erst nach fünf bzw. zwei Jahren erkannt werden, erhebliche Folgeschäden auftreten und der Aufwand für die Mängelbehebung beträchtlich ist.

Diese Fälle sind in § 13 Nr. 2 VOB/A bereits ausdrücklich angesprochen, danach können längere Gewährleistungsfristen vereinbart werden, wenn dies von der Sache her gerechtfertigt ist.

Alle bisher vorliegenden Einzeluntersuchungen zeigen, dass ein großer Anteil von vermeidbaren Schäden auch bei Bauleistungen im Bestand (Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten) auftreten.

Zirka 37 % aller Schäden bei Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten wurden bei Außenwänden, ca. 33 % bei Dächern und Balkonen und ca. 16 % bei Bauteilen im Erdreich beobachtet.

Wie aus Abbildung 2.18 ersichtlich, weicht die Schadensverteilung bei Arbeiten im Bestand nicht wesentlich von der Schadensverteilung bei Neubauten ab. Der höhere Prozentsatz von Schäden an Außenwänden bei Sanierungen ist im wesentlichen auf Schimmelpilzbefall nach Fensteraustausch zurückzuführen.

Schäden an Dächern und Balkonen entstehen sowohl durch mangelhafte Flachdachsanierungen als auch durch nicht fachgerechten nachträglichen Ausbau von geneigten Dächern. Die deutlich höheren Schäden an Fußböden im Neubaubereich sind in der Regel Schäden des schwimmenden Estrichs, der im Altbau in wesentlich geringerem Umfang verwendet wird.

Geht man davon aus, dass nach allen vorliegenden Untersuchungen der Schadensumfang bei Arbeiten in bestehenden Gebäuden mindestens ebenso groß wie bei Neubauten ist, so kann der Aufwand für die Nachbesserung vermeidbarer Bauschäden bei Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen für die BRD auf rund 3,3 Mrd. DM im Jahr 1992 geschätzt werden.

Bei geschätzten Schadenskosten an Neubauten von rund 3,4 Mrd. DM im Jahr 1992 (Abb. 2.16) summieren sich die

Schäden an Hochbauleistungen für 1992 auf insgesamt ca. 6,7 Milliarden DM

Angesichts der dringend benötigten Mittel zur Erhaltung des Gesamtbaubestandes muß weiterhin an einer deutlichen Senkung dieser für die Volkswirtschaft unproduktiven Kosten gearbeitet werden.


Interessant, auch wenn es mit Murks und Pfusch nichts zu tun hat, sind die folgenden Daten. Man hat im Zeitraum 1985 bis 1993 gemessene Werte der Luftbelastung ausgewertet. Erfreulich der Rückgang der meisten Schadstoffe, erstaunlich die "Entwicklung" beim Kohlendioxid.


Und zum Abschluss dieses kleinen, aber höchstinteressanten Exkurses noch dies:

3.2 Einzeldarstellung der Vorschläge und der darauf erfolgten Reaktionen

Der 2. Bauschadensbericht enthielt zahlreiche Vorschläge zur Verringerung von Bauschäden. Institutionen und Verbände wurden benannt und zur Umsetzung dieser Anregungen aufgefordert. Gemäß Bundestagsbeschluss hat der 3. Bauschadensbericht auf den Erfolg bisher eingeleiteter Maßnahmen einzugehen.

Bei den Vorschlägen des 2. Bauschadensberichts handelt es sich im wesentlichen um Appelle an verschiedene gesellschaftliche Gruppen. Der Erfolg ist daher völlig von der Bereitschaft des jeweiligen Ansprechpartners zur Mitarbeit abhängig.

3.2.1 Baufachlicher Rat für Bauherren muss verbessert werden.

Im 2. Bauschadensbericht wurde gefordert, dass baufachlicher Rat besser beachtet werden muss. Baufachleute wurden aufgefordert, Hinweise für Bauherren zu erarbeiten, um Schäden durch schadensträchtige Forderungen oder unsachgemäßes Verhalten von Auftraggebern zu verringern.

  • Die Architektenschaft ist über die originäre Aufgabe der Einzelberatung hinaus nur zögernd dieser Aufforderung nachgekommen; die Architektenkammern in NRW und Bremen haben Hinweise und Merkblätter für Bauherren erarbeitet.
  • Der Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung e.V., Bonn, bietet Informationsmaterial zum Thema "Modernisierung und Instandsetzung" an und berät Architekten, Ingenieure, Hauseigentümer, Hauskäufer oder Handwerker.
  • Die Interessenvertretungen von Eigentümern und Mietern beschränken sich in der Hauptsache auf juristische Hilfestellungen.
  • Die Verbraucherverbände bieten Informationsmaterial zu den Themen „Bauen“, „Kaufen“ und „Wohnen“ an. Baufachlicher Rat im hier gemeinten Sinn steht nicht im Mittelpunkt dieser Informationen.
  • Die übrigen Fachverbände haben eine Vielzahl von Richtlinien und Merkblättern erarbeitet, die im wesentlichen technischen Inhalts sind. Die Aufklärung des Bauherren wird nur am Rande angesprochen.

Zu diesem Punkt besteht daher insgesamt weiter erheblicher Handlungsbedarf.

Ich habe den Bericht 2001 gelesen und den Hinweis meiner lieben Bundesregierung
"Baufachlicher Rat für Bauherren muss verbessert werden"
habe ich wie folgt umgesetzt:
  • ich berate Bauherren (wie tausende Ingenieure und Architekten auch)
  • ich habe am 01.07.2001 "www.DIMaGB.de - Informationen für Bauherren" als Internet-Projekt gestartet
  • ich habe im Januar 2002 das BauherrenForum aktiviert, wo kostenlos Ratschläge erteilt werden
  • ich habe im April 2002 mit dieser Murks-und-Pfusch-Seite eine Sammlung von Internetseiten zum Thema Baumurks / Pfusch am Bau aufgebaut, vielleicht entwickelt sich ein Netzwerk daraus
  • ich habe im Juli 2002 ein höheres Service-Pack beim Hosting Provider bestellt, um dem gestiegenen Transfervolumen Rechnung zu tragen
  • ich unterstütze seit 05.2002 die Bauherrenberatung von IBASOLAR

Dazu möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich nicht zur "Architektenschaft" zähle. Ich bin "nur" Bauingenieur und somit auch "Planer", aber dieser Terminus ist in Deutschland nicht so verbreitet,


Dass uns "Initiativen" weiterhelfen, bezweifle ich. Deshalb habe ich mit einem offenen Brief an die Bundesingenieurkammer (E-Mail vom 27. mai 2002, 11:17) angefragt:

"Wozu soll das gut sein? Ein offener Brief."

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,  

über 10 Jahre nach Wende und Vereinigung ist die Zeit der Losungen und Initiativen noch nicht vorbei. Anlässlich der Berliner Energietage erfuhr ich von der Initiative kostengünstig qualitätsbewusst Bauen.

Zwar habe ich die Broschüre zu Zielen, Inhalten und Partnern gelesen, jedoch ist mir einfach nicht klar geworden, wozu das Ganze gut sein soll.   Zwar ist eine soziale Komponente nicht zu leugnen, immerhin werden Arbeitsplätze mit dem Kompetenzzentrum im IEMB geschaffen bzw. erhalten.  

Jedoch empfinde ich es als falsch, dass die Bundesingenieurkammer als Partner mitmacht. Ist der Grund, weil "alle" mitmachen?   Ich empfinde es angesichts der Zielstellung, kostengünstig und qualitätsbewusst zu bauen als völlig falsch, dass die BIK Partner ist.  

M.E. hätte ein Verweis auf die HOAI völlig genügt, gemäß derer ein kostengünstiger und qualitäts- bewusster Planungs- und Bauprozess originäres Anliegen - auch im Sinne des Verbraucherschutzes - ist.  

Die BIK hätte darauf hinweisen müssen, dass das Gros der Ingenieure und Architekten vg. Zielstellung als Inhalt ihrer Berufsausübung betrachtet und dass das Fahrrad nicht neu erfunden werden muss.  

Soll sich doch der um kostengünstiges und qualitäts- bewusstes Bauen bemühen, der es bislang nicht ver- mocht hat. Das hätte die Position der BIK sein müssen.  

Wer Förderungen und Zulagen reduziert, durch Deregulierung dem Murks & Pfusch Tür und Tor öffnet, zum Teil laut über die Abschaffung der HOAI nachdenkt und im übrigen zusieht, wie infolge staatlich begünstigter Flaute ein als "Marktbereinigung" bezeichnetes Unter- nehmen- und Bürosterben stattfindet, verdient mit solchen scheinheiligen Initiativen keine Unterstützung durch die Kammer.  

Ausserdem graben solche Initiativen den Ingenieuren und Architekten noch mehr das Wasser ab. Zwar wird seitens des "Kompetenzzentrums" betont, dass 1. keine Rechtsberatung 2. keine Beratung im Sinne der LPh §15 erfolgt, aber wie soll das in der Praxis funktionieren?  

Der Bauherr an sich hat recht konkrete Vorstellungen, Probleme und Fragestellungen, da wird wohl mit einer unkonkreten (sprich: neutralen) Beratung kaum eine Erwartungshaltung bedient.  

Davon abgesehen gibt es tausende Ingenieure und Architekten, die sehr wohl in der Lage sind, kosten- und qualitätsbewusst, umweltgerecht, und innovativ zu beraten und zu planen.  

Daher meine Frage: wozu soll das gut sein?  

Mit freundlichen Grüssen
M. Bumann

Dipl.-Ing. Matthias G. Bumann
Bauleitung, Bauplanung, Bauherrenberatung
Königsseestr. 12, 12527 Berlin
Tel. +49-30- 67 48 97 27

Bis jetzt hatten die sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen noch keine Zeit für eine Antwort, aber kommt Zeit, kommt Antwort (oder eben nicht). Auch die Baukammer Berlin hatte noch keine Zeit darauf einzugehen, aber ich bleibe optimistisch. Panta rhei.

Wollen Sie sich dazu äußern? Bitte hier klicken: Hier gelangen Sie zur Kontaktseite mit Adresse und E-Mail. Teilen Sie uns Ihre Meinung mit.

15 Milliarden Euro durch Fehler

"Berechnungsfehler, nicht eingehaltene Vereinbarungen, unzureichende oder falsche Kommunikation - Fehlerquellen am Bau lauern an allen Ecken und Enden - und das kann teuer werden. Kein geringes Ärgernis für die Unternehmen, wie eine Umfrage von BauInfoConsult zeigt: Architekten schätzen den Anteil der Fehlerkosten am Jahresumsatz durchschnittlich auf 11 Prozent ein, SHK-Installateure auf 13 Prozent und Bauunternehmer sogar auf 15 Prozent. Allein auf den statistisch erfassten Gesamtumsatz im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe 2008 von rund 117 Milliarden Euro bezogen, entspräche das einem unnötigen Kostenanteil von 15,3 Milliarden."

BauInfoConsult, 07.05.2009

 

Foto links:
Die Treppe war völlig hinüber, so dass der Tischler eine neue anfertigen sollte. Von weitem wirkt das hier ja noch ganz harmlos. Die riesigen Fugen waren mir unverständlich; das Gefühl beim Drüberlaufen kann ein Foto schlecht wiedergeben.

 

Foto rechts:
Neugierig wie man nun mal so ist als Bauleiter (oder ist das Misstrauen?) habe ich die Stufen herunternehmen lassen, um mal die Unterkonstruktion beurteilen zu können.

Ich muss zugeben, solch herrlich filigrane und kunstvoll durchgestaltete Wangen habe ich zuvor nicht gesehen. Als Treppe habe ich dem Tischler dieses schöne Gebilde allerdings nicht abgekauft.

Das ist kein Vexierbild, der Fensterrahmen ist tatsächlich völlig verzogen, dass man es mit blossem Auge deutlich erkennt, sogar auf diesem kleinen Foto.

Optische Beeinträchtigung oder Mangel? das ist hier die Frage. Wobei, wenn man das Blatt herumschlägt, ist das Loch in der Wand zu - was will man mehr? Eine überarbeitete, durchreparierte sowie gang-und schliessbar gemachte Bestandstür habe ich aber schon anders gesehen. Deshalb entschloss ich mich, die unter Murks einzuordnen.

Die Drückerhöhe liegt nach DIN 18101 bei 1,05 m über OFF (DIN 18101 Seite 2: 1050 (DH). Hier hat man den Drücker bei +93 cm platziert. Harmlos. Aber interessant wäre gewesen, zu erfahren, wie man das technisch umsetzt.

Das Ding mit der Fensterbank

Was hier noch recht harmlos aussieht, soll noch interessant werden. Das Problem besteht weniger in der Acryl-Schmiererei, als im verdacht, dass gemurkst wurde und die Fensterbank irgendwie hohl liegt (Bild links).

Sie liess sich dann auch recht leicht hochziehen. So wie links, sah es rechts auch aus (Bilder unten.)

Dann habe ich den ganzen Krempel runtergenommen und so ist die ganze traurige Wahrheit zutage getreten (Bild links).

Das Bild noch mal im Detail (links und rechts), ein Vertrauen erweckender Anschluss (Bilder unten).

Das ist nicht die Bescherung zu Weihnachten, sondern die schöne Bescherung einer pfuschmässig eingebauten Fensterbank. Das Rezept: statt Mörtel nehme man: Holz- und Kunststoffkeile, Gips, Acryl - alles gut gemischt und reingekleistert. Wohl bekomm´s.



Bild oben: ein Klassiker, ob Rohre aus Kupfer oder Zink, man nimmt entweder keine oder die falsche Grundierung. Alternativ nimmt man Lack, der nicht hitzebeständig ist. Abblättern garantiert.

Bild rechts: so sieht es im "voll sanierten" Altbau aus, wenn hektisch nach Kabel und Verteilerdose gesucht wurde. Eigentlich sollte ja nur ein Telefon angeschlossen werden. Was man hier nicht mehr sieht: Gipsputz bis 5,0 cm stark.


Zur Situation: bei einer Wohnanlage, irgendwo in B., zeichnen sich an Decken des DG Wasserflecken ab. Zum Glück noch vor Ablauf der 5-jährigen Gewährleistungsfrist. Aber was ist die Ursache? Undichtigkeiten am bituminös abgedichteten Flachdach oder etwa Schwitzwasserbildung?


Wir schauen auf eine Küchendecke: links das Dunstabzugsrohr, rechts der
Leuchtenauslass (Haken und Lüsterklemme). Was hier noch nach relativ
harmlosen Wasserflecken aussieht, wird sich als böse Überraschung ent-
puppen.


Die Gipskartonplatte der Decke wurde aufgeschnitten. Man erkennt abge-
trocknete Wasserflecken unter der Dämmung auf der Dampfsperre. Es
hatten sich regelrechte Pfützen gebildet.


Im Bereich des Dunstrohres wurde einfach die Dampfsperre ausgeschnit-
ten, anstatt sie dicht an das Rohr anzuschließen. Hier kann die warme und
feuchte Luft ungehindert in den Dachaufbau eindringen.


Dasselbe noch mal mit Zoom. An der Rohrdurchführung im Gipskarton er-
kennt man, dass zumindest die GK-Platte ordentlich an das Rohr angear-
beitet wurde. Kann dann die Dampfsperre nachträglich aufgeschnitten wor-
den sein, wie es der Trockenbauer behauptet?


Die Dämmung wurde entfernt, man blickt auf die Untersicht der Dach-
schalung.


Dasselbe noch mal mit Zoom. Hier sieht man den Schimmel am Holz sehr
deutlich. Nicht so gut erkennt man auf dem Foto das Schwitzwasser, das
aber reichlich vorhanden ist.


Der Wandaufbau im DG besteht außen aus Pericolor-Platten. Darunter ist
eine Kantholz- Rahmenkonstruktion mit Dämmung und Dampfsperre, weiter-
hin Tischlerplatten und GK-Beplankung. Das Blech oben bildet den Dach-
randabschluss.


Hier erkennt man den geplanten Aufbau: GK-Platte, Dampfsperre, 16 cm
Wärmedämmung, 4 cm Luftspalt, Dachschalung, Flachdachabdichtung. Es
handelt sich aber nicht um eine hinterlüftete Konstruktion. Auch hier ein Bau-
fehler: zwischen GK-Platte und Dampfsperre besteht ein relativ großer
Luftzwischenraum, der bauphysikalisch ganz und gar nicht erwünscht ist.

Fazit
: Löcher in der Dampfsperre erzeugen garantiert Schwitzwasserbildung im Dachraum. Es ist also (in diesem Fall!) nicht nur dummes Gerede, wenn man von einem dichten Bau predigt.

An diesem Bau waren natürlich "Fachunternehmen" beteiligt und die Bauleitung hatte das große Büro R. aus B. Das sagt uns mal wieder: groß muss nicht gut bedeuten. Entweder war der Bauleiter blind, nie auf dem Bau oder die Abnahmen wurden in der Kneipe durchgeführt.

Und man muss bedenken, dass die Ausführung der Trockenbauarbeiten noch in der Zeit erfolgte, als für die Trockenbauarbeiten eine Konzession erforderlich war. Heutzutage darf sich jeder ungestraft Trockenbauer nennen, der schon mal neben einem Stapel GK-Platten gestanden hat. Prost Mahlzeit.

Sie halten das für ein starkes Stück? Na, es kommt noch dicker: Fortsetzung folgt.
Nämlich hier unten. Die Bilder habe ich wegen der Ladezeiten etwas ausgekoppelt.


Blower Door mit 8,1 und noch mehr Murks und Pfusch was vorher kam

Soweit zum Sachverhalt, wie sich vermutete Mängel darstellten. Nun ist es ja so, dass man während der Gewährleistungsphase bauherrenseitig in der Beweispflicht ist. Interessant war hierbei das Zusammenwirken verschiedener Gewerke:

  • Holzbau/Zimmerer: Errichtung des Dachtragwerks des DG mit Kantholz-Rahmen und Sparren
  • Dachdecker: Flachdachabdichtung auf bauseitiger Schalung, Eindichtung der Rohrdurchführungen
  • Sanitär: Entlüftungsrohr der Küche durch den Decken- und Dachaufbau
  • Trockenbau. Wärmedämmung, Dampfsperre und GK-Beplankung von Wänden und Decken

und nicht zu vergessen:

  • die Vorleistungen vom Planer und
  • die Koordinierung und Überwachung durch die Bauleitung

Zum Verständnis, der Aufbau sah so aus:

  • Folienabdichtung mit Vlieskaschierung (Alwitra Dachbahn, PVC-frei)
  • Spundschalung 25,5/135 mm
  • Holzsparren 10/20
  • 16 cm mineralische Dämmung zwischen den Sparren
  • Dampfsperre PE-Folie 0,2 mm
  • Holzlattung 24/48 mm
  • Gipskartonplatten 12,5 mm

Natürlich wäre ich in der Lage gewesen, die Dokumentation für ein selbständiges Beweissicherungsverfahren aufzustellen. Aber gefordert war mehr als nur eine gutachterliche Feststellung, es sollte eine konkrete Zuordnung der Verantwortlichkeiten einschl. einer Quotierung erfolgen. Deshalb wurde ein Dritter einbezogen und mit einem Gutachten beauftragt. Die Gefahr wurde somit ausgeschlossen, dass dem Gutachter (der ja bislang mit dem Bau nichts zu tun hatte) mangelnde Objektivität oder gar Befangenheit hätte vorgeworfen werden können. Hätte ich das erstellt, wäre ja die Quotierung letztendlich doch wieder vom Bauherrn gekommen.

Beauftragt mit dem Gutachten wurde das große, bedeutende Büro R. aus B. Das Ergebnis möchte ich nur knapp umreißen (wegen des Copyrights): als Anlage Planausschnitte (hatte ich zur Verfügung gestellt) und Fotos (inhaltlich nicht anders als oben zu sehen), sachliche Bezugnahme auf WSVO und DIN 4108.

Folgende Mängel wurden festgestellt:

  • Luftschicht zwischen Wärmedämmung und Dampfsperre
  • Dampfsperre nicht luft- und dampfdicht angeschlossen (nur eine mechanische Befestigung an den Randhölzern, kein Einsatz von Butylkautschukbändern)
  • keine dichte Verklebung der Stöße der Dampfsperre
  • kein Anschluss der Dampfsperre am Dunstabzugsrohr
  • Dampfsperre vom Haken der Deckenleuchte durchbohrt
  • Fehlstellen an den Verschweißungen der Dachabdichtung

Bei der Ermittlung der Schadensquote waren Planer, Bauleitung und ausführende Trockenbaufirma dabei. Begründung war anbei, eine Blower-Door-Messung wurde empfohlen.

Viel war ja nun nicht mehr zu verderben, so dass ich erst mal die Decke freilegen ließ. Das hätte zwar auch der Gutachter veranlassen könne, aber das wurde wohl nicht als nötig erachtet. Ein Büro für die Messung zu finden war nicht sonderlich schwer, auch hier gilt wieder: die Welt ist klein.

So sieht das Diagramm zu den Messergebnissen der Blower Door Messung aus (i.O. A4). Die Beschriftung erfolgt so: oben das Bauvorhaben, links Volumenstrom durch die Gebäudehülle V [m3/h], unten Druckdifferenz Gebäudehülle delta p [Pa]. In der Grafik ausgedruckt sind:
  • Volumenstrom Unterdruck
  • Volumenstrom Überdruck
  • Regressionsgerade Unterdruck
  • Regressionsgerade Überdruck
  • Volumenstrom (gemittelt) bei 50 Pa

Die Anlage zum Messprotokoll enthält eine Berechnung der Nettoflächen und des Raumvolumens. Hier waren es rd. 65 qm und rd. 175 cbm.

Um überhaupt messen zu können, habe ich vorher die offenen Stellen abgeklebt (war das mühsam, versuchen Sie mal, ein Loch zuzukleben); das Anemometer zeigte dann, dass meine Abklebungen mit die dichtesten Stellen waren.
Das interessanteste kommt jetzt: Im Ergebnis der Messung gibt es natürlich auch ein Messprotokoll und ein Zertifikat. Oben haben wir das Volumen stehen und wir kennen die Volumenströme bei Unter- und bei Überdruck. Zertifikat
über die Qualität der luftdichten Gebäudehülle

Das Gebäude: xyz
hat bei der Drucktestmessung am xx.xx.2001 folgenden wert
für die volumenbezogene Luftdurchlässigkeit erzielt:

n 50 = 8,1 [1/h]

Die Messungen erfolgten in Anlehnung an
DIN EN 13829 und der
empfohlene Grenzwert der Luftdurchlässigkeit
nach DIN V 4708 - 7 beträgt
</= 3 für Gebäude mit Fensterlüftung.
Da hat es mich fast umgehauen,
da ist ja ne Hängematte luftdichter!
Wo ja nun alles zu spät war, habe ich
dann auch noch Teile der Wand-
beplankungen abreißen lassen.
Ich gehe davon aus, dass auch der Laie erkennt, dass man selbst beim besten Willen nicht an einen dichten Anschluss und Übergang der Dampfsperre im Bereich Wand-Decke glauben kann.
So, ab jetzt etwas größer, damit Sie die Details erkennen. Von der Wandfläche kommt exakt keine Dampfsperre nach oben (warum? es gibt keine) und die Dampfsperre der Deckenfläche endet im Nirgendwo und alles andere als luft- und dampfdicht.
Nun soll ja keiner sagen, es wären keine Klebebänder eingesetzt worden! Wahrscheinlich war dieser Viertelquadratmeter die Stelle, wo damals der Bauleiter die Dampfsperre abgenommen hat.
Was sehen wir rechts über dem Fenster? Den allseits beliebten Bauschaum. Was der Gipsklops hinter der GK-Platte soll, werden Sie gleich sehen.
Dieses schöne Detail befindet sich unterhalb der Fensterbank. Was Sie da an Folie sehen, ist aber keine Dampfsperre. Nicht nur, weil sie durchlöchert ist, sondern weil sie viel zu dünn ist.
Auch der ungeübte Laie erkennt mit Adlerblick: hier fehlen sowohl die Wärme-Dämmung als auch die Dampfsperre. Das hat man nun von seiner Neugier: lauter Mängel, Murks und Pfusch!
Zum Abschluss noch ein herrliches Bild: man erkennt eine Zimmerecke mit dem rechten oberen Stück vom Fensterrahmen. Rechts die ganze Soße gezoomt. Ein Bildhauer würde vor Neid erblassen, wie schön hier mit Gips modelliert wurde. Dämmt zwar nicht, aber es geht schneller. Geschwindigkeit am bau ist keine Hexerei, hat aber allemal was mit Murks und Pfusch zu tun.

Nun wollen Sie bestimmt wissen, wie die Sache zu Ende gegangen ist?
Ich verrate es Ihnen: mit diesem Abschiedsbrief.

Sehr geehrter Herr R.,

ich nehme Bezug auf meine Schreiben vom xx.xx.2001 und vom xx.xx.2001. das Gutachten vom Büro R. vom xx.xx.2001 liegt Ihnen vor, über das Ergebnis der Blower-Door-Messung vom xx.xx.2001 hatte ich Sie informiert. Am xx.xx.2001 waren Sie vor Ort zugegen, als die Decke bereits geöffnet war und ich die Wand freilegen ließ.

Am xx.xx.2001 wurde festgestellt, dass in der Wohnung xyz rechts im Außenwandaufbau sowohl Wärmedämmung teilweise als auch die Dampfsperre komplett fehlen.

Ihr Hinweis, dass dies von Fa. W. ausgeführt worden sei, führte ins Leere. Deshalb habe ich die Bauunterlagen prüfen müssen, um Ihre falsche Behauptung widerlegen zu können. Das Ergebnis:
Beauftragt waren u.a.:
· Pos. 15.4.1 Dämmung Außenwand (MiWo 12 cm)
· Pos. 15.2.14 Außenwände (GK-Platten 12,5 mm incl. Dampfsperre)

Dass die Dämmung teilweise und die Dampfsperre vollständig fehlen, ist somit auf Ihre Fehlleistung zurückzuführen. Ihr falscher Hinweis hat somit nicht zur Sache beigetragen, sondern nur wertvolle Zeit gekostet.

Ich präzisiere hiermit meine Mängelanzeige und Aufforderung zur Beseitigung dahingehend, dass ich sie auf die von ihnen ausgeführten Wandbereiche erweitere.

... Fristsetzungen ...

Nunmehr ist lückenlos nachgewiesen, dass Sie allein die Mängel zu vertreten haben und dass der Umfang größer ist, als bisher angenommen. Die gesetzten Fristen zur Mängelbeseitigung haben Sie fruchtlos verstreichen lassen. ...

Sollten Sie jedoch nicht am xx.xx.2001 9.00 Uhr mit den Arbeiten beginnen und/oder ausreichend Kräfte und Mittel bereitstellen, so dass am selben Tage die Arbeiten in der WE xyz abgeschlossen werden können, wird per xx.xx.2001 die Ersatzvornahme zu Ende geführt.

Mit freundlichen Grüßen

Man sah ihn nie wieder.
Das bedeutet: ich habe den Scherbenhaufen mithilfe des Sicherheitseinbehaltes beseitigt.
Es gibt besseres, als im Nachhinein den Dreck anderer wegzuräumen.

Übrigens: wenn Sie ne gute Trockenbaufirma benötigen, ich kenne da welche.
Aber seien Sie schön nett zu mir, sonst schicke ich Ihnen Firma R. aus B.

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Auf dieser Seite:
(nennen wir sie ruhig mal die Bäcker-und-Friseure-Seite
nach dem Lesen verstehen Sie, warum das zutrifft)


Bauen ohne Statik
Kein Einzelfall
Das Bauen ohne statische Berechnungen offenbart ernste Sicherheitskonsequenzen

Im vereinfachten Genehmigungsverfahren wird eine ordentliche Statik immer seltener. Stellvertretend für viele Beispiele bringen wir deshalb nachfolgend ein authentisches Beispiel aus der Praxis eines Beratenden Ingenieurs und seine Gedanken darüber, wie man das allmählich immer deutlicher werdende Sicherheitsproblem bei der Freistellung von der Genehmigung lösen könnte.
Vor längerer Zeit beauftragte mich ein Bauträger, für ein 9-Familienwohnhaus im vereinfachten Genehmigungsverfahren eine Statik für den Dachstuhl anzufertigen. Da ich diese Statik nur erbringen wollte, wenn ich den Lastabtrag bis in die Fundamente nachweisen kann, erhielt ich den Auftrag für die gesamte Gebäudestatik.
Problem war nur, dass das Gebäude bis zur Decke des Dachgeschosses bereits fertig erstellt war und außer den Elementdeckenplänen mit skizzenhafter oberer Bewehrungsangabe keinerlei Angaben über die Ausführung vorlagen. Das Gebäude (KG-EG-OG-DG) hatte Deckenstützweiten von bis zu 6,25 m, jedoch waren die tragenden Wände KG zu EG teils um mehr als 2 m versetzt. Im Keller waren aber keine Unterzüge eingebaut. Auch in den Deckenzeichnungen des Elementdeckenherstellers gab es ein keinerlei Hinweise auf diese Problematik. Die Kellerdecke war so gezeichnet, als ob sie nur durch die Flächenlast aus Eigengewicht und Verkehr belastet sei.
Es ist klar, dass infolge dieser gravierenden Mängel umfangreiche Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden mussten, jedoch die Gefahr der starken Rissbildung in den Mauerwerkswänden wegen der Nichtberücksichtigung der Durchbiegung der langen Deckenfelder nicht gemindert werden konnte.

Das Bauen ohne statische Berechnung ist keine Seltenheit

Man könnte einwenden, dies sei nur ein extremer Ausnahmefall. Doch zeigte sich, dass dieses Bauen ohne statische Berechnung kein Einzelfall, sondern eher der Regelfall ist, und, falls es eine Statik gibt, die Ausführung zumeist nichts mit dieser zu tun hat, da es häufig an Ausführungsplänen für die Baustelle mangelt.
Da werden Dachstuhllasten mit 7 to direkt auf eine 18 cm starke Decke eingeleitet, ohne dass auch nur eine Zulage vorhanden ist, über 5 m weit tragende Pfetten direkt auf Rollokästen aus Styropor aufgelagert, Kehlbalken an der Pfette mit angenagelten Dachlatten und Ausklinkung angeschlossen. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzten. Praktisch gibt es für die meisten Gebäude, die von der Prüfstatik freigestellt sind, keine statischen Berechnungen oder Ausführungspläne.
Die Folgen dieser Entwicklung sind deutlich zu erkennen. Der größte Umsatz im Bauwesen liegt gerade innerhalb der genehmigungsfreien Rauten. Werden für diese Gebäude keine Statiken erstellt, fehlt dieses Auftragsvolumen in den Ingenieurbüros. Über deutliche Mehrarbeit "beklagen" sich andererseits die Baugutachter, die die Flut von Bauschäden kaum bewältigen können. Insgesamt leidet aber der gesamte Berufsstand, da der Begriff ,,Pfusch am Bau" sich auf alle am Bau tätigen bezieht.

Die Baugutachter "beklagen" sich über die Flut immer neuer Bauschäden

Zuletzt wird durch dieses deutlich reduzierte Auftragsvolumen in den Büros, verbunden mit Überkapazitäten und gesteigerter Produktivität, die Honorarordnung immer weiter unterschritten. In Teilbereichen liegen die Honorare bei nur noch 25 Prozent der Honorarordung (von-Satz gerechnet), wobei die Nebenkosten inclusive sind.
Völlig unverständlich ist auf diesem Hintergrund die Normenentwicklung. Einerseits wird immer weniger Statik erstellt, andererseits wird im Zuge der EU-Normung der Aufwand für die Erstellung der statischen Berechnung deutlich erhöht, beziehungsweise eine Erstellung ohne einschlägige Programme gar unmöglich.
Es bildet sich sozusagen eine Art Zweiklassensystem heraus: Einerseits unzureichende und unvollständige Statiken für den privaten Bereich, andererseits hoch komplizierte und umfassende Statiken für öffentliche Gebäude und größere Objekte.
Die Frage der Lösung des Problems ist komplex. Die Standsicherheit ist analog des Brand-, Wärme- und Schallschutzes eine öffentlich rechtliche Bauforderung. In der bayerischen Bauordnung wird sogar ein Bußgeld für den Fall der Nichtbeachtung dieser Vorschriften angedroht. Das Freistellungsverfahren legt zudem fest, dass vor Baubeginn diese vorgenannten Nachweise auf der Baustelle vorliegen zu haben. Die Lücke des Systems liegt aber in der Überwachung. Es wird weder bei der Baugenehmigung, noch laufend zum Bauvorhaben, noch bei der Schlussabnahme geprüft, ob derartige Unterlagen vorliegen.

Wer soll künftig statische Berechnungen aufstellen dürfen?

Das andere Problem ist, wer überhaupt berechtigt ist, eine statische Berechnung zu erstellen. Nach der bayerischen Bauordnung beispielsweise sind hierfür vom Ingenieur über Architekten auch Meister und Bautechniker befugt. Mit welchem Personal in den Elementdeckenwerken die "Deckenstatiken" erstellt werden, ist ein noch schwierigeres Feld (siehe das oben genannte Beispiel).
Letztlich schafft der Gesetztgeber durch fehlende Überwachung eine Art rechtsfreien Raum. Man könnte es mit dem Straßenverkehr beschreiben: Man stellt Schilder und Richtzeichen auf, bestraft aber nur diejenigen, bei denen durch einen Unfall ein Fehlverhalten nachzuweisen ist. Im Bauwesen stellt der entstandene Bauschaden den Unfall und der Gutachter den Polizist dar, der den Schuldigen ermittelt.
Im Endeffekt nimmt der Verordnungsgeber durch diese fehlende Überwachung im Bauwesen billigend die Schäden an Gebäuden bis hin zum Schaden an Leib und Leben der Bewohner in Kauf. Die Deregulierung bringt ein Mehr an Risiko und Schäden Die praktische Konsequenz dieser Deregulierungen ist also ein Mehr an Risiko für alle und ein weiterer Verfall der Gültigkeit von Normen und Verordnungen.
Es nützt aber nichts, Dinge nur zu beklagen, sondern es muss seitens der Ingenieure aktiv auf eine Änderung gedrängt werden. Vor allem muss dieses Problem in der Öffentlichkeit bewusst gemacht werden. Hier haben besonders die Ingenieurkammern eine besondere Verantwortung und Möglichkeit.
Ein denkbarer Lösungsansatz ist die Übernahme des baden-württembergischen Vorschriften. Dort wird nur mit Vorlage der statischen Berechnung bei der Behörde die Baugenehmigung erteilt. Ein anderer Ansatz wäre, dass die Erstellung der statischen Berechnung für Gebäude ohne Prüfstatik an die Mitgliedschaft in einer Kammer gebunden wäre. Diese wäre intern für die Einhaltung der Vorschriften und Einhaltung der Gebührenordnung zuständig. Statiken, die von anderer Seite erstellt sind, wären dann automatisch prüfpflichtig. Gleichermaßen müsste dann der Ersteller der Statik in der Baugenehmigung als auch zur Überprüfung im Bauschild mit Hinweis auf die Kammermitgliedschaft geführt werden.
Wie die Lösungsansätze auch aussehen mögen. Ohne Änderung der jetzigen Situation wird es in Zukunft schwer werden, einerseits eine freiberufliche Ingenieurtätigkeit, wie sie heute noch da ist, aufrechtzuerhalten und andererseits werden die Schäden an Bauwerken noch deutlicher zunehmen.

Quelle: DIB Deutsches IngenieurBlatt, März 2000, S. 53-55
Autor: Dipl.-Ing. Martin Hufnagel BI



„Mein Maurer hat gemeint ..."
WIE ES UM DIE HOAI-PRAXIS BEI GENEHMIGUNGSFREIEN BAUTEN STEHT


IN DEN MEISTEN BU NDESLÄNDERN sind Ein- und Zweifamilienhäuser von der Genehmigung freigestellt - mit nicht immer den Folgen, die der Gesetzgeber sich vorgestellt hat, als er daranging, das Genehmigungsverfahren zu deregulieren und zu entbürokratisieren.

So weit entfernt „wie der Mond von der Erde" sei die Diskussion über die Einhaltung der HOAI - so hat uns der Bauingenieur Alfred Dirr aus Weißenhorn in Bayern geschrieben. Seiner Ansicht nach müsse es - zumindest für solche Bauwerke, die dem Genehmigungsfreistellungsverfahren unterliegen - nicht um die Einhaltung der HOAI, sondern darum gehen, dass die Bauherren die Bauordnung einhalten. Warum er das meint, hat er mit einer Geschichte aus dem prallen Alltagsleben eines Bauingenieurs in einer Kleinstadt beschrieben.

Ich bin seit 1998 Mitglied in der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und habe die Berichte über den Statusbericht 2000plus mit großer Verwunderung gelesen. Die in diesen Berichten geäußerten Meinungen und Thesen sind von den Arbeitsbedingungen in der Praxis eines kleinen und mittleren Ingenieurbüros so weit entfernt wie der Mond von der Erde. Die Diskussion darf nicht heißen: „Schützt die HOAI!", sondern: „Zwingt den Bauherrn die Bauordnung einzuhalten"! Solange Bauherren von der Baubehörde nicht angehalten beziehungsweise kontrolliert werden, ob sie Art. 70 Abs. 4 (BayBo 96) erfüllen, ist die Diskussion über den Erhalt oder Wegfall der HOAI eine Farce.

Die landläufige Meinung unserer Bauherren (und auch vieler Kollegen der planenden Fakultät) ist: „Für sog. Ein- und Zweifamilienhäuser, also Bauvorhaben, die im Genehmigungsfreistellungsverfahren oder als Gebäude geringer Schwierigkeit genehmigt werden, braucht es weder einen Standsicherheits-, noch einen Wärmeschutz- noch einen Schallschutznachweis."

Von einem Nachweis der Feuerwiderstandsklassen hat unser Bauherr sowieso noch nie etwas gehört.
Mit dieser, von wem auch immer eingeimpften Meinung, kommt ein Bauwilliger in mein Statikbüro und sagt: „Ich bräuchte ja eigentlich keine Statik, aber mein Maurer hat gemeint, die Tragwand im EG stehe nicht über der im KG und der Garagentorsturz sei auch ziemlich weit gespannt." Ob ich ihm nicht schnell sagen könnte, wie dick denn die Decke werden müsste und wie viel Eisen er einlegen sollte.

Ich unterbreche seinen Redefluss und weise ihn auf Art. 70 Abs.4 (BayBO 96) hin und frage ihn, ob ihn denn sein Architekt im Hinblick auf die Statik usw. nicht aufgeklärt habe. Mit Verwunderung höre ich dann, dass unser Kollege zu seinem Bauherren gesagt habe, dass für Gebäude dieser Art keine Statik gebraucht werde.

Doch dann kommt die Krönung: Ich zücke die HOAI, überschlage kurz den umbauten Raum des Gebäudes, ermittle die Anrechenbare Kosten und lese aus Honorartafel zu § 65 HOAI (Mindestgebühr bei 69 Prozent Teilleistungen) 4.860 Euro ab und sage mit ruhiger Stimme: „Da kommen dann noch die Nebenkosten mit ca. 4 Prozent und die Mehrwertsteuer hinzu."

Und dann unterscheiden sich die Bauherren: Für die einen muss ich nun den Notarzt rufen, da sie in Ohnmacht gefallen sind, die anderen geben mir die Telefonnummer eines Psychiaters, da sie glauben, ich sei verrückt geworden. Wer soll so etwas auch begreifen? Für etwas, was er nach Meinung seines Architekten oder seiner Stammtischbrüder gar nicht braucht, soll er nun Brutto 5.832 Euro bezahlen.

Das Ergebnis unseres Gespräches ist, der Bauwillige verlässt kopfschüttelnd mein Büro. Ob er nun einen Kollegen findet, der seine Minimalforderung erfüllt, oder ob er sein Bauvorhaben ganz ohne Statik baut, entzieht sich dann meinem Wissen. Bei der Schilderung eines solchen Vorfalles bei unserem zuständigen Landratsamt bekam ich als Antwort: ich solle schriftlich eine Überprüfung dieser Baumaßnahme beantragen beziehungsweise anzeigen. Nebenbei bemerkt: Ich lebe in einer Kleinstadt mit 7500 Einwohnern, habe zwei schulpflichtige Kinder und mein PKW steht Tag und Nacht auf der Straße vor meinem Büro.

Dass die HOAI für Gebäude der öffentlichen Hand oder für Sonderbauten gebraucht beziehungsweise unabkömmlich ist, steht auch für mich außer Zweifel. Sollten jedoch Verbände und Politiker nicht schnellstens die Genehmigungsverfahren von Gebäuden geringer und mittleren Schwierigkeitsgraden modifizieren, sehe ich für uns kleinere im ländlichen Raum liegende Büros mehr als schwarz. Wir werden sterben. Unser Nachbar- bundesland Baden-Württemberg hat da meiner Meinung nach ein sehr probates Instrument eingeführt, nämlich das Kenntnisgabeverfahren. Ich meine, mit so einem kleinen DINA 4 Blatt könnte in Bezug auf Standsicherheitsnachweise sehr viel bewirkt werden.

Quelle:
DIB Deutsches IngenieurBlatt,
Juni 2003, S. 44+45
Autor: Bauing. Alfred Dirr



11.09.2001:
Balkon brach ab: Wer hat den Bau geprüft?
Prävention statt Nachsorge mit www.planersuche.de

München - Balkon brach ab: Wer hat den Bau geprüft? Mit dieser Überschrift betitelten die Nürnberger Nachrichten am 30.08.01 ihren Bericht über einen tragischen Unglücksfall bei dem drei Personen zum Teil erheblich verletzt wurden. Des Übels Ursache ist schnell ausgemacht: Fehlende Überwachung! Wo die Novelle der Bayerischen Bauordnung 1998 Kontrolle durch Vertrauen ersetzt habe, biete sie "Schwarzen Schafen" der Baubranche ein Einfallstor, stellt NN-Kommentator Siegfried Ruckdeschel fest.
Wer aber schützt Bauherren und Bewohner vor Pfusch am Bau? Wer wacht über die Sicherheit auf Baustellen? Wer berät unabhängig bei der sachgerechten Gebäudesanierung? Antworten auf diese und andere Fragen, findet man mit Hilfe der www.planersuche.de. Einer Expertendatenbank der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, die allen Interessierten kostenfrei zugänglich ist.

Die Datenbank ist jedoch nur Mittel zum Zweck. Bei der notwendigen Novellierung der Bayerischen Bauordnung muss der als Deregulierung bezeichnete Rückzug des Staates und die Verlagerung seiner Verantwortung auf den Bürger erneut mit dem Gemeinwohlinteresse und dem Verbraucherschutz abgewogen werden.

Quelle: Newsletter von www.ebis.at



Ingenieurverträge ohne Ingenieure?
Bauherren werden von Berfusausübungsregeln nicht geschützt

Überspitzt formuliert kann heute jedermann - also beispielsweise auch die in solchen Fällen so gern zitierten „Bäcker und Friseure" an der nächsten Straßenecke - Ingenieur- und Architektenleistungen anbieten und Anspruch auf ein HOAI-Honorar erheben. Dieser unmögliche Zustand liegt daran, dass zwar die Berufsbezeichnungen der Beratenden Ingenieure und der Architekten, nicht aber deren Berufsausübung gesetzlich geschützt sind. Was das für juristische Folgen haben kann, beschreibt der folgende Beitrag.

Die Berufsbezeichnung „Ingenieur" ist, genauso wie die Berufsbezeichnung „Architekt", eine geschützte Berufsbezeichnung. Durch 16 Ingenieurgesetze, zum Teil integriert in die Ingenieurkammergesetze und durch 16 Architektengesetze, schützen die Länder diese Berufsbezeichnungen. Definiert werden die Berufsbezeichnung „Ingenieur", „Beratender Ingenieur" und „Architekt" primär über einen Hochschulabschluss, zu dem bei Beratenden Ingenieuren und Architekten eine berufliche Praxis hinzutreten muss, in der Regel drei Jahre, um dem Publikum zu avisieren, sein Vertragspartner sei Beratender Ingenieur oder Architekt.

Diese im Interesse der Öffentlichkeit geschützten Berufsbezeichnungen "Ingenieur", „Beratender Ingenieur" und „Architekt" sind aber nicht verbunden mit echten Berufsausübungsregelungen. Lediglich die Ausübung bestimmter beruflicher Tätigkeiten unter den geschützten Berufsbezeichnungen ist geregelt - mehr nicht.

Daraus ergibt sich für den Auftraggeber die - nicht immer und ohne weiteres erkennbare - Möglichkeit, Verträge für die Vergabe von Berufsaufgaben der Ingenieure und Architekten auch mit Nicht-Ingenieuren und Nicht-Architekten, abzuschließen, welchen dann völlig legal die Möglichkeit offen steht, ihre Leistungen nach der Honorarordnung der Architekten und Ingenieure HOAI abzurechnen.

Es bewegen sich im Planungsmarkt nämlich nicht wenige Personen, die weder Ingenieure beziehungsweise Beratende Ingenieure noch Architekten sind, sondern - bestenfalls! - befähigte Autodidakten. Der Rückschluss von der berechtigten Führung einer Berufsbezeichnung auf die Qualität der abgelieferten Ingenieurleistung ist ja nicht zwingend. Es besteht aber die Regelvermutung, dass derjenige, der über Examen und darauf aufbauende Überprüfungen bestimmte berufliche Qualifikationen erreicht hat, eine qualitätvollere Arbeit für seinen Auftraggeber leistet, als derjenige, der im Berufsfeld von Ingenieuren/Architekten „einfach so" tätig wird. Dies ist eine Vermutung, die für alle Bildungs-/Berufsabschlüsse Geltung hat und auf der letztendlich das gesamte Qualifizierungsniveau akademischer Berufe beruht.

Bedauerlicherweise hat der Gesetzgeber es aber bisher nicht geschafft, verfassungskonforme Berufsausübungsrechte für die Berufsgruppen der Ingenieure und Architekten zustande zu bringen, ähnlich denen der Anwälte oder der Ärzte, aber auch ähnlich denen der Handwerker und anderer Berufe. Versucht hatte er es Ende der 60er Jahre schon einmal, das Bundesverfassungsgericht hatte diesen Versuch als grundsätzlich zwar machbar angesehen. in der Umsetzung aber als verfassungswidrig erachtet.

Wieso der Gesetzgeber meint, bestimmte Tätigkeiten, wie etwa das Streichen von Wänden, bestimmten Berufsgruppen vorbehalten zu müssen, wogegen Planungen und Objektüberwachungen großen Umfangs für Hoch und Tiefbauwerke, Verkehrsanlagen, technische Gebäudeausstattungen usw. von jedermann durchgeführt werden können, ist - wenn überhaupt - nur schwer zu verstehen. Offensichtlich meint der Gesetzgeber, die Schutzbedürftigkeit der Auftraggeber vor nicht Qualifizierten sei in diesem Bereich nur gering zu veranschlagen. Die Rechtsprechung hat deshalb versucht, Verträge über Ingenieur-/Architektenleistungen mit Nicht-Ingenieuren-/ Nicht-Architekten über die Irrtumsregelung zu lösen.

Die fehlende Ingenieur-,/Architekteneigenschaft führt nämlich dazu, dass derartige Verträge wegen arglistiger Täuschung angefochten werden können, wenn der Auftraggeber eine nicht vorhandene Ingenieur-/ Architekteneigenschaft in Anspruch genommen hat. Dies soll bereits dann gelten, wenn der Auftraggeber über diese fehlende Berufsqualifikation nicht aufgeklärt worden ist.

Genauso anfechtbar sollten derartige Verträge über die Täuschung einer so genannten verkehrswesentlichen Eigenschaft des Auftragnehmers sein, nämlich seine Ingenieur-/Architekteneigenschaft. Da die Berufsbezeichnung „Architekt" beziehungsweise „Beratender Ingenieur" nur über eine Kammermitgliedschaft erworben werden kann und diese Personengruppen insofern einer besonderen öffentlichrechtlichen Beaufsichtigung unterliegen, welche extra geschaffen worden ist, um die Auftraggeber zu schützen, geht jeder Auftraggeber - zumindest laienhaft - davon aus, dass der Ingenieur/Beratende Ingenieur oder Architekt berufsrechtlich organisiert oder gebunden ist.

Die Anfechtung von Verträgen mit Nicht-Ingenieuren/Nicht-Architekten hilft aber nur zum Teil, da die Rechte der getäuschten Bauherren auf das so genannte negative Interesse begrenzt sind, so dass sie sich regelmäßig diejenigen Leistungen, die bereits erbracht wurden und noch verwertbar sind, anrechnen lassen und sogar noch vergüten müssen. Darüber hinaus sind Anfechtungen schwierig durchzusetzen, da der anfechtende Bauherr voll beweisbelastet ist. Er muss nämlich darstellen und beweisen, dass er die fehlende Ingenieur-/ Architekteneigenschaft nicht kannte, hierauf gerade Wert legte und bei der Kenntnis dieser Umstände den Vertrag mit dem NichtIngenieur/Nicht-Architekten in keinem Falle geschlossen hätte.

Neben der Anfechtung derartiger Verträge ist es aber auch möglich, diese Verträge zu kündigen und darüber hinaus Schadenersatz für die nicht verwertbaren oder neu zu erbringenden Ingenieur-/Architektenleistungen zu verlangen, wenn die Ingenieur/Architektenleistungen dazu führen sollen, dass ein Bauvorhaben oder ein technisches Objekt genehmigt wird.

Sämtliche Landesbauordnungen erfordern zur Herstellung einer genehmigungsfähigen Planung die Unterschrift einer bauvorlageberechtigten Person und ein Baugesuch, durch welches die Genehmigung nach Prüfung ausgelöst wird. Ingenieure und Architekten schulden nach ständiger Rechtsprechung dauerhaft genehmigungsfähige Planungen, wie der BGH gerade wieder entschieden hat (BGH, BauR 2002, 1872 ff.). Wird die Planung genehmigt, obwohl der unterzeichnende Planverfasser nicht Architekt oder In
genieur ist, wächst die Genehmigung nicht in Bestandskraft. Die Baugenehmigungsbehörde kann die Genehmigung zurücknehmen. Sein Honorar hat der Planer aber erst dann verdient, wenn eine Genehmigung in Unanfechtbarkeit endgültig vorliegt.

Die Eigenheit des Planungsvertrages liegt darin, dass für Arbeitsergebnisse und nicht für das Arbeiten selbst bezahlt werden muss. Dies bedeutet, dass Verträge mit Nicht-Ingenieuren 'Nicht-Architekten nicht nur über Irrtumsregelungen angegangen werden können, sondern auch über Mängelregelungen. Der vom Nicht-Ingenieur - Nicht-Architekten versprochene Erfolg, ein Vorhaben durch Eigenunterschrift zur Genehmigunsfähigkeit zu führen, kann nicht erreicht werden. Dies bedeutet, dass der Bauherr nach § 634 BGB vom Vertrag zurücktreten kann und Schadensersatz einschließlich Zurückerstattung bereits gezahlter Honorare verlangen kann.

Beide schwierigen Konstruktionen helfen dem Dilemma der fehlenden berufsrechtlichen Regelungen für Ingenieure und Architekten aber nicht ab. Während jeder Vertrag mit einem Arzt oder Anwalt usw., abgeschlossen mit Personen, die nicht Arzt oder Anwalt nach § 134 BGB rechtsunwirksam ist, gilt dies für Ingenieur-/ Architektenverträge nicht.

Rechts- und berufsrechtliches Ziel eines Berufsausübungsrechtes für Ingenieure/Architekten müsste es insofern sein, eine vergleichbare Situation auch für diejenigen Auftraggeber zu schaffen, die Ingenieur/Architektenverträge abschließen. Berufsrechtsvorbehaltsregelungen - zumindest in dem Bereich der öffentlichen Sicherheit und Ordnung am Bau - für die Berufsgruppen der Ingenieure und Architekten zu schaffen, ist einerseits kein besonderes rechtliches Kunststück und andererseits - unter Berücksichtigung der hoheitlichen Verpflichtungen des Staates - nur konsequent.

Quelle: Deutsches Ingenieurblatt,
DIB Heft 1-2/03, S. 46-47
Autor: RA Dr. Hans Rudolf Sangenstedt



Noch mal zum Thema: theoria cum praxi.

Sie wollten schon immer mal wissen, wie ein Bauprojekt in Wirklichkeit abläuft? Von wegen: wie geplant und ohne Probleme. Hier erfahren Sie die ganze Wahrheit, schonungslos und offen. Zur besseren Verständlichkeit habe ich Ihnen ein recht einfaches Vorhaben als Beispiel ausgewählt. Und wer behauptet, es würde anders sein, der lügt!

Als 1. kommt der Wunsch des Bauherrn und 2. wird daraus der Vorschlag des Architekten
3. verändert der Statiker die Sache und 4. wird so von der Behörde genehmigt
5. wird so von der Baufirma ausgeführt und 6. sieht das Ergebnis nach der Mängelbeseitigung so aus.
 
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