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Dämmt Dämmung etwa nicht?
Energiesparen in der Praxis - das Lichtenfelser Experiment

Die praktische Dämmwirkung von Massiv- und Leichtbaustoffen für Dach und Fassade untersuchte ein Team unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil Claus Meier am 26.10.01 in Lichtenfels. Die hohe Dämmwirkung von Massivbaustoffen mittels Temperaturamplituden- dämpfung und Phasenverschiebung bei einseitiger Temperaturänderung wurde dabei eindrucksvoll bestätigt.

Auf dieser Seite:


Konrad Fischer, Rolf Köneke, Frank Lipfert, Claus Meier, Henryk Parsiegla:

Dämmstoff im Vergleich

Die neue Energieeinsparverordnung EnEV ist ab Februar 02 in Kraft getreten. Die "Initiative kostengünstig qualitätsbewußt Bauen" des BMBau fordert nun unser aller Unterstützung. Damit kommt es künftig noch mehr darauf an, die richtigen baulichen Maßnahmen zur effektiven Einsparung von Energie zu wählen. Hierfür taugliche Baustoffe einzusetzen, ist die zentrale Frage für Architekten und Ingenieure, für Verarbeiter und Hausbesitzer. Sie tragen für die von ihnen geplanten und durchgeführten Maßnahmen die Hauptverantwortung, Fehler lösen Regreßansprüche aus. Welche Dämmstoffe können den Energieverbrauch und den Verlust von Heizenergie an die Umwelt am besten verringern?

Der Wärmeeintrag am Bauwerk in Dach und Wand erfolgt überwiegend durch Strahlung. Die Qualität verschiedener Dämmstoffe wurde anhand ihrer Temperaturveränderungen bei Wärmebestrahlung von der Autorengruppe experimentell ermittelt.

Der Versuchsablauf:

Ein Wärmestrahler (150 W Infrarotlampe) mit gleich bleibender Entfernung und konstanter Strahlungsdauer von 10 Minuten bewirkt für unterschiedliche Baustoffplatten in 4 cm Tiefe (Unterseite Platte) unterschiedliche Temperaturerhöhungen. Die geringfügig abweichenden Ausgangstemperaturen entstanden aus der meßbedingt leicht ansteigenden Umgebungstemperatur. Der sich nach 10 Minuten Bestrahlung ergebende Temperaturunterschied lässt Rückschlüsse auf die Thermostabilität und Dämmwirkung der Baustoffe zu.

Das Ergebnis:

Wärmedurchgangs-
koeffizient
k-bzw. U-Wert in W/m2K

Anfangstemperatur

Endtemperatur

Mineralwolle

0,85

21,4°C

59,8°C

Polystyrol

0,85

21,4°C

35,4°C

Holzfaserplatte

0,85

21,4°C

22,2°C

Fichte

2,09

20,6°C

20,6°C

Vollziegel

4,74

20,9°C

23,4°C


Diagramm: Anfangs- und Endtemperatur der Baustoffrückseite nach 10 Minuten Bestrahlung.

Der Versuchsaufbau (vorn)
und die Autoren:

(stehend v. l.)
cand. Ing. Henryk Parsiegla,
Bausachverständiger Rolf Köneke,
Dipl.-Ing. Konrad Fischer,
Frank Lipfert,
sitzend: Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier.
Versuchs- und Meßeinrichtung:
Fa. Lipfert Naturbaustoffe, Lichtenfels.

Analyse:

Die beste Wirkung gegen Temperaturveränderungen und Wärmeabfluss zeigen Holz und Ziegel, trotz ihrer "schlechten" U-Werte (vormals k-Werte). Polystyrol und Mineralwolle liefern mit "gutem" U-Wert gegenteilige Ergebnisse. Auch deren maximale Oberflächentemperaturen auf der bestrahlten Seite sind mit über 70 (Polystyrol) und 180°C (Mineralwolle) erstaunlich hoch. So entsteht im Sommer - Sonnenstrahlung von außen - Barackenklima, die dann notwendige Kühlung verbraucht Energie. Im Winterfall - Heizung von innen - setzen die Leichtbaustoffe dem Wärmeabfluss wenig entgegen. Auch das spart nicht, sondern vergeudet unnütz Energie. Darüber hinaus stoppt die flach einfallende Solarstrahlung infolge der von außen eingespeicherten Energie und der damit verbundenen Temperaturerhöhung auf der Außenoberfläche den Wärmestrom von innen. Das spart Energie, gerade im Winter. Die Strahlungsintensität der Sonne liegt dann je nach Himmelsrichtung etwa zwischen 10 und 45% der Maximalwerte im Juli. Die im Sommer wegen der Temperaturstabilität der Innenräume notwendigen Materialeigenschaften sparen also auch im Winter wegen der absorbierten Solarenergie und der damit verbundenen Reduzierung der Wärmeverlustströme Energie.

Die Praxis am Bau belegt das: Hohe Temperaturamplitudendämpfung und Phasenverschiebung beim "Durchschlagen" einseitiger Temperaturänderungen auf die andere Seite sind als Vorteile der Massivbaukonstruktion seit jeher Stand der Technik. Auch Bosserts und Fehrenbergs langjährig erhobene Messergebnisse des Heizenergieverbrauchs am Altbau beweisen die Wirkungslosigkeit von Leichtbaustoffen und die von der U-Wert-Berechnung stark abweichenden günstigen Energieverbrauchswerte von Massivbauten. Hinzu kommen die Oberflächenschäden auf Leichtbaustoffen infolge ihrer hohen Temperaturbeanspruchung und schnellen Auskühlung.

Fazit:

Das leicht nachprüfbare Lichtenfelser Experiment bestätigt die altbekannten Vorteile natürlicher Baustoffe wie Holz und Ziegel. Sie sind auch im EnEV-Zeitalter noch erste Wahl. Ihre Beklebung oder Ausfachung mit Schäumen und Gespinsten bringt kaum energetische Vorteile, jedoch Bau- und Feuchteschäden. Der U-Wert erweist sich im Bereich Energiesparen als Fiktion. Er gilt normgemäß sowieso nur im Labor, ohne Sonne und Speicherfähigkeit der Baustoffe. Die "EnEV-Anforderungen" widersprechen dem Wirtschaftlichkeitsgebot in nicht hinnehmbarer Weise. Planer und Handwerk dürfen ihren Auftraggeber nicht zu wirtschaftlich und technisch nachteiligen Konstruktionen raten. Dies gilt sowohl für die Nachrüstung am Altbau wie auch für Neubauten. DIN 4108 und EnEV müssen reformiert werden, wenn tatsächlich Energie eingespart werden soll.


Das Material für diesen Beitrag wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt von:

Architektur-& Ing.büro Konrad Fischer
Hauptstr.50
D-96272 Hochstadt/Main
Tel.:09574-3011
Fax: 09574-4960
Mob.:0170-7351557
http://www.konrad-fischer-info.de


Bisherige Veröffentlichungen des Experiments:

Erstveröffentlichung: Bautenschutz+Bausanierung Nov./Dez. 8/01, R. Müller Verlag, Köln,
dann

  • Forum.Baurat.de
  • Europäisches Bauinformationssystem ebisbau.com
  • ibau-Wirtschaftsnachrichten Nov. 01 "Energiesparen in der Praxis - das Lichtenfelser Experiment"
  • Der Holznagel 1/02
  • Familienheim und Garten 1/02
  • DIMaGB.de - Informationen für Bauherren (Hinweis von mir: auch im BauherrenForum)
  • Wohnung + Gesundheit, Fachzeitschrift für ökologisches Bauen + Leben 1/02
  • Neue Presse Coburg, Regionalteil S. 2, Wochenendausgabe 9./10.2.02
  • Oberfranken-TV, 3-Minuten-Sendung am 7.2.02
  • wegen hoher Zuschauerresonanz wiederholt am 22.2 und 25.2.02
  • Der Vermieter - Ratgeber für Haus- und Wohnungseigentümer, Verlag Bauwesen, Berlin 1/02
  • Obermain-Tagblatt Lichtenfels, S. 6, Wochenendausgabe 9./10.3.02
  • Burgen und Schlösser 1/02, Deutsche Burgenvereinigung e.V., Braubach a. Rhein


Ad hoc-Meldung vom 11.03.2002 (E-Mail):

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

nachdem das Lichtenfelser Experiment zur Dämmstoff-Frage schon auf Oberfranken-TV dreimal mit TOP-Resonanz gesendet wurde, kommt es nun als 6-Minten-Beitrag der ARD am 3.4.02 21.45 Uhr in der Wissenschaftssendung GLOBUS. Prof. Gertis wird voraussichtlich die Gegenposition zu den "Lichtenfelser" Dämmforschern einnehmen. Wir sind gespannt...

Mit bestem Gruß
Konrad Fischer


Mitschnitt der Fernsehsendung "Globus"
am Mittwoch, den 03.04.2002, 21.45 Uhr bis 21.55 Uhr
ARD (1. Programm)

Hausbesitzer werden seit Februar vom Gesetzgeber in die Pflicht genommen. Wer neu baut oder umbaut, der muss Energie sparen. Die neue Energiesparverordnung verlangt jetzt aktive Wärmedämmung und kurbelt die Nachfrage nach moderner Heizungstechnik, nach Dämmstoffen und nach neuen Trends an.

Früher, da waren die Häuser aus massiven Mauersteinen, wie die alten Burgen. Später kamen dann schon die etwas neueren Lochziegel hinzu und heute, da sind ganz moderne Verbundwerkstoffe auf dem Markt. Durch diese unterschiedlichen Materialien, da geht Wärme unterschiedlich schnell durch. Das lässt sich verhindern, indem man das Haus mit Dämmstoffen richtig "einpackt".

Aber durch neue Baumethoden und dichtere Fenster wurde auch der Luftaustausch immer schlechter. Was nun wirksame und fürs Wohnklima gute Dämmstoffe sind, da haben die Fachleute sehr unterschiedliche Meinungen und stellen sogar Messmethoden in Frage. Die Leidtragenden sind die Hausbewohner und ihre Gesundheit.

Im früheren Kinderzimmer der Familie Tremmel in Starnberg. Heute eine Rumpelkammer. Der Raum ist voller Schimmel. Egmund Bromm will ihn begutachten. Er ist Experte für Hausschwamm und Schimmel.

(Frau Tremmel:)

"Also, angefangen hat's hier, und zwar ganz leichte schwarze Striche und Punkte."

Die Schimmelbelastung in Innenräumen nimmt seit ein paar Jahren drastisch zu. Zu dichte Fenster und Feuchte in den Wohnungen sind häufig die Ursachen. Die Bekämpfung mit handelsüblichen Mitteln ist meist erfolglos.

(SV Bromm:)

"Das sind eben die kältesten Stellen, und da können Sie obendrauf schmieren und streichen, was Sie wollen - das bringt also so nicht viel. Da müssen wir die Ursache beseitigen und die Ursache kann nicht hier innen beseitigt werden. Sie können bloß immer eine ganz gewisse oberflächige Maßnahme durchführen."

Das Gesundheitsamt lässt die Wohnung untersuchen. Sieben verschiedene Schimmelpilze werden gefunden. Einige davon können die Gesundheit schwer schädigen. Vor allem allergieanfällige Menschen sind gefährdet, wie Andreas Tremmel, der Sohn. Er bekommt schweres Asthma, darf deshalb die Wohnung nicht mehr betreten. Auch die Tochter Sabrina muss immer wieder ins Krankenhaus. Auf ihrer Kopfhaut bilden sich offene Stellen, die nur noch mit starken Antibiotika zu bekämpfen sind. Sobald wie möglich wollen die Tremmels nun ausziehen.

(Frage:) "Tut das weh?" (Sabrina:) Ja, das tut weh!"

(Frau Tremmel:) "Sie bluten, man darf nicht hinkommen. Sie wurden mehrmals behandelt. Der Andreas hat in der Zwischenzeit schon schweres Asthma bekommen, sodass er auch mit dem Notarzt abgeholt worden ist."

"Die Wirkstoffe der Schimmelpilze schädigen vor allem die Schleimhäute, greifen das Immunsystem an oder wirken hochgradig neurotoxisch", so der Weißenburger Umweltarzt Frank Bartram. "Das sind gasförmig an die Raumluft abgegebene Substanzen oder an Sporen gebunden, die wir einatmen. Die eine Gruppe nennen wir mikrobielle, also durch Mikroorganismen erzeugte, leicht flüchtige Komponenten und die anderen nennen wir Mykotoxine. Mykotoxine sind z. T. ultragiftige Substanzen, wie sie aus der Lebensmittelchemie bekannt sind, die eine sehr starke toxische Wirkung haben können, und zwar in niedrigsten Dosen. Es gibt mehrere Gründe als Ursache für diese Vermehrung von schimmelbedingten Gesundheitsstörungen: Eine Ursache ist ganz sicherlich, dass wir heutzutage Häuser abdichten in der guten Absicht, Wärme und damit Energie zu sparen. Dass es allerdings bei bestimmten Techniken der Abdichtung auch dazu kommt, dass man Feuchtigkeit zurückhält, wo jeder Mensch weiß, dass Feuchtigkeit eine der wenigen Brutbedingungen ist, dass Schimmelpilze übermäßig und überproportional wachsen können."

"Das hat aber nichts mit dichten Mauern zu tun", sagt Prof. Karl Gertis vom Fraunhofer Institut für Bauphysik. Selbst dann nicht, wenn sie zusätzlich gedämmt werden. Feuchtigkeit, die Lebensgrundlage des Schimmels, kann so oder so kaum durch das Mauerwerk nach außen dringen. "Die Dämmung der Wand, also die Dämmung der nicht transparenten Teile, kann niemals Schimmelpilz hervorrufen. Im Gegenteil: Sie vermeidet die Gefahr oder sie reduziert die Gefahr. Wenn aber im Gefolge dieser Umbau- oder Erneuerungsmaßnahmen auch zu dichte Fenster eingebaut worden sind, dann bedarf das schon einer näheren Untersuchung."

Bausachverständige wie Edmund Bromm sehen das anders. Vernässte Hauswände seien hauptsächlich Folge von zusätzlicher Dämmung, nach der Devise "Viel hilft viel". Feuchtigkeit, die bei ungenügender Lüftung in jeder Wohnung entsteht, könne dann nicht mehr nach außen dringen. Dafür sickere dann aber meist schon bald Regenwasser durch kleine Risse in die Dämmung ein. Die Folge: Algen und Schimmel wucherten außen und innen und die Dämmwirkung gehe verloren. Bei den gängigen Dämmstoffen aus extrahiertem Hartschaum oder Fasermatten würde der Wärmedurchgangskoeffizient, der so genannte "K-Wert", alles gelten, meinen Kritiker. Sie bezweifeln die Formel "Je geringer der K-Wert, umso besser der Dämmstoff. Und je mehr davon, desto besser die Dämmung".

Der Architekt Konrad Fischer aus Hochstadt a. M. und der Nürnberger Professor Claus Meier stellen diese Formel mit dem "Lichtenfelser Experiment" in Frage. Es soll belegen, dass gängige Dämmstoffe weniger wirken als herkömmliche Baustoffe, wie Vollziegel oder Massivholz. Dazu wird unter jedes Material ein Temperaturfühler gelegt und anschließend mit einer Rotlichtquelle erwärmt. Das Dämmmaterial aus Styropor oder aus Mineralfasern sollte wegen seines geringen K-Wertes weniger Wärme durchlassen als die Massivholzplatte, denn die hat einen hohen, also schlechten K-Wert. Nach zehn Minuten steigt die Temperatur unter dem Styropor aber auf fast 37°, unter der Mineralwolle sogar auf gut 63°. Unter der Holzplatte mit dem hohen K-Wert bleibt es nahezu bei 20°. Die Schlussfolgerung: Ein geringer K-Wert besagt gar nichts.

(Prof. C. Meier:)

"Konzentriert man sich jetzt aber ausschließlich auf die Dämmung, also auf den K-Wert, dann ergibt sich folgendes Dilemma: Wenn man ein Koordinatensystem hat, und hier den K-Wert aufträgt und hier die Dämmstoffdicke, dann ist die Funktion des K-Wertes eine Hyperbel. Die Form der Hyperbel bedeutet, dass eine Verdoppelung des Aufwandes, also der Dämmstoffdicke, zur Halbierung des K-Wertes nur führt, und das bedeutet automatisch eine Effizienzgrenze. Insofern hat es energetisch wenig Sinn, unnötig viel Dämmstoff zu verwenden. Ab 6/8 cm hört der Spaß auf. Alles was drüber ist, ist also energetisch eigentlich unnütz und sinnlos."

Konrad Fischer propagiert sogar, auf die Leichtbauweise mit modernen Dämmstoffen ganz zu verzichten und stattdessen Häuser wieder aus Vollziegel oder Massivholz zu bauen.

"Es gibt ein sehr schönes Beispiel in Hannover, das mein Kollege Fehrenberg untersucht hat. Da hat man für 1 Mio. DM Dämmstoff aufgetragen auf ein Haus von drei bauartgleichen mit 25 Wohneinheiten. Im Ergebnis hat man überhaupt keine Energie gespart. Das lässt sich bis in die jüngsten Jahre nachweisen. Dämmstoff ist wirkungslos energetisch."

Wohlgemerkt - das gilt nur für die leichten Dämmstoffe. Beim Fraunhofer Institut verursachen die Kritiker nur Kopfschütteln.

(Prof. Gertis:)

"Die Dämmung hat mehrere äußerst positive Folgen: 1) Sie reduziert den Energieverbrauch, führt also zur Energieeinsparung. 2) Sie erhöht die Behaglichkeit in unseren Wohnungen im Komfort ganz entscheidend und 3) Wir müssen Dämmung einsetzen, weil wir sonst unsere ganzen Umweltprobleme nicht lösen können."

Andererseits blüht der Schimmel in hunderttausenden gedämmten und abgedichteten Wohnungen. Und das heißt dann:

"Umweltschutz auf Kosten der Gesundheit? Klar, Gesundheit geht vor!"


01.07.2002
Wärmedämmung: Der größte Irrtum der Bauphysik?

Der so genannte U-Wert (vormals k-Wert) sei ein völlig ungeeignetes Mittel
zur Erreichung von Energiespareffekten, behaupten die deutschen Baurebellen

Reichenau an der Rax (pts, 28. Juni 02/13:34) - Der so genannte U-Wert (vormals k-Wert) sei ein völlig ungeeignetes Mittel zur Erreichung von Energiespareffekten, behaupten die deutschen Baurebellen Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier und der Schimmelpilzsachverständige Rolf Köneke. Anlass war eine Baufachtagung mit über 150 Architekten, Planern und anderen Bauspezialisten, zu der die Mauertrockenlegungsfirma Aquapol GmbH am 27. und 28. Juni nach Reichenau an der Rax geladen hatten.

Nach Ansicht von Meier und Köneke sei die gängige Wärmeschutzpraxis eine der größten Irrtümer der Bauphysik. Sie berufen sich auf das so genannte "Lichtenfelser Experiment", das durch eine Darstellung im ARD die deutsche Baubranche aufgerüttelt hatte. Ein Wärmestrahler (150 Watt Infrarotlampe) mit gleich bleibender Entfernung und konstanter Strahlungsdauer von zehn Minuten bewirkt für unterschiedliche Baustoffplatten in vier Zentimeter Tiefe (Unterseite Platte) unterschiedliche Temperaturerhöhungen. Der sich ergebende Temperaturunterschied lässt ihrer Meinung nach Rückschlüsse auf die Thermostabilität und Dämmwirkung der Baustoffe zu. Die beste Wirkung gegen Temperaturveränderung und Wärmeabfluss zeigten beim Lichtenfelser Experiment die Naturbaustoffe Holz und Ziegel trotz ihrer "schlechten" U-Werte. Die Baustoffe mit "guten" U-Werten, Polystyrol und Mineralwolle lieferten hingegen gegenteilige Ergebnisse.

Schützenhilfe lieferten sie auch dem heimischen Baurebell, dem niederösterreichischen Erfinder Ing. Wilhelm Mohorn, der nach einer von ihm erfundenen Methode feuchte Mauern ohne Chemie, ohne Strom und ohne aufwändige Bauarbeiten absolut umweltfreundlich trockenlegt. Das Aquapolgerät funktioniert simpel: Es polt Wassermoleküle um und schickt sie zurück ins Erdreich ohne direkt mit dem Mauerwerk in Berührung zu kommen. Sein System wurde europaweit über 27.000 mal erfolgreich eingesetzt, trotzdem erhielt bis heute keine Ö-Norm Zertifizierung. Diese Tatsache war natürlich Öl auf die Mühlen der deutschen Bauphysiker, die das gesamte Zertifizierungssystem seit Jahren heftig kritisieren.

Nähere Auskünfte über das Aquapol- Mauertrocknen: Aquapol GesmbH Schneedörflerstr. 23 A-2651 Reichenau/Rax Tel.: 02666/53872-0 FaxDW 20 E-Mail: office@aquapol.at
Ihr Ansprechpartner: Mag. Susanne Dielacher, e-Mail: s.dielacher@energisch.net
Weitere Infos finden Sie unter http://www.aquapol.at

Quelle: Newsletter Juli 2002 von www.ebisbau.com (eurobau.com)



Neu seit 20.05.2002:
Das Lichtenfelser Experiment - Die Auswertung in Langfassung als HTML


Claus Meier

Dämmstoff im Vergleich
Bauphysikalische Grundlagen einer frappierenden Temperaturmessung

Die Baufachleute Fischer, Köneke, Lipfert, Meier und Parsiegla haben mit dem "Lichtenfelser Experiment" Temperaturveränderungen verschiedener Dämmstoffe ermittelt; der erste Vorbericht erfolgte in [7]. Die Einstrahlung einer 150 W Lampe führte auf der Rückseite einer 4 cm Schicht nach 10 Minuten zu sehr unterschiedlichen Temperaturen:

  Anfangstemperatur Endtemperatur
Mineralwolle 21,4°C 59,8°C
Polystyrol 21,4°C 35,4°C
Holzfaserplatte 21,4°C 22,2°C
Fichte 20,6°C 20,9°C
Vollziegel 20,9°C 23,4°C

Bemerkenswert ist, dass Styropor, aber besonders Mineralwolle entgegen der allgemeinen Vorstellungen sehr hohe Oberflächentemperaturen aufwiesen. Diese Ergebnisse lösten Überraschung und Erstaunen, aber auch Proteste der etablierten Bauphysik aus, denn immerhin wird der Fachwelt seit über 20 Jahren gesagt, die Dämmung (sprich U-Wert) sei der entscheidende Part im Wärmeschutz von Gebäuden. Der Tabelle ist jedoch zu entnehmen, dass bei den "Dämmstoffen" die Temperatur im Bauteil sehr schnell hindurcheilt. Hängt dies vielleicht mit dem Speichervermögen zusammen? Immerhin steht in [2]: "Für alle Räume, die unter Sonneneinstrahlung leiden können, sollte ein gewisser Wärmeinhalt der Wände sichergestellt sein".

Zunächst müssen zwei Begriffe geklärt werden:

Die Temperatur ist das Maß für den Wärmezustand eines Körpers, der sich infolge unterschiedlicher Wärmeeinwirkungen ständig ändert. Demzufolge werden im Bauteil stets auch Temperaturströme in Gang gesetzt. Hierfür sind Temperaturänderungen der umgebenden Luft, aber vor allem die Absorption der externen Solarenergie mit daraus resultierenden hohen äußeren Oberflächentemperaturen verantwortlich. Temperatur ist ein Qualitätsmerkmal.

Wärme dagegen ist eine Energieform, die immer vom höheren zum niedrigeren Temperaturniveau fließt und damit einen Wärmestrom hervorruft. Je größer die Temperaturdifferenz, desto größer der Wärmestrom. Wärme ist Bewegungsenergie der Moleküle und ein Quantitätsmerkmal. Somit bestimmen allein die Temperaturverhältnisse in einem Bauteil die Wärmeströme und Energiebewegungen, die deshalb immer die Folge von Temperaturzuständen sind. Der funktionelle Zusammenhang zwischen der Temperaturdifferenz und dem Wärmestrom lautet:

q = Wärmestrom (W/m²)
l = Wärmeleitfähigkeit (W/mK)
Dd = Temperaturdifferenz (K)
Ds = Streckendifferenz im Bauteil (m)

Es wird deutlich, dass der Wärmestrom q durch das Verhältnis der Temperaturdifferenz zur Streckendifferenz, dem Temperaturgradienten, bestimmt wird. Ein sich ständig verändernder Temperaturgradient, gekennzeichnet durch kurvige Isothermen, zeigt instationäre Verhältnisse an. Der Temperaturgradient spielt für die Beschreibung der Wärmeströme also eine wichtige Rolle [14]. Auch die Definition der Wärmeleitfähigkeit l ist bemerkenswert. In [3] steht: "Die Wärmeleitfähigkeit l gibt an, welche Wärmemenge in einer Sekunde (J/s = W) durch einen m² einer 1m dicken Schicht eines Stoffes im stationären Temperaturzustand (Temperaturbeharrungszustand) hindurch geleitet wird, wenn das Temperaturgefälle zwischen den beiden Oberflächen 1 K beträgt". Die Gültigkeit der Wärmeleitfähigkeit l fordert also den Temperaturbeharrungszustand, der jedoch, wie das Experiment zeigt, nie vorliegt – und in Realität auch nie vorliegen kann.

Deshalb ist in [4] zu lesen: "Die Temperaturbewegungen werden durch periodisch auftretende Strahlungsvorgänge verstärkt, so dass von den Elementen der Bauwerkshülle weniger Wärmedämmleistungen als Wärmebeharrungsvermögen und Wärmespeicherfähigkeit verlangt wird. Damit kommen die Rechengrößen c (spezifische Wärmekapazität), a (Temperaturleitfähigkeit) und b (Wärmeeindringvermögen) ins Spiel".

Auch das Wärmespeichervermögen Qs muss bei einer energetischen Beurteilung eines Bauteils beachtet werden, da es immerhin bedeutsam ist, ob ein Bauteil viel oder wenig Energie zu "horten" imstande ist; Energie, die von der Sonne kostenfrei geliefert wird.

Wichtige bauphysikalische Daten

Die spezifische Wärmekapazität c ist die Wärmemenge, die erforderlich wird, um 1 kg eines Stoffes um 1 K zu erwärmen (Wh/kg K) und ist nachfolgender Tabelle zu entnehmen (aus DIN 4108, Teil 4, Tabelle 7 - dort in J/kg K).

Tabelle : Rechenwerte der spezifischen Wärmekapazität c verschiedener Stoffe.

Holz und Holzwerkstoffe haben eine hervorragende Wärmekapazität, deshalb sind massive Holzhäuser so vorteilhaft. Wasser ist überragend und eignet sich somit als Wärmeträger bei Heizungen. Pflanzliche Fasern und Schaumkunststoffe liegen zwar höher als die anorganischen Bau- und Dämmstoffe, sind jedoch wegen geringer Raumgewichte als Speicher ungeeignet. Die Temperaturleitfähigkeit a ist ein Maß für die Geschwindigkeit, mit der sich unterschiedliche Temperaturen innerhalb des Materials ausgleichen, ist also ein Maß für den Temperaturstrom, der sich bei Temperaturveränderungen im Bauteil einstellt. Deshalb steht auch in [8]: "Eine Temperaturänderung pflanzt sich in einem Stoff umso schneller fort, je größer die Temperaturleitfähigkeit a dieses Stoffes ist". Die Formel lautet:

Es ist besonders darauf hinzuweisen, dass bei der Temperaturleitfähigkeit a nicht allein die Wärmeleitfähigkeit l maßgebend ist, sondern darüber hinaus das Raumgewicht und die spezifische Wärmekapazität des Materials mit einfließen. Der Wärmeeindringkoeffizient b ist ein Maß für die Fähigkeit eines Materials, Wärme aufzunehmen oder wieder abzugeben. Je größer der Wärmeeindringkoeffizient ist, desto mehr wird aufgenommen bzw. abgegeben und desto langsamer erfolgt die Wärmeaufnahme bzw. -abgabe. Die Formel lautet:

Auch der Wärmeeindringkoeffizient b hängt weitgehend vom Raumgewicht und von der spezifischen Wärmekapazität ab [3].

Bei der Wärmeaufnahme bzw. -abgabe spielt das Wärmespeichervermögen eine Rolle. Dies ist die Wärmemenge, die das Material bei einer Temperaturdifferenz von 1 K speichern oder abgeben kann. Das Wärmespeichervermögen Qs bestimmt maßgebend die instationären Verhältnissen einer Konstruktion. Je höher dieses ist, desto träger reagiert die Konstruktion auf Temperatur- und Wärmestromveränderungen. Die Formel lautet:

Die Kurzzeichen in den drei Formeln bedeuten:

a = Temperaturleitfähigkeit (m²/h)
l = Wärmeleitfähigkeit (W/mK)
r = Raumgewicht (kg/m³)
c = spezifische Wärmekapazität (Wh/kg K)
b = Wärmeeindringkoeffizient (Wh0,5/m²K)
Qs = Wärmespeichervermögen (Wh/K)
V = Baustoffvolumen (m³)

Fazit

Hier schon wird klar, dass die spezifische Wärmekapazität und das Raumgewicht in die energetischen Überlegungen mit einbezogen werden muss, wenn sachgerecht Temperatur- und Wärmetransportvorgänge bewertet werden sollen. Dies aber wird bei der energetischen Bewertung einer Außenwand von der etablierten Bauphysikszene strikt negiert.

Messdaten und Erläuterungen

Bei dem Versuch wurden unterschiedliche Materialien für 10 Minuten mit einer 150 W Infrarot-Lampe bestrahlt [7]. Dabei handelte es sich um 4 cm dicke Schichten in den Abmessungen 33 x 33 cm. Die Zusammenstellung von Stoffgrößen, umfangreicheren Messdaten und zum Schluss der maßgebenden bauphysikalischen Kenndaten für die gewählten fünf Platten zeigt die folgende Tabelle:

Die gemessenen Temperaturverläufe auf der bestrahlten Seite, also bei 0 cm, werden in nachfolgender Abbildung 1 grafisch dargestellt:

Abb. 1 Temperaturveränderungen auf der direkt bestrahlten Oberfläche einer jeweils 4 cm Schicht

Erläuterung:

Die Oberflächentemperaturen auf der bestrahlten Seite differieren während der 10minütigen Bestrahlung sehr, hier sei besonders die hohe Temperatur der Mineralwolle erwähnt. Sie klingen dann aber nach weiteren 10 Minuten auf ein Temperaturniveau um die 30°C ab. Bedeutsam für die energetische Bewertung von Baustoffen werden die unterschiedlichen Temperaturen auf der Rückseite der 4 cm Schicht, dies zeigt die Abbildung 2:

Abb. 2 Temperaturveränderungen auf der Rückseite einer jeweils 4 cm Schicht

Erläuterung:

Hier zeigt sich deutlich, dass nach der Bestrahlungszeit von 10 Minuten die "Dämmstoffe" verheerende Temperaturen aufweisen, während Holz, Holzfaserplatte und der Ziegel, also die Speicherstoffe, kaum nennenswerte Temperaturerhöhungen zulassen. Während der Abklingzeit in den anschließenden 10 Minuten steigen bei den "Dämmstoffen" die Temperaturen zunächst kurz an, um dann wieder abzufallen. Die Temperaturen nach 20 Minuten sind aber immer noch höher als die der Speicherstoffe. Bei diesen erhöht sich nach der Bestrahlung sogar die Oberflächentemperatur, obgleich keine Strahlungsenergie mehr eingebracht wird. Speicherfähige und schwere Baustoffe bewirken also einen Verzögerungseffekt. Die eingestrahlte Energie wird im Baustoff eingelagert und gespeichert und dann später erst weitergegeben – das Speichervermögen kommt zum Tragen.

"Dämmstoffe" dagegen können keine Wärme speichern und reagieren prompt – sie sind sehr empfindlich gegenüber Temperatur- und damit Wärmestromveränderungen. Diese empirisch ermittelten unterschiedlichen Temperaturveränderungen können mit den in der Tabelle ebenfalls angeführten bauphysikalischen Speicherdaten erläutert werden: Mineralwolle und Styropor haben hohe Temperaturleitfähigkeiten a, also schnelle Temperaturbewegungen, aber auch kleine Wärmeeindringkoeffizienten b, also eine geringe und schnelle Energieaufnahme.

Dieser Nachteil der Dämmstoffe drückt sich auch im kaum vorhandenen Speichervermögen Qs aus. Die Speicherstoffe dagegen haben geringe Temperaturleitfähigkeiten a, also langsame Temperaturbewegungen, und hohe Wärmeeindringkoeffizienten b, also eine hohe und langsame Energieaufnahme, weil das Speichervermögen Qs wesentlich höher ist. Der Ziegel gleicht hier die etwas höhere Temperaturleitfähigkeit a durch einen sehr hohen Wärmeeindringkoeffizienten b und besonders hohes Speichervermögen Qs aus.

Diese bauphysikalischen Speicherkennwerte sind für das Temperaturverhalten einer Außenkonstruktion somit bestimmend und äußerst wichtig. Diese positiven Eigenschaften der Speicherstoffe gegenüber Temperaturveränderungen können den U-Werten keineswegs entnommen werden. Im Gegenteil, die "guten" U-Werte der Dämmstoffe nutzen bei Temperaturveränderungen nichts, wenn keine Speicherfähigkeit vorhanden ist. Die "schlechten" U-Werte von Holz und besonders Ziegel dagegen reagieren auf Temperaturveränderungen hervorragend, weil eine genügende Speicherfähigkeit vorliegt.

Fazit

Da sich im Tagesrhythmus die Temperaturen in der Außenkonstruktion infolge der Solareinstrahlung ständig ändern, diese Temperaturen jedoch erst den Wärmestrom bestimmen, wird für die Beschreibung von Energieströmen die Temperaturleitfähigkeit in Verbindung mit der Speicherkapazität entscheidend und maßgebend. Holz, die Holzfaserplatte und der massive Ziegel bieten sich deshalb als geeignete Baustoffe an, die üblichen "Dämmstoffe" dagegen sind unbrauchbar.

Es muss bei instationären Verhältnissen eigentlich ein "Temperaturdurchgangskoeffizient" und nicht der "Wärmedurchgangskoeffizient", der U-Wert, Verwendung finden; wesentlich ist nicht der Wärmeschutz, sondern der Temperaturschutz. In allen Energiebedarfsberechnungen gilt jedoch nur der U-Wert, der eben nur bei eingependelten, festen Temperaturen (eine Utopie) anwendbar ist. Außerdem wird dieser imaginäre Wärmestrom auch noch durch die Lufttemperaturdifferenz zwischen Innen und Außen bestimmt.

Maßgebend für den Wärmedurchlass im Bauteil ist jedoch ausschließlich die Oberflächentemperaturdifferenz zwischen Innen und Außen und diese ist wesentlich geringer als die Lufttemperaturdifferenz. Zur Definition des U-Wertes steht deshalb in [3]: "Der Wärmedurchgangskoeffizient U (k-Wert) bezeichnet die Wärmemenge in Joule, die in einer Sekunde durch 1 m² eines Bauteils im stationären Temperaturzustand hindurchgeht, wenn der Temperaturunterschied zwischen den beiderseits angrenzenden Medien (z. B. Luft) 1 Kelvin beträgt".

Der U-Wert entpuppt sich damit als Fata Morgana [12], [14].

Analoge Überlegungen zur Temperaturstabilität

Nun bestehen Außenkonstruktionen selbstverständlich nicht aus 4 cm Schichten, aber allein schon dieser durchgeführte Test zeigt, wie wichtig das Speichern für das Temperaturverhalten eines Baustoffes ist. Die Speicherfähigkeit ist für die Stabilität des Raumklimas bedeutsam und darf schon aus diesem Grunde nicht vernachlässigt werden. Das Maß hierfür ist das Temperatur-Amplituden-Verhältnis (TAV) oder der Kehrwert, die Temperatur-Amplituden-Dämpfung (TAD). Speicherfähiges Material dämpft die außenseitigen Oberflächentemperaturschwankungen auf der Innenoberseite, deshalb sollte wegen der Behaglichkeit das TAV den Wert 0,15 nicht übersteigen. Für bauübliche Abmessungen zeigt die Abbildung 3 dieses so wichtige Beurteilungskriterium:

Abb. 3 Temperatur-Amplituden-Verhältnis homogener Wände aus verschiedenen Stoffen, abhängig von der Wanddicke [8]. Es werden folgende Baustoffe gewählt: Holz: l = 0,13 W/mK, r = 600 kg/m³; Gasbeton: l = 0,16 W/mK, r = 500 kg/m³; Leichtbeton: l = 0,50 W/mK, r =1200 kg/m³; Beton: l = 2,10 W/mK, ñ = 2400 kg/m³; Wärmedämmstoff: l = 0,04 W/mK, r = 30 kg/m³.

Erläuterung:

Je nach Baustoff ergeben sich recht unterschiedliche Ergebnisse. Ein TAV von 0,1 (20 K Oberflächentemperaturschwankung außen wird innen mit 2 K Oberflächentemperaturschwankung wirksam) werden etwa durch 20 cm Holz, 36,5 cm Leicht- und Gasbeton (auch durch massive Ziegel) und etwa 50 cm Schwerbeton erzielt. Wärmedämmstoff dagegen muss bei Abmessungen von etwa 12 bis 16 cm (dies sind bereits effizienzlose und damit unwirtschaftliche Dämmstoffdicken) mit Temperatur-Amplituden-Verhältnissen von 0,8 bis 0,9 belegt werden (eine Oberflächentemperaturschwankung außen von 20 K wird innen mit 16 bis 18 K Oberflächentemperaturschwankung wirksam).

Reine Leichtkonstruktionen aus Dämmstoff bedingen deshalb ein "Barackenklima". Interessant ist, dass Beton und Wärmedämmstoff im TAV gar nicht allzu weit auseinander liegen. Die beiden Extrembaustoffe für Speicherung (Beton) und Dämmung (Wärmedämmstoff) können also bei ähnlichen Dicken ihre jeweiligen Schwachstellen in etwa kompensieren. Beton erfüllt die TAV-Anforderung schon mit 50 cm, eine durchaus mögliche Konstruktion. Dämmstoff dagegen muss nun noch mehr Dicke aufbringen, um annehmbare TAV-Werte zu erzielen – dies aber ist konstruktiv nicht umsetzbar und außerdem wirtschaftlich völlig unakzeptabel [14].

Auch Haferland hat bereits auf die Bedeutung einer Temperatur-Amplituden-Dämpfung hingewiesen und zeigt in [9] die folgende Abbildung 4.

Abb. 4 Temperatur-Amplituden-Dämpfung und Temperatur-Amplituden-Verhältnis unterschiedlicher Baustoffe.

Erläuterung:

Auch hier wird "Schaumkunststoff" an unterster Stelle ausgewiesen, noch unterhalb des Betons. Der Porenziegel erreicht annehmbare und gute Werte, doch das Nadelholz zeigt seine ganze Stärke: Vollholzkonstruktionen sind hervorragend. Außerdem werden noch aus [15] die TAV-Werte für Vollholzwände übernommen, die sogar noch günstiger als die Haferland-Angaben sind.

Insofern verwundert es dann auch nicht, dass das für ein angenehmes Raumklima so entscheidende Maß des Temperatur-Amplituden-Verhältnisses von den Herstellern von Fertighäuser in Leichtbauweise bagatellisiert und für überflüssig gehalten wird. So steht unter der Überschrift "TAV nicht mehr aktuell" in [18]:

"Das Temperatur-Amplituden-Verhältnis der Außenwände wird nicht mehr als wichtigste Größe für den sommerlichen Wärmeschutz angesehen" und weiter heißt es dort: "Im Verlauf der Diskussion entwickelte sich eine Prioritätenfolge, die derzeit folgendermaßen dargestellt werden kann:

1. Energiedurchlässigkeit und Fläche der transparenten Außenbauteile.
2. Sommerliche Gebäudelüftung (Nutzen der nächtlichen Abkühlung).
3. Orientierung der transparenten Außenbauteile.
4. Wärmespeicherfähigkeit der Innenbauteile.
5. Instationärer Wärmeschutz (TAV) der nicht-transparenten Außenbauteile.

Hier zeigt sich das ganze Dilemma "moderner" Bauentwicklungen. Bewährtes Erfahrungswissen wird nicht mehr als solches angesehen, es wird einfach wegdiskutiert. Die Sonne wird nur beim Fenster akzeptiert, die speicherfähige Außenwand wird ignoriert. Der Energieeintrag über die Fenster führt zu Überheizungen – hierfür braucht man dann nur "speicherfähige Innenbauteile".

Um die Leichtwand zu retten, wird einfach das Temperatur-Amplituden-Verhältnis abgeschafft. Es wird die Parole ausgegeben, das TAV sei nicht mehr wichtig und alle haben willig und gehorsam zu folgen, schließlich würde in der DIN 4108, wie in [3] zu lesen ist, der Nachweis des TAV auch nicht gefordert. So einfach ist das beim globalisierten Geschäft mit dem Kunden. Nur leider ist der Kunde dabei der Dumme.

Fazit

Auch hier zeigt sich klar, dass Holz und massive Baustoffe wie der Ziegel hervorragend geeignet sind, klimatisch stabile Innenraumverhältnisse zu schaffen. Aus diesem Grunde ist die "zukunftsweisende" Bauweise mit viel Dämmstoff sehr kritisch zu sehen. Immerhin werden in [17] für Leichtkonstruktionen recht ungünstige TAV-Werte ausgewiesen. Auf die Problematik des kapillaren Feuchtetransportes bei Schichtkonstruktionen wird besonders hingewiesen [14]. Immerhin wird dieser sehr behindert, wenn nicht sogar unterbrochen, was dann zu Durchfeuchtungen der Wände und damit zu Schimmelpilzbildungen führt. Schimmelpilzseminare haben Hochkonjunktur.

Schlussbemerkung

Im Interesse bestimmter Industriezweige wird "moderne" Bauphysik je nach Bedarf diskutiert und umformuliert. Nicht Erkenntnisse bestimmen die (deshalb pseudo) wissenschaftlichen Aussagen, sondern Kooperationsbekenntnisse zur Industrie – und all dies geht zu Lasten des Kunden. Dem wird dann durch Werbekampagnen klar gemacht, dass dies ja alles letzter Stand der Technik und deshalb erstrebenswert sei – außerdem diene es der Umwelt. Aber gerade das Umweltargument ist nur ein Scheinargument, es wird arg missbraucht [13]. Die Medien veranstalten wahre Täuschungsorgien.

Als "Behaglichkeits-Ausgleich" beim Barackenklima wird nun empfohlen (oder verordnet), auftretende Missstände beim Raumklima durch eine aufwendige und kostenintensive technische Gebäudeausrüstung zu "bereinigen". Wieder geht alles zu Lasten des Kunden. Es werden, wie immer, nicht die Ursachen beseitigt, sondern lediglich die Symptome bekämpft.

Da sich die Speicherfähigkeit einer Außenwand besonders günstig auf die Behaglichkeitskriterien im Innenraum auswirkt, wäre es leichter und billiger, für die Außenkonstruktion eben speicherfähiges Material zur Dämpfung und Pufferung der unliebsamen Temperatureinflüsse im Sommer vorzusehen. Im Winter aber kann durch speicherfähiges Material die kostenlose Sonnenenergie "geerntet" werden, so dass sich dadurch erhebliche Energieeinsparungen ergeben. Auch wenn dagegen polemisiert wird [6], es hat sich gezeigt, dass auf das Speichervermögen einer Außenkonstruktion nicht verzichtet werden kann – eben auch in energetischer Hinsicht [12], [14].

Die energetische Beurteilung einer Außenkonstruktion nur auf den U-Wert zu beschränken, ist deshalb völlig unzureichend und irreführend, da die Voraussetzung für die Gültigkeit, nämlich der Beharrungszustand, nie vorliegt. Diese Beschränkung des U-Wertes wird auch in [10] bestätigt. Dort steht:

"Folgendes ist vorauszuschicken: der k-Wert (jetzt U-Wert) eines Bauteils beschreibt dessen Wärmeverlust unter stationären, d. h. zeitlich unveränderlichen Randbedingungen. Die Wärmespeicherfähigkeit und somit die Masse des Bauteils geht nicht in den k-Wert ein. Außerdem beschreibt der k-Wert nur die Wärmeverluste infolge einer Temperaturdifferenz zwischen der Raum- und der Außenluft. Die auch während der Heizperiode auf Außenbauteile auftreffende Sonneneinstrahlung bleibt unberücksichtigt".

Es ist recht bemerkenswert, dass Hauser, selbst ein Protagonist des U-Wert-Dogmas, einmal etwas derartig Fundamentales festgestellt hat. Wenn Leute nur das, was sie einmal gesagt haben, nicht wieder vergessen würden, wäre im Disput um den Gebäudewärmeschutz und die Behaglichkeit schon vieles gewonnen. Insofern ist es dann schon recht merkwürdig, wenn Hauser drei Jahre später in [11] versucht, die Allgemeingültigkeit des U-Wertes durch eine "Literaturstudie" zu retten, indem er die vielfältige Verwendung des U-Wertes auflistet. Damit aber wird nur dokumentiert, wer alles mit dem U-Wert hantierte und selbst dem Irrtum unterlag, dieser sei zur Bestimmung der Transmissionswärmeverluste brauchbar. Keinesfalls jedoch wird damit die Gültigkeit und Richtigkeit des U-Wertes bewiesen. Die zitierten Literaturstellen in [11] zeigen, wer alles an "Experten" hier irrte – und immer noch irrt [14].

Der U-Wert wird somit von offizieller Seite nicht zur Disposition gestellt. Dies aber ist gerade jetzt besonders verantwortungslos, weil mit der EnEV [5] vor allem die speicherfähige Altbausubstanz durch U-Wert-Verbesseung "energetisch saniert" werden soll. Damit aber werden nur die Bauschäden zunehmen – die Schwierigkeiten bei Wärmedämmverbundsystemen werden gerade jetzt offenkundig.

Mit dem "Lichtenfelser Experiment" werden die bauphysikalischen Zusammenhänge einer erstrebenswerten Außenkonstruktion wieder in Erinnerung gerufen. Dies ist wichtig, denn die etablierte Bauphysikszene ist weit davon entfernt, davon überhaupt Kenntnis zu nehmen. Sie ist in heller Aufregung und polemisiert in Ermangelung stichhaltiger Gegenargumente in gewohnter Weise. Beleidigungen und Diffamierungen ersetzen jedoch keine Argumente. Die Dämmstoff-Industrie hat die Order ausgegeben, das Lichtenfelser Experiment "totzuschweigen". Eine Informationssperre aber löst keine bautechnischen Probleme. Umfassende Aufklärung ist notwendig, um hier die Spreu vom Weizen zu trennen, [16], [19]. Unabhängige Fachleute sind bemüht, hier den Nebel von Fehl- und Falschinformationen zu lichten, unter anderem auch die AGH, der Arbeitskreis Gesundes Haus [1].

Abraham Lincoln hat gesagt: "Man kann einige Leute die ganze Zeit, und alle einige Zeit zum Narren machen, nicht aber alle die ganze Zeit". Allerdings wurde Lincoln 1865 in seiner Theaterloge erschossen, wie so mancher amerikanische Präsident später auch.

Literatur

[1] AGH: Arbeitskreis Gesundes Haus. Zusammenschluss von unabhängigen Wissenschaftlern, Architekten, Fachingenieuren und Sachverständigen (Böttiger, Eisenschink, Fischer, Gagelmann, Gerlich, Köneke, Kühnel, Meier, Thüne); u. a. Petition zur EnEV an den Bundestag vom März 2001 – Aktenzeichen: Pet 1-14-12-232-031592 (siehe auch Internet-Adressen).

[2] Cords-Parchim, W.: Technische Bauhygiene. Teubner Verlag Leipzig 1953.

[3] Cziesielski, E.; Daniels, K.; Trümper, H.: Ruhrgas Handbuch - Haustechnische Planung. Hrsg. Ruhrgas AG, Karl Krämer Verlag Stuttgart 1985.

[4] Eichler, F; Arndt, H.: Bautechnischer Wärme- und Feuchtigkeitsschutz. 2. Auflage, VEB Verlag für Bauwesen Berlin 1989.

[5] Energieeinsparverordnung – EnEV. "Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden" – Februar 2002.

[6] Feist, W.: Ist Wärmespeichern wichtiger als Wärmedämmen ? Institut für Wohnen und Umwelt GmbH Darmstadt, Mai 1987.

[7] Fischer, K.; Köneke, R.; Lipfert, F.; Meier, C.; Parsiegla, H.: Temperaturmessung – Dämmstoffe im Vergleich. Bautenschutz + Bausanierung 2001, H. 8, S. 9.

[8] Gösele, K.; Schüle, W.: Schall, Wärme, Feuchte. Bauverlag Wiesbaden Berlin 1985.

[9] Haferland, F.: Forschungsbericht aus "Wirtschaftlich Bauen", Sonderheft 9, Bauverlag Wiesbaden; in Hebel Handbuch für den Wohnbau 1986.

[10] Hauser, G.: Der k-Wert im Kreuzfeuer - ist der Wärmedurchgangskoeffizient ein Maß für Transmissionswärmeverluste? Bauphysik 1981, H. 1, S. 3.

[11] Hauser, G.: Einfluss des Wärmedurchgangskoeffizienten und der Wärmespeicherfähigkeit von Bauteilen auf den Heizenergieverbrauch von Gebäuden. Literaturstudie. Bauphysik 1984, H. 5, S. 180 und H. 6, S. 207.

[12] Meier, C.: Praxis-Ratgeber zur Denkmalpflege Nr.7, Januar 1999. Altbau und Wärmeschutz - 13 Fragen und Antworten. Informationsschriften der Deutschen Burgenvereinigung e.V. Marksburg - 56338 Braubach.

[13] Meier, C.: Die Mär von der Klimakatastrophe. Bausubstanz 2001, H. 5, S. 59.

[14] Meier, C. Richtig bauen – Bauphysik im Widerstreit – Probleme und Lösungen. Renningen-Malmsheim: expert verlag 2001, 248 Seiten.

[15] Nürnberger, W.: Vollholzbauweise. Informationsdienst Holz e.V. Düsseldorf, November 1985.

[16] Postman, N.: Die zweite Aufklärung. Berlin Verlag 1999.

[17] Schulze, H.: Außenwände und Dächer. Informationsdienst Holz e.V. Düsseldorf, März. 1977.

[18] Spethmann, H. J.: Sommerlicher Wärmeschutz. BMF Rundschau, Bauen mit Fertigteilen Nr. 26, 1976, S.17.

[19] Wertheimer, J.; Zima, P. V.: Strategien der Verdummung. Infantilisierung in der Fun-Gesellschaft. Beck‘sche Reihe 1423, Verlag C. H. Beck, München, 3. Auflage 2001.

Weitere Texte sind auch bei folgenden Internet – Adressen zu finden:

a) Hintergrundinformationen und Veröffentlichungen: http://ClausMeier.tripod.com
b) Umfangreiches Material: http://www.konrad-fischer-info.de
c) Strahlungsheizung: www.sancal.de
d) besonders Feuchteschutz: http://www.ernst-vill-verlag.de
e) www.dimagb.de


01.2003
Das Lichtenfelser Experiment
Auf dem Symposium des VBN und BVS ”Energieeinsparverordnung”
am 14. Dez. 2002 in Hannover

referierte Prof. Gertis über ”Dämmen wir uns krank?
Werden Energieeinsparung und Schimmelpilz sachlich diskutiert?”

Dabei ging er auch auf die Veröffentlichungen [1] und [2] ein, die in der Fachwelt hohe Wellen schlugen. Die etablierte Bauphysik-Szene war entrüstet, die verarbeitende Dämmindustrie schockiert, man widersprach.

Hier die wichtigsten Aussagen aus [1] und [2]:

  • Der Tagesrhythmus ist geprägt von ständigen Temperaturveränderungen, sowohl der Luft- als auch der Oberflächentemperaturen infolge absorbierter Solarenergie.
  • Die Behaglichkeit im Innenraum erfordert die Speicherfähigkeit der verwendeten Materialien und damit die notwendige Temperaturstabilität der Außenhülle.
  • Maßgebend ist nicht die stets im Vordergrund stehende Wärmeleitfähigkeit l, sondern die Temperaturleitfähigkeit a, das Speichervermögen Qs und der Wärmeeindringkoeffizent b, um günstige Raumklimaverhältnisse zu schaffen.
  • Für die Außenwand eigenen sich besonders schwere Massivziegel und Massivholz.
  • Wärmedämmstoffe sind dagegen sehr empfindlich gegenüber Temperaturveränderungen, sie besitzen wegen fehlender Speicherfähigkeit keine Temperaturstabilität.
  • Der U-Wert, der bei Dämmstoffen besonders “günstig” ausfällt und bei allen Energiebedarfsberechnungen die maßgebende Rolle spielt, ist kein geeigneter Maßstab für energie- und klimagerechtes Bauen.

Durch den Gertis-Beitrag, als Skript auf der Veranstaltung verteilt, wurden diese in [1] und [2] dargelegten Fakten nun eindrucksvoll untermauert.

Das in [1] veröffentlichte Diagramm, das die auf der Rückseite einer 4 cm dicken Probe gemessenen Anfangstemperaturen und die nach 10 Minuten erreichten Oberflächentemperaturen geradlinig verbindet, wird zwar einmal beanstandet (die beiden Messpunkte "Start" und "10 Minuten" werden durch eine Gerade verbunden, also Linearität unterstellt - was einen weiteren Fehler darstellt), doch zum anderen auch als richtig angesehen.

Hierzu heißt es dann: “In diesem winzigen Zeitfenster ergeben sich in der Tat die linearisierten Gradienten. Die Messung selbst dürfte deshalb im Rahmen der sonstigen Messgenauigkeit sogar richtig sein”. Es wird also die Richtigkeit der Versuchsergebnisse bestätigt. Anmerkung: Diese gegensätzlichen Aussagen zeugen von Oberflächlichkeit im Denken.

Die beste Bestätigung der in [1] und [2] gemachten Aussagen liefert jedoch das im Skript enthaltene Bild 13, das deutlich erkennen lässt: Maßgebend für die unterschiedlichen Temperaturverläufe in den verschiedenen Materialien ist die Zeit. Hier wird dann zwischen stationär (nach langer Zeit) und instationär (unmittelbar nach Einwirken der Temperaturveränderung) unterschieden:

a) Stationär: Hierzu heißt es im Text: “Erst nach längerer Zeit wird asymptotisch ein horizontaler Endverlauf, d. h. der stationäre Endzustand erreicht. Der stationäre Endwert der Kurven ist von der Wärmeleitfähigkeit, also vom Dämmwert, abhängig”.

Nun interessiert jedoch nicht der Wärmestrom, der sich “nach langer Zeit” (im Bild 13 sogar mit der Zeit unendlich angegeben) ergibt, wenn also im Bauteil der Beharrungszustand, d. h. die gleichmäßige Temperaturverteilung mit konstantem Wärmestrom, vorliegt, sondern die bei Temperaturveränderungen unmittelbar auftretenden thermischen Reaktionen.

b) Instationär: Für die Zeit vor dem stationären Bereich muss vom instationären Zustand ausgegangen werden. Hierzu heißt es im Text: “Der übrige nichtlineare Kurvenverlauf hängt nicht von der Wärmeleitfähigkeit l, sondern von der Temperaturleitfähigkeit a = l/cr ab”.

Dies ist der entscheidende Satz. Im 24 Stunden-Zeitrahmen wird nie die "Temperaturkonstanz", der stationäre Zustand erreicht. In Realität liegt stets der instationäre Zustand vor und hier gilt dann die Temperaturleitfähigkeit a, wie von Gertis selbst angegeben, aber auch das Speichervermögen Qs und der Wärmeeindringkoeffizient b.

Zusammenfassend heißt es dann im Text: “Der instationäre Aufheizvorgang ist von der Temperaturleitfähigkeit geprägt, der stationäre Endzustand hingegen von der Wärmeleitfähigkeit”. Das bedeutet im Klartext: Alle Berechnungen nur mit der Wärmeleitfähigkeit gelten lediglich für den “Endzustand”, der aus Zeitgründen aber nie eintritt.

Das Ziel des “Lichtenfelser Experimentes” war es, die unmittelbaren thermischen Reaktionen unterschiedlicher Materialien bei Aufheizvorgängen (Temperaturveränderungen) festzustellen. Dies war wichtig, denn die erzielten Ergebnisse zerstören die weit verbreitete Vorstellung, bei energetischen Fragestellungen sei nur eine “gute” Dämmung anzustreben. Nein, die Speicherfähigkeit ist wesentlicher Bestandteil eines klimagerechten Hauses, das den großen Temperaturveränderungen Widerstand entgegensetzen muss. Nicht der “stationäre” Zustand nach langer Zeit, sondern der “instationäre” Zustand sofort nach Einwirken einer Temperaturveränderung ist entscheidend.

Aber gerade dies wird im Text von Gertis moniert, dort heißt es:
”Beim Lichtenfelser Experiment handelt es sich nämlich um einen Aufheizvorgang, an dessen Ende erst der stationäre Temperatuzustand erreicht worden wäre. So lange haben die “Experimentatoren” aber nicht gewartet, sondern den Versuch nach 10 Minuten abgebrochen – was einen Fehler darstellt”.

Wie schon erläutert, stationäre Zustände am Ende von Aufheizvorgängen zu fixieren, war nicht die Aufgabe - das Rechnen im “Beharrungszustand” ist ein alter Hut. Da es sich in Realität infolge der Sonneneinstrahlung stets um Aufheiz- und dann nachts um Abkühlvorgänge im instationären Bereich handelt, interessiert der stationärer Zustand nicht. Der Fehler war offensichtlich der, diese Fragestellung überhaupt zu bearbeiten, da die ermittelten Ergebnisse die üblichen rechnerischen Verfahrengänge in der Bauphysik ad absurdum führen.

Dieser Gertis`sche Beitrag bestätigt in eindrucksvoller Weise die Fragwürdigkeit der Positionen, die die "offizielle Bauphysik" vertritt - Beharrungszustand ist eine Fiktion. Die Formeln in der DIN 4108, die ja den Beharrungszustand voraussetzen, sind demzufolge hinfällig, sie sind nicht brauchbar. Es handelt sich um Phantomrechnungen.

Was ist daraus abzuleiten?
Selbst der Versuch, mit Argumenten "Gegenbeweise" zu liefern, endet mit der Bestätigung der in [1] und [2] gemachten Aussagen.

Ist es nun pure Hilflosigkeit oder bereits das langsame Zurücknehmen fehlerhafter Positionen in der offiziellen Bauphysik?

Oder ist es vielleicht die nach außen hin demonstrierte tolerante Haltung in Veranstaltungen, die dem Negativ-Image einer doktrinären Haltung entgegenwirken soll, wobei dann letztendlich doch alles beim Alten bleibt – Zugeständnisse werden ja als Niederlage empfunden.

Dies würde dann die Grundeinstellung der offiziellen Bauphysik bekräftigen: “Wir wissen zwar, dass wir vieles falsch machen – aber wir bleiben dabei”.

Wie dem auch sei, die Auseinandersetzung wird spannend und interessant werden.
Claus Meier

[1]  Fischer, K.; Köneke, R.+; Lipfert, F.; Meier, C.; Parsiegla, H.: Temperaturmessung
      – Dämmstoffe im Vergleich. Bautenschutz + Bausanierung 2001, H. 8, S. 9.
[2]  Meier, C.: X für ein U; Der U-Wert und seine Brauchbarkeit.
      Bautenschutz und Bausanierung (B + B), 2002, H. 6, S. 73.





Die Informationspolitik zum Baugeschehen läßt sehr zu wünschen übrig. Fehldeutungen, Irrtümer, Täuschungen und Verschleierungen - alles wird herangezogen, um die Bauleute stets auf falschem Kurs zu halten - zum Leidwesen der Bauenden, zum Nutzen bestimmter Industriezweige


Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier
Architekt SRL, BayAK
Nürnberg

Fehler und Irrtümer, Täuschungen und Verschleierungen
Bauphysikalische Aussagen entpuppen sich als Informationsmüll

In den Fachmedien erscheinen im Rahmen der Ein- und Durchführung des EnEV zum Thema Wärmeschutz und Energieeinsparung immer wieder Veröffentlichungen, die weitgehend im Propagandastil Irreführungen und Falschmeldungen zum Inhalt haben. Zur Einstimmung auf die Konsequenzen dieser Praxis wird das Strafgesetzbuch zitiert [61]:

 

§ 263   Betrug

(1)       Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2)       Der Versuch ist strafbar.
(3)       In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

§ 263a             Computerbetrug

(1)       Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er das Ergebnis eines Datenverarbeitungsvorganges durch unrichtige Gestaltung des Programms, durch Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, durch unbefugte Verwendung von Daten oder sonst durch unbefugte Einwirkung auf den Ablauf beeinflußt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2)       § 263 Absatz 2 bis 5 gilt entsprechend.

 

Als Autoren des Artikels

”Moderne Ansätze für das energiesparende Bauen statt alter Behauptungen”
Die bauphysikalischen Modelle der EnEV und ihre Praxisrelevanz

erschienen im Bundesbaublatt 2001, H. 8, S. 22   zeichnen Prof. Hauser, Kassel  und BOR Hegner  BMVBW, Berlin.

Viele beanstandungswürdigen Passagen in diesem Artikel werden wie folgt kommentiert:

1.      Moderne Ansätze
Das Bauen ist viel zu ernst, als dass man dies mit dem Begriff modern umschreiben sollte. Meist verbirgt sich hinter diesem Schlagwort der Versuch, durch die Vorgabe einer Modernität Kritik sofort im Keime zu ersticken – wer will schon unmodern sein. Übrigens: ”Moderne” Wissenschaft scheint durch Drittmittelforschung zu degenerieren und sich stetig zu deformieren. Deshalb ist auf ”moderne” Fachbücher und Veröffentlichungen auch kaum Verlaß, auf alte dagegen schon! (wie z. B. [3], [9], [10], [16] und [30]).

2.      Alte Behauptungen
Solange ”Behauptungen” nicht wissenschaftlich exakt widerlegt werden, gelten sie. Dies gilt besonders, wenn sie schon seit Jahren und Jahrzehnten immer wieder vorgebracht werden – ohne widerlegt zu werden [57], [58]. Es spricht mehr für die Starrköpfigkeit und Unbelehrbarkeit einer herrschsüchtigen und arroganten ”Bauphysikerschicht”, wenn sie trotz zahlreicher Gegenbeweise weiterhin an ihren ”alten, fehlerhaften und verstaubten” Thesen festhält. Es gibt Naturgesetze, es gibt die Logik, es gibt die Mathematik – und es gibt die Erfahrung. Dies sind verläßliche Helfer, um Fehlerhaftes konsequent offenzulegen – und dies geschieht zur Genüge [54]. Ein Widersprechen mit lediglich diffamierender, verhöhnender und/oder verleumderischer Begleitmusik ist einfach zu wenig und dokumentiert eher die argumentative Hilflosigkeit der ”offiziellen Bauphysik”.

3.      Der Anteil der Raumwärme sei 34% des gesamten Endenergieverbrauches der BRD
Dies ist die seit vielen Jahren immer wieder vorgebrachte bewußte Irreführung des Kunden, um ihm suggestiv den gewaltigen Anteil der Raumwärme vorzugaukeln und damit das schlechte Gewissen einzureden. Der Endenergieverbrauch ist der Verbrauch der fünf Endenergiesektoren. Beispielhaft werden die Werte der alten Bundesländer für 1986 genannt [64]:

Endenergieverbrauch: 7.608      PJ
aus der Umformung: +3.865      PJ
Primärenergieverbrauch 11.473      PJ
Verluste der Umformung +6.751      PJ
Gesamtenergieverbrauch 18.224      PJ

    Die Haushalte lagen damals bei einem Energieverbrauch von etwa 2.000 PJ. Es wird hier mit gezinkten Karten gespielt, denn durch die auf eine kleine Basis bezogene Prozentangabe wird der Kunde gewaltig getäuscht. Wird die Raumwärme von 2.000 PJ nicht auf den ”Endenergieverbrauch”, sondern auf den Gesamtenergieverbrauch bezogen, so werden aus den hier vorliegenden 26% weniger als 11%. Interessant ist auch die Tatsache, dass die Verluste der Umformung über das Dreifache der Raumwärme ausmachen.

Ausgangslage

4.      Der CO2-Ausstoß sei gegenüber 1990 bis 2005 um 25% zu senken
Es herrsche ein politischer Konsens, wird gesagt, und deshalb sei die EnEV rechtens. Gegen Konsens ist nichts einzuwenden, doch wenn es eine ”CO2-Klimakatastrophe” überhaupt nicht gibt und deshalb nur Wunschdenken bestimmter Industriezweige ist, dann wird hier selbst die Politik hinters Licht geführt [4], [6]; [7], [8], [23], [24], [49], [62], [63]. Ein Irrtum ersetzt doch keine Begründung für absurdes Handeln.

5.      Energieeffizientes Bauen sei auch Daseinsvorsorge
Energieeffizientes Bauen wird nur zum Schlagwort hochstilisiert, denn was im Wärmeschutz gefordert wird, ist niemals effizient (wirtschaftlich) – zumindest nicht für den zahlenden Kunden und den Steuerzahler. Deshalb wird ihm auch eingeredet, dies sei Teil der Daseinsvorsorge – welch ein Trugschluß, denn die offerierten Leicht- Niedrigenergie- und Passivhäuser sind keineswegs dauerhaft und stabil; man beachte nur die Bauschadensberichte der Bundesregierung und die immensen Bauschäden, die überall auftreten.

6.      Das Gesetz verpflichte die Bundesregierung, Verordnungen zu erlassen
Von Verpflichtung kann überhaupt keine Rede sein. Das Energieeinsparungsgesetz ermächtigt die Bundesregierung zum Erlaß von Verordnungen; sie kann es tun, sie kann es aber auch lassen, wenn sie will. Aber sie will nicht, auch wenn sie damit gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot im Energieeinsparungsgesetz und der EnEV verstößt [44], denn offensichtlich beeinflußt intensive Lobbyarbeit das verantwortliche Handeln der Bundesregierung – und Abweichler werden verteufelt.

7.      Energieeinsparungsmaßnahmen müssen ausreichend wirtschaftlich sein
Ja eben, zum Glück steht dies im Energieeinsparungsgesetz [14], der Ermächtigungsgrundlage zum Erlaß der Verordnungen und auch in der EnEV [18]. Doch nun deshalb davon auszugehen, die Anforderungen in der EnEV seien tatsächlich wirtschaftlich, ist eine Selbsttäuschung [44]. Es gibt keinen soliden Wirtschaftlichkeitsnachweis der WSchVO von 1985 und 1994; erst recht nicht für das jetzt um 25% verschärfte Anforderungsniveau der EnEV. Was vorgelegt wird sind entweder Milchmädchenrechnungen oder gestreute Hoffnungen auf eine baldige Wirtschaftlichkeit – nur heiße Luft und viel Palaver um den heißen Brei.

8.      Die Wirtschaftlichkeit sei durch Gutachter geprüft
Da es sich um Gutachter handelt, die aus dem Club der EnEV-Erfinder stammen (z. B. Hauser, Maas, Feist), kann auf diese Gutachten getrost verzichtet werden – es ist doch eine Farce, wenn man sich selbst begutachtet. Die Analyse solcher Gutachten zeigt, dass es sich um unseriöse, manipulierte Machwerke handelt. Für den Nachweis der Wirtschaftlichkeit müssen Gutachter unabhängig und unparteiisch sein – und sie müssen sich der dynamischen Investitionsrechnung bedienen und diese auch richtig interpretieren [11], [44], [54].

9.      Moderate Amortisationszeiten seien gewährleistet
Solche Ergebnisse sollten vorgelegt werden, anstatt dies nur zu behaupten. Die Regularien der dynamischen Investitionsrechnung sind bekannt, das Mehrkostennutzenverhältnis ist nun einmal das Maß für die Wirtschaftlichkeit [15], [65] – und damit kann zwischen wirtschaftlich und unwirtschaftlich klar unterschieden werden. Selbst Kostendaten des BMBau liefern Negativergebnisse [5], auch in der Literatur wird die Unwirtschaftlichkeit nachgewiesen, wie z. B. in [19]. Die angegebenen Amortisationszeiten von 8 bis 14 Jahren sind deshalb ausschließlich Wunschvorstellungen. Meist basieren sie auf dem Irrtum, das Kostenminimum sei auch die wirtschaftlichste Lösung, wie in [25], und [33]. Weit gefehlt, aber die Hasardeure des Dämmwahns begnügen sich noch nicht einmal damit. Sie offerieren Lösungen, die jenseits des Minimums liegen [17], [21].

Technische Regeln zur Berechnung der energetischen Qualität der Gebäudehülle

10.  Die Berechnungsverfahren stützen sich auf den U-Wert
Gleichzeitig wird aber auch gesagt, bei ebenen; ”ungestörten” Bauteilen beschreibe diese Kenngröße am besten die Vorgänge des Wärmetransports. Aber gerade ”ungestörte” Bauteile gibt es nicht, denn die Sonne ist stets gegenwärtig. Untersuchungen zeigen die Widersprüchlichkeit des U-Wertes [2]. Sich auf den U-Wert stützen zu wollen, ist deshalb schlichtweg falsch, zumal jetzt auch die speicherfähige ”Altbausubstanz” mit einbezogen werden soll [52] [53]. Der U-Wert gilt nur für den Beharrungszustand und dies bedeutet: keine Solarstrahlung (die ist immer da), keine Speicherfähigkeit der Baustoffe (nur Dämmstoff ist (fast) speicherlos), konstante Wärmestromdichte im gesamten Querschnitt (in Realität für Massivbauten eine Utopie, nur Klimakammern können dies gewährleisten. Insofern sind alle Berechnungen mit dem U-Wert gerade für Altbauten fehlerhaft und falsch, [43], [45], [46], [47], [54].

11.  Komplexe dynamische Simulationsverfahren bestätigen den U-Wert
Die verwendeten Simulationsmodelle beschreiben den Transmissionswärmeverlust durch die Außenwand ausschließlich mit dem U-Wert. Die Dynamik beschränkt sich lediglich auf die Beschreibung der beidseitigen, wechselhaften Lufttemperaturen. Da der Wärmedurchlaß jedoch von den inneren und äußeren Oberflächentemperaturen abhängt, diese weichen ja bekanntlich erheblich von den Lufttemperaturen ab [36], können diese ”Modelle” nicht zur Bestätigung der ”Richtigkeit” von U-Werten herangezogen werden.

12.  Seit 25 Jahren gibt es Kritiker dieses Verfahrens, die aber bisher jeden Beweis schuldig geblieben sind
Zu behaupten, dass keine Beweise vorlägen, ist eine bewußte Falschinformation [1], [16], [43], [45], [46], [48], [54]. Es ist traurig, dass unwiderlegbare Argumente von Kritikern seit 25 Jahren, wie ja immerhin eingeräumt wird, ignoriert werden. Der U-Wert gilt, wie richtig erwähnt wird, nur bei stationären Randbedingungen, die jedoch gerade beim massiven Altbau nie vorliegen – hier spielt die Speicherung eine besondere Rolle, auch wenn dagegen polemisiert wurde [20]. Trotzdem wird diese U-Wert-Ideologie mit aller Macht und Brutalität konsequent durchgesetzt.
In [12] wird gesagt: "Karl Popper widerlegte die Überzeugung, es sei immer möglich, den Beweis zu erbringen, dass etwas wahr oder falsch ist. Popper zeigte, dass immer nur der Beweis dafür möglich ist, dass etwas falsch ist, während es sich nie letztgültig beweisen läßt, dass etwas wahr ist. Dies bedeutet, dass alle wissenschaftlichen Theorien, die wir für wahr halten, nicht deshalb als wahr betrachtet werden können, weil ihre Wahrheit wirklich bewiesen worden ist, sondern nur, weil es den Wissenschaftlern, die sie formuliert haben, gelungen ist, ihren Kollegen und uns glaubhaft zu machen, dass sie wahr seien. Normalerweise schließt das die Verwendung mehr oder weniger schwerwiegender Fälschungen und Tricks mit ein, die jedoch nicht als solche erkannt werden, oder wenn, dann erst nach langer Zeit".
Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist, dass nur das Falsche nachgewiesen werden kann – und gerade dies geschieht durch die Kritiker – aber die Kritisierten stellen sich taub und reagieren mit Beleidigungen, Diffamierungen und Repressalien. Sophistik steht dabei hoch im Kurs (siehe auch die Internetadressen).

13.  Zur Kritik wurde umfangreich Stellung bezogen
Umfangreich schon, aber nie überzeugend, schon gar nicht beweiskräftig; oft sogar irreführend wie z. B. das ”Stationäre Modell mit Absorption” in [36], [37], [66], mit dem der Fachwelt weisgemacht werden soll, absorbierte Solarstrahlung würde sachgerecht berücksichtigt werden. Diese Formulierung ist sogar eine semantischer Fehltritt, denn Absorption von Solarenergie ist immer instationär. Meist handelt es sich um eine recht schwache und hilflose Entgegnung, die in der Wissenschaft jedoch nicht ausreicht. Die zitierte Literaturstudie [31] listet nur auf und wiederholt die altbekannten, jedoch irrealen Argumente der nur stationär denkenden Bauphysikergilde. Bis jetzt ist jedenfalls kein Argument der vielen Kritiker widerlegt worden – also gelten diese Aussagen. Hierüber gibt es sogar einen umfassenden Briefwechsel [1].

14.  Die Differenz der Raum- und Außenlufttemperaturen prägen den Energieverbrauch
Gerade dies stimmt nicht. Der Wärmedurchlaß wird ausschließlich von den inneren und äußeren Oberflächentemperaturen der Außenbauteile bestimmt – und diese weichen besonders bei massiven, monolithischen Konstruktionen in erheblichem Maße von den Lufttemperaturen ab [36], [54] – dafür sorgt außen die Sonne und sogar innen eine Strahlungsheizung. Das übliche Schema einer Temperaturverteilung nach DIN 4108 mit konstanten Wärmestromdichten ist deshalb besonders bei speicherfähigen, monolithischen Außenwänden eine perfekte Fata Morgana.

15.  Die Unterschiede zwischen leichter und schwerer Bauart seien vernachlässigbar gering
Zu dieser Aussage kommt es, weil die Begriffe ”leicht” und ”schwer” umgedeutet werden [38]: Leicht bedeutet ”mit Wärmedämmung” zur Innenraumluft, schwer bedeutet ”keine Wärmedämmung” zur Innenraumluft. Nur so kann dann in [34] festgestellt werden, dass ”bezüglich des Heizbetriebes eine trägheitslosere, weniger wärmespeichernde Bauweise günstiger sei, weil die Raumlufttemperaturen durch Nacht- und Wochenendabsenkung zu geringeren Wärmeverlusten führten”. Außerdem wird nur der Solar-Energieeintrag über die Fenster berücksichtigt, deshalb wird nur von den speicherfähigen Innenbauteilen gesprochen. Der sehr wesentliche Energiegewinn der speicherfähigen Außenwand bleibt jedoch unberücksichtigt und ist tabu [25]. Alles aber wird bei den Simulationsmodellen dann mit dem U-Wert gerechnet; nur dadurch kann es zu der ”Gleichwertigkeit” von schwerer und leichter Bauart kommen.

16.  Die Speichermassen der Innenbauteile spielen primär eine Rolle
Genau diese Aussage kennzeichnet die Ignoranz gegenüber der absorbierten Solarenergie durch Außenbauteile [27]. Immerhin wird in [36] gezeigt, dass die eingespeicherte Sonnenenergie ein Vielfaches des stationären Wärmestromes über den U-Wert ausmacht. Speicherung beschränkt sich in der ”offiziellen” Bauphysik nur auf die Innenbauteile, dies aber ist bei direkter Solarenergieabsorption durch Außenbauteile überhaupt nicht gerechtfertigt.

17.  Internationale Normung stützt sich auf den U-Wert
Gerade dies ist zu beanstanden. Normung wird durch die Wirtschaft geprägt. Wenn nun etwas Falsches wie der U-Wert sogar international genormt wird, dann ist dies einzig und allein ein Kennzeichen für die globale Einflußnahme der Wirtschaft auf die Technik zur Maximierung der eigenen Umsätze und Profite. Keineswegs wird mit einer Normung die Richtigkeit des U-Wertes unter Beweis gestellt. Sich auf DIN zu stützen, ist sogar irreführend, zumal der U-Wert, ursprünglich zur Vermeidung von Schimmelpilz [51] und zur Dimensionierung einer Heizungsanlage gedacht, nun für den Energieverbrauch herangezogen wird [18]. Dies aber muß zu fehlerhaften Ergebnissen führen. Dies wird sogar eingestanden, denn in der DIN EN 832 ist im Anhang L auch ”genormt”, dass das Ergebnis des Heizwärmebedarfs mit einer Streuung von ±43,3% behaftet ist. Für die Scharlatanerie mit dem U-Wert ist dies dann sogar eine durchaus segensreiche Normung ! Außerdem ist zu bedenken, dass, wie in [32] dargestellt, der bei kleinen U-Werten überproportional ansteigende Wärmebrückeneffekt die rechnerischen Vorteile fast wieder aufhebt.

18.  Die Berechnungsverfahren sind in DIN EN ISO 6946 wiedergegeben
Diese DIN-Norm gilt nur für den Beharrungszustand (der liegt in Realität nie vor); sie kann also auch nicht als Beleg für die Richtigkeit des U-Wertes herangezogen werden. Auch behandelt sie die Wärmeleitung und Wärmeströmung (klassische Wärmelehre) und die Strahlung (Quantenphysik) analog, was physikalisch einfach falsch ist. Die klassische Wärmelehre lebt von Temperaturdifferenzen, die Strahlung jedoch allein von der absoluten Temperatur. Außerdem wird die Berechnung des U-Wertes derart kompliziert vorgenommen, dass von einer Praxisbezogenheit überhaupt nicht gesprochen werden kann. Statt Klarheit wird Verworrenheit erzielt. Die DIN EN ISO 6946 ist ein Paradebeispiel für genormten Unfug.

19.  Es bestehe gute Übereinstimmung zwischen Meß- und Rechenwerten
Entscheidend ist einmal, wo gemessen wird und zum anderen, wie die gewählten Randbedingungen aussehen. Eigenartigerweise wird immer nur die innere Wärmestromdichte gemessen, die dann geradlinig extrapoliert wird, was bei massivem Mauerwerk falsch ist. Der innen vorliegende Unterschied zur stationären Wärmestromdichte ist nicht allzu groß, so dass nur ”geringfügige” Verbesserungen herauskommen, so unter anderem in [22], [37], [40]. Mit einer Extrapolation wird jedoch bei einer monolithischen Wand die gesamte eingespeicherte Energie unberücksichtigt gelassen. Diese sorgt sogar dafür, dass Wärme von außen nach innen fließt, der den von innen nach außen fließenden Wärmestrom stoppt. Wie man sieht, Forschungsmanipulationen zur Verschleierung der Realität sind en vogue [12], [13]. Nur wenn der Beharrungszustand vorliegt (keine absorbierte Solarstrahlung, keine Speicherfähigkeit, konstante Wärmestromdichte), sind Übereinstimmungen von Meß- und Rechenwerten möglich.

20.  Auf Untersuchungen des Instituts Wohnen und Umwelt Darmstadt wird hingewiesen
Sind Untersuchungsergebnisse des IWU überhaupt glaubwürdig? Superdämmungen sind wegen der Hyperbeltragik zwangsläufig unwirtschaftlich. Aber gerade hier wird vom IWU mit dem Kostenminimum bewußt falsch argumentiert, denn Kostenminimum bedeutet nicht Wirtschaftlichkeit – dies ist ein weit verbreiteter Irrtum, wie er in [17], [25] vorliegt. Zusätzlich begnügt man sich aber noch nicht einmal mit dem Minimum, sondern geht noch darüber hinaus, so dass sogar ungünstigere Werte als das Minimum herauskommen – und das wird dann als Wirtschaftlichkeit verkauft – eine Mogelpackung. Eicke-Hennig proklamiert 3% Abweichung und Feist geht sogar von 5% Abweichung vom Optimum aus und erhält damit 40 cm Dämmstoff. Dies bedeutet im Klartext: Mit dem damit verbundenen Mehraufwand wird weniger als das ominöse Optimum erreicht – absurder können wirtschaftliche Empfehlungen nicht sein – und das IWU ist hier federführend (siehe auch Punkt 9).

21.  Verbrauchsdifferenzen mit dem Faktor 2 bis 9 sind festgestellt worden
Wenn das IWU Verbrauchsunterschiede mit dem Faktor 2 bis 9 feststellt, dann ist dies auch Ausdruck ungenauer Rechnungen mit dem U-Wert, der ja nur für speicherloses Material mit daraus folgender konstanter Wärmestromdichte gilt – eben nur für den Beharrungszustand. Nicht umsonst wird in der DIN EN 832 eine Rechenbeispiel mit einer Streuung von ± 43,3% angegeben. Wenn dann dieser Faktor 2 bis 9 auf Energieverschwender und Energiesparer zurückgeführt wird, dann wird diese Ungenauigkeit nun ausschließlich dem ”Nutzerverhalten” angelastet. Dies aber ist ein zu billiges Argument, um ungenaues und falsches Rechnen zu begründen und den U-Wert zu retten.

22.  Für die energetische Bewertung von Gebäuden ist das Nutzerverhalten nicht dominant.
Dies steht im Widerspruch zu Punkt 21. Es zeigt jedoch das Bestreben, das bewohnbare Haus vom Nutzer zu lösen und einzig und allein nur die ”Dämmqualität” des Hauses zu beurteilen. Wärmeschutz besteht aber aus Dämmung und Speicherung [9], [16], wobei der kostenlosen Nutzung der Solarenergie durch Speicherung erhöhte Priorität zuerkannt werden muß [39]. Die Behausung darf nicht zur Prospekt-Ware degradiert werden, bei der verstärkt nur der energetische Aspekt der Dämmung beurteilt wird – und dabei die Speicherung völlig unberücksichtigt bleibt.

23.  Gut gedämmte Gebäude können schlechtes Nutzerverhalten besser kompensieren
Auch dies steht im Widerspruch zu Punkt 21, entspricht jedoch wohl mehr dem Wunschdenken der U-Wert-Ideologen, denn es verhält sich gerade umgekehrt. Ein massiver Bau reagiert auf ”Störungen” glättend und ausgleichend, während im Gegensatz dazu ein ”Dämmhaus” infolge ungünstiger Temperatur-Amplituden-Verhältnisse und geringer Phasenverschiebungen sofort ein unbehagliches Raumklima nach sich zieht [50]. Um dies zu lindern, sind aufwendige Gebäudeausrüstungen und hohe Investitionen erforderlich – die Wohnmaschine wird dann zur Realität.

24.  Meßergebnisse widerlegen die Kritik an Wärmedämmverbundsystemen, sie würden ”absaufen”
Die Kritik am WDVS konzentriert sich auf den diffusionshemmenden und sorptionsverhindernden Schichtenaufbau, der die Entfeuchtung nach außen verhindert, was auch mit ”Atmen” der Wände beschrieben werden kann (der Mensch entfeuchtet ja auch beim Atmen). Wer gegen das ”Atmen” der Wände polemisiert, hat dies nie begriffen [28].
Die DIN 4108, Teil 5, behandelt nur die Diffusion. 1 Liter (0,5 Liter) Kondensat pro Quadratmeter werden dort als ”unschädlich im Sinne der DIN” angesehen; dies aber ist ein bautechnischer Mangel, auch wenn die DIN dies toleriert. Immerhin sagte Cammerer bereits 1958: ”Tauwasserbildung innerhalb von Bauteilen infolge Dampfdiffusion muß soweit wie irgend möglich vermieden werden” und in der DIN 4108 - Mai 1960 - steht: ”Auch im Innern von unsachgemäß aufgebauten Bauteilen kann Tauwasser auftreten ...” Bereits die DIN 4108 - Juli 1952 - sagt: ”Bei geschichteten Außenbauteilen kann unsachgemäße Anordnung der Schichten zur Bildung von Tauwasser führen, das die Wärmedämmung ungünstig beeinflußt”.
Tauwasser ist also unsachgemäß und schädlich. ”Meßergebnisse” ändern an diesem Tatbestand überhaupt nichts. Die Aufgabe des Messens bestand wohl darin, die auch noch mit einem methodischen Fehler behaftete DIN 4108 nur zu bestätigen.

Strahlungsvorgänge

25.  Es würde behauptet werden, dass gedämmte Konstruktionen den Energieeintrag durch Strahlung behindern
Diese Aussage wird in [26] gemacht. Dort steht bezüglich eines Wärmedämmverbundsystems: ”Das Mauerwerk wird durch die vorgelagerte Thermohaut von der außenseitigen Temperaturbeanspruchung praktisch abgekoppelt”. Deutlicher kann die Behinderung wohl nicht ausgedrückt werden. Ein WDVS verhindert nach dieser Aussage die Nutzung der Solarenergie. Da hilft es dann auch nichts, wenn in [28] vom ”Irrtum mit der Solarstrahlung” gesprochen und damit genau das Gegenteil ausgesagt wird. Auch manipulierte Forschungsvorhaben [37] dienen nicht der Wahrheitsfindung, auch wenn sie im Ziegelverband verbreitet werden [29]. Immerhin wird in [37] die absurde Aussage gemacht, eine beschiene Südwand sei energetisch schlechter einzustufen als eine unbeschienene Nordwand. Hier führt eine ideenreiche Forschungsmethodik zu diesem abwegigen Ergebnis; deutlicher kann sich bauphysikalische Forschung nicht demontieren! Grundsätzlich ist hier zu sagen: Ob Behinderung der Solarstrahlung durch Dämmung oder energetische Zwecklosigkeit der Dämmung, diese Unterscheidung ist zweitrangig, denn ”gedämmte Konstruktionen” erbringen kaum einen energetischen Vorteil, dies ist nachweisbar [54]. Das ”Lichtenfelser Experiment” offenbart auch den Grund: Dämmstoffe sind gegen Temperaturveränderungen hilflos, die Temperaturen durcheilen sehr schnell den Dämmstoff [50].

26.  Simulationsprogramme würden langwellige Strahlungsvorgänge gut erfassen
Es geht hier nicht um die langwellige Abstrahlung, sondern um die kurzwellige Solareinstrahlung, die durch Absorption in nutzbare Wärme umwandelt wird. Dieser Energiegewinn wird weiterhin fehlerhaft berücksichtigt und führt somit zu irreführenden Ergebnissen. Es ist doch absurd, wenn sich Solarstrahlung insgesamt negativ auf die Energiebilanz auswirken soll [37].

27.  Die Globalstrahlung sei an strahlungsreichen Orten nur 40 W/m²
Bei der Absorption handelt es sich nicht um die senkrecht zur Erdoberfläche auftreffende Globalstrahlung, die im Winter tatsächlich kaum zu Buche schlägt, sondern um die im niedrigen Winkel auftreffende Wintersonne, die fast senkrecht auf die Wände trifft. Diese Strahlung macht maximal bis zu 800 W/m² [38], [39] und 1000 W/m² [37] aus und ist in der DIN 4108, Teil 6, je nach Himmelsrichtung, mit Durchschnittswerten zwischen 56 und 143 W/m² aufgeführt.

28.  Strahlungseintrag ist nicht nur bei WDVS, sondern auch bei opaken Bauteilen behindert.
Bemerkenswert ist, dass jetzt die Behinderung des Strahlungseintrages durch Wärmedämmverbundsysteme eingestanden wird. Diese Aussage steht im Widerspruch zu Punkt 25. Es ist erstaunlich, dass im gleichen Artikel gegensätzliche Aussagen gemacht werden. Allerdings ist die angeführte Schlußfolgerung recht eigenartig: Weil bei WDSV eine Behinderung vorliegt, müsse dies auch bei opaken Bauteilen so sein. Dies aber ist irreführend und falsch. Eine massive Wand absorbiert und nutzt die Strahlungsenergie der Sonne, ein WDVS dagegen sperrt nach [26] die Sonne aus oder ist zwecklos (siehe Punkt 25). Der U-Wert gilt nur für den Beharrungszustand, bei Temperaturveränderungen versagt der U-Wert, dann wird die Speicherfähigkeit maßgebend. Diese Zwecklosigkeit von Dämmstoff erfolgt also stets bei Temperaturveränderungen; die jedoch im 24stündigen Tag/Nacht-Rhythmus ständig auftreten. Also ist Dämmstoff nicht das richtige Mittel, um vollwertige Raumklimate zu gewährleisten. Die energetische Fragwüdigkeit von Dämm-Maßnahmen wird sogar in [35] bestätigt. Eine monolithische LZ-Wand von 49 cm mit einem U-Wert von 0,46 W/m²K verbraucht weniger Energie als ein WDVS mit 10 cm (U= 0,32 W/m²K) und sogar mit 23 cm (U = 0,16 W/m²K). Dieser Widerspruch zur “U-Wert-Theorie” wird nun mit sogenannten “Wärmebrückeneffekten” erklärt [25], [27], [32]. Dies jedoch ist eine zu durchsichtige Begründung – am U-Wert-Mythos darf einfach nicht gerüttelt werden.

29.  DIN V 4108-6 verbietet nicht die Berechnung von Strahlungsgewinnen
Diese Möglichkeit beschränkt sich aber nur auf die Strahlungsgewinne über die Fenster, massive Außenwände jedoch gehen leer aus. In der DIN EN 832 steht im Anhang unter D.5  ”Solare Wärmegewinne von opaken Teilen der Gebäudehülle” die Aussage:
”Die jährlichen solaren Nettogewinne .... werden teilweise durch Strahlungswärmeverluste .... kompensiert. Sie können daher vernachlässigt werden”.
Wenn es also um die Absorptionsgewinne massiver Wände geht, wird alles getan, um diese zu bagatellisieren. Es wird damit in der Tat durch eine Norm verhindert, Absorptionsgewinne durch massive Außenwände zu berücksichtigen. Aus instationären Überlegungen abgeleitete nachhaltige effektive U-Werte in [54] werden somit nicht nur ignoriert, sondern auch vehement bekämpft, nur um den stationären U-Wert beibehalten zu können – und die Dämmindustrie zeigt sich dafür besonders dankbar.

30.  Gleiche Wärmedurchgangskoeffizienten führen zu ähnlichen Energieverbräuchen
Wenn der U-Wert als Maß der Transmissionswärmeverluste gesehen wird und der Beharrungszustand künstlich/konstruktiv hergestellt wird, dann allerdings werden bei gleichen U-Werten Rechnung und Meßergebnis zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Bei einer absorptionsfähigen und massiv/monolithischen Außenwand werden Rechnung und Verbrauch jedoch immer divergieren; hierüber gibt es genügend Beispiele [54].

Lüftung/Luftdichtheit

31.  Bau- und Montagefugen entstehen durch unzureichend ausgeführte Details
Die luftdichte Außenhülle wurde seit jeher gefordert. Bei Leicht- und Skelettkonstruktionen von Dach und Wand ist dies handwerklich/konstruktiv jedoch kaum durchzuführen und zu gewährleisten – aus diesem Grunde waren bisher belüftete Konstruktionen Regel der Technik. Eine unbelüftete Skelettkonstruktion ist deshalb eine Erfindung ”moderner Schreibtischtäter”, die von der Praxis am Bau kaum eine Vorstellung haben. Der Bau ist kein Präzisionsprodukt und erst recht keine Wohnmaschine, garniert mit Klebebändern, erdacht von Maschinenbauern und Physikern. Der Hinweis auf unzureichend ausgeführte Details ist deshalb fehl am Platze, zumal die Details zum Teil nicht praktikabel sind. Solche Äußerungen kennzeichnen unzureichendes bautechnisches Wissen.

32.  Luftwechselrate mit und ohne Luftdichtheitsnachweis
Die Luftwechselrate richtet sich nach den hygienischen Anforderungen. Wie dieser Luftwechsel zustande kommt, ist zweitrangig – er darf nur nicht zu Feuchteschäden führen. Insofern ist es widersinning, bei einem ”Ex- und Infiltrationsanteil” diesen zusätzlich in Ansatz zu bringen und demzufolge ohne Luftdichtheitsnachweis einen 0,7 fachen und mit Luftdichtheitsnachweis einen 0,6 fachen Luftwechsel rechnerisch zu fordern. Umgekehrt wäre es richtig: Ein ausreichender ”Ex- und Infiltrationsanteil” würde die zur Vermeidung von Schimmelpilzen notwendige Grundlüftung sicherstellen, wenn gewährleistet werden kann, dass dies nicht zu Feuchteschäden führt [51]. Der dann hygienisch noch notwendige Rest am Luftwechsel müßte dann durch Fensterlüften gesichert werden. Bei unbelüfteten Skelettkonstruktionen allerdings sind Feuchteschäden durch Luftströmung von innen nach außen infolge nicht herzustellender langfristiger Dichtheit kaum zu vermeiden.

33.  Option für Luftdichtheitsprüfung und Lüftungsanlage
Wenn diese beiden ”Optionen” zu nur rechnerisch vorteilhaft sich auswirkenden Randbedingungen führen, dann ist die ”freie Wahl” sehr beeinträchtigt. Außerdem sind Vollwärmeschutz und Lüftungsanlage wegen der Kosten, der Schadensträchtigkeit und der Verschmutzung nicht erstrebenswert, so dass hier nur einseitig normativer Druck ausgeübt wird. Dies aber ist im Interesse der Kunden zu verwerfen.

34.  Feuchtigkeitsgeregelte Außenwand durch Luftdurchlaßelemente
Es ist ein bautechnischer Skandal, dass durch die Forderung dichter Fenster seit über 20 Jahren erst serienweise die Feuchte- und Schimmelschäden auftreten mußten, ehe man auf die Idee kam, ”Luftdurchlaßelemente” (perforierte Dichtung – welch geniale Erfindung – und Lüftungsschlitze) mit einzuplanen. Sachkenntnis hätte diesen Irrweg vermieden, denn in der DIN 4108 von 1952 steht der Satz: ”Bei besonders dicht schließenden Fenstern, z.B. mit Gummidichtungen, ist es zweckmäßig, für leichte Lüftungsmöglichkeit durch Lüftungsklappen oder ähnliches zu sorgen”. Das Know how der Maschinenbauer- und Physikergilde scheint tatsächlich nach dem Motto ”Learning by doing” zustande zu kommen. Allerdings werden bei dieser Methode durch die entstehenden Bauschäden Sanierungskosten in Millionenhöhe erforderlich, die immer zu Lasten der Kunden gehen. Wer haftet eigentlich für diesen konstruktiven Irrweg? Hier müßten doch die ”selbst ernannten Bauphysik-Experten” zur Kasse gebeten werden – die aber verdienen lieber an dubiosen Forschungen, die das ganze Dilemma erst heraufbeschworen haben.

Ausblick

35.  Unkenntnis der Wärmetransportvorgänge wird durch ”alte” Thesen nicht geringer
Zunächst muß festgestellt werden: Nicht die alten, sondern die neuen Thesen sind fehlerhaft und falsch. Die Fouriersche Wärmeleitungsgleichung (Fourier 1768 -1830) zeigt hier bereits den richtigen Weg [45], [54]. Die Fehlerhaftigkeit des U-Wertes kommt von der Nichtberücksichtigung der absorbierten Solarstrahlung und der angenommenen Speicherlosigkeit der Wand – der U-Wert gilt eben nur für den Beharrungszustand, dies ist unbestritten und steht sogar (noch) in den Büchern, allerdings nicht mehr in der neuen DIN. Die ”moderne Bauphysik” scheint deshalb nur ein Ziel zu kennen: ”Wie kann der U-Wert gerettet werden und wie kann somit der erforderliche Beharrungszustand annähernd erreicht werden? Hier gibt es nur eine Möglichkeit:
Es muß speicherunfähiges Material verwendet werden – das wären dann die Leicht-Dämmstoffhäuser mit den großen Nachteilen für die Raumbehaglichkeit – das Temperatur-Amplituden-Verhältnis ist schlecht. Hierzu gehören auch die Feist´schen Passivhäuser mit den empfohlenen, jedoch unwirtschaftlichen 40 cm Dämmstoff.
Von der offiziellen Bauphysik wird (allerdings fälschlicherweise) der Beharrungszustand auch durch die Wahl eines WDV-Systems (mit den in Punkt 24 geschilderten Nachteilen) erreicht. Wenn in [26] frohlockend festgestellt wird, dass ein WDV-System die Wand von der Sonne abschotte, dann werde damit doch immerhin ein annähernd stationärer Zustand erreicht. Auch in [36] wird dieser “stationäre Zustand” bildlich dargestellt. Wenn dann darüber hinaus bei ”Forschungsvorhaben” noch zusätzlich nur die innere Wärmestromdichte gemessen wird, was in solchen Fällen immer geschieht, wie in [22], [37], [40], dann stimmt diese ”gemessene” Wärmestromdichte in der Tat fast mit der konstanten ”stationären” Wärmestromdichte des Beharrungszustandes überein.
Daraus jedoch zu folgern, damit sei der U-Wert rechtens, ist voreilig und dient nur der Verschleierung von Erfahrungssätzen. Bei monolithischen, speicherfähigen Massivwänden mit überall unterschiedlichen Wärmestromdichten beschreibt die ”innere Wärmestromdichte” eben nicht den tatsächlichen Wärmedurchlaß (siehe auch 19) [46], [55]. Es ist deshalb irreführend, mit diesem Trick die Allgemeingültigkeit des U-Wertes beweisen zu wollen.

36.  Rechenmethoden basieren auf Erkenntnissen, die zu harmonisierten Normen führten
Bei den harmonisierten Normen handelt es sich eben nicht um Erkenntnisse, sondern um fundamentalistische Glaubensbekenntnisse zum sonnenverneinenden U-Wert. Wenn diese ”Norm-Vereinbarung” durch Harmonisierung europaweit eingeführt wird, dann ist dies Ausdruck einer europaweit operierenden Dämmstoff-Lobby, die natürlich an den erhofften Umsatzsteigerungen interessiert ist und die nun die ”Experten” entsprechend lanciert und gleichschaltet, damit unreelle Geschäfte blühen können.

37.  Dem Planer wird ein leistungsstarkes Instrumentarium zur Verfügung gestellt
Dies ist keineswegs der Fall. Wenn die einzelnen Rechengänge noch nicht einmal in der EnEV [18] aufgeführt werden, bis jetzt war dies ja immer der Fall, sondern auf unzählige DIN-Normen verwiesen wird (über 350 Seiten), dann deutet dies auf ein verworrenes Instrumentarium hin, das darüber hinaus auch noch inhaltlich und methodisch äußerst fehlerhaft ist [54]. Die ganze Fragwürdigkeit der Rechenmethoden wird so nur verschleiert – sachlich nachvollziehbar ist es für den Anwender jedenfalls nicht. Statt dessen wird wiederum ein weiteres großes Geschäft angekurbelt, entweder durch den Verkauf von DIN-Normen, aber vor allem von Programmen, denn in diesem Vorschriften-Chaos mit den vielen bautechnischen Ungereimtheiten und Widersprüchen findet sich kein normaler Baumensch mehr zurecht. Mit der für viel Geld gelieferten Software wird dem Anwender damit jegliches Denken abgenommen – er hat dann nur noch gläubig zu vollziehen – quo vadis Ingenieurszunft?

38.  Der berechnete Heizenergiebedarf ermöglicht Energiepässe
Selbstverständlich ermöglicht ein berechneter Heizenergiebedarf einen Energiepaß, die zentrale Frage ist jedoch, ob der berechnete Heizenergiebedarf den zu erwartenden Verbrauch auch tatsächlich angibt. Dies aber ist keinesfalls anzunehmen. Darauf haben sich die ”Experten” aber auch schon eingestellt, denn die DIN EN 832 zeigt in einer Beispielrechnung ein Ergebnis mit einer Streuung von ± 43,3 %. So etwas ist wirklich nicht ernst zu nehmen und verdeutlicht die Ungenauigkeit rchnerischer Verfahren in einem Maße, das für ingenieursmäßiges Denken nicht mehr tolerierbar ist. Somit ermöglicht der berechnete Heizenergiebedarf durchaus auch, das ausgedruckte Ergebnis in den Papierkorb zu werfen - dort gehört dieser Schmarren nämlich hin. Allein das Wort “ermöglicht” gibt schon einen Hinweis, was davon zu halten ist, nämlich sehr wenig. Es wird so getan, als ob es besonders wünschenswert sei, ein falsches Ergebnis auch noch durch einen Paß zu dokumentieren.

39.  Der Verbraucher kann sich ein klares Bild von der energetischen Qualität machen
Da die ”energetische Qualität” maßgeblich durch den U-Wert bestimmt wird, dieser aber nicht die Komplexität einer energetischen Qualität wiedergibt, wird der Kunde hier unvollständig informiert, er wird maßlos getäuscht, er wird betrogen. Die berechneten Heizenergiebedarfswerte sind besonders für eine massive, monolithische Wand unbrauchbar.

40.  Der Verbraucher fordert eine genaue Vorhersage des Energieverbrauchs
Der Verbraucher kann dies zwar fordern, aber er bekommt mit der EnEV eben  keine genaue Vorhersage des Energieverbrauchs. Was soll er auch mit einer Aussage anfangen, die mit einer Streuung von ± 43,3 % belegt ist – nichts. Dem Verbraucher wird mit solchen Propagandasprüchen nur Sand in die Augen gestreut.

 

Die gesamte EnEV ist auf Sand gebaut. Zur Verschleierung wird Rabulistik groß geschrieben und ein Feuerwerk von herostratischem Unfug geliefert, der derart umfangreich ist, dass all dieses Durcheinander nur mit einem ”Programm” zu bewältigen ist, ein Programm, das nur ungenaue und falsche Ergebnisse liefert und natürlich gekauft werden kann – und muß. Die EnEV steckt voller Fehler, die sich auch in den vielen angeführten DIN-Normen wiederfinden. Sie ist ein Gebilde äußerster Drittklassigkeit – auch dies verdeutlicht den Wissensstand der Verfasser. Es ist erstaunlich, wie durch Gleichschaltung des Denkens und geistigen Terror ein solches wirres Konstrukt entstehen kann. Jeder integre Ingenieur kann darüber nur den Kopf schütteln – ein prägnantes Beispiel des wieder sehr aktuell werdenden Märchens ”Des Kaisers neue Kleider”!

Hubert Markl, Präsident der Max Planck Gesellschaft und ehemals auch Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, stellt für die Wissenschaft Thesen auf [41]:

1.      Wissenschaft ist eine Tätigkeit, die nachprüfbare Erkenntnisse über die Wirklichkeit hervorbringt.

2.      Gegenüber bloßer Meinung oder dem Glauben aus Hörensagen muß sich eine Behauptung von wissenschaftlichem Anspruch dadurch auszeichnen, dass sie sich erstens überprüfen läßt und dass sie zweitens solch kritischen Überprüfungen standhält.

3.      Herzhaft geäußerte Überzeugung, auch Hinweis auf bedeutende Meister, die sie teilen, oder auf überlieferte Lehrtexte (und sei es deren 23. Auflage) mag eine Feststellung bedenkenswert, auch, je nach dem, wer sie macht, vertrauenswürdig machen, mehr aber nicht. Bekenntnis begründet in der Wissenschaft keine Erkenntnis.

4.      Die intellektuelle Respektlosigkeit in der Wissenschaft, zu der wir unsere Studenten erziehen müssen, ist der alleinige Garant dafür, dass Fehler ausgemerzt, Betrug durchschaut, Schlampigkeit korrigiert werden können.

5.      Die Wissenschaft ist ein durch und durch selbstbezüglich verbundener Gemeinbesitz der ganzen Menschheit und daher auch für jeden einzelnen zu schwierig; zu schwierig auch, sie durch herostratischen Unfug zu gefährden.

Diese Thesen scheinen für die angewandte Bauphysik zweitrangig zu sein, denn die verkündeten wissenschaftlichen Grundlagen des Bauens stimmen nicht mehr. Die Bauphysik versteht es, das Rad der Wissenschaft wieder zurück zu drehen. Desinformation und die damit verbundene Desorientierung führen zu falschen Vorstellungen, wie humanes Bauen eigentlich auszusehen hat. Bautechnische Irrungen und Wirrungen, Fehldeutungen und Manipulationen bestimmen die Inhalte.

Das Bauen betritt damit Irrwege, die Bauphysik befindet sich in der Sackgasse. Mit der These der ”Pluralität der Meinungen” nistet sich überall Lug und Trug ein. Die Baconsche Aufforderung zur Verwirklichung ”nützlicher” Wissenschaft wird konsequent in eigenem Sinne umgesetzt – von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Administration. DIN mischt kräftig mit. Die einen sind naiv und unwissend genug, dass sie das, was sie da von sich geben, selbst glauben, die anderen sind raffiniert und trickreich genug, bei diesem Treiben zur Genüge abzuschöpfen und dabei treuherzig den Biedermann zu mimen [12], [13], [57], [59], [60].

Die reale Welt des Seins wird ersetzt durch die virtuelle Welt des Scheins. Die BauphysikWissenschaft baut eine pseudowissenschaftliche Märchenwelt auf, die gläubig akzeptiert werden soll. Eloquente Rhetorik vernebelt die Wirklichkeit, Gehirnwäsche ist das Zauberwort. Das (manipulierte) Geschäft steht im Vordergrund. Die Tyrannei der Meinungsbildung nimmt immer schlimmere Formen an. Nicht Wissen, sondern ideologisch/pragmatische Bekenntnisse sind gefragt. Es werden Glaubenssätze verbreitet – analog der Scholastik im Mittelalter. Mit Wissenschaft hat dies alles nichts zu tun. Werden Aussagen widerlegt, erfährt der Kritisierende Beleidigungen und Schmähungen, zumindest aber ignorante Verachtung. Kritiker und ”Abweichler” werden sondiert, sortiert, selektiert, isoliert. Die Wissenden und Sachkompetenten aber werden eliminiert – sie stören nur die Geschäfte.

Hubert Markl sagte in einem Vortrag auf der EXPO deshalb nicht ohne Grund [42]:

”Lügen und Betrug seien integrale Bestandteile des Forschens”.

Es gilt, sich wieder dem Wissen zuzuwenden und Aufklärung zu betreiben[56]

Literatur:

[1] AGH: Arbeitskreis Gesundes Haus. Zusammenschluß von unabhängigen Wissenschaftlern, Architekten, Fachingenieuren und Sachverständigen (Böttiger, Eisenschink, Fischer, Gagelmann, Gerlich, Köneke, Kühnel, Meier, Thüne). Petition zur EnEV an den Bundestag vom März 2001 – Aktenzeichen: Pet 1-14-12-232-031592).
[2] Arbeitsgemeinschaft UTEC-IFEU, Bremen/Heidelberg: Energiekonzept für Wedel, November 1988.
[3] Beckert, J; Mechel, F.P.; Lamprecht, H.O.: Gesundes Wohnen. Düsseldorf: Beton Verlag 1986.
[4] Berner, U.; Streif H.: Klimafakten – Der Rückblick, ein Schlüssel für die Zukunft”. Hrsg. von: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover; Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben Hannover; Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung Hannover. E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 2000.
[5] BMBau: Die Stellungnahme des BMBau vom 11.09.1992 enthält Kostendaten, die vom Institut für Bauforschung Hannover sorgfältig als ausgewogene Mittelwerte erarbeitet wurden.
[6] Böttiger, H.: Mit kühlem Kopf gegen die Klimahysterie. Fusion 1995, H. 1, S. 27.
[7] Bornholdt, H. P.; Dubben, H. H.: Der Hund, der Eier legt – Erkennen von Fehlinformation durch Querdenken. Rowohlt Sachbuch 60359, 1999.
[8] Calder, N: Die launische Sonne widerlegt Klimatheorien. Dr. Böttiger Verlags-GmbH Wiesbaden.
[9] Cords-Parchim, W.: Technische Bauhygiene. Teubner Verlag Leipzig 1953.
[10] Cziesielski, E.; Daniels, K.; Trümper, H.: Ruhrgas Handbuch - Haustechnische Planung. Hrsg. Ruhrgas AG, Karl Krämer Verlag Stuttgart 1985.
[11] Diederichs, C. J.: Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Nutzen/Kostenüberlegungen. Allgemeine Grundlagen und spezielle Anwendungen im Bauwesen. Renningen-Malmsheim expert Verlag 1985.
[12] Di Trocchio, F.: Der große Schwindel, Betrug und Fälschung in der Wissenschaft. Campus Verlag Frankfurt/Main New York 1995.
[13] Di Trocchio, F.: Newtons Koffer, Geniale Außenseiter, die die Wissenschaft blamierten. Campus Verlag Frankfurt/Main New York 1998.
[14] Ehm, H.: Energieeinsparungsgesetz mit Wärmeschutzverordnung. Bauverlag Wiesbaden, Berlin 1978.
[15] Ehm, H.: Maßnahmen zum baulichen Wärmeschutz und zur Energieeinsparung in bestehenden Gebäuden; Kosten-Nutzen-Betrachtung. wksb 1979, H. 8, S. 1.
[16] Eichler, F; Arndt, H.: Bautechnischer Wärme- und Feuchtigkeitsschutz. 2. Auflage, VEB Verlag für Bauwesen Berlin 1989.
[17] Eicke, W.: Kosten und Wirtschaftlichkeitsaspekte von verstärkter Wärmedämmung. Symposium "Niedrigenergie-Bauweise" des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) am 15. und 16. 11. 1991 in Tübingen.
[18] EnEV "Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden" (Energieeinsparverordnung EnEV) – 16. November 2001.
[19] Erhorn, H.: Nullheizenergiehäuser marktreif – auch marktgängig? Bauphysik 1998, H. 3, S. 69.
[20] Feist, W.: Ist Wärmespeichern wichtiger als Wärmedämmen ? Institut für Wohnen und Umwelt GmbH Darmstadt, Mai 1987.
[21] Feist, W.: Grundlagen der Gestaltung von Passivhäusern. Institut Wohnen und Umwelt GmbH, Passivhausbericht Nr.18, Darmstadt Februar 1996.
[22] Frank, Th.: Wärmeverluste und Gewinne. Der Schweizerische Hauseigentümer vom 10. August 2001. Thomas Frank ist Abteilungsleiter Bauphysik der EMPA Dübendorf.
[23] Gerlich, G.: Die fiktiven Treibhauseffekte der Atmosphäre. Fusion 1996, Nr. 4, S. 56.
[24] Gerlich, G.: Gegen fiktive Strahlungsbilanzen - den atmosphärischen Treibhauseffekt gibt es nur in der Einbildung von Politikern und gewissen Schreibern von Drittmittelforschungsanträgen, nicht in der Physik. Fusion 1997, H. 4, S. 6.
[25] Gertis, K.: Das hochgedämmte massive Haus. Bundesbaublatt 1983, H. 3, S. 149 und H. 4,
S. 203.
[26] Gertis, K.; Kießl, K.; Nannen, D.; Walk, R.: Wärmespannungen in Thermohautsystemen – Voruntersuchungen unter idealisierten Bedingungen. Die Bautechnik 1983, H. 5, S. 155.
[27] Gertis, K.: Wärmedämmung innen oder außen? Deutsche Bauzeitschrift 1987, H. 5, S. 63.
[28] Gertis, K.: Bauen und Gesundheit. Bundesbaublatt 1989, H. 3, S. 126.
[29] Gierga, M.: AMz-Bericht 5/1997: Solarabsorption auf Außenwänden und Reduktion der Transmissionswärmeverluste. Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V. Bonn im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e.V. Bonn.
[30] Gösele, K.; Schüle, W.: Schall, Wärme, Feuchte. Bauverlag Wiesbaden Berlin 1985.
[31] Hauser, G.: Einfluß des Wärmedurchgangskoeffizienten und der Wärmespeicherfähigkeit von Bauteilen auf den Heizenergieverbrauch von Gebäuden, Literaturstudie. Bauphysik 1984, H. 5, S. 180 und H. 6, S. 207.
[32] Hauser, G.: Wärmebrückenprobleme bei Gebäuden mit hoher Wärmedämmung. Deutsche Bauzeitschrift 1989, H. 2, S. 193.
[33] Hauser, G.: Umweltbewußtes, energiesparendes Bauen. Baugewerbe 1991, H. 18 und 19 (von der KS-Industrie als Sonderdruck verteilt).
[34] Hauser, G.; Otto, F.; Striegel, H.: Porenbeton Bericht 15 – Einfluß von Baustoff und Baukonstruktion auf den Wärmeschutz von Gebäuden. September 1995, Hrsg.: Bundesverband Porenbetonindustrie e. V.
[35] IBP-Bericht B HO 8/83 - II: Untersuchungen über den effektiven Wärmeschutz verschiedener Ziegelaußenwandkonstruktionen. Fraunhofer-Institut für Bauphysik Stuttgart. Auftraggeber: Ziegelforum e.V. München.
[36] IBP-Bericht EB-8/1985: Auswirkungen der Strahlungsabsorption von Außenwandoberflächen und Nachtabsenkung der Raumlufttemperaturen auf den Transmissionswärmeverlust und den Heizenergieverbrauch. Fraunhofer-Institut für Bauphysik Stuttgart. Auftraggeber: Ziegelforum e.V. München.
[37] IBP-Bericht REB-4/1996: Einfluß der Absorption von Sonnenstrahlung auf die Transmissionswärmeverluste von Außenwänden aus Ziegelmauerwerk. Fraunhofer-Institut für Bauphysik Stuttgart. Auftraggeber: Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V. Bonn.
[38] IBP-Bericht REB-5/1996: Untersuchungen zum Nachweis des solaren Ausnutzungsgrades an thermisch leichten und schweren Versuchsräumen. Fraunhofer-Institut für Bauphysik Stuttgart. Auftraggeber: Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V. Bonn.
[39] Koblin, W.; Krüger, E.; Schuh, U.: Bau- und Wohnforschung, Schriftenreihe des BMBau, Heft Nr. 04.097, Handbuch Passive Nutzung der Sonnenenergie 1984.
[40] Kupke, Ch.; Stohrer, M.: Wärmeenergietransport durch Außenwände unter natürlichen Klimabedingungen. Forschungs- und Entwicklungsgemeinschaft für Bauphysik e.V. (FEB) an der FHS Stuttgart, März 1987. Auftraggeber: Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e.V. Bonn.
[41] Markl, H.: Wissenschaft als biologische Lebensform. Physikalische Blätter 43 (1987) Nr. 5,
S. 117.
[42] Markl, H. Präsident der Max Planck Gesellschaft, Vortrag auf der EXPO in Hannover (FAZ vom 26. 07. 2000).
[43] Meier, C.: Gut gespeichert ist auch gedämmt. deutsche bauzeitung 1999, H. 5, S. 138.
[44] Meier, C.: Wirtschaftlichkeit von Energiesparkonstruktionen. DBZ 1999, H. 6, S. 99.
[45] Meier, C.: Speicherung im Massivbau. Mauerwerksbau aktuell 2000, Jahrbuch für Architekten und Ingenieure. Beuth Verlag Berlin/Wien/Zürich, Werner Verlag Düsseldorf.
[46] Meier, C.: Praxis-Ratgeber zur Denkmalpflege Nr.7, Januar 1999. Altbau und Wärmeschutz - 13 Fragen und Antworten. Informationsschriften der Deutschen Burgenvereinigung e.V. Marksburg - 56338 Braubach.
[47] Meier, C.: Wohnungsbestand und Wärmeschutz, Kritisches zur Energieeinsparverordnung. Wohnen 2000, H. 2, S. 64.
[48] Meier, C.: Bauphysik – aus den Gleisen geraten. bausubstanz 2000, H. 11/12, S. 48.
[49] Meier, C.: Die Mär von der Klimakatastrophe. Bausubstanz 2001, H. 5, S. 59.
[50] Meier, C.: X für ein U; Der U-Wert und seine Brauchbarkeit. Bautenschutz und Bausanierung (B + B), 2002, H. 6, S. 73.
[51] Meier, C.: Erfassung und Bewertung bauphysikalischer Mängel im Innenraum. Schriftenreihe des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität zu Lübeck, Band 6 (2002) ”Umgebungsanalyse bei gesundheitlichen Beschwerden durch mikrobielle Belastungen im Innenraum, S. 241 - 304.
[52] Meier, C.: Die Wirksamkeit der Energieeinsparungsverordnung im Baubestand. Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, 2002, Band 67 ”Energieeinsparung bei Baudenkmälern”, S. 28.
[53] Meier, C.: Praktische Möglichkeiten denkmalverträglicher Energieeinsparung bei der Erhaltung historischer Fenster. Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, 2002, Band 67, ”Energieeinsparung bei Baudenkmälern”, S. 60.
[54] Meier, C. Richtig bauen – Bauphysik im Widerstreit – Probleme und Lösungen. Renningen-Malmsheim: expert verlag 2003, 2. Auflage, 240 Seiten.
[55] Meier, C.: Der ominöse U-Wert – Gilt er oder gilt er nicht? Bautenschutz und Bausanierung (B + B), 2003, H. 2, S. 46.
[56] Postman, N.: Die zweite Aufklärung. Berlin Verlag 1999.
[57] Scheuch, E. K. und U.: Cliquen, Klüngel und Karrieren. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH Reinbek bei Hamburg 1992, rororo aktuell Nr. 12599.
[58] Seiffert, H.: Einführung in die Wissenschaftstheorie 1. C.H. Beck Verlag München 1969, Becksche Schwarze Reihe, Band 60.
[59] Steinbuch, K.: Maßlos informiert. Die Enteignung unseres Denkens. Goldmann Sachbuch 11248, 11/1979.
[60] Steinbuch, K.: Unsere manipulierte Demokratie. Verlag Busse+Seewald GmbH, Herford 1985.
[61] Strafgesetzbuch, Beck-Texte im dtv, 26. Auflage, Stand 1. Febr. 1992.
[62] Thüne, W.: Die Klimakatastrophe ist paradox. Brennstoffspiegel 1997, H. 7, S. 14.
[63] Thüne, W.: Freispruch für CO2! Wie ein Molekül die Phantasien von Experten gleichschaltet. edition steinherz, Wiesbaden 2002.
[64] Vierter Immissionsschutzbericht der Bundesregierung vom 28. 07. 1988.
[65] Werner, H.; Gertis, K.: Zur Wahl von Kalkulationsmethoden bei der Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von Energiesparmaßnahmen. Baumaschine + Bautechnik 1979, H. 2, S. 65.
[66] Werner, H.: Dunkle Wandoberflächen - Ihr Einfluß auf den Wärmeverlust. IBP-Mitteilung 110; Fraunhofer-Institut für Bauphysik Stuttgart, 1986.
 





Obskure Forschung
von Prof. Claus Meier

Die Speicherung wird in der offiziellen Bauphysik konsequent negiert. 

Die Forschungsarbeit IBP-Bericht REB-4/1996 "Einfluß der Absorption von Sonnenstrahlung auf die Transmissionswärmeverluste von Außenwänden aus Ziegelmauerwerk" vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik Stuttgart, als Auftraggeber fungiert die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V. Bonn, enthält insofern Aussagen, die an Widersinn kaum zu überbieten sind. Kurz zusammengefaßt wird folgendes zentrales Ergebnis präsentiert:
 

Wandelement Außenoberfläche Tab.1 Temperaturbezogene
Wärmestromdichte (W/m²K)
Nr. Aufbau Farbe Struktur k-Wert
W/m²K
ohne Ein-
strahlung
mit Ein-
strahlung
1 2 3 4 5 6 7
6 Leichtziegel weiß rauh 0,50 0,60 ± 0,03 0,59 ± 0,03
8 36,5 cm / Süd weiß glatt 0,50 0,59 ± 0,03 0,59 ± 0,03
13 Leichtziegel
36,5 cm / Nord
weiß rauh 0,50 0,55 ± 0,03 0,55* ± 0,03

* gegenüber der Südeinstrahlung von 90 W/m² tritt im Norden nur eine Einstrahlung von 30 W/m² auf.  

Diesen drei Zeilen können folgende "Forschungs-Erkenntnisse" entnommen werden:

  1. Ein nach DIN 4108 für den stationären Fall (Beharrungszustand) gerechneter k-Wert von 0,50 W/m²K (Spalte 5) wird unverständlicherweise auf 0,60 und 0,59 sowie 0,55 W/m²K abgemindert (Spalte 6 "ohne Einstrahlung"). Mit dieser Vergrößerung der Bezugsbasis wird ein berechneter solarer Gewinn kleiner.
  2. Gegenüber dem nach DIN 4108 errechneten k-Wert von 0,50 W/m²K (Spalte 5) erzielt die Südwand einer weißen Ziegelwand "mit Einstrahlung" (Absorptionsgrad mit 0,15 angenommen) nur einen k-Wert von 0,59 W/m²K (Spalte 7), also einen schlechteren k-Wert (Nr. 6 und 8). Damit würde Solarenergie ja sogar schädlich für die energetische Bilanz einer Außenwand sein. 
  3. Eine weiße Ziegelwand liefert "mit Einstrahlung" (Spalte 7) und "ohne Einstrahlung" (Spalte 6) gleiche k-Werte (Nr. 8 und 13). Bei der gewählten Forschungsmethode hat die Solarstrahlung hier also überhaupt keinen Einfluß auf das Minderungspotential. 
  4. Der Tabelle kann auch entnommen werden, dass eine weiße "Nordwand ohne Einstrahlung" mit k = 0,55 W/m²K (Nr.13, Spalte 6) energetisch günstiger ist, als eine "Südwand mit Einstrahlung" mit einem k-Wert von 0,59 W/m²K (Nr.6, Spalte 7). 

Etwas Absurderes und Abstruseres als dies ist bis jetzt noch nicht verbreitet worden. Diese Fakten beweisen die Fragwürdigkeit der gesamten Forschungsarbeit in eindrucksvoller Weise. Ein solches pseudowissenschaftliches Machwerk sollte am besten schleunigst aus dem Verkehr gezogen werden. 
Unterschrieben wird diese Arbeit von Prof. Gertis (Maschinenbauer), Dr. Kießl (Maschinenbauer) und Herrn Lindauer (Physiker). Was muß in den Köpfen dieser Leute vor sich gehen, wenn solche Aussagen gegenüber dem Auftraggeber gemacht werden ?

Diese Forschungsarbeit wurde mir zugeschickt. Bezeichnend ist jedoch nun der Briefwechsel, der sich aus dieser pseudowissenschaftlich untermauerten Falschinformation ergab. Der Absender erhielt im Oktober 1997 eine Stellungnahme, aus der im folgenden Auszüge wiedergegeben werden:

Vielen Dank für die Übersendung der "Gierga-Unterlagen". Die Durchsicht fordert entschiedene Kritik dieser Aktion heraus, denn hier wird "Betrug am Kunden" verübt. Durch die mir von Ihnen zugeschickten Unterlagen ([1]: Stuttgarter Arbeit, [2]: Empa-Arbeit, [3] Gertis-Arbeit 4/1996, [4]: Gertis-Arbeit 5/1996) kann ich etwas über die neueste "Schurkerei" der Gertis-Crew berichten.

Hier mein Kurzkommentar dazu:

AMz-Bericht 5/97 - "Solarabsorption auf Außenwänden und Reduktion der Transmissionswärmeverluste"

Der "Gertis-Mann" Gierga verbreitet Thesen, die zwar das Thema "Solarabsorption" behandeln, dies jedoch in sehr selektiver und sogar manipulativer Art und Weise.

Entscheidende und wichtige Teile der "Forschungsarbeiten" werden von Herrn Gierga verschwiegen, weil sie die Absurdität der vorgelegten "Ergebnisse" dokumentieren würden. Mit suggestiven Mitteln versucht er, die Solarabsorption von Außenwänden klein zu halten.

  1. Obgleich im Text gesagt wird, dass die Wärmeverluste bezogen werden auf die Wärmeverluste einer weißen Nordwand (damit werden allein durch rechnerische Tricks die Reduzierungen geringer), wird in der Tabelle 2 so getan, als seien es absolute Verbesserungen. Täuschung auf der ganzen Linie! Bei sachgerechter Behandlung müssen die Wärmeverluste doch auf den k-Wert bezogen werden, denn dieser wird in den Wärmeschutz-Berechnungen benutzt und nicht der "gemessene Nordwandverlust", der ja auch infolge absorbierter Solarenergie gewisse Reduzierungen erfährt. Insofern sind die "Forschungsergebnisse" in numerischer Hinsicht nicht brauchbar, sie verfälschen das Bild. 
  2. Außerdem werden in der Tab.2 genau die Beispiele ausgelassen, die völlig absurde Ergebnisse liefern: Aus [3] ergeben die Nr.8 (Südwand/weiß) eine Wärmestromdichte von 0,59 W/m²K und die Nr.13 als Nordwand (weiß) eine Wärmestromdichte von 0,55 W/m²K, jeweils als 36,5 cm Leichtziegelmauerwerk. Seltsamerweise erreicht die Südwand einen größeren keff-Wert als die Nordwand - völliger Humbub. Die Begründung eines solchen Schmarrens dürfte schwierig werden, hier wurde ohne Sinn und Verstand irgend etwas zusamengerechnet. Solche widersinnigen Ergebnisse können nun wirklich nicht ernst genommen werden.
  3. Aus [1] werden nur Südbeispiele präsentiert und die anderen weggelassen, so dass bei Kenntnis nur des Berichts 5/97 Vergleiche nicht möglich sind - man muß alles glauben. Immerhin aber sagt die Tabelle 2, dass der Holzständer-Leichtbau prozentual mehr Einsparung erzielt als die monolithische Ziegelwand, ein Phänomen, das jeder Erfahrung widerspricht.
  4. Die "Wärmedurchgangskoeffizienten ohne Strahlung" in der ersten Spalte der Tab. 2 als Basis zur Berechnung der keff-Werte sind einmal nach DIN 4108 gerechnete Werte ([1] und [2]), aber dann in [3] auch extrapolierte (weiße Nordwand), wobei die extrapolierten Werte in der Mehrzahl höher sind als die für diese Konstruktionen nach DIN 4108 gerechneten. Ist vielleicht solange rechnerisch extrapoliert worden, bis dieser Unfug zur Zufriedenheit der Gertis Crew perfekt war ? Damit wird die Basis ja größer und die Verbesserung dadurch kleiner
  5. Bemerkenswert ist auch, dass wiederum der "rechnerische Ansatz der Wärmestromreduzierung durch Solarstrahlung" genannt wird, wobei genau dieser Ausdruck für speicherlose Konstruktionen gilt. Immer wieder muß festgestellt werden, dass bei der Absorption von Solarstrahlung allgemein mit nichtspeicherfähigem Material gerechnet wird (Fehlen des Wärmeeindringkoeffizienten b, der bei der Speicherung bedeutsam wird). 
  6. Der Abschnitt 3 "Rechnerische Untersuchungen" charakterisiert genau den kritikwürdigen Umstand, dass alles "gerechnet" bzw,"niedergerechnet" wird, denn Verbesserungen einer Südwand von 4 - 6% für helle und 9 - 14 % für dunkle Oberflächen sind nun denn doch zu sehr manipuliert (dies kann auch nachgewiesen werden – siehe weiter hinten). 
  7. Auch der letzte Absatz 4."Auswirkung auf den Heizwärmebedarf" soll nur diesen Betrug an der speicherfähigen Wand verschleiern. Wenn es um "Transmissionswärmeverluste" und damit um die Reduzierung des k-Wertes geht, dann soll dies Gegenstand der Erörterungen sein und nicht irgendein prozentualer Ansatz, wobei als Basis noch alles möglich andere mit einbezogen wird. Damit werden die Prozentzahlen weiter heruntergerechnet bis auf Werte von 1,5 - 4,5 % bei hellen und 2 - 8 % bei dunklen Oberflächen. Damit aber wird die Bedeutung der Solarabsorption suggestiv heruntergespielt und bagatellisiert. Es wird immer wieder nur um den heißen Brei herumgeredet !

Zu [1]:

Die Ergebnisse können aus folgenden Gründen vergessen werden:

  1. Der Forschungsansatz ist falsch. Es heißt bereits in der Einleitung sinngemäß:"Die Diskussion um den k-Wert ist abgeschlossen, dies habe Hauser in einer Literaturstudie zusammengestellt, der Wärmetransport durch ein Bauteil ist proportional zum k-Wert". Dies sind Aussagen, die den Beharrungszustand beschreiben; dieser stationäre Zustand ist jedoch im Tag/Nachtrhythmus einer speicherfähigen Außenwand nicht gegeben. Gerade dies sollte aber untersucht werden. dass immer wieder mit speicherlosem Material operiert wird, zeigt doch offensichtlich die Scheu vor der direkten Solarabsorption speicherfähiger Außenwände. Dies hat seit Urzeiten funktioniert; erst seit Gertis "rechnet", wird alles auf den Kopf gestellt. Wenn im rechnerischen Ansatz der doch entscheidende Wärmeeindringkoeffizienten b fehlt, operiert man "speicherlos". 
  2. Die Verbesserungen werden auf eine weiße speicherlose Nordwand bezogen, damit aber werden die Reduzierungen rechnerisch vermindert. Da bei den vielen Umrechnungen trotz instationärer Vorgänge von der "Proportionalität des k-Wertes" ausgegangen wird, muß auch dieses Vorgehen verfahrensmäßig kritisiert werden. 
  3. Solarstrahlung wird nur berücksichtigt, wenn sie durch die Fenster in das Gebäude dringt. Dies behandelt aber nicht die direkte Absorption von Solarstrahlung durch Außenwände und die damit zusammenhängenden reduzierten k-Werte. Es wird immer nur untersucht, was mit der durch Fenster eindringenden Solarenergie geschieht, ob sie durch Innenwände gespeichert werden kann und wie groß die dadurch entstehenden Reduzierungen für die k-Werte sind. Dies wird auch bestätigt durch die "Gertis-Festlegung" in [4] Bild 3, Außendämmung sei ein schwerer, Innendämmung dagegen ein leichter Versuchsraum, eine Definition, die nur bei Änderungen der Innenraumlufttemperatur gilt. Außerdem enthält die Arbeit [1] Ergebnisse, die den Wärmeverlust bei 20% und 30% Fensteranteil tabellarisch angeben; also wird doch nur der durch Fenster bedingte Solargewinn behandelt. 
  4. Die maßgebende 2. Meßperiode wurde durch Diebstahl bedingt erst am 1. Dez. begonnen und darüber hinaus auch durch Stromausfall unterbrochen. Die Lücken wurden dann rechnerisch geschlossen. Damit aber gehen entscheidende Meßdaten verloren. Gerade die Herbstzeit ermöglicht für Speicherwände ein späteres Heizen, die Vorteile gegenüber einer Leichtkonstruktion werden also damit eliminiert. Außerdem muß doch die gesamte Heizperiode meßtechnisch erfaßt werden, da sonst die "milden Herbsttage" unterschlagen und damit die Mittelwerte statistisch verfälscht werden. 
  5. Meßdaten wurden darüber hinaus rechnerisch geglättet und korrigiert. Es heißt: "Die gemessenen Wärmeenergien lassen sich nicht miteinander vergleichen, vielmehr müssen diese auf überall gleiche Verhältnisse umgerechnet werden". "Bei der rechnerischen Korrektur der Meßergebnisse ...". Die rechnerischen Untersuchungen haben das Ziel, die Plausibilität der Meßwerte zu prüfen, Meßfehler und Meßstörungen auszusondern, ". Dieses Herumstochern in den Meßdaten ist blamabel. Umgekehrt muß vorgegangen werden: Kritikwürdig sind doch die "Rechenmethoden" (k-Wert Theorie); deshalb muß anhand von Meßergebnissen die Plausibilität der Berechnungen nachgewiesen werden - und nicht die Messungen den Rechnungen angepaßt werden; immerhin wird vielfach falsch gerechnet. 
  6. Anstatt die relativ einfache Aufgabe zu lösen, Wärmeverluste zu bestimmen und diese den "rechnerischen k-Werten" gegenüber zu stellen, wird ein Haufen Mumpitz erforscht, nur um vom eigentlichen Thema abzulenken, denn das Ergebnis stand ja durch die Feststellung in der Einleitung wohl schon von Anfang an fest: "Maßgebend ist der k-Wert". 

Zu [2]:
Auch hier wird wieder falsch gerechnet (Wärmeeindringkoeffizient b wird nicht berücksichtigt) und durch Wahl falscher Werte und Weglassen absorbierter Energie ein Ergebnis erzielt, das z.T. schlechter als der rechnerische k-Wert ist. Es werden rechnerische Tricks angewendet, um Solarstrahlung wegzurechnen; hierfür muß die "atmosphärische Gegenstrahlung" herhalten, die dazu dient, eine negative Energiebilanz zu ermöglichen.
 

Generell gilt: Solarstrahlung sorgt immer für Verbesserungen, sonst könnten wir überhaupt nicht leben, es wäre viel zu kalt. Die Einbeziehung der Solarstrahlung bedeutet also immer thermische und damit energetische Vergünstigungen. Wenn etwas anderes deklariert wird, muß es sich um Manipulationen handeln.

Durch konstruktive Angleichungen der beiden gewählten Konstruktionen werden dann auch annähernd gleiche Meßdaten erzielt. Folgende Merkmale sind hier zu nennen:

  1. Es wird ein etwa gleicher k-Wert gewählt; die ohne Berücksichtigung der Speicherfähigkeit vorgenommenen rechnerischen Veränderungen durch den k-Wert (unvollkommene Formeln) fallen dann in etwa gleich groß aus.
  2. Die monolithische Wand hat ein geringes spezifisches Gewicht und eine kleine Wärmeleitfähigkeit (gleicher k-Wert), so dass der Wärmeeindringkoeffizient b den Wert 7,47 Wh0,5/m²K annimmt. Die Schichtwand mit Dämmung dagegen kommt mit einem höheren Raumgewicht und größerer Wärmeleitfähigkeit auf ein b von 12,11 Wh0,5/m²K, so dass die Speicherfähigkeit des WDV-Systems sogar größer ist. Damit wird vieles ausgeglichen.
  3. Periodische Temperaturänderungen pflanzen sich bei der Schichtwand wegen der großen Temperaturleitfähigkeit des Dämmstoffes schnell nach innen fort, so dass die Speicherfähigkeit am Ende doch noch zum Tragen kommen kann.

Durch manipulative konstruktive Festlegungen wird also ein "rechnerisches und empirisches" Ergebnis erzielt, das etwa so interpretiert werden kann: "Monolithische Wände haben gegenüber Dämmschichtkonstruktionen infolge Solarstrahlung kaum einen Vorteil. Genau dies aber stimmt nicht, zumal schwere Wände den Unterschied noch vergrößern würden.

Zu [3]:
Diese Arbeit ist in vielen Aspekten widersprüchlich und absurd. Vor allem ist zu nennen:

  1. Auch hier werden "Referenzelemente" auf der Nordseite angebracht. Diese Wahl der verwendeten Bezugsflächen verschleiert die doch entscheidende Frage nach der Reduzierung der k-Werte nach DIN 4108; die geringere Basis führt dann auch automatisch zu geringeren "Verbesserungen" (s.a. [1]). Dies ist ein typischer Fall rechnerischer Manipulation, oft anzutreffen und viel praktiziert.
  2. Auch hier geht die erste Meßphase nicht über die gesamte Heizperiode (von Dez. 1993 bis Mai 1994); dies benachteiligt speicherfähige Außenbauteile (s.a. zu [1]).
  3. Aus dem "gesamten Meßzeitraum", auf den sich die Arbeit bezieht, werden für die entscheidenden Daten lediglich 5 Tage (Bild 3, 4) und 10 Tage (Bilder 5-9) ausgewählt. Was soll bei der Präsentation diese Datenselektion ? Da die Tage nicht näher bezeichnet werden, ist anzunehmen, dass sie damit offentlichtlich mehr dem "Schein wissenschaftlicher Seriosität" als der Analyse des Gesamtproblems dienen. Durch die dann erkennbare und intuitiv vermutete "große energetische Belastung" soll dann auch "Beunruhigung und Sorge" ausgelöst werden.
  4. Das Messen der Wärmestromdichten auf der Innenseite der Wand sagt über die Speicherung von Solarenergie auf der Außenseite kaum etwas aus, denn Wärmestromdichten werden durch die Temperaturgradienten bestimmt. Diese aber sind innen bei stationärer und instationärer Betrachtung ungefähr gleich und zeigen im allgemeinen "Verluste" an, zumal auch bei einer "monolithischen Wand" der Trend zu einer speicherarmen Konstruktion beharrlich durchgesetzt wird.
  5. Die Erfassung der Reduzierungen wäre überzeugender gelungen, wenn die Oberflächentemperaturen an der Außenseite Grundlage der Überlegungen gewesen wären, denn an der Außenseite signalisieren die Temperaturgradienten umfangreiche Gewinne.
  6. Es werden folgende Aspekte verglichen: weiß - braun, Nord - Süd, rauh - glatt, Kerndämmung mit Luftspalt - ohne Luftspalt, Messung in 1m Höhe - 2 m Höhe; aber die entscheidende Fragestellung "speicherfähige Wand - nichtspeicherfähige Wand" bleibt ausgespart. Aber nur allein darum geht es, inwieweit hier bei der Reduzierung des k-Wertes die Unterschiede experimentell nachgewiesen werden können. Aber die Behandlung dieser Frage wird kontinuierlich umgangen, zur Beantwortung werden nur altbekannte Slogans wiederholt (s. 8.).
  7. Bei der Umrechnung der "Holzkirchener Ergebnisse" wird, wie seit jeher, auch auf Werner zurückgegriffen, der das Modell "stationärer Ansatz mit Absorption" predigt. Dieses Modell gilt aber nur für speicherloses Material, da es den Wärmeeindringkoeffizienten b nicht enthält.
  8. Zu Bild 8 (zweischaliger Aufbau, Kerndämmung, Klinker) wird ausgeführt, diese hätten "in dieser Untersuchung" den geringsten Wärmedurchgang infolge der niedrigsten k-Werte; somit würde ein niedriger k-Wert die Transmissionswärmeverluste stärker als der Absorptionseffekt reduzieren. Diese Schlußfolgerung ist nach wie vor falsch, da bei der Behandlung der Absorptionsgewinne der Wärmeeindringkoeffizient b überhaupt nicht auftaucht. Die Tatsache, dass die dichte Klinkerwand dafür verantwortlich ist, wird von diesen Herren verdrängt. Stattdessen wird dann sogar die peinliche These abgeleitet: "Die Reduktion des Transmissionswärmeverlustes durch Strahlungsabsorption ist somit nicht auf monolithische Konstruktionen begrenzt; sie ist auch keine Frage des Mauerwerkmaterials. Sie tritt vielmehr bei allen ein- und mehrschichtigen Außenbauteilen - unabhängig von Schichtaufbau und Schichtmaterial - unter vergleichbaren außenseitigen Randbedingungen stets in gleicher prozentualer Größenordnung auf".
    Die Verbreitung solcher Aussagen ist schlicht und einfach gesagt pseudowissenschaftliche Scharlatanerie! Der Wärmeeindringkoeffizient b ist die maßgebende Zahl für die Speicherung, auch von Solarenergie. Je größer b, desto größer die Reduzierung und b hängt u.a. von der Wärmeleitfähigkeit l (W/mK) und dem Raumgewicht r (kg/m³) ab; je größer beide Werte, desto größer der Wärmeeindringkoeffizient. Bei der Speicherung ist gegenüber dem k-Wert (kleine Wärmeleitfähigkeit l ) also genau die entgegengesetzte Tendenz wirksam ! Dies ist unbedingt zu beachten und führt die Porosierung des Mauerwerks, auch aus energetischer Sicht, ad absurdum.
  9. Die Tabelle 3, die die temperaturbezogenen Wärmestromdichten für eine ganze Heizperiode zeigen, ist in dieser Form überhaupt nicht zu akzeptieren. 
    In der Spalte "mit Einstrahlung" sind "gemessene" Daten aufgeführt, die Spalte "ohne Einstrahlung" ist jedoch eine Extrapolation dieser gemessenen Daten mit der Maßgabe: "fehlende Einstrahlung". Die Basis der ganzen Untersuchung, auf die sich Herr Gierga in Tabelle 2 seines Berichtes 5/97 mit seinen Prozentangaben stützt, ist also durch Extrapolation" berechnet. Aber gerade die "Berechnungsmethoden" werden doch angezweifelt, da sie Denkfehler enthalten.
    Auffallend ist, dass die rechnerischen k-Werte der Tab. 1 und die "extrapolierten Basiswerte" der Tab. 3 (ohne Einstrahlung) teilweise stark differieren. 
    Der rechnerische k-Wert von 0,61 W/m²K (Nr. 1 - 4) wird als Basiswert "extrapoliert" auf die Werte 0,66, 0,72 und 0,73 W/m²K - also höher -;
    der k-Wert von 0,50 W/m²K (Nr. 5 - 8 und Nr. 12, 13) auf 0,47, 0,48, 0,55, 0,59 und 0,60, W/m²K - also niedriger und höher -,
    der k-Wert 0,47 W/m²K (Nr. 9, Klinker) auf 0,38 W/m²K - also niedriger - ,
    der k-Wert 0,43 W/m²K (Nr. 10, Klinker m.Luftsp.) auf 0,39 - also niedriger - und 
    der k-Wert 0,45 W/m²K (Nr. 11, Dämmputz) auf 0,44 W/m²K - also niedriger.
    Als Begründung für diesen k-Wert-Salat wird angegeben, dies liege an der unterschiedlichen und noch nicht ganz ausgetrockneten Rohbaufeuchte der einzelnen Elemente !
    - Damit aber wird die ganze Arbeit hinfällig. Die Praxis erwartet praxisgerechte Aussagen, bei solchen Ungereimtheiten wie hier gehört Forschung in den Mülleimer.
    - Diese Begründung gilt, wenn sie überhaupt akzeptiert werden sollte, doch nur für die höheren Basiswerte; was aber ist die Begründung für die niedrigeren Werte ? Sehr wahrscheinlich ist, dass in unzulässiger Weise extrapoliert wurde, so dass diese bizarren Ergebnisse herauskommen.
    Es ist eine Frechheit, mit welcher Arroganz und Überheblichkeit die Baupraxis an der Nase herumgeführt wird. Man hat es mit "Wortgeschwafel" zu tun.
    Ganz kurios wird die Tabelle 3, wenn die Wärmestromdichten der Nr. 8 und der Nr. 13 verglichen werden. Hier wird nach Tab. 2 ein Strahlungsabsorptionsgrad von 0,15 wirksam (normales Weiß wird mit 0,20 bis 0,25 angenommen).
    Beide Wandelemente weisen sowohl "ohne Einstrahlung" als auch "mit Einstrahlung" die gleichen Wärmestromdichten auf. Dies bedeutet im Klartext: Die Strahlungsintensität von 90 W/m² (mit Einstrahlung) und von 30 W/m² (ohne Einstrahlung) erzielen beide die gleiche "Reduzierung"- eine Unmöglichkeit. Eine solche Aussage gehört ins Lachkabinett, es ist schon kriminell, was der Bauwelt so präsentiert wird !
    Und solch ein ausgesprochenes Machwerk wird dann unterschrieben von "Lindauer (Physiker), Kießl (Maschinenbauer) und Gertis (Maschinenbauer)".

    Diese Untersuchung zeigt recht deutlich, dass sie offensichtlich nur das eine Ziel verfolgte: "Die alten (und falschen) Thesen von Gertis zu stützen. Dies geschieht durch Manipulationen und völlig einseitige und irrige Interpretationen der Ergebnisse.

Es ist bedauerlich und zu verurteilen, dass sich die "Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V." vor den Karren spannen läßt (Troja mit dem Trojanischen Pferd läßt grüßen) "Schade". 

Können Sie einen Protest des Ziegelverbandes organisieren, der diesen "organisierten Betrug" am Kunden, an der Bautechnik und am bewährten Ziegel offenlegt. Diesen Brief können Sie argumentativ verwenden. Wenn Sie meine Mithilfe benötigen, melden Sie sich bitte.

Mit freundlichen Grüßen




Dieser Brief wurde auch dem Auftraggeber dieser Forschungsarbeit zugespielt. Eine entsprechende Reaktion vom November 97 enthielt u. a. folgende Äußerungen (Zitate): 

"Vorab möchte ich Sie darauf hinweisen, die im Zusammenhang mit dem Amz-Bericht 5/97 gemachte Äußerung "Betrug am Kunden zu verüben" zu unterlassen. Diese und weitere im Schreiben ausgesprochene Entgleisungen kann ich nach sorgfältigem Studium Ihrer Analysen nur Ihrer bis ins fortgeschrittene Alter aufgestauten Verbitterung über die von Ihnen attestierte Ignoranz bestimmter Thermodynamiker und Physiker natürlich auch Ihrer Erfolglosigkeit hinsichtlich der Revolutionierung der Physik der solarbeaufschlagten Ziegelwand zuschreiben".

"Ein Aufruf zur Meuterei erscheint mir daher unnötig, ja geradezu unredlich, versuchen Sie doch über Jahre hinweg verunsicherte Ziegeler mit bis heute nicht belegten Systemeigenschaften ihrer Produkte zu verwirren. Ich halte Sie daher für einen schlechten Ratgeber, die Art und Weise Ihres Agitierens schadet der Ziegelindustrie"  

Darauf wurde noch im November 1997ein entsprechendes Schreiben an Herrn Gierga, Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel im Bundesverband Ziegelindustrie e. V in Bonn, verfaßt.

Sehr geehrter Herr Gierga,

Ihre Reaktion auf meine Kurzanalyse der von Ihnen für Ihren AMz-Bericht 5/97 benutzten Forschungsarbeiten ist verständlich, jedoch äußerst unbefriedigend, da Sie keine meiner Aussagen widerlegt haben. Stattdessen wählen Sie den üblichen Ton, der immer dann zu registrieren ist, wenn es gilt, nachgewiesene Ungereimtheiten und Fehler, auf die man aufmerksam gemacht wird, zu bagatellisieren bzw. zu verwischen. Sie glauben dabei, sich mit Ihrer Unlogik hinter Fourier verstecken zu können; auch dies ist einer Ihrer Irrtümer.

Bei Ihrer gewollten oder erzwungenen beengten wissenschaftlichen Sichtweise werden Sie sicher kein Verständnis dafür aufbringen, dass ich mich durch Ihren Antwortbrief in meinem Urteil bestätigt fühle, es handle sich hierbei um Betrug am Kunden und es stellt sich dabei automatisch die Frage, wie der Verbraucher vor solchen Manipulationen geschützt werden kann.

Zur Erinnerung zitiere ich aus dem StGB den § 263 Betrug:
(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Ihre sophistischen Auslegungen im Brief bezeugen lediglich Ihre selektive und einseitige Denkweise, die sich permanent den gewünschten und gewollten Aussagen anpaßt. Das energetische System Gebäude hört doch nicht an der Tapete, sondern am Außenputz einer Außenwand auf; wenn Sie dies beherzigen würden, könnten Sie vielleicht auch die Frage beantworten, wo die Energie, die vom Innenraum und wo die absorbierte Energie der Solarstrahlung, die von außen in die Außenwand hineingeleitet wird, bleibt.

Die Verunsicherung der Ziegler geschieht nicht dadurch, dass man auf jahrelange Erfahrung und früher Erlerntes hinweist, sondern indem man versucht, bisherige Denk- und Handlungsweisen mit pseudowissenschaftlichem Getue aus den Köpfen der Bauleute zu verdrängen. Mein Beitrag besteht darin, dass ich die Fehler, die dabei notgedrungenerweise gemacht werden müssen, benenne. Hier verweise ich auf meinen Brief mit den Analysen der zitierten Forschungsarbeiten; und nach Karl Raimund Popper muß halt widerlegt werden.

Mit freundlichen Grüßen 




Darauf schaltete sich der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Ziegelindustrie e.V., Herr Rechtsanwalt Hahn, ein und schrieb am 2. Dezember folgenden Brief:

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Meier!

Ich nehme Bezug auf den mit Herrn Dipl.-Ing. Gierga geführten Briefwechsel. Diesen werden weder Herr Gierga noch ein anderer Mitarbeiter unseres mit Ihnen fortsetzen. Aufs Schärfte weise ich Ihren Vorwurf zurück, es werde Betrug am Kunden geübt. Im Wiederholungsfalle sehe ich mich gehalten, gegen solcherlei Anschuldigungen vorzugehen.

Hochachtungsvoll

gez. Hahn  

Mein Antwortbrief vom 07. 10. 2001 an Herrn Hahn lautet wie folgt:

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Hahn,

da Sie mir in Ihrem Schreiben mitteilen, dass keiner in Ihrem Hause den Briefwechsel fortsetzen werde, kann ich davon ausgehen, dass Sie diesen Brief lesen werden.

In Ihrer Eigenschaft als Hauptgeschäftsführer und damit Hauptverantwortlicher des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie sehen Sie offensichtlich nur die Möglichkeit, auf meine Aussagen in der von Ihnen gewählten Form zu reagieren.

Die überzeugenden Sachargumente kommen allerdings von meiner Seite, ansonsten hätte Herr Gierga stichhaltige Gegenargumente schon längst vorgebracht. Nach Karl Raimund Popper heißt die allgemeingültige Devise aber "widerlegen" und nicht "widersprechen". Sie als oberster Chef entscheiden sich bedauerlicherweise für den Abbruch des Dialogs - schade. Ein Außenstehender weiß allerdings diese Art einer Reaktion sehr wohl einzuordnen. 

Wegen der unterschiedlichen inhaltlichen Wertung der von der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel initiierten Aktion verweise ich auf meinen Brief vom 23.11.1997 an Herrn Gierga und auf meine Stellungnahme zu den zitierten Forschungsarbeiten.

Als Rechtsanwalt mögen Sie sich vielleicht weniger für die fachliche Seite interessieren, für Sie sind Rechtspositionen wichtiger - das ist verständlich. Nur muß man dabei bedenken, dass Rechtspositionen eben auch aus Fachpositionen resultieren, so dass dieser Aspekt selbst bei der juristischen Würdigung eines Sachverhaltes nicht unbeachtet bleiben kann.

Mein bereits in anderer Sache am 18.03.97 an Sie gerichtetes Schreiben verdeutlicht meine Position; damals ist schon angesprochen worden, was heute Gegenstand der Erörterung ist: "Dämmen und/oder Speichern". Meine Reaktion auf den AMz-Rundbrief von Herrn Gierga kommt also nicht unvorbereitet.

Auch im Zuge der "Novellierung der Wärmeschutzverordnung" haben wir Mitte 1993 miteinander telefoniert und ich schickte Ihnen per Fax die neuen km-Kurven der WSchVO 1995. Über den fachlichen Inhalt und die damit verbundenen inhaltlichen Konsequenzen waren Sie damals sehr überrascht - und bestürzt.

Insofern gehe ich nach wie vor davon aus, dass Fakten die Situation bestimmen sollten.

Ich gebe Ihnen zur sachlichen Beurteilung der Ergebnisse "wissenschaftlicher" Forschungsarbeiten der von Herrn Gierga angeführten Quellen nur drei Zeilen aus einer Tabelle der einen Arbeit zur Kenntnis:
 

Wandelement Außenoberfläche Tab.1 Temperaturbezogene

Wärmestromdichte (W/m²K)

Nr. Aufbau Farbe Struktur k-Wert

W/m²K

ohne Ein-

strahlung

mit Ein-

strahlung

1 2 3 4 5 6 7
6 Leichtziegel weiß rauh 0,50 0,60 ± 0,03 0,59 ± 0,03
8 36,5 cm / Süd weiß glatt 0,50 0,59 ± 0,03 0,59 ± 0,03
13 Leichtziegel
36,5 cm / Nord
weiß rauh 0,50 0,55 ± 0,03 0,55* ± 0,03

Diesen drei Zeilen können folgende "Erkenntnisse" entnommen werden:

  1. Ein nach DIN 4108 für den stationären Fall (Beharrungszustand) gerechneter k-Wert von 0,50 W/m²K (Spalte 5) wird unverständlicherweise auf 0,60 , 0,59 und 0,55 W/m²K abgemindert (Spalte 6 "ohne Einstrahlung"). 
    Mit dieser Vergrößerung der Bezugsbasis aber wird der solare Gewinn kleiner.
  2. Gegenüber dem nach DIN 4108 errechneten k-Wert von 0,50 W/m²K (Spalte 5) erzielt die Südwand einer weißen Ziegelwand "mit Einstrahlung" (Absorptionsgrad mit 0,15 angenommen) nur einen k-Wert von 0,60 bzw. 0,59 W/m²K (Spalte 7), also einen schlechteren k-Wert (Nr. 6 und 8).
    Damit würde Solarenergie ja sogar schädlich für die energetische Bilanz einer Außenwand sein.
  3. Eine weiße Ziegelwand liefert "mit Einstrahlung" (Spalte 7) und "ohne Einstrahlung" (Spalte 6) gleiche k-Werte (Nr. 8 und 13). 
    Bei der gewählten Forschungsmethode hat die Solarstrahlung hier also überhaupt keinen Einfluß auf das Minderungspotential.
  4. Der Tabelle kann auch entnommen werden, dass eine weiße "Nordwand ohne Einstrahlung" mit k = 0,55 W/m²K (Nr.13, Spalte 7) energetisch günstiger ist, als eine "Südwand mit Einstrahlung" mit einem k-Wert von 0,59 W/m²K (Nr.8, Spalte 6). 
    Etwas Absurderes und Abstruseres als dies ist bis jetzt noch nicht verbreitet worden.

Diese Fakten, die ebenfalls Bestandteil der von Herrn Gierga zitierten Forschungsarbeiten sind, beweisen die Fragwürdigkeit der gesamten Forschungsarbeit in eindrucksvoller Weise, werden aber in den verschickten Unterlagen nicht erwähnt (Selektion der Information). Es ist Ihr Problem, wie Sie Ihren Mitgliedern, die ja durch Sie vertreten werden und die auch sicher Geldbeträge zu diesen Forschungsarbeiten beigesteuert haben, diesen Unsinn klarmachen und begründen wollen. Ein solches pseudowissenschaftliches Machwerk sollte am besten schleunigst aus dem Verkehr gezogen werden.

Generell kann gesagt werden, dass die mit dieser Aktion verbreiteten Solargewinne viel zu gering sind; praktische Erfahrungen bestätigen dies.

Es bleibt Ihrem Interpretationsspielraum überlassen, wie Sie diese eindeutigen Fakten bewerten und die dadurch hervorgerufene energetische Benachteiligung einer schweren Wand vielleicht nun sogar als "Sieg für die Ziegelindustrie" umdeuten. Die vor Jahren wegen der Gefahr einer Nichterfüllung der WSchVO 1995 von Ihrem Hause am Problem vorbei (nämlich bei kleinen A/V Verhältnissen) geführten Verhandlungen mit dem Bundesbauministerien zwecks Änderung der wärmetechnischen Anforderungen wurden ja auch in den Fachmedien z.T. als "Rettung des Ziegels" interpretiert.

Es ist zu vermuten, dass die betroffene Ziegelindustrie bei Kenntnis dieser Umstände Ihr Tun und Handeln auch nicht gerade gutheißen wird.

Trotz Ihres Briefes gehe ich davon aus, dass meine Korrespondenz mit dem Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie im Interesse sachlicher Klärungen weiterhin fortgesetzt wird.

Mit freundlichen Grüßen




Darauf kam dann von Herrn Hahn der Brief vom 14. Januar 1998:

Sehr geehrter Herr Prof Dr. Meier!

Für Ihr Schreiben vom 08. Dezember bedanke ich mich. Da auch ich mich wie alle Mitarbeiter in unserem Haus für die fachliche Seite des Themas Energieeinsparung bei Gebäuden interessiere, werden wir Ihr Schreiben selbstverständlich bei unseren Überlegungen zu berücksichtigen wissen.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Hahn  

Dann geschah wieder nichts – allerdings verließ Rechtsanwalt Hahn den Bundesverband und ging, dem Vernehmen nach, zu einer Brauerei. Seinen Posten nahm Herr Martin Roth ein. 

In seiner Ära gab es dann noch ein Nachspiel.

Da Herr Gierga auch Mitglied des Normenausschusses DIN 4108 NABau ist, wird im Erwiderungstext zur Stellungnahme des Ausschusses (siehe "Der Irrtum der DIN 4108 – Wärmeschutz") dieser vorliegende Briefwechsel mit Herrn Gierga, dem Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschft Mauerziegel, erwähnt. Der angesprochene "Betrug am Kunden" führte zu einem Brief vom 26. Januar 2000 des inzwischen neu berufenen Hauptgeschäftsführers, Herrn Roth, aus dem auszugsweise zitiert wird:

"Mit Verwunderung und Verärgerung haben wir Ihre Aussagen innerhalb Ihrer Erwiderung zur Stellungnahme des NABau-Arbeitsausschusses auf der Internetseite des Herrn Konrad Fischer gelesen". Weiter heißt es da:

"Es geht dabei nicht um irgendwelche fachliche Diskussionen im bauphysikalischen Bereich. Dies sind Dinge, die im wissenschaftlichen Disput geklärt werden sollen, wobei es zumindest verwunderlich ist, wenn ein Diskussionsbeteiligter, der offensichtlich eine Mindermeinung vertritt, im Besitz der allein selig machenden Wahrheit zu sein scheint.

Festzustellen ist, dass Sie mit Ihren wörtlich getätigten Aussagen: " (es folgen zwei Passagen aus meiner Erwiderung vom 28. 12. 1999)" dem Technischen Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel, Herrn Dipl.-Ing. Michael Gierga, eine strafbare Handlung unterstellen, die offensichtlich und eindeutig nicht vorliegt" und weiter: "Durch diese falsche Beschuldigung haben Sie den Tatbestand des § 186 StGB der üblen Nachrede, möglicherweise sogar den des § 187 StGB (Verleumdung) begangen. Wir werden – sollten sie die Vorwürfe nicht in geeigneter Form binnen einer Woche öffentlich zurücknehmen – bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Sie erheben. Um diese Folge zu vermeiden, müßten Sie bis dahin die Aussage im Internet entfernt haben und eine Gegendarstellung veranlassen. Darüber hinaus müssen wir Sie auffordern, uns gegenüber schriftlich zu erklären, dass Sie es zukünftig unterlassen, Ihre oben wörtlich zitierten Aussagen zu wiederholen. Sollte uns eine entsprechende Erklärung nicht bis spätestens 4. Februar 2000 erreicht haben, werden wir zivilrechtlich gegen Sie vorgehen.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Roth




Darauf wurde geantwortet:

Sehr geehrter Herr Roth,

mit Überraschung entnehme ich Ihrem Brief, es gehe bei dem bautechnischen Disput nicht um irgendwelche fachlichen Diskussionen im bauphysikalischen Bereich. Ja, worum soll es denn dann gehen? In der Praxis kann es sich doch wohl nur um fachliche Diskussionen handeln und vieles wäre einfacher, wenn man hier dem bestehenden und auch notwendigen Handlungsbedarf Rechnung tragen würde. Jeder muß dabei die Gelegenheit haben, seine Argumente zu präsentieren. Meine Arbeitsweise ist die Deduktion – also die Mathematik, die keinen Spielraum für Meinungen läßt. Aussagen sind deshalb nicht beliebig austauschbar.

Mit der verantwortlichen Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie sind Sie erst nach dem Ausscheiden des Herrn Peter Hahn betraut worden. Insofern werde ich Ihnen zu Ihrer Information einen Briefwechsel zur Kenntnis bringen, den ich in gleicher Sache mit Ihrem Vorgänger bereits vor zwei Jahren geführt habe (drei Briefe). Nach vorangeganger Korrespondenz mit Herrn Gierga (Briefe vom 19. November und 23. 11. 1997) wurde gegenüber Herrn RA Hahn der Sachverhalt in meinem Brief vom 8. 12. 1997 verdeutlicht. Die Fakten liegen also unmißverständlich auf dem Tisch.

Es sei in diesem Zusammenhang vielleicht hilfreich, dass am Rande der Einspruchsverhandlung zur DIN 4108, Teil 3, am 14. Januar 2000 in Köln Herr Prof. Kießl sich sehr verwundert zeigte über ein wissenschaftliches Ergebnis, das die unbesonnte Nordwand energetisch günstiger ausweist als eine besonnte Südwand. 

Auf Grund langjähriger Erfahrungen im Bausektor stehe ich aus Überzeugung dem Material "Ziegel" positiv gegenüber. Somit ergaben sich aus der Einsicht für ein sinnvolles und behagliches Bauen schon seit Anfang der 80er Jahre mit der Ziegelindustrie vielseitige Briefkontakte und auch eine Reihe von Vorträgen. Mit den Herren Schmitt, Peters und Krahl vom Bundesverband korrespondierte ich häufig und war dabei immer ein konstruktiver Dialogpartner. So ist es allzu natürlich, dass ich mit Verwunderung und großem Entsetzen die in den letzten Jahren forcierte Entwicklung des schweren Ziegels zu einem Dämmstoff verfolgen konnte. Diese Fragwürdigkeiten in der Entwicklung eines Baustoffes werden sehr markant durch die immer häufiger auftretenden Bauschäden von "porosierten Ziegeln" charakterisiert und damit negativ belastet. Dieser Trend zur Leichtbauweise entspricht auch nicht unserem Klima.

Dieser Komplex und die daraus zu ziehenden Konsequenzen wurden in dem neuen "Jahrbuch für Architekten und Ingenieure 2000, Mauerwerksbau aktuell" im Werner Verlag unter dem Titel "Speicherung im Massivbau" behandelt.

Es würde sich wirklich lohnen, wenn Sie sich zu einem klärenden Gespräch, das ich hiermit vorschlage, bereit finden würden. Viele Mißverständnisse könnten im Interesse des Ziegels, aber auch im Interesse der Bewohner, beseitigt werden. Als Architekt, der die dämm- und speicherfähige Außenwand aus vielen Gründen für notwendig erachtet, würde ich es sehr bedauern, wenn bei dem so wichtigen Thema der Behausung nun über sachbezogene Themen des Gebäudewärmeschutzes kein Konsens mit dem Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie hergestellt werden könnte.

Mit freundlichen Grüßen 

Anlagen:

Brief vom 2. Dezember 1997,
Brief vom 8. Dezember 1997,
Brief vom 14. Januar 1998.  

Auf mein Antwortschreiben vom 29. 01. 2000 erfolgte bis jetzt keine Reaktion. Kommentar überflüssig.

Geändert hat sich nichts. Die Ziegelindustrie marschiert unbeirrt in Richtung "Dämmstoffhaus", indem versucht wird, aus dem speicherfähigen Massivziegel durch Porosierung ein Dämmstoff zu machen. Das "Ober-Management" der Ziegelindustrie verfolgt konsequent das Ziel, die Schichtkonstruktion auch beim Ziegel durchzusetzen – verständlich wird dies nur dadurch, dass dort etablierte Dämmfanatiker den Sirenenklängen der "Gertis-Crew" offenbar Glauben schenken und damit einen recht großen Einfluß ausüben. Dem Kunden allerdings wird mit den "Dämmstoffbuden" nicht geholfen.

Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier
Architekt SRL, BayAK, Nürnberg





Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier
Architekt SRL, BayAK, Nürnberg
Missbrauch der Begriffe

Am 18. und 19.03.1999 fand in Loccum die XXVI. Fortbildungstagung unter dem Motto
"Ökologie und Ökonomie in der Denkmalpflege" statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde nachfolgender Vortrag gehalten

Die Wahrheiten, die wir am wenigsten gern hören,
sind diejenigen, die wir am nötigsten kennen sollten.
Chinesisches Sprichwort

Die Verführung zum Mißbrauch der Begriffe
Mißbrauch ist ein Phänomen, das den Alltag des technischen Planens und Realisierens stark durchdringt. Es stehen vornehmlich die Begriffe Ökologie, Umweltschutz und Nachhaltigkeit zur Diskussion; aber gerade auch diese werden nun in den unterschiedlichsten Facetten argumentativ umgedeutet, fälschlicherweise in Anspruch genommen, mißbraucht. Viele kleine menschliche Schwächen wie Selbstüberschätzung und Selbstdarstellung verbunden mit ideenreichen Tricks, Winkelzügen und Intrigen sind für den Mißbrauch verantwortlich zu machen. Oft beginnt der Mißbrauch bereits mit einer Fehlinterpretation von Begriffen. Hier sei Karl Steinbuch erwähnt, der als Informatiker anfangs der 80er Jahre viele Bücher geschrieben hat und der bereits den auf uns zukommenden Informationsdschungel voraussah: "Wo Begriffe und Strukturen verflüssigt werden, versinkt man im Sumpf". Wenn dann neben dieser babylonischen Begriffsverwirrung nun auch noch zur Durchsetzung vorgefaßter Ziele und vor allem zur Rechtfertigung bereits vollzogenen Handelns unlautere Methoden angewendet werden, dann muß ein solches Fehlverhalten schonungslos offengelegt werden. 

Mit diesen paar Hinweisen wird bereits die dialektische Polarität unterschiedlichen Denkens und Handelns deutlich: Auf der einen Seite das Ideal als vorgegebenes, hehres Ziel und dem gegenüber die reale, harte Wirklichkeit, in der allzu oft der Mißbrauch dominiert. Sachlichkeit wird nur vorgetäuscht, auch hier sei Karl Steinbuch zitiert: "Aber mancher Sprachgebrauch der letzten Jahre ist nur als Mittel gewollter babylonischer Sprachverwirrung zu verstehen - wobei diese Verwirrung häufig zur Tarnung sehr bewußter Zwecke dient".

Mißbrauch scheint auf Handelnde in der Tat eine faszinierende Macht auszuüben. Mißbrauch versinnbildlicht ja auf der einen Seite die narzißhaft wirkende Kraft der Verführung und Verblendung als Ausdruck eigener überquellender Geistestaten; auf der anderen Seite versinnbildlicht Mißbrauch aber auch die erfolgversprechende Genugtuung über die suggestiv wirkende Kraft der Täuschung und Verdummung von Zielgruppen durch Verschleierung der Sachzusammenhänge. Beide Aspekte werden offensichtlich als Geistesleistung hoch geschätzt und genießen deshalb eine magische Anziehung. Erfolgsorientierte Motive scheinen entscheidender Motor für derartige Aktivitäten zu sein. Beides operiert mit mißgedeuteten Begriffen, mit fehlerhaften Argumenten, beides ist verwerflich.

Die Logik ist als Regelsystem für das Denken entwickelt worden, genauer, die Formen und Methoden des richtigen Denkens werden geklärt. Nicht was gedacht werden soll, sondern wie gedacht werden soll ist Gegenstand der Logik. Wie muß man denkend fortschreiten, um zu richtigen Ergebnissen zu gelangen? Die Bestandteile der klassischen logischen Elementarlehre sind seit Aristoteles der Begriff, das Urteil und der Schluß. Unser verstandesmäßiges Denken vollzieht sich in Begriffen. Wie gewinnen wir klare, für das wissenschaftliche Denken brauchbare Begriffe? Nur durch Definition. Logisches Denken fordert also eine klare Definition der Begriffe. Karl Steinbuch sagt hierzu: "Das rationale Wissen von unserer Welt kann man sich als ein zusammenhängendes Erklärungsgitter aus Begriffen und ihren Relationen vorstellen, das sich der Erfahrung immer besser anpaßt". 
Wenn jedoch bereits die Begriffe mißbraucht werden, dann werden auch die Urteile und die Schlußfolgerungen nur zu einem diffusen Wahrheitsgehalt kommen können. Deshalb ist immer die Frage zu stellen: "Was ist darunter zu verstehen?". Eindeutige Begriffsklärung ist angesagt.

Ökologie, die Umwelt und die Nachhaltigkeit prägen heutiges Denken und Handeln in starkem Maße. Diese Begriffe jedoch werden in zunehmendem Maße, bewußt oder unbewußt, mißverstanden und damit auch mißbräuchlich benutzt. 

Wenn es gilt, Aktivitäten, auch dubiose, durchzusetzen, werden immer Argumente des Umweltschutzes und der Ökologie als Begründung und Rechtfertigung mit herangezogen, wobei oft nachgewiesen werden kann, dass gerade diese vorgebrachten Argumente einer Entlastung, Schonung und Bewahrung der Umwelt nicht zutreffen. Auch koordinierte Aktionen von Wirtschaft, Wissenschaft und Administration, die in einträchtiger Symbiose bestimmte Vorstellungen zu realisieren versuchen, entpuppen sich bei eingehender Analyse oft als mißbräuchliche Verwendung von zwar gutgemeinten, aber mißverstandenen Argumenten; die Folge einer Begriffsverwirrung. Die Behauptung triumphiert, der Beweis bleibt aus, Richtigkeit wird nur vorgetäuscht.

Ein typisches Beispiel für solch ein unlauteres Geflecht ist der Gebäudewärmeschutz, der das Bauen zu dominieren scheint. Karl Steinbuch weist auf folgendes hin: "Die meisten politischen Entscheidungen - besonders demokratisch legitimierte Entscheidungen - beruhen auf intuitiven Urteilen und sind deshalb häufig falsch". Es kann hier verallgemeinernd festgestellt werden, dass fast jede offizielle Aussage auf diesem Gebiet unzutreffend ist - natürlich nur aus der Sicht des Verbrauchers, des Kunden und vielleicht sogar der Umwelt. Für die Geschäftsentwicklung von Wirtschaft und Industrie läuft dagegen alles vortrefflich. Die Bemühungen und finanziellen Aufwendungen für Werbung und Marketing sind enorm, um diesen beabsichtigten Wachstumsschub auch vollziehen zu können, natürlich auch, wie man nicht zu erwähnen vergißt, aus Gründen der Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen. Dabei schreckt man nicht zurück, auch Halbwahrheiten und selbst Unwahrheiten medienwirksam und höchst wirkungsvoll zu verbreiten. Wichtig für die Beurteilung von Argumenten wird also immer die Position sein, aus der man Begriffe zu sehen bereit ist. Nachhaltigkeit z.B. ist für den einen gegeben, für den anderen aber nicht; maßgebend sind also immer der Zweck und die definierten Ziele, die verfolgt werden.

Der Mißbrauch feiert Triumphe. Es gibt genügend Beispiele, die für den interessierten Laien und selbst für Fachleute nur deshalb vielleicht überraschend erscheinen, weil Massensuggestion und Meinungsterror in Medien und Fachzeitschriften gezielte, jedoch falsche Vorstellungen über die naturgesetzlichen und logisch nachvollziehbaren Sachzusammenhänge verbreiten. Karl Steinbuch sieht folgende Gefahr: "Man übersieht aber leicht die viel schlimmere Entfremdung des Menschen von "seiner" Meinung, die tatsächlich nicht mehr seine Meinung ist, sondern von anderen professionell produziert wird".

Hier sei an ein Wort von Bertrand Russell erinnert: 
"Selbst wenn alle Fachleute einer Meinung sind, können sie sehr wohl im Irrtum sein".

Meinung ist eben nicht Wissen und im Gegensatz zum Wissen interpretationsfähig und vielseitig produzierbar, ganz abgesehen vom Glauben. Was wird nicht heute, auch in der rational orientierten Technik, alles geglaubt. Hier muß Kant erwähnt werden, der Wissen zur Grundlage vernünftigen Handelns macht. Dies sollten wir beherzigen.

Es folgen einige Beispiele, die Meinung und sogar den Glauben als Wissen interpretieren. Dabei spielt oft mystisches Gedankengut, das zwar das Geheimnisvolle liebevoll verehrt, aber nicht rational durchleuchtet, eine bedeutende Rolle. Karl Steinbuch stellt dazu fest: "In unserer Zeit kommt erstaunlicherweise wieder die archaische Methode auf: die Behauptung, man sehe die Zukunft voraus und wisse, welches Verhalten für sie notwendig ist. Wenn man dieses oder jenes nicht tue - so beschwören uns manche Futurologen - träten katastrophale Folgen ein. Um dieses jedoch abzuwenden, müsse man einfach das tun, was sie vorgeben, es ginge ja um das Überleben schlechthin". Der Mißbrauch wird offenkundig.

  • Mißbrauch von Rechenmethoden 
    Infolge der kostenlosen Solarstrahlung muß die durch Außenwände absorbierte Energie in die Energiebilanz eines Gebäudes mit einbezogen werden. Es handelt sich bei den Wärmetransportvorgängen um instationäre Verhältnisse. Diese Realitäten funktionieren seit Jahrtausenden, werden jedoch in den Berechnungen zum Wärmeschutz nicht berücksichtigt, da in der Fourierschen Wärmeleitungsgleichung in unzulässiger Weise die Speicherkomponente gestrichen wird. Man geht der Einfachheit halber von stationären Verhältnissen, vom Beharrungszustand aus, der jedoch nie vorliegt. Alle Wärmeschutzberechnungen sind somit reine Phantasierechnungen - und bilden sarkastischerweise die rechnerische Grundlage für alle Energieverbrauchsberechnungen, auch für den gemäß WSchVO 1995, § 12 aufzustellenden Wärmebedarfsausweis [11], [C]. 
     
  • Mißbrauch der Mathematik
    Werden nun trotzdem stationäre Verhältnisse, der Beharrungszustand, zur Grundlage der Überlegungen gemacht, dann leiden große Dämmstoffschichten über 6 bis 8 cm Dicke an verstärkter Effizienzlosigkeit, die Nachhaltigkeit ist nicht mehr gegeben. Dies ist mathematisch bedingt und liegt an der Hyperbelform des k-Wertes. Die großen Dämmstoffpakete werden somit energetisch gesehen umsonst eingebaut, den Dämmstoffanbietern garantieren sie jedoch gewaltige Umsatzsteigerungen. 
    Die Natur weiß dies: Die Felldicke von Tieren selbst in den kältesten Regionen überschreiten kaum 6 bis 8 cm; auch der hochalpintaugliche Schlafsack für Bergsteiger besteht nur aus einer etwa 4 cm dicken Daunenschicht. Bei erzwungener Nachhaltigkeit wird durchaus effizienzgerecht gehandelt, nur Wissenschaft und Administration sind taub, richten sich nicht danach und empfehlen zur Freude der Dämmstoffverkäufer Superdämmungen. Die Täuschung des Kunden ist vollkommen. Werden Recycling-Probleme mit berücksichtigt, dann wird mit diesen Konstruktionen nur Sondermüll produziert. Das Entsorgen läßt das nächste große Geschäft erhoffen, natürlich wieder nur zum Schutze der Umwelt. Der Umweltschutzgedanke wird vehement mißbraucht [9], [C].
     
  • Mißbrauch empirischer Ergebnisse
    Das Verhältnis der umhüllenden Fläche A zum Volumen V eines Gebäudes wird beim Wärmeschutz als recht bedeutsam angesehen. Wird nun bei der Klärung der funktionellen Zusammenhänge von einem konstanten Volumen ausgegangen, was gemacht worden ist, dann beschreibt ein großes A/V Verhältnis differenzierte und gestalterisch aufgelockerte Baukörper, ein kleines A/V Verhältnis dagegen einen kompakten, energiesparenden Baukörper.
    Dieses nur für einen bestimmten Fall zutreffende empirisch gewonnene Ergebnis wird nun unzulässigerweise verallgemeinert und findet als Maßstab für den Wärmeschutz Berücksichtigung in der Wärmeschutzverordnung. Dies ist falsch, denn im Bauwesen werden ja nicht überall ein konstantes Volumen umgesetzt und gebaut.
    Richtigerweise muß festgestellt werden:
    Ein Kubus als extrem günstige Form energiesparenden Bauens kann völlig unterschiedliche A/V Verhältnisse aufweisen. Die Werte reichen von 0,25 (Kantenlänge 24 m) bis 1,2 (Kantenlänge 5 m). Die Werte umfassen also die ganze Bandbreite der unterschiedlichen Anforderungen, die sich gemäß Wärmeschutzverordnung nach dem A/V Verhältnis richten. Die energetisch günstigsten Baukörper müssen also völlig unterschiedliche Wärmeschutzanforderungen an die Außenhülle erfüllen. 
    Demgegenüber können jedoch völlig unterschiedliche Bauformen gleiche A/V Verhältnisse haben. Ein A/V Verhältnis von z. B. 0,4 liegt bei unendlich vielen Abmessungen vor, diese reichen von 15 x 15 x 15 m als Kubus über die Quaderformen 10 x 15 x 30 m, 10 x 12 x 60 m bis hin zu sogar
    10 x 10 x ¥ m. Obgleich die Bauformen energetisch völlig unterschiedlich zu bewerten sind, müssen sie alle die gleiche Anforderung an den Wärmeschutz erfüllen. 
    Bei der Handhabung der Wärmeschutzverordnung sind deshalb ein großes sachliches Durcheinander und Willkür im Ergebnis die zwangsläufigen Folgen [B], [C]. 
     
  • Mißbrauch des Gesetzes
    Das Energieeinsparungsgesetz als Ermächtigungsgrundlage für den Erlaß von Wärmeschutzverordnungen enthält im § 5 das Wirtschaftlichkeitsgebot; dort steht sinngemäß: "Eine Energieeinsparungsmaßnahme muß sich amortisieren". Durch die Effizienzlosigkeit kleiner k-Werte, oder auch großer Dämmstoffdicken, ist bei Erfüllung der vorgeschriebenen Anforderungen die geforderte Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben. Dies kann nachgewiesen werden. Die unwirtschaftlichen Anforderungen verstößen also gegen das Gesetz; das dort verankerte Gebot wird hier sogar durch den Verordnungsgeber ignoriert und mißachtet [10], [C]. 
     
  • Mißbrauch des Kostenminimums
    Das Kostenminimum ist ein klar umgrenzter Begriff und kennzeichnet die geringsten Kosten, es wird aber ständig als wirtschaftlichste Lösung angesehen und deklariert. Dies ist jedoch falsch und deshalb ein exzellenter Fall von eklatanter Begriffsverwirrung. Das gleiche gilt auch für das Energieverbrauchsminimum [6], [A], [C]. 
     
  • Mißbrauch anerkannter Regeln der Technik 
    Früher war eine trockene Konstruktion Stand der Technik. Deshalb hieß es in der DIN 4108, Wärmeschutz im Hochbau: "Auch im Innern von unsachgemäß aufgebauten Bauteilen kann Tauwasser auftreten, besonders dann, wenn sie mehrschichtig und die Schichten unzweckmäßig hintereinander angeordnet sind". 
    Tauwasser in der Konstruktion galt früher als unsachgemäß! 
    Heute bietet die Industrie Schichtkonstruktionen mit Chemieprodukten an, die automatisch zu Tauwasserbildungen führen. Also mußten "neue Erkenntnisse" her, mußte die DIN "technisch weiterentwickelt" werden. 
    Jetzt darf im Winter Tauwasser auftreten, wenn dieses im Sommer wieder ausdiffundiert! Welch ein technischer Fortschritt, wenn man bedenkt, dass trockene Konstruktionen im Winter und nicht im Sommer wichtig werden. 
    Was ist daraus abzuleiten? Fortschreibungen von DIN-Normen dienen meist den Vermarktungsinteressen der Wirtschaft und nicht den berechtigten Bedürfnissen der Bewohner; hier geht es immerhin um trockene Konstruktionen im Winter. 
     
  • Mißbrauch von Kompetenz
    Die DIN 4108 enthält bei den Diffusionsberechnungen auch einen methodischen Fehler. DIN weist jedes unbelüftete Dach, und sei es als Schichtkonstruktion noch so falsch aufgebaut, als eine "nach DIN zulässige Konstruktion" aus. Selbst bei Akzeptanz der eben erläuterten Mißstände werden fehlerhafte Konstruktionen nicht mehr erkannt. Im Gegenteil: falsche Konstruktionen werden durch DIN legitimiert; dem Kunden wird Richtigkeit vorgegaukelt, obwohl Feuchteschäden eintreten werden. All dies geschieht durch Mißbrauch der Richtlinienkompetenz zusammengerufener "Experten", die alle die Fehlerhaftigkeit dieses Sachverhaltes nicht erkannt haben [7], [B]. 
     
  • Mißbrauch von Erfahrungswissen
    Das Kastenfenster ist schalltechnisch besser als die von der Industrie angebotenen Einrahmenfenster. Diese durch Resonanzeinflüsse hervorgerufenen schalltechnischen Nachteile der Industrieprodukte würden jedoch nicht auffallen, wenn die durchaus vorhandenen, jedoch kaum wahrnehmbaren Resonanzeinflüsse beim Kastenfenster ebenfalls als Negativposten in die schalltechnische Bewertung mit einbezogen werden müßten. 
    Was wird gemacht? Die Norm wird geändert. Und so wird verkündet:
    "Durch die Vereinheitlichung der Prüfnormen im Rahmen der Harmonisierung der europäischen Normen wird der gemessene Frequenzbereich erweitert".
    Was ist die Folge: 
    Die bessere Schalldämmung eines Kastenfenster, das aus langjähriger Erfahrung ja in dieser Form entstanden ist, wird verfahrensmäßig-administrativ nur durch Änderungen von Prüfbedingungen der schlechten Schalldämmung handelsüblicher Industrieprodukte angeglichen. Weil nun beide Produkte schlecht bewertet werden, kann das schlechte Produkt der Industrie gegenüber dem guten Produkt als gleichwertig bezeichnet werden. Eine derartige Vorschriften-Fortschreibung dient somit mehr den Marktinteressen der Wirtschaft als den berechtigten Wünschen der Kunden. Dies sind skandalöse Entwicklungen und ein weiteres Beispiel für die Industrieabhängigkeit von DIN [13], [C]. 
     
  • Mißbrauch von Datenmaterial
    Dem Vierten Immissionsschutzbericht der Bundesrepublik von 1988 (also gültig für die alten Bundesländer) können folgende Energieverbrauchsdaten entnommen werden:
    Die fünf Endenergieverbrauchssektoren Haushalte, Kleinverbraucher, Industrie, Straßenverkehr und übriger Straßenverkehr benötigen ca. 7.600 PJ (Endenergieverbrauch).
    Aus dem Umwandlungsbereich (Verstromung, Prozeßwärme) kommt die zur Verfügung gestellte Energie dazu. Dies macht zusammen ca. 11.500 PJ (Primärenergieverbrauch).
    Werden die Umwandlungverluste von ca. 7.200 PJ noch addiert, dann wird an Energie insgesamt ca. 18.700 PJ verbraucht (Gesamtenergieverbrauch).
    Die Raumheizung erfordert etwa 2.000 PJ. 

    Aus diesen Daten wird dann folgendes prozentuales Argumentationsgestrüpp konstruiert, das überall zu lesen und zu hören ist:
    Die Raumheizung beträgt ca. 30 % des Energieverbrauchs der BRD. 
    Dies bedeutet Mißbrauch der Statistik, denn die Raumheizung mit 2.000 PJ wird bezogen auf den Endenergieverbrauch von 7.600 PJ (der Endenergieverbrauch wird in Energieverbrauch umgemünzt). Wird jedoch der Gesamtenergieverbrauch zur Basis der Prozentrechnung gemacht, dann reduziert sich die Raumheizungsenergie auf rund 10 %. Die überall verbreitete Aussage ist schlichtweg falsch und bezweckt nur die Horrorvision eines gewaltigen Anteils der Raumheizung am Energieverbrauch [8], [C]. 
     

  • Mißbrauch der Wissenschaft
    Das Plancksche Strahlungsgesetz ist seit 1900 bekannt, beschreibt die Wärmestrahlung als elektromagnetische Welle, wie den elektrischen Strom, die Röntgenstrahlen und das Licht, und ist damit Teil der Quantenphysik. Mit den Methoden der Thermodynamik kann Strahlung deshalb nicht behandelt werden. Dies aber wird gemacht. 
    Zur Sicherung der Verkaufsumsätze in der fast ausschließlich Konvektionsheizungen vertreibenden Heizungsanlagenindustrie wird die Konkurrenz der Strahlungsheizung durch Denkfehler, falsche Randbedingungen und fehlerhafte Berechnungen benachteiligt. Die Solarstrahlung, der sich der Mensch seit Jahrtausenden physiologisch angepaßt hat, wird als Strahlungsheizung dadurch in ihrer Leistungsfähigkeit unterbewertet und deshalb vom Markt schlecht angenommen. Dieser technische Dilettantismus steht in jedem Heizungslehrbuch und ist sogar in DIN EN ISO 6946 festgeschrieben. DIN-Normen fungieren damit, sogar mit Unterstützung der Wissenschaft, als ein nicht den Tatsachen entsprechendes Regelungsinstrument zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen [12], [C]. 
     
  • Mißbrauch einer Forschungseinrichtung
    Wenn bei einem Forschungsauftrag über den "Einfluß der Absorption von Sonnenstrahlung auf die Transmissionswärmeverluste von Außenwänden" u. a. ein Ergebnis herauskommt, das eine Nordwand ohne Einstrahlung günstiger beurteilt als eine Südwand mit Einstrahlung, dann ist dies ein Indiz für eine völlig konfuse Forschungsmethodik. Die Ursache liegt in der notwendigen, jedoch vielleicht sogar absichtlich fehlenden Klärung von Begriffen durch klare Definitionen. Dies läßt Rückschlüsse auf gewisse dekadente Entwicklungen an manchen wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen zu. Durch solche realitätswidrigen Aktivitäten wird das Ansehen der Wissenschaft geschädigt oder das gute Ansehen für zweifelhafte Ziele arg mißbraucht. 
     
  • Mißbrauch des Grundgesetzes
    Wenn ein Hochschullehrer, der in Selbstüberschätzung seiner wissenschaftlichen Fähigkeiten in einem Lehrbuch Falsches veröffentlicht und zur Rechtfertigung der publizierten Fehler sich dann u.a. auch auf das Grundgesetz Art. 5 [Meinungsfreiheit], Absatz (3) beruft: "Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei", dann wird sogar das Grundgesetz eklatant mißbraucht. 
    Freiheit bedeutet doch nicht, dass Wissenschaft, Forschung und Lehre tun und lassen können, was sie wollen; die Hauptsache sei die Nützlichkeit, für wen auch immer. 
    Wissenschaft ist doch der Wahrheit verpflichtet und muß gerade deshalb auch von ethischer Verantwortung getragen sein. Hier wird das Grundrecht auf Meinungsfreiheit mißbräuchlich zur Rechtfertigung falscher Aussagen herangezogen. 
     
  • Mißbrauch einer Führungsposition
    Wenn ein Funktionsträger bei einem wissenschaftlichen Disput über die Anwendbarkeit technischer Regeln in Ermangelung sachlicher Argumente zur Lüge und Verleumdung übergeht und dies mit seinen funktionsbedingten Informationsmöglichkeiten dann auch noch verbreitet, dann verstößt dies gegen die allgemeinen Gepflogenheiten einer Wissenschaftsethik und ist sittenwidrig. Da Straftatbestände erfüllt werden, hat man es dann sogar mit frei herumlaufenden Straftätern zu tun. Hier wird das Ansehen einer Institution durch einen Funktionsträger gröblichst mißbraucht.

Die große Bandbreite möglichen Mißbrauchs wird verdeutlicht. Heute dient alles den Vermarktungsinteressen. Diesem Zwecke dienend scheut man sich nicht, fehlerhafte Aussagen und falsche Schlußfolgerungen mißbräuchlich sogar als "neueste, wissenschaftliche Erkenntnisse" unters Fachvolk zu streuen. Von vertrauensvoller Wissenschaft kann dann kaum mehr die Rede sein, denn viele Wissenschaftler machen mit - und füllen ihr Konto. Begriffe wie Redlichkeit, Wahrhaftigkeit, Lauterkeit und Integrität scheinen aus dem Wortschatz vieler verschwunden zu sein. Vom Humboldtschen Bildungsideal kann man heute nur noch träumen. Das bedeutet doch aber nicht, dass es nicht erstrebenswert bleibt. 

Insofern gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen und Wahres von Unwahrem zu unterscheiden, Richtiges und Falsches zu erkennen. Eine rationale Analyse, Naturgesetze, die Logik und die Mathematik bilden die Grundlage. Aber dafür sind klare Begriffsdefinitionen vonnöten. Verallgemeinernd kann festgestellt werden, dass heutiges technisches Handeln oft mit recht zweifelhaften Begriffsauslegungen gerechtfertigt und demzufolge rational schwer nachvollziehbar wird. 

Mißbrauch wird als Rechtsmißbrauch auch strafrechtlich gewürdigt. Hier seien als Gedankenstütze aus dem BGB die Begriffe arglistige Täuschung (§ 123), Sittenwidrigkeit (§ 138), Treu und Glauben (§§ 157 und 242), Mißbrauchs- oder Schikaneverbot (§ 226) und Schadenersatz (§ 463) erwähnt. Das Strafgesetz kennt unter anderem die Üble Nachrede (§ 186), die Verleumdung (§ 187), den Betrug (§ 263) und den Computerbetrug (§ 263a). Dies alles sind Rechtsbegriffe, die immer dann zur Anwendung kommen sollten, wenn Mißbrauch vorliegt. Es heißt "kommen sollten", denn die meisten Delikte werden nicht geahndet. Dies läßt Rückschlüsse auf die Interpretationsbreite von Rechtsstaatlichkeit zu.

Als Hilfestellung und Orientierung könnten die erwähnten Rechtsbegriffe durchaus mit herangezogen werden, vieles wäre dann klarer zu umgrenzen. Es ist immerhin erstaunlich, wie viele seriös erscheinende Leute doch strafwürdigen Geschäften nachgehen. So manche honorige Person sollte sich diese Paragraphen einmal verinnerlichen, um sein Denken und Handeln entsprechend einordnen zu können. Viele bewegen sich in multikriminellen Grauzonen, die Zeitungen sind voll davon. Natürlich besteht auch in einem solchen Falle immer die Gefahr, dass diese Rechtsbegriffe verwässert, neu interpretiert und damit ebenfalls mißbraucht werden.

Heute im Übergang zum 21. Jh. gilt, leider muß dies festgestellt werden, die Philosophie des Pragmatismus, eine Lehre, die in Amerika von James Ende des vorigen Jahrhunderts begründet wurde. Seine pragmatische Handlungsanweisung heißt schlicht und einfach:
"Jedes Denken und Erkennen ist für die Handlungsfähigkeit des Menschen im Rahmen der Nützlichkeit zu sehen". 
So steht der Begriff der Nützlichkeit plötzlich im Mittelpunkt des Handelns.

Mit einer solchen Auslegung kann ja so ziemlich alles behauptet und vollzogen, des Erfolges willen gerechtfertigt oder auch widerlegt werden, je nach Wunsch - und dies geschieht im Überfluß. Dabei genügt allein die Vorstellung, etwas Nützliches zu tun, was darunter auch zu verstehen ist. Die empirische "Drittmittelforschung" kann durchaus mit abstrusen und absurden Aussagen glänzen, zum Vorteil der Auftraggeber, zum Nachteil meist vieler anderer. Dies ist dann ein typischer Mißbrauch des forschenden Wissenschaftsbetriebes, der ohne Ethik zu verkommen droht.

Karl Steinbuch stellt lapidar fest:" Die Pluralität der Meinungen in den Massenmedien schafft Rechtfertigung für fast alle Verrücktheiten unserer Zeit und vernachlässigt das "Normale", auf dessen Existenz unser Zusammenleben beruht".

Die Situation ist verworren, es besteht jedoch jederzeit die Möglichkeit, dass vieles durchleuchtet und aufgeklärt werden kann. Was wir brauchen ist in der Tat wieder eine Neuauflage einer allumfassenden Aufklärung.

Abraham Lincoln hat einmal gesagt: 
"Man kann einige Leute die ganze Zeit, 
und alle einige Zeit zum Narren machen,
nicht aber alle die ganze Zeit.

Es besteht also Hoffnung. Allerdings muß auch bedacht werden, dass Lincoln 1865 als 
16. Präsident der USA in Washington ermordet wurde - und dies blieb, wie wir wissen, kein Einzelfall. 

Zu viele scheinen eben doch Machiavelli und, nicht zu vergessen, Münchhausen gelesen zu haben, denn Karl Steinbuch stellt unmißverständlich fest: 

Es ergibt sich zwangsläufig aus dem gegenwärtigen Umgang mit der Information, der - ähnlich dem Umgang der Alchimisten mit ihren Elixieren - mit Verstand und Verantwortung wenig, mit Unverstand, Täuschung und Betrug aber viel zu tun hat. Wir werden zugleich informiert, verwirrt und betrogen, wir sehen kaum mehr die Wirklichkeit, fast nur noch Kulissen und Spiegelbilder.

Diese Kulissen und Spiegelbilder als mißbräuchliche Interpretation der Wirklichkeit infolge fehlender Begriffsklärungen gilt es zu enttarnen.

Empfehlenswerte Literatur:

  • Austeda, F.: Wörterbuch der Philosophie. Humboldt-Taschenbuchverlag, Nr. 43.
  • Di Trocchio, F.: Der große Schwindel, Betrug und Fälschung in der Wissenschaft. Campus Verlag Frankfurt/Main New York, 1995.
  • Di Trocchio, F.: Newtons Koffer, Geniale Außenseiter, die die Wissenschaft blamierten. Campus Verlag Frankfurt/Main New York, 1998.
  • Enzyklopädie der Philosophie. Gruppo Editoriale Fabbri Bompiani Sonzogno Etas S.p.A. Italien 1992, Deutsche Ausgabe: Weltbild Verlag GmbH Augsburg.
  • Markl, H.: Wissenschaft: zur Rede gestellt - Über die Verantwortung der Forschung. R. Pieper Verlag, München 1989, Serie Pieper - Aktuell.
  • Meier, C.: Investitions- und Folgekosten bei Bauvorhaben, Bedeutung und Planungskonsequenzen. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Renningen-Malmsheim: expert Verlag 1996, Band 246, 162 Seiten.
  • Meier, C.: Der kleine Irrtum beim Tauwasserschutz. Klima-Kälte-Heizung 1989, H.9, 
    S. 404.
  • Meier, C.: Individuelle Vernunft oder kollektive Verwirrung. Berlin-Brandenburgische-Bauwirtschaft 1993, H. 13, S. 284.
  • Meier, C.: Ökologisch-ökonomische Aspekte der Energieeinsparung. das bauzentrum, 1994, H. 5, S. 26.
  • Meier, C.: Wärmeschutzverordnung 1995 - null und nichtig. Berlin-Brandenburgische Bauwirtschaft 1995, Heft 19, S. 12 bis 14; das Bauzentrum 1995, Heft 6, S. 132.
  • Meier, C.: Speicherung beim Gebäudewärmeschutz. Wohnung + Gesundheit 1997, H. 3 (Nr. 82), S. 38.
  • Meier, C.: Humane Wärme. Strahlungswärme als energiesparende Heiztechnik. bausubstanz 1999, H. 3, S. 40.
  • Meier, C.: Auf Abstand. Zur Effizienz von Schallschutzfenstern im Vergleich zu Kastenfenstern. deutsche bauzeitung 1999, H. 3, S. 132.
  • Metzler Philosophen Lexikon. Verlag J. B. Metzler Stuttgart / Weimar, 1995.
  • Steinbuch, K.: Maßlos informiert. Die Enteignung unseres Denkens. Goldmann Sachbuch 11248, 11/1979. 
  • Steinbuch, K.: Unsere manipulierte Demokratie. Verlag Busse + Seewald GmbH, Herford 1985.
  • Störig, H.J.: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur, München Zürich 1963.
  • von Arnim, H. H.: Der Staat als Beute. Wie Politiker in eigener Sache Gesetze machen. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München 1993, Bd. 80014.

Das Grundgesetz enthält den Art. 5 [Meinungsfreiheit], der sträflich ignoriert und mißachtet wird. Folgende Publikationen, die sich auf deduktivem Wege der Wahrheit verpflichtet fühlten und dabei notgedrungen viele in der Praxis auftretende Fragwürdigkeiten behandelten, sind aus dem Verkehr gezogen worden: 

[A] Meier, C,: Wärmeschutzverordnung und sinnvoller Gebäudewärmeschutz. Bauverlag GmbH Wiesbaden und Berlin, 1987, 164 Seiten (seit Jan.1994 vom Markt genommen).

[B] Meier, C.: Feuchteschäden vermeiden. Bauverlag GmbH Wiesbaden und Berlin, 1989, 221 Seiten (seit Jan.1997 vom Markt genommen). 

[C] Meier, C. (Hrsg.): Wärmeschutzplanung für Architekten und Ingenieure. Rudolf Müller Verlag, Köln 1995, 2 Bände mit insgesamt ca. 1.800 Seiten, (seit Mai 1998 vom Markt genommen). 


Anhang1.1 Auszüge aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch 

  1. § 123 Täuschung; Drohung
    (1) Wer zur Abgabe einer Willenserklärung durch arglistige Täuschung oder widerrechtlich durch Drohung bestimmt worden ist, kann die Erklärung anfechten.
    (2) Hat ein Dritter die Täuschung verübt, so ist eine Erklärung, die einem anderen gegenüber abzugeben war, nur dann anfechtbar, wenn dieser die Täuschung kannte oder kennen mußte. Soweit ein anderer als derjenige, welchem gegenüber die Erklärung abzugeben war, aus der Erklärung unmittelbar ein Recht erworben hat, ist die Erklärung ihm gegenüber anfechtbar, wenn er die Täuschung kannte oder kennen mußte.

    § 138 Sittenwidrigkeit, Wucher

    (1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.

    (2) Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren läßt, die in einem auffälligen Mißverhältnis zu der Leistung stehen.

    § 157 Auslegung von Verträgen
    Verträge sind so auszulegen, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.

    § 226 Schikaneverbot
    Die Ausübung eines Rechtes ist unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem anderen Schaden zuzufügen.

    § 242 Grundsatz von Treu und Glauben
    Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.

    § 463 Schadensersatz wegen Nichterfüllung
    Fehlt der verkauften Sache zur Zeit des Kaufes eine zugesicherte Eigenschaft, so kann der Käufer statt der Wandlung oder der Minderung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen. Das gleiche gilt, wenn der Verkäufer einen Fehler arglistig verschwiegen hat. 
     

1.2 Auszüge aus dem Strafgesetzbuch 

  1. § 186 Üble Nachrede
    Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    § 187 Verleumdung

    Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreitung von Schriften (§ 11 Absatz 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    § 263 Betrug

    (1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    § 263a Computerbetrug

    (1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er das Ergebnis eines Datenverarbeitungsvorganges durch unrichtige Gestaltung des Programms, durch Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, durch unbefugte Verwendung von Daten oder sonst durch unbefugte Einwirkung auf den Ablauf beeinflußt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. 

1.3 DIN - Normen 

  • Bei der Beurteilung richtiger Konstruktionen erweckt DIN den Eindruck, als Beurteilungsmaßstab gelten zu können. Dies bedeutet Mißbrauch von Kompetenz, die in Realität nicht vorliegt, denn die Abhängigkeit von DIN von den einseitig zu sehenden Interessen der Wirtschaft kann nicht übersehen werden. 
    Die DIN-Abhängigkeit von der Wirtschaft wird auch in einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes bestätigt (Urteil vom 22.05.1987 "Meersburg-Urteil"; Neue Juristische Wochenschrift 1987, H. 45, S. 2888). 
    Darin heißt es u.a.: 
  • Der Erkenntniswert von DIN-Normen darf nicht überbewertet werden. 
  • Daneben gehören den Normausschüssen aber auch Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen an, die deren Interessenstandpunkte einbringen. 
  • Andererseits darf aber nicht verkannt werden, dass es sich dabei zumindest auch um Vereinbarungen interessierter Kreise handelt, die eine bestimmte Einflußnahme auf das Marktgeschehen bezwecken.

Deutlicher kann DIN nicht beschrieben werden. DIN ist als ein Selbstverwaltungsorgan der Wirtschaft privatrechtlich organisiert - dies ist immer zu bedenken. In Hinweisen für den Anwender von DIN-Normen schreibt DIN selbst:

  • Sie sollen sich als "anerkannte Regeln der Technik" einführen. 
  • Bei sicherheitstechnischen Festlegungen in DIN-Normen besteht überdies eine tatsächliche Vermutung dafür, dass sie "anerkannte Regeln der Technik" sind. 
  • DIN-Normen sind nicht die einzige, sondern eine Erkenntnisquelle für technisch ordnungsgemäßes Verhalten im Regelfall. 
  • Durch das Anwenden von Normen entzieht sich niemand der Verantwortung für eigenes Handeln. Jeder handelt insoweit auf eigene Gefahr. 

Was bedeutet dies?
DIN-Normen erlangen nicht die Bedeutung von "allgemein anerkannten Regeln der Technik". Konstruktionen gemäß DIN können fehlerhaft, Konstruktionen nicht gemäß DIN können fehlerfrei sein; dies ist das Ergebnis sogar der Rechtsprechung. 
Auch Rechenvorschriften können in DIN falsch sein. 
Das Strafgesetzbuch kennt nur den Begriff der "allgemein anerkannten Regeln der Technik". Das Bürgerliche Gesetzbuch kennt keine Vorschriften, sondern verlangt die "Erfüllung der zugesicherten Eigenschaften". Insofern rangiert DIN juristisch wirklich an letzter Stelle. Man sollte sich davor hüten, DIN einen zu hohen Stellenwert zuzubilligen. Dies zeigen auch einige Gerichtsurteile: 
 

1.4 Urteile des Bundesgerichtshofes

BGH, Urteil vom 17.12.1996
Wie ist eine Minderung des Werklohnes zu berechnen?

BGB § 472 (Minderung), § 633 (Mangelbeseitigung), § 634 (Wandelung und Minderung nach Fristablauf). [IBR 1997, Privates Baurecht, S. 368]

Ein Werk ist unabhängig davon, ob die anerkannten Regeln der Technik eingehalten sind, fehlerhaft, wenn es nicht den Anforderungen des vertraglich vorausgesetzten Gebrauchs entspricht.
 

Fazit: Maßgebend sind also die vertraglichen Vereinbarungen. Selbst die anerkannten Regeln der Technik sind nicht bindend - und erst recht nicht die DIN-Normen.

BGH, Urteil vom 22.01.1998
Muß Architekt die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes optimieren? 

BGB § 634 (Wandelung und Minderung nach Fristablauf), § 635 (Schadensersatz).
[IBR 1998, Architekten und Ingenieurrecht, S. 157]

Ein Mangel des Architektenwerks kann vorliegen, wenn übermäßiger Aufwand getrieben wird. Sofern die Nutzflächen und Geschoßhöhen nicht den Vorgaben entsprächen, könne die Planung mangelhaft sein. Das gleiche gelte, wenn bei der Wärmedämmung oder der Dachkonstruktion überflüssiger Aufwand betrieben worden sei. Eine unwirtschaftliche Planung könne auch dann mangelhaft sein, wenn sie sich im Rahmen der vorgegebenen Kosten halte.
 

Fazit: Entscheidend ist also die Wirtschaftlichkeit einer Baukonstruktion (Vermeidung übermäßigen Aufwandes). Ist die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben, kann die Planung mangelhaft sein - mit allen Konsequenzen (Minderung des Werklohnes).

BGH, Urteil vom 14.05.1998 
Luftschallschutz: Wann liegt Mangel vor?

BGB § 633 (Mangelbeseitigung). [IBR 1998, Privates Baurecht, S. 376]

Der BGH wendet sich gegen die DIN-Gläubigkeit vieler Baubeteiligten. Es kommt in erster Linie nicht auf die Einhaltung der DIN-Normen an; wichtig ist:

(1) Welches Schalldämm-Maß haben die Parteien vereinbart?

(2) Aus der bloßen Beachtung der DIN-Normen folgt noch nicht, dass damit auch die anerkannten Regeln der Technik genügt ist. 
Gibt es keine Vereinbarung, so kommt es auf die anerkannten Regeln der Technik an. 
 

Fazit: In der juristischen Rangfolge kommen zunächst die anerkannten Regeln der Technik. DIN-Normen spielen für die Beurteilung keine Rolle.

BGH, Urteil vom 14.05 1998
Welche Bedeutung haben DIN-Normen?

BGB § 633 (Mangelbeseitigung). [IBR 1998, Privates Baurecht, S. 377] 
Die DIN-Normen sind keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter. Sie können die anerkannten Regeln der Technik wiedergeben oder hinter diesen zurückbleiben. Nach BGH kommt es auf die Einhaltung der anerkannten Regeln der Technik an. Diese dürfen keineswegs mit den DIN-Normen identisch gesetzt werden. Die Mangelfreiheit kann nicht ohne weiteres einer DIN-Norm entnommen werden. Maßgebend ist nicht, welche DIN-Norm gilt, sondern ob die Bauausführung zur Zeit der Abnahme den anerkannten Regeln der Technik entspricht.
 

Fazit: Selbst bei Einhaltung der gültigen Norm besteht ein Mangel, wenn die anerkannten Regeln der Technik nicht eingehalten werden. Vorsicht also bei der Anwendung von DIN-Normen.

Hier sei besonders auf die Beiträge "Der Irrtum der DIN 4108 – Wärmeschutz" und "Der Skandal der DIN 4108 – Feuchteschutz" hingewiesen. Wenn in dieser Form über die Inhalte von DIN-Normen entschieden wird, dann kann man nur davor warnen, DIN-Normen ernst zu nehmen. 
 

Inhaltsverzeichnis





Baukultur und das Bauen
Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier, 01.10.2001

Es wird viel über Baukultur diskutiert, das Bauministerium startet die Aktion ”Initiative Architektur und Baukultur”, Kultur ist in aller Munde. Es verdichtet sich die Vermutung, je weniger von den Dingen vorhandenen ist, desto mehr wird darüber geredet. Kultur ist immerhin die Essenz zwischenmenschlicher Beziehungen. Das Zusammenleben kann aber nur erfolgreich gestaltet werden, wenn klare Werte die Handlungen und das Verhalten steuern. Unterscheidungen von gut und böse oder richtig und falsch sind dabei nicht nur unumgänglich, sondern ein Gebot des Menschlichen. Mit dieser Grundaussage wäre die Basis des Miteinander fixiert. 

Kehrt man von den geistigen Höhenflügen kulturphilosophischer Erörterungen zurück auf den harten Boden der Realität, dann ist beim Bauen von diesen hehren Zielen wenig zu spüren. Wissenschaft und Technik werden als die Leitwölfe des Fortschritts gesehen. Diese Parts des Bauens übernimmt zunehmend die Bauphysik. Werden bei diesen Aktivitäten aber nun auch die richtigen Weichen gestellt? 

Hubert Markl, Präsident der Max Planck Gesellschaft und ehemals auch Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, stellt hierfür Thesen auf:

1. Wissenschaft ist eine Tätigkeit, die nachprüfbare Erkenntnisse über die Wirklichkeit hervorbringt. 

2. Gegenüber bloßer Meinung oder dem Glauben aus Hörensagen muß sich eine Behauptung von wissenschaftlichem Anspruch dadurch auszeichnen, dass sie sich erstens überprüfen läßt und dass sie zweitens solch kritischen Überprüfungen standhält. 

3. Herzhaft geäußerte Überzeugung, auch Hinweis auf bedeutende Meister, die sie teilen, oder auf überlieferte Lehrtexte (und sei es deren 23. Auflage) mag eine Feststellung bedenkenswert, auch, je nach dem, wer sie macht, vertrauenswürdig machen, mehr aber nicht. Bekenntnis begründet in der Wissenschaft keine Erkenntnis. 

4. Die intellektuelle Respektlosigkeit in der Wissenschaft, zu der wir unsere Studenten erziehen müssen, ist der alleinige Garant dafür, dass Fehler ausgemerzt, Betrug durchschaut, Schlampigkeit korrigiert werden können. 

5. Die Wissenschaft ist ein durch und durch selbstbezüglich verbundener Gemeinbesitz der ganzen Menschheit und daher auch für jeden einzelnen zu schwierig; zu schwierig auch, sie durch herostratischen Unfug zu gefährden. 

Diese Thesen scheinen für die angewandte Bauphysik zweitrangig zu sein, denn die verkündeten wissenschaftlichen Grundlagen des Bauens stimmen nicht mehr. Die Bauphysik versteht es, das Rad der Wissenschaft wieder zurück zu drehen. Desinformation und die damit verbundene Desorientierung führen zu falschen Vorstellungen, wie humanes Bauen, wie Baukultur in situ eigentlich auszusehen hat. Bautechnische Irrungen und Wirrungen, Fehldeutungen und Manipulationen bestimmen die Inhalte. 

Klimakatastrophe
Wegen der bevorstehenden Klimakatastrophe müsse CO2 reduziert und Energie eingespart werden. Diese Begründung ist irreführend und stammt aus der ideologischen Trickkiste. Die seit Urzeiten vorliegende Wellenbewegung der Temperatur hängt von den Sonnenflecken ab, nicht aber vom CO2-Gehalt der Atmosphäre. Die herbeigeredete Klimakatastrophe wird damit zwar zur Fata-Morgana, ist jedoch sehr vorteilhaft, Geschäfte gedeihen zu lassen. 

Umweltschutz
Dieser konzentriert sich hauptsächlich auf die CO2-Reduzierung. Da dies jedoch am Klima nichts ändert, wird mit der ”Klimakatastrophe” auch der Umweltschutzgedanke, so wichtig dieser auch ist, arg mißbraucht. Die Begründung für energiesparendes Bauen mit ihren bautechnischen Auswüchsen wird damit hinfällig. Allerdings kann mit dieser Kampagne von den wirklichen Umweltsünden abgelenkt werden, denn was gewinnsüchtige Manager auf diesem Gebiet leisten, ist globaler Raubbau an der Natur. 

Humane Strahlung
Strahlung ist uns durch die Sonne geläufig. Diese Form des Energietransportes hat gewaltige Vorteile. Strahlung erwärmt keine Luft, bei massiven Stoffen wandelt sie sich durch Absorption in Wärme um. Die kurzwellige Solarstrahlung durchdringt normales Glas, die langwellige Wärmestrahlung wird jedoch zurückgehalten. Eine Strahlungsheizung benötigt somit keine Wärmeschutzgläser, ermöglicht niedrige Raumlufttemperaturen (energiesparend) und vermeidet Schimmelpilzbildung. Diese hervorragenden Eigenschaften werden jedoch konsequent verschwiegen - im Gegenteil: Die üblich gewordene Konvektionsheizung bedingt sogar genau das Gegenteil – eine widersinnige Heiztechnik wird protegiert. 

Thermografie
Die physikalische Fehldeutung der Strahlung führt auch zu fehlerhaften Schlußfolgerungen bei der Thermografie. Die Infrarot-Kamera mißt lediglich Oberflächentemperaturen. Kolportiert wird mit einer hohen Oberflächentemperatur aber ein hoher Wärmedurchgang, also eine ”schlechte” Dämmung. Einer Temperatur kann jedoch nie Richtung und Größe eines Wärmestromes entnommen werden. Somit wird eine höhere Oberflächentemperatur meist falsch gedeutet. Gerade bei massiven Altbauten rührt die hohe Temperatur von der Absorption her, außen von der Solarstrahlung, innen von der Strahlungsheizung. 

Wärmeschutz
Der notwendige Wärmeschutz beschränkt sich irrenderweise ausschließlich auf die Dämmung, das Maß hierfür ist der U-Wert (k-Wert) mit der Wärmeleitfähigkeit. Die Speicherung dagegen wird konsequent negiert. Das Maß hierfür sind die Temperaturleitfähigkeit und der Wärmeeindringkoeffizient. Gerade der Altbau wird dadurch benachteiligt. Der U-Wert gilt auch nur für den Beharrungszustand. Dies bedeutet keine Nutzung der Solarenergie, speicherloses Material und konstante Wärmestromdichte. Man glaubt in naiver Verblendung tatsächlich, was innen hineingeht, muß außen auch wieder hinausgehen. Irrtum, denn alle drei Bedingungen treffen in der Realität nicht zu; bei Temperaturänderungen liegt immer ein Speichereffekt vor, gerade beim Altbau. Alles ”Rechnen” mit dem U-Wert ist somit fehlerhaft – nachweisbar und nachvollziehbar. 

Feuchteschutz
Schimmelhäuser gehören bereits zum Alltag. Algenbildung bei WDV-Systemen infolge ungenügender Wärmespeicherfähigkeit treten verstärkt auf. Durchfeuchtete Dämmungen und verfaulte Holzkonstruktionen bei ”NE-Häusern” mehren sich. Eine gute Konstruktion muß jedoch nicht nur die Wasserdampfdiffusion, sondern auch die Sorptionseigenschaften, besonders den kapillaren Feuchtetransport gewährleisten. Dichtere Schichten, Folien und Dampfbremsen verhindern dies. Luftumspülte Holzkonstruktionen waren einmal Stand der Technik – heutzutage wird alles ”luftgedichtet”; Feuchteschäden und zerstörte Hölzer sind die Folge. 

Schallschutz
Die schalltechnischen Gesetze heißen Masse und bei einem Masse-Feder-Masse-System eine weiche Feder durch großen Abstand beider Massen. Beide Gesetze werden konsequent mißachtet – die Wand ist zu leicht, der Fensterscheibenabstand zu gering. Die Folge ist ein schlechter Schallschutz. Geräuschbelästigungen bis hin zu Gehörschäden sind nicht zu vermeiden. Schwere Wände und Kastenfenster sind deshalb ein Gebot der Stunde. 

Wirtschaftlichkeit
Das im Energieeinsparungsgesetz enthaltene Wirtschaftlichkeitsgebot wird permanent übertreten. Geforderte ”Superdämmungen” mit kleinen U-Werten sind wegen der Hyperbel-Tragik unwirtschaftlich und damit gesetzwidrig. Um dies zu verschleiern, werden in manipulativ/suggestiver Absicht Milchmädchenrechnungen vorgelegt, die mit den finanzmathematischen Grundlagen einer dynamischen Investitionsrechnung nicht vereinbar sind. Die Täuschung des Kunden ist die Folge – er investiert energetisch nutzlos und durch den Dämmstoffeinbau auch bauschadensträchtig. 

DIN-Vorschriften
Diese bauphysikalisch/technischen Widersprüche und Fehler werden in DIN-Vorschriften nun festgeschrieben. Dies ist nicht verwunderlich, denn erstens ist DIN ein Instrument der Wirtschaft und zweitens sind es nur Empfehlungen. ”Bei Anwendung handelt jeder auf eigene Gefahr”, das sagt DIN selber. Wer sich in bautechnischen Fragen auf DIN stützt, kann Überraschungen erleben - es sei denn, zur Rechtfertigung von gemachten bautechnischen Fehlern beruft man sich auf DIN, um dem Schadenersatz nach BGB eventuell zu entkommen. Juristisch gesehen bedeutet dies eine völlig verfahrene Situation. 

Wärmeschutzverordnung
Bei den inhaltlichen und methodischen Fehlern der ”angewandten Bauphysik” kann dann natürlich auch die Wärmeschutzverordnung nicht stimmen. Unwirtschaftlichkeit und Fehlerhaftigkeit werden somit zum Standard neuzeitlichen Bauens. Makaber wird es, wenn nun die Einhaltung dieser Verordnung mit der Verpflichtung der Bundesregierung, CO2 einzusparen, begründet wird. Verfahrener und widersprüchlicher kann die Bausituation nicht sein. 

Energieeinsparverordnung
Die Krönung dieser Fehlentwicklung ist die EnEV, die sich auf die DIN EN 832 ”Berechnung des Heizenergiebedarfs” stützt. Die darin enthaltenen Berechnungsfehler werden sogar im Anhang L eingeräumt und sanktioniert, wenn ein Endergebnis mit einer Streuung von ±43,3% präsentiert wird. Verantwortungsloser kann sich Ingenieursdenken nicht manifestieren, Berechnungen von ”Energieberatern” gehören deshalb in den Papierkorb. 

Juristische Würdigung
Diese Sachverhalte tangieren das Strafgesetzbuch. Im § 263 ”Betrug” heißt es: ”(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft”. Hier haben dann die Richter zu entscheiden und es gibt Urteile, die dieses Dilemma höchstrichterlich bestätigen. Sachlich ist alles klar, doch welcher Staatsanwalt wird bei einer Strafanzeige dieses heiße Eisen anpacken? 

Folgerungen
Das Bauen betritt Irrwege, die Bauphysik befindet sich in der Sackgasse. Mit der These der ”Pluralität der Meinungen” nistet sich Lug und Trug überall ein. Die Baconsche Aufforderung zur Verwirklichung ”nützlicher” Wissenschaft wird konsequent in eigenem Sinne umgesetzt – von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Administration. DIN mischt kräftig mit. Die einen sind naiv und unwissend genug, dass sie das, was sie da von sich geben, selbst alles glauben, die anderen sind raffiniert und trickreich genug, bei diesem Treiben zur Genüge abzuschöpfen und dabei treuherzig den Biedermann zu mimen. Die Wissenden und Sachkompetenten jedoch werden eliminiert – sie stören nur. 

Die reale Welt des Seins wird ersetzt durch die virtuelle Welt des Scheins. Wissenschaft baut eine pseudowissenschaftliche Märchenwelt auf, die gläubig akzeptiert werden soll. Eloquente Rhetorik vernebelt die Wirklichkeit. Das (manipulierte) Geschäft steht im Vordergrund. Die Tyrannei der Meinungsbildung nimmt immer schlimmere Formen an. Nicht Wissen, sondern ideologische Bekenntnisse sind gefragt. Werden Aussagen widerlegt, erfährt der Kritisierende Beleidigungen und Schmähungen, zumindest aber ignorante Verachtung. 

Kritiker und ”Abweichler” werden sondiert, sortiert, selektiert, isoliert. Ausspruch eines Di-plomanden: ”Ich entschuldige mich für meine naive (Wahn-) Vorstellung, ich könne meine Professoren überzeugen. Für meine Diplomarbeit werde ich wohl oder übel entweder total umdisponieren oder lügen müssen”. Dies bezeugt fehlende Einsicht. Es werden Glaubenssätze verbreitet – analog der Scholastik im Mittelalter. Mit Wissenschaft hat dies alles nichts zu tun. 

Hubert Markl sagte in einem Vortrag auf der EXPO in Hannover: ”Lügen und Betrug seien integrale Bestandteile des Forschens”. Wenn im Spiegel vom 23. Febr. 2001 zu lesen steht: ”Der akademische Anstand steht an vielen deutschen Unis nicht mehr sehr hoch im Kurs. Republikweit wird gelogen, betrogen, geschludert und getrickst”, dann ist dies reale Wirklichkeit. Nicht umsonst sagt di Trochio in seinem Buch ”Der große Schwindel, Betrug und Fälschung in der Wissenschaft”: ”..., dass die enorme Ausdehnung der Wissenschaft zur Vorherrschaft mittelmäßiger Wissenschaftler über ihre hochgradig kreativen Kollegen führte". Dies hat natürlich Folgen. Auf Eliten ist kein Verlaß mehr. So heißt es bei Hubert Markl: ”Da Eliten gesellschaftliche Vorrechtsrollen sind, ziehen sie nicht nur Leistungsträger, sondern auch Schmarotzer an. Daher tut jede Gesellschaft gut daran, ständig zu überprüfen, ob die, die in bevorzugte Stellungen gekommen sind, dort wirklich und immer noch hingehören”. In dieser Frage besteht wohlbegründeter Handlungsbedarf. 

Schlußbemerkung
Das praktizierte Bauen vor Ort kann sich weniger mit geisteswissenschaftlichen Überlegungen zur Baukultur, sondern muß sich mit den realen Randbedingungen baukultureller Empfehlungen und Verordnungen auseinanderzusetzen – und die sind verdammt schlecht. Wenn Erkenntnisse der Vergangenheit vergessen und stattdessen dubiose Richtlinien und Vorschriften offeriert werden, dann führt dies zu einem produzierten bautechnischen Chaos. Das Märchen ”Des Kaisers neue Kleider” wird zur traurigen Wirklichkeit. Es wird mehr falsch als richtig gemacht; die Bauten sind die Leidtragenden, die tagtägliche Praxis des Bauens beweist es. 

Dieses Durcheinander beim Bauen kann nur durch eine umfassende und rückhaltlose Aufklärung der technisch/wissenschaftlichen Zusammenhänge überwunden werden. Dabei ist jedoch ein Phänomen erkennbar: Offizielle Information wird zur Informationsschwemme, ja sogar zum Informationsmüll; dies klärt weniger auf, sondern verwirrt (beabsichtigt?). 

Postman zieht  in seinem Buch: ”Die zweite Aufklärung” den Schluß: ”Man sollte aus dem Geschäft mit der Information aussteigen und sich im Geschäft mit dem Wissen engagieren. Wer über Wissen verfügt, weiß, wie er Informationen einzuschätzen hat, ... und vor allem weiß er, wenn Informationen irrelevant sind". Naturgesetze und die Logik bilden für diese Beurteilung die Grundlagen. Das Internet kann hier helfen und ist eine dankbare Waffe. Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wann endlich kann sich das Bauen auf bewährte Grundlagen, auf schon lange herauskristallisiertes Erfahrungswissen stützen? Wann endlich wird die bautechnische Vergeßlichkeit überwunden? 

Gerade im praktischen Gebrauch zeigt sich, inwieweit die viel diskutierte Baukultur gepflegt und praktiziert wird. Die bautechnische Entwicklung der letzten Jahrzehnte allerdings läßt sich mit Kultur nicht vereinbaren. Der praktizierende Architekt steht dem staunend und kopfschüttelnd gegenüber. 
Wenn über Baukultur nachgedacht werden soll, dann muß auch über die moralische Krise in der Gesellschaft, über Korruption, Inkompetenz und Machtmißbrauch gesprochen werden. Gewinnmaximierung, shareholder value und Geldsucht gehören ebenfalls nicht zur Baukultur. Vielleicht ist es für viele besonders wohltuend, angesichts von Lug und Trug beim Bauen nun trotzdem über Baukultur zu räsonieren.

Dieses Manuskript wurde am 10. Sept. 2001 an das “Deutsche Architektenblatt” geschickt.


Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier
Bauphysik – aus den Gleisen geraten
Veröffentlicht in: bausubstanz 2000, H. 11/12, Seite 48

Niedrigenergie- und Passivhäuser stehen im Kreuzfeuer. Beide Haustypen werden in höchsten Tönen gelobt und wie sauer Bier angeboten. ”Energie müsse eingespart werden” lautet der Slogan und eine diesbezügliche Verordnung soll dieses ”zukunftsweisende” Bauen administrativ durchsetzen. In unerträglichen Meinungskampagnen werden äußerst medienwirksam unter anderem folgende Schwerpunkte gesetzt:

  • Außenhüllen müssen bestens wärmegedämmt sein,
  • Fenster müssen erneuert werden,
  • alle Fugen müssen abgedichtet sein,
  • die Heizkessel müssen ausgewechselt werden,

Tradierte Bausubstanz wird mit diesen Parolen ausgetauscht und verändert. Ist das, was hier der Baubranche so wärmstens empfohlen wird, überhaupt alles notwendig und richtig? Lohnt sich dieser technische Aufwand oder wird hier mit gezinkten Karten nur das große Geschäft angekurbelt? [14], [16], [17].

Zustandsanalyse

Das Bauen wird verbürokratisiert, parallel dazu schwillt das Richtlinien- und Verordnungswesen zu einer Informationsflut an, die quantitativ und damit auch qualitativ zum Informationsmüll degeneriert. Dubiose Entwicklungen sind zu verzeichnen, Bauphysik wird immer abwegiger, Bautechnik zur Farce.

Diese Aussagen scheinen unglaubwürdig zu sein, doch bei näherer Analyse werden sie voll bestätigt. Der große Trugschluß besteht doch im Glauben, Meinung sei bereits Wissen. Weit gefehlt. Was die ”Medienlandschaft” zu leisten imstande ist, beweist die teilweise sogar zum Meinungsterror ausufernde geistige Berieselung.

All dies führt zu einem bautechnischen Trend, der mit Baukultur und Baugewissen nichts mehr gemein hat. Es sind Kräfte am Werk, die traditionelles Wissen zu unterminieren versuchen. Wie kann man sich diesem (auch moralischen) Strudel entziehen?

Es muß ein gemeinsamer Nenner gefunden werden, der, wissenschaftlich abgesichert, die Basis für sachbezogene bautechnische Empfehlungen abgeben kann. Naturgesetze, die Mathematik und die Logik sind unverzichtbare Werkzeuge, um hier zügig voranzukommen. Welche Aussagen sind nun nachweisbar unbestritten?

”Selbst wenn alle Fachleute einer Meinung sind, können sie sehr wohl im Irrtum sein”

Bertrand Russell

”Lügen und Betrug seien integrale Bestandteile des Forschens”
.
Hubert Markl, Präsident der Max Planck Gesellschaft, auf der EXPO in Hannover (FAZ vom 26.07.2000)

Wahr oder falsch

Grundsätzlich wäre aus wissenschaftstheoretischer Sicht folgendes zu sagen:

Um der Wahrheit zu dienen, können nach Karl Raimund Popper nur die falschen Aussagen widerlegt werden, denn Di Trochio schreibt in [2]:

"Karl Popper widerlegte die Überzeugung, es sei immer möglich, den Beweis zu erbringen, dass etwas wahr oder falsch ist. Popper zeigte, dass immer nur der Beweis dafür möglich ist, dass etwas falsch ist, während es sich nie letztgültig beweisen läßt, dass etwas wahr ist. Dies bedeutet, dass alle wissenschaftlichen Theorien, die wir für wahr halten, nicht deshalb als wahr betrachtet werden können, weil ihre Wahrheit wirklich bewiesen worden ist, sondern nur, weil es den Wissenschaftlern, die sie formuliert haben, gelungen ist, ihren Kollegen und uns glaubhaft zu machen, dass sie wahr seien. Normalerweise schließt das die Verwendung mehr oder weniger schwerwiegender Fälschungen und Tricks mit ein, die jedoch nicht als solche erkannt werden, oder wenn, dann erst nach langer Zeit".

Die Zeit ist reif. Wenn es gelingt, kursierende Aussagen wissenschaftlich exakt zu widerlegen, so muß dieses Vorgehen im Interesse einer notwendigen Wahrheitsfindung akzeptiert werden. Alles andere führt am Thema vorbei.

Meist liegen von offizieller Seite Argumentationsschwächen und -schwierigkeiten vor, so dass auf allgemeine, unverbindliche und nichtssagende Erklärungen und Erläuterungen ausgewichen wird, um den Sachverhalt eher zu vernebeln und zu verschleiern, als ihn zu klären. Die semantischen Verwerfungen nehmen in erheblichem Maße zu. Auch muß die Interessenlage des Argumentierenden berücksichtigt werden, die sich nicht immer mit den Interessen der Kunden, die die ganze Wahrheit erfahren wollen, decken muß. Eine solche Form der Information ist deshalb im Interesse der Seriosität wissenschaftlicher Aktivitäten abzulehnen. Wissenschaft ist kein Marktplatz.

Gültigkeit des k-Wertes

Abb. 1: Instationäre Temperaturverteilung von Feist (siehe [8], Abb. 3)

Abb. 1: Instationäres Verhalten. Typisches Merkmal sind die in Richtung und Größe unterschiedlichen Wärmestromdichten (2), (3), (4). Die Wand wird von innen (2) und von außen (3) mit Energie aufgefüllt. In der Senke erfolgt keine Wärmebewegung (4). Stationäres Verhalten (Beharrungszustand) wird dagegen gekennzeichnet durch eine konstante Wärmestromdichte (1); dies ist dann der k-Wert. Quelle: [3] ergänzt.

Die Fouriersche Wärmeleitungsgleichung gilt für instationäres Verhalten einer Außenwand (siehe Abbildung 1) und bildet den Ausgangspunkt bei der Ableitung des k-Wertes, der ja ständig und stetig für die Beschreibung der Transmissionswärmeverluste herangezogen wird [11].

Den stationären Zustand erhält man durch Nullsetzung der Fourierschen Gleichung; damit ist die Laplace-Gleichung (Potentialgleichung) geboren.

Die einzelnen Summanden werden dadurch auch zu Null. Dies wären die Differenzen der Wärmestromdichten, die sonstigen Wärmequellen (wie z. B. die Solarstrahlung) und die Speicherfähigkeit der Konstruktion, die ja dann überflüssig wird.

Stationäre Verhältnisse sind also mit überall konstanten Wärmestromdichten verknüpft, die ja auch die voraussetzende Annahme bei der Berechnung der Temperaturverteilung innerhalb einer Konstruktion bilden – mit blamablen Auswirkungen auf den Tauwassernachweis nach DIN 4108.

Hier ist also die Frage zu beantworten: ”Entspricht die Nullsetzung den realistischen Randbedingungen in der Natur”? Da die Sonne existiert, lautet die klare Antwort: ”Nein”.

Damit aber gilt auch nicht der k-Wert. Die absorbierte Solarstrahlung gehört mit in die Bilanzierung der Transmissionswärmeverluste (siehe Abbildung 2). Dies ist die logische Konsequenz, sofern man in der etablierten Bauphysik überhaupt bereit ist, Logik als wissenschaftliches Argument zu akzeptieren [6], [8], [9], [13], [14].

Abb. 2: Instationäres Verhalten. (Bild 6 aus [19])

Abb. 2: Temperaturverteilung und Energiegewinn durch Solarstrahlung. Die absorbierte Solarenergie beträgt gegenüber dem Beharrungszustand 2188 Wh/m²d. Der Wärmeverlust über den k-Wert liegt bei 375 Wh/m²d. Fast die sechsfache Energie des stationären Wärmedurchgangs wird also kostenlos gewonnen. Quelle: [20] ergänzt.

Es ist insofern immerhin recht bemerkenswert, dass Hauser, selbst ein Demagoge der k-Wert-Ideologie und Protagonist der stationären Superdämmungs-Leichtbauweise, einmal festgestellt hat [4]:

"Folgendes ist vorauszuschicken: der k-Wert eines Bauteils beschreibt dessen Wärmeverlust unter stationären, d. h. zeitlich unveränderlichen Randbedingungen. Die Wärmespeicherfähigkeit und somit die Masse des Bauteils geht nicht in den k-Wert ein. Außerdem beschreibt der k-Wert nur die Wärmeverluste infolge einer Temperaturdifferenz zwischen der Raum- und der Außenluft. Die auch während der Heizperiode auf Außenbauteile auftreffende Sonneneinstrahlung bleibt unberücksichtigt".

Eine bessere Bestätigung kann man sich nicht wünschen. Wenn Leute das einmal Gesagte aus opportunen Gründen nicht ständig wieder vergessen würden, wäre im Disput um den Gebäudewärmeschutz schon vieles gewonnen.

Es ergibt sich die Frage: ”Müssen wir uns diese Scharlatanerie mit dem k-Wert noch länger gefallen lassen?” Die Antwort heißt: ”Nein”.

Technik der Strahlung

Das Plancksche Strahlungsgesetz und das daraus abgeleitete Gesetz von Stefan und Boltzmann verlangt zur Bestimmung der Strahlungsenergie allein nur die absolute Temperatur. Die Strahlungsgesetze zur Beschreibung der elektromagnetischen Strahlung sind ausschließlich Bestandteil der Quantenmechanik.

Im Gegensatz dazu muß die Thermodynamik gesehen werden, die allein nur durch Temperaturdifferenzen funktioniert. Insoweit dürfen methodisch die Wärmeleitung und die Konvektion nicht mit der Wärmestrahlung vermischt werden.

Dies aber geschieht in der Heiztechnik – und auch in den DIN-Vorschriften. Somit sind die ”gemeinsamen” Berechnungsgrundlagen eine Krücke, die einfach zu irregulären

Ergebnissen führen muß. Zu viele Widersprüche treten nachweisbar auf [7].

Hier lautet die Frage: ”Muß nicht grundsätzlich das rechnerische Vorgehen bei der Behandlung einer Strahlungsheizung (Temperaturstrahler) im Interesse der Nutzer (physiologische Vorteile) und der großen Energieeinsparung (niedrige Raumlufttemperaturen) neu durchdacht werden?” Die klare Antwort ist:: ”Ja”. Die Energieeinsparungen durch reduzierte Raumlufttemperaturen und Luftwechselraten zeigt die Tabelle.

(fehlt noch, sorry)

Tabelle: Absolute (DqL in kWh/m²a) und relative (%) Minderungen des Lüftungswärmebedarfs bei Reduzierung der Lufttemperatur und der Luftwechselrate. Durch eine Strahlungsheizung kann die Lufttemperatur wesentlich gesenkt werden. In Verbindung mit einer reduzierten Luftwechselrate ergeben sich damit ansehnliche Energieeinsparungen, sowohl absolut als auch relativ.

Glas und die elektromagnetische Strahlung

Abb. 3: Neu gezeichnete Abbildung

Abb. 3: Elektromagnetische Strahlung und die spektrale Durchlässigkeit von Fensterglas. Die Zuordnung der Wellenlänge l wird erkennbar: Die kurzwellige Solarstrahlung zwischen 0,2 und 2 µm, das Licht zwischen 0,38 und 0,78 µm und die Wärmestrahlung eines Temperaturstrahlers (0 bis 150 °C) zwischen ca. 2,5 und 40 µm. Eine Strahlungsheizung in einem Zimmer wirkt als Hohlraumstrahler (rechte Skala), entspricht also der Versuchsanordnung bei Max Planck, als er die Strahlungsgesetze formulierte.

Ein Naturgesetz der elektromagnetischen Strahlung besagt, dass ein Temperaturstrahler normales Fensterglas nicht durchdringt (siehe Abbildung 3). In [1] steht folgender Satz:

”Wichtig ist die Tatsache, dass Glas für Wellenlängen unterhalb 0,3 µm und oberhalb etwa 2,7 µm praktisch völlig undurchlässig ist. Ultraviolette Strahlung wird nicht hineingelassen (kein Bräunen hinter einer Glasscheibe) und langwelliges Infrarot (Temperaturstrahlung) nicht herausgelassen. Das Fenster erzeugt den ”Treibhauseffekt”: Wenn Sonnenstrahlung in einen Raum eindringt und von den Raumflächen absorbiert wird, kann die daraus resultierende Wärmestrahlung nicht mehr hinaus”.

Dies bedeutet, dass das k-Wert-Denken auch beim Fenster neu durchdacht werden muß. Doppel- und Dreifachscheiben, Edelgasfüllungen und metallische Beschichtungen zur ”Reduzierung der Transmissionswärmeverluste” (Thermodynamik) sind überhaupt nicht notwendig, wenn als Gebäudeheizung Temperaturstrahler verwendet werden, da die Energie (Kaminfeuer, Kachelofen, temperierte Wand, Strahlplatte) im Raum verbleibt (Quantenmechanik). Außerdem kann die Raumlufttemperatur wesentlich gesenkt werden – die Energieeinsparung ist demzufolge eine gewaltige (siehe Tabelle). Die Konzentration auf die ”Minimierung” der kF-Werte ist insofern ein völlig einseitiges Vorgehen.

Hier drängt sich folgende Frage auf: ”Muß nicht die Strahlungsheizung aus grundsätzlichen physiologischen und ökologischen Erwägungen heraus gegenüber der Konvektionsheizung favorisiert werden?” Die klare Antwort heißt: ”Ja”.

Weitreichende Konsequenzen

Gehört das bisher Gesagte erst einmal zum festen Repertoire der Wissenschafts-, Industrie- und Politikergemeinde (wann wird das geschehen?), dann ergeben sich daraus weitreichende Konsequenzen, die schleunigst eingeleitet werden müssen:

  • Normen und Richtlinien sind zu überarbeiten, damit nicht Unsinniges Bestandteil der verordneten ”offiziellen” Empfehlungen wird. Den Kunden wird es nicht überzeugen, plötzlich mit ”Unfug” konfrontiert zu werden [12], [16], [17], [18].
  • Die vorliegenden und benutzten Simulationsmodelle sind zu überprüfen, inwieweit diese angeführten grundlegenden Naturgesetze berücksichtigt sind. Meist wird stationär mit dem k-Wert gerechnet und die vorgegebene ”Dynamik” beschränkt sich auf die Beschreibung von Randbedingungen, wie z. B. die Lufttemperaturen zu beiden Seiten der Konstruktion.
  • Besonders die Wirtschaftlichkeit von Energieeinsparungsmaßnahmen interessiert den Kunden. Selbst wenn der k-Wert akzeptiert werden würde, der Effizienzabfall kleiner k-Werte ist gewaltig. Die ”empfohlenen k-Werte” sind deshalb alle unwirtschaftlich [10]. Auf diesem Gebiet wird unvorstellbar viel geflunkert.
  • Auch rechtliche Folgerungen sind zu berücksichtigen. Besteht ein Rechtsanspruch auf die ”berechneten (falschen) Energiebedarfswerte”? Aus der technischen Misere ergibt sich damit auch ein kaum entwirrbares rechtliches Durcheinander [15].

Was also bleibt von der ganzen Rechnerei übrig? Nur Schrott. Aufgrund des bisher Gesagten wird, um sich realistischen Verhältnissen wieder zu nähern, ein durchaus umfangreiches Umdenken notwendig. Grundlagenarbeit ist gefragt, sie wird aber nicht geleistet – die ”tonangebende” Industrie ist nicht daran interessiert. Sie erwartet vielmehr von der ”Wissenschaft” im Rahmen der Drittmittelforschung die Bestätigung ihrer auf Gewinnmaximierung abgestimmten Aktivitäten. Deshalb müssen endlich von integren und seriösen Forschungseinrichtungen die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt werden, der Kunde, der Verbraucher hat ein Recht darauf.

Weitere Informationen zum Thema Gebäudewärmeschutz sind in [5] und zum strahlungsstarken Heizen in [19] zu erhalten.


Literatur:

[1] Cziesielski, E.; Daniels, K.; Trümper, H.: Ruhrgas Handbuch - Haustechnische Planung. Hrsg. Ruhrgas AG, Karl Krämer Verlag Stuttgart 1985.

[2] Di Trocchio, F.: Der große Schwindel, Betrug und Fälschung in der Wissenschaft. Campus Verlag Frankfurt/Main New York, 1995.

[3] Feist, W.: Ist Wärmespeichern wichtiger als Wärmedämmen ? Institut für Wohnen und Umwelt GmbH, Darmstadt, Mai 1987.

[4] Hauser, G.: Der k-Wert im Kreuzfeuer - Ist der Wärmedurchgangskoeffizient ein Maß für Transmissionswärmeverluste? Bauphysik 1981, H. 1, S. 3.

[5] Internet bei "Aktuelles": http://www.konrad-fischer-info.de

[6] Meier, C.: Dämmen oder Speichern? Ist eine nachträgliche Wärmedämmung von Außenwänden erforderlich? k-Wert Berechnung ist falsch. bausubstanz 1999, H. 1, S. 40.

[7] Meier, C.: Humane Wärme. Strahlungswärme als energiesparende Heiztechnik.
bausubstanz 1999, H. 3, S. 40.

[8] Meier, C.: Gut gespeichert ist auch gedämmt. deutsche bauzeitung 1999, H. 5, S. 138.

[9] Meier, C.: Entwickelt der Wärmeschutz sich zum Phantom. Deutsches Ingenieurblatt 1999, H. 5, S. 16.

[10] Meier, C.: Wirtschaftlichkeit von Energiesparkonstruktionen. DBZ 1999, H. 6. S. 99.

[11] Meier, C.: Richtig oder falsch. Ist der k-Wert als Maß für den Energieverbrauch gültig? bausubstanz 1999, H. 7-8, S. 46.

[12] Meier, C.: Ein Anschlag auf die Baukultur. Kritik am Entwurf der DIN 4108, Teil 2. bausubstanz 1999, H. 9, S. 42.

[13] Meier, C.: Speicherung im Massivbau. Mauerwerksbau aktuell 2000, Jahrbuch für Architekten und Ingenieure. Beuth Verlag Berlin/Wien/Zürich, Werner Verlag Düsseldorf.

[14] Meier, C.: Praxis-Ratgeber zur Denkmalpflege Nr.7, Januar 1999. Altbau und Wärmeschutz - 13 Fragen und Antworten. Informationsschriften der Deutschen Burgenvereinigung e.V. Marksburg - 56338 Braubach.

[15] Meier, C.: Alles was recht ist. Rechtliche Randbedingungen des Gebäudewärmeschutzes. bausubstanz 2000, H. 2, S. 45.

[16] Meier, C.: Wohnungsbestand und Wärmeschutz, Kritisches zur Energieeinsparverordnung. Wohnen 2000, H. 2, S. 64.

[17] Meier, C.: Widersprüche im Wärmeschutz – Die allgegenwärtige k-Wert-Euphorie.

Power Management + Intec, 2000, H. 2 (April), S. 24.

[18] Meier, C.: Contra EnEV 2000. Leonardo 2000, H. 3, S. 13.

[19] sancal Heiztechnik unter: www.sancal.de

[20] Werner, H.: IBP-Bericht EB-8/1985: Auswirkungen der Strahlungsabsorption von Außenwandoberflächen und Nachtabsenkung der Raumlufttemperaturen auf den Transmissionswärmeverlust und den Heizenergieverbrauch. Fraunhofer-Institut für Bauphysik Stuttgart. Auftraggeber: Ziegelforum München.


Brief an den Bundeskanzler

PROF. DR.-ING. HABIL. CLAUS MEIER - ARCHITEKT SRL - WISS. DIREKTOR

Kanzler der Bundesrepublik Deutschland
Herrn Gerhard Schröder
Bundeskanzleramt
Schloßplatz 1
10 178 Berlin
Nürnberg, den 05.01.2001

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

Im Zuge des Verbraucherschutzes anläßlich der BSE-Krise ist es angebracht, endlich auch beim Wärmeschutz der Gebäude und beim Erlaß der Energieeinsparverordnung an den Verbraucherschutz zu denken. Hier geschehen ungeheure Falschinformationen und sollte es eines Tages der Verbraucher merken, werden alle wieder nichts davon gewußt haben. Man sei nicht eindringlich genug informiert worden, wird man sagen – siehe BSE; hier gab es frühzeitig genug warnende Stimmen, sie wurden nur verdrängt.

Sie sagten, wir seien alle zu gutgläubig gewesen, zu lange sei Informationen vertraut worden, dass Deutschland BSE-frei sei. Man vertraute also den falschen Leuten – des Kaisers neue Kleider. Unter der Überschrift „Die Briten in die Irre geführt“ steht in den Nürnberger Nachrichten vom 27. 10. 2000: „Mit Lug und Trug hat die damalige konservative Regierung die Gefahren des Rinderwahnsinns jahrelang vertuscht“ und weiter „Schonungslos entlarvt die Studie der Kommission die Geheimnistuerei und Bunkermentalität der Ministerien“ Es seien dabei sogar wissenschaftliche Studien bewußt frisiert worden. Man konnte also wissen, was hier geschah.

In der FAZ vom 2. 12. 2000 steht unter der Überschrift „Wie die Erforschung von BSE behindert wurde“ und „Wie Politik die Wissenschaft unterdrückte“ der folgenschwere Satz: „Erkenntnis wird kriminalisiert“ und „Es ist die längst abgetan geglaubte Geschichte des Wissenschaftlers: die Wahrheit zu wissen und nicht gehört zu werden“. Von dem britischen Mikrobiologen Stephen Dealler wurde die Politik also schwer belastet.

In diesem Sinne wird der nächste technische – und moralische – Reinfall nicht zu vermeiden sein. Das angepriesene „energiesparende“ Bauen ist wissenschaftlich nicht haltbar und deshalb unsinnig; es treten zu viele Widersprüche auf.

1. Eine Dämmung über 6 bis 8 cm verliert ihre Effizienz. Dies ist Mathematik. Trotzdem wird bei einer 40 cm Dämmung von einem effizienten Bauen gesprochen – eine Lüge.

2. Insofern ist das „Neue Bauen“ unwirtschaftlich, es wird ständig gegen das Energieeinsparungsgesetz verstoßen. Dies ist Finanzmathematik. Allerdings wird das Gegenteil behauptet.

3. Beim Energieverbrauch wird falsch gerechnet. Der überall verwendete k-Wert gilt nur für den Beharrungszustand, der die Wirkung der Sonne ausschließt. Das ist Physik. Trotzdem wird der k-Wert zum Maß aller Dinge erklärt.

4. Strahlung wird falsch gerechnet. Hier gilt nicht die Thermodynamik, sondern die Quantenmechanik. Auch das ist Physik. Falsche Ergebnisse sind die Folge.

5. Die technologische Entwicklung der Wärmeschutzgläser wäre überflüssig, wenn die physiologisch hervorragende Strahlungsheizung wieder eingesetzt werden würde. Dies ist Werkstoffkunde. Der Einbau wird jedoch vorgeschrieben.

6. Diese Fehlentwicklungen im Bauwesen führen zu Bau- und Feuchteschäden. Dies sind bautechnische Erfahrungen - leider.

7. Es werden luftdichte Häuser und Wärmedämmverbundsysteme gefordert. Schimmelpilz- und Algenbildungen sind die Folge. Allergien und Asthma nehmen zu. Dies sind medizinische Erkenntnisse. Trotzdem wird auf dieser Schiene weitergefahren.

Bauen gerät immer mehr in das Fahrwasser gewinnsüchtiger Industrien. Zur Meinungsbildung dürfen nicht die industriegenehmen und willfährigen Wissenschaftler, sondern es müssen gerade die Stimmen, die sich dem Kunden, den Verbrauchern, den Häuslebauern verpflichtet fühlen, gehört werden. Aber der Kunde hat ja keine Lobby.

Der Verbraucherschutz gilt generell. Insofern muß die Vorstellung von Wirtschaftsminister Müller, das „Energiesparen“ müsse notfalls auch mit dirigistischen Mitteln durchgesetzt werden, entschieden zurückgewiesen werden. Es geht nicht an, dass bei fehlenden Sachargumenten und sich häufenden Widersprüchen der Zwang einsetzt. Ich denke, ein solches Staatshandeln hat bei uns der Vergangenheit anzugehören.

Hubert Markl, der Präsident der Max Planck Gesellschaft, hat in einem Vortrag auf der EXPO 2000 u. a. gesagt: „Lügen und Betrug seien integrale Bestandteile des Forschens“. Dies ist nicht aus der Luft gegriffen. Das Forschungsergebnis eines renommierten Institutes, das die unbeschienene Nordwand energetisch günstiger ausweist als eine beschienene Südwand, bedeutet Scharlatanerie. Diese Forscher aber bestimmen seit Jahren das Bauen.

Die viel gerühmte Informationsgesellschaft darf nicht zur Desinformationsgesellschaft, die Wissensgesellschaft nicht zur Meinungsgesellschaft degenerieren. Aber Wissen allein genügt nicht; Hubert Markl hat auch gesagt: „Die Wissensgesellschaft muß zur Gewissensgesellschaft werden“. Noch ist sie es nicht – auch nicht in der Wissenschaft.

Die vorgebrachte Begründung bei der Aufhebung des Werbeverbots für Tabak durch den Europäischen Gerichtshof, es gehe nicht um die Gesundheit, sondern um den Wettbewerb, ist blamabel. Im Klartext heißt dies: Es geht um Geschäfte.

Solange jedoch diese globalisierte Marschroute Vorrang vor den Interessen der Verbraucher hat, wird es sehr schwer werden, verloren gegangenes Vertrauen, um das Sie ja besonders bitten und das nicht erst seit BSE immer mehr um sich greift, wieder zurück zu gewinnen. Mit „Schwachstellenanalysen“ ist diesem Problem nicht beizukommen. Man redet zwar – gerade jetzt wieder - viel über Ethik, aber was nutzt das Reden, wenn nicht danach gehandelt wird. Politiker sollten nicht diejenigen fragen, die die Fehlentwicklungen wohlfeil verschleiern - auch im eigenen Hause, sondern diejenigen, die Kritisches dazu zu sagen haben. Täuschung verdient keine Toleranz; Kompromißbereitschaft hört beim Betrug auf. Ein Dialog zwischen konträren Aussagen wird jedoch konsequent vermieden und verhindert – auch bei uns. Es erscheint zu brisant zu sein. Die Redaktionen von Fachzeitschriften und Veranstalter von alternativen Baufachseminaren werden unter Druck gesetzt. Hier erinnere ich an Worte unseres Bundespräsidenten Rau, der mahnt, Andersdenkende nicht als Nörgler anzusehen.

Als Sozialdemokrat sollten Sie Ihre Positionen eigentlich kennen.

Generell werden mathematische und physikalische Zusammenhänge ignoriert und negiert, wissende Personen diffamiert. Hier aufklärend zu wirken, schlage ich einen Dialog in Ihrem Hause unter Fachleuten vor, um, wie es in Ihrem Eid so schön heißt, Schaden vom Volk abzuwenden.

Mit freundlichen Grüßen


Buchempfehlung

Im expert verlag GmbH,
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erscheint im 3. Quartal 2001:

Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier
Richtig bauen
Bauphysik im Widerstreit – Probleme und Lösungen
ca. 250 Seiten, 72 Abb., 16 Tab., DM 64,-
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Reihe Technik
ISBN 3-8169-1941-3

Das Bauen muß als konstruktive Einheit ganzheitlich gesehen und vollzogen werden und dabei die Belange der Bewohner in den Mittelpunkt stellen – andere Optionen sind zweitrangig. Wie können negative Begleiterscheinungen der bautechnischen Entwicklungen im Interesse der Gesundheit der Bewohner verhindert werden? 

Das Buch zeigt auf der Grundlage bauphysikalisch-funktionalen Zusammenhänge und naturgesetzlicher Prämissen, was zu beachten und wie zu entscheiden ist. Es bietet fachgerechte und effiziente Lösungen für die wohnhygienische, wärmetechnische und schadensfreie Konzeption eines Gebäudes und setzt der Desinformation die Aufklärung entgegen.

Inhalt:
Grundsatzüberlegungen, Rechtliche Randbedingungen, Wirtschaftlichkeit, Humane Heiztechnik, Wärmeschutz, Feuchteschutz, Schallschutz, DIN-Vorschriften, Die Wärmeschutzverordnung 1995, Die Energieeinsparverordnung.

Die Interessenten:
- Architekten, Ingenieure und Bausachverständige 
- Bauträger, Wohnungsbaugesellschaften und Behörden 
- Baufirmen und Handwerksbetriebe 
- Energieberater.

Bestellungen sind zu richten an:
expert buch service
Postfach 20 20
71268 Renningen


Kontroverse Beiträge zum Energiesparen
von Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier,   Architekt SRL

Contra EnEV 2000

(Veröffentlicht mit einem "Pro" von Prof. Hauser in leonardo-online 2/99)
Die Statements sollten nicht "Pro & Contra", sondern "falsch oder richtig" heißen, denn es geht hier nicht um veröffentlichte Meinungen, sondern um gesichertes Wissen. Nach Karl-Raimund Popper kann nur der Beweis geführt werden, dass etwas falsch ist. Beim "Contra" geschieht dies mit unwiderlegbaren Fakten. Mit dem Inkrafttreten der WschVO 1995 wurde schon die EnEV 2000 angekündigt. Es soll der Baubestand energetisch "ertüchtigt" werden. Diese Hektik macht mißtrauisch. Zu recht, denn inhaltlich und methodisch ist vieles weiterhin sehr fragwürdig, wenn nicht sogar falsch – Verunsicherung und Irreführung sind die Folge.

Irrtum Nr. 1:

Dies fängt bereits an, wenn Wärmeleitung sowie Wärmeströmung (Teil der Thermodynamik) und Wärmestrahlung (Teil der Quantenmechanik) methodisch gleichbehandelt werden. Bei zwei völlig verschiedenartigen physikalischen Erscheinungen ist dieses Vermengen ein gravierender Fauxpas. Daraus resultieren falsche Ergebnisse.

Irrtum Nr. 2:

Der Gebäudewärmeschutz wird ausschließlich durch den k-Wert der Außenhülle qualifiziert, der jedoch nur für den Beharrungszustand, für stationäre Verhältnisse gilt - das steht in jedem Bauphysik-Buch. In unseren Breitengraden liegen wegen der 24stündigen Solarstrahlungs-Periode jedoch ständig instationäre Verhältnisse vor. Mit dem k-Wert wird also schlicht und ergreifend falsch gerechnet. Dies kann aus der Fourierschen Wärmeleitungsgleichung, auf die immer wieder stolz hingewiesen wird, abgeleitet werden. Diese fehlerhafte Berechnung trifft vor allem den Massivbau. Aber nach wie vor wird am k-Wert dogmatisch festgehalten. So einfach geht das in einer gleichgeschalteten und industriekonformen Wissenschaft!  Die Folge ist: Alle Wämebedarfsberechnungen liefern Phantasieergebnisse. Energie-Verbrauchs-Analysen aus der gelebten Praxis können dies empirisch untermauern.

Irrtum Nr. 3:

Soll nun trotzdem ein Beharrungszustand fälschlicherweise angenommen werden, dann kommt das nächste Dilemma. Die Hyperbelform der k-Wert-Funktion katapultiert die in der EnEV 2000 geforderten kleinen k-Werte in uneffiziente Bereiche. Die Nachhaltigkeit ist nicht mehr gegeben, weil zusätzliche Energie kaum eingespart werden kann - das ist unwiderlegbare Mathematik.
Dieses fatale Naturgesetz sieht konkret so aus:

5 cm Dämmstoff ergeben einen k-Wert von 0,8 W/m²K
10 cm Dämmstoff ergeben einen k-Wert von 0,4 W/m²K
20 cm Dämmstoff ergeben einen k-Wert von 0,2 W/m²K
40 cm Dämmstoff ergeben einen k-Wert von 0,1 W/m²K

Die Verdoppelung der Dämmung führt zu einer Halbierung des k-Wertes.
dass hier eine Effizienzschwelle zu beachten ist, dürfte einleuchtend sein. Damit aber ist die Unwirtschaftlichkeit kleiner k-Werte unausweichlich gegeben. Welch makabres Spielchen also beim "Verschärfen des Anforderungsniveaus".

Irrtum Nr. 4:

Durch das Wirtschaftlichkeitsgebot im Energieeinsparungsgesetz (§ 5) werden Nachhaltigkeit und Effizienz zwingend gefordert. Deshalb wird ständig behauptet, die Wirtschaftlichkeit sei gegeben. Dies ist eine Falschaussage.
Begründung:
Dämmstoffdicken über 6 bis 8 cm sind effizienzlos. Die wirtschaftlichen Grenzen der k-Werte liegen je nach Dämmstoffkosten und Einsatzort etwa zwischen 0,35 und 0,80 W/m²K, liegen also viel höher, als die in der EnEV 2000 geforderten k-Werte. Die großen Dämmstoffdicken sind somit gesetzwidrig, da sie nie wirtschaftlich zu realisieren sind; wer etwas anderes aussagt, präsentiert Mogelpackungen.

Konsequenz:

Der Planer muß sich gesetzestreu verhalten und Superdämmungen ablehnen; dies ist er seinem Bauherren gegenüber schuldig. Seine Verordnungstreue kann er durch Anwendung unter anderem des § 17 "Härtefälle" untermauern.

Irrtum Nr. 5: Es ist zu beachten, dass bei kleinen k-Werten die Wärmebrückeneffekte die (theoretischen) Gewinne zum Teil wieder zunichte machen. Die Wärmebrückenverluste werden in der EnEV 2000 für alle Konstruktionsarten durch konstante Werte berücksichtigt. Dies ist falsch, denn je nach Konstruktionsart und "k-Wert-Niveau" sind die Wärmebrückenverluste recht unterschiedlich – bei kleinen k-Werten eben sehr hoch.

Weitere Irrtümer:
Grundsätzliche Fehleinschätzungen führen zu weiteren Unzulänglichkeiten wie
- zu den widersprüchlichen Regelungen eines notwendigen Lüftungsbedarfes,
- zu der Verknüpfung von k-Werten der Außenwand mit dem Standard der Heizungsanlage;
  dies widerspricht dem Wirtschaftlichkeitsprinzip der Einzelkomponenten,
- der völlig widersinnigen Behandlung der "Warmwasserbereitung".

Was aber geschieht?

Trotz dieser klaren Fakten sollen nach dem Willen der Bundesregierung wahre Dämmstoffhalden eingebaut werden - und wer entsorgt eigentlich diesen Sondermüll? Die Anbieter hocken schon in Lauerstellung – das nächste Geschäft lockt.

Dieser bautechnische Widersinn wird nun auch noch nachhaltig propagiert. Für "Passivhäuser" werden 40 cm Dämmstoff als Zielwert genannt; energetisch zwar völlig nutzlos, aber sicher sehr zur Freude der Dämmstoffindustrie.

Um die nicht vorhandenen nominellen Energieeinsparungen (Hyperbel-Tragik) nun trotzdem gewaltig erscheinen zu lassen, werden diese "in Prozenten" angegeben und gehandelt.

Die "k-Wert-Verbesserungen beim "Irrtum Nr. 3" betragen ja jeweils 50 % - eine "gewaltiger Erfolg", doch die nominellen "Gewinne" werden immer kleiner und schrumpfen am Ende zum Nichts.

Weiter: Es heißt, durch die EnEV 2000 würden doch immerhin 25 - 30% Energie eingespart werden ! Allerorts meint man, damit sei die Heizkostenrechnung gemeint. Mitnichten! Die Basis ist das Anforderungsniveau der WschVO 1995 ! Damit aber schrumpft die "Einsparung" auf einen Minibetrag zusammen. Unwirtschaftlichkeit wird damit zum Normalfall.

Oft wird zur Durchsetzung dieser unwirtschaftlichen "Dämmstoffhäuser" als Druckmittel auch die Finanzierung mißbraucht. Die rechtliche Konfusion dank ministerieller Dekrete ist vollkommen. Auch Bußgelder (§ 18) sind vorgesehen, um eine "Nichterfüllung" in den Bereich einer Ordnungswidrigkeit zu rücken.

Die Seitenzahl der EnEV 2000 nimmt derartig zu, dass die Praktikabilität nicht mehr gegeben ist. Die Verweise auf unrealistische DIN-Normen wirken dabei verschlimmernd. Veränderte und zusätzliche Begriffsbestimmungen dienen eher der Verwirrung als der Klärung.

Weil all diese Gebäudedämmaktivitäten, die voller Widersprüche stecken, rational nicht zu begründen sind, werden in der Bevölkerung Ängste geschürt. Die Klimakatastrophe, der sorglose Lebensabend, das Ozonloch, die Überschwemmung weiter Landstriche, all dies muß herhalten, damit Geschäfte blühen, die, und das ist das Widersinnige und Betrügerische, auf diese "Bedrohungen" kaum einen Einfluß haben. Wenn Mathematik, Logik und Naturgesetze ernst genommen werden, zeigt sich der praktizierte Wärmeschutz als ein mühsam errichteten und krampfhaft abgestütztes Kartenhaus. In der Informationspolitik geschehen schon recht wundersame Dinge.

Resümee

Das Unverständnis beim Anwender, beim Endverbraucher bleibt nicht aus! Irrende Methodik und daraus resultierende Ungereimtheiten verbunden mit verwirrenden und wahrheitswidrigen Berechnungen werden dazu führen, dass immer mehr immer weniger verstehen werden – vielleicht auch sollen. Es handelt sich um ein bürokratisch-administratives Mammutwerk, das nicht mehr praxisgerecht gehandhabt werden kann. Mit jeder Novellierung werden die Absurditäten verfeinert. Gebäudewärmeschutz – quo vadis? Eine generelle methodische und inhaltliche Überarbeitung ist vonnöten. Karl Steinbuch stellt in seinem Buch "Maßlos informiert - die Enteignung unseres Denkens" unmißverständlich fest:

"Es ergibt sich zwangsläufig aus dem gegenwärtigen Umgang mit der Information, der - ähnlich dem Umgang der Alchimisten mit ihren Elixieren - mit Verstand und Verantwortung wenig, mit Unverstand, Täuschung und Betrug aber viel zu tun hat. Wir werden zugleich informiert, verwirrt und betrogen, wir sehen kaum mehr die Wirklichkeit, fast nur noch Kulissen und Spiegelbilder".


„Hohe Investitionen bei geringer Wirtschaftlichkeit“

wohnperspektiven sprach mit Prof. Claus Meier über die geplante Energieeinspar-Verordnung (EnEV), die 2001 in Kraft treten soll.

Herr Professor Meier, die Bundesregierung legt in ihrer Verordnung für Neubauten einen Energiebedarf fest, der dem momentanen Standard bei Niedrigenergiehäusern entspricht. Was bedeutet das für Wohnungsunternehmen und ihre Mieter?

Die „Festlegung“ des Energiebedarfs in Anlehnung an ein Niedrigenergiehaus ist willkürlich, orientiert sich an der Machbarkeit, ist aber keineswegs effizient. Nicht umsonst heißt es 25 bis 30 Prozent Reduzierung; absolute Zahlen dagegen schrumpfen zum Nichts. Setzen die Wohnungsunternehmen die EnEV um, müssen sie gewaltig investieren – die auf die Mieter umgelegten Kosten werden Verärgerung auslösen.

Wie beurteilen Sie die Erwartung, dass sich Einsparungen und zu erwartende Mehrausgaben bei Neubau und Modernisierung die Waage halten werden?

Diese Erwartung ist illusorisch. Die Mehrausgaben sind sehr hoch, Einsparungen jedoch kaum meßbar. Aufwand und Nutzen stehen im krassen Mißverhältnis. Das im Energieeinsparungsgesetz geforderte Wirtschaftlichkeitsgebot wird mißachtet. Die Mieter werden durch Heizkosteneinsparungen kaum entlastet, Enttäuschung und Verbitterung sind die Folgen.

In der Verordnung soll die Grundlage für einen Gebäude-Energieausweis gelegt werden. Wie schätzen Sie den Anspruch ein, damit mehr Transparenz für Verbraucher zu schaffen?

Da der „Energiepaß“ einen, besonders bei Altbauten, falsch berechneten Energiebedarf ausweist, werden Bedarf und Verbrauch nicht übereinstimmen. Er dient nicht der Transparenz, sondern schafft falsche Vorstellungen und Erwartungen. Für die falsche Theorie ist bereits der Schuldige ausgemacht: der Mieter ! ein infamer Ausweg.

Die geplante Änderung soll mehr Spielraum für die Architektur bringen, da die Anforderungen an die Energiewerte nicht mehr auf einzelne Gebäudeteile, sondern auf das Gebäude als Ganzes bezogen werden. Wie stehen Sie dazu?

Mit „mehr Spielraum in der Architektur“ hat dies nichts zu tun. Diese Begründung ist absurd, sie soll nur ablenken, beschwichtigen. Warum? Kleine k-Werte, das NEH-Typische, sind unwirtschaftlich, müssen deshalb unsichtbar werden - das „Vereinfachte Verfahren“ entfällt. Auch könnten k-Werte einer Tabelle entnommen werden. Damit würde die wegen der „bewußt“ komplizierten Rechnungen notwendig werdende Software entbehrlich werden – ein Geschäft wäre geplatzt.

Die EnEV sieht, insbesondere bei Wärmedämmungs-Maßnahmen erstmals direkte Eingriffe in den Wohnungsbestand vor. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Vermieter bzw. Wohnungsunternehmen?

Für den Wohnungsbestand gelten die Rechenmethoden der EnEV nicht. Es werden stationäre Berechnungen für Dämmstoffkonstruktionen (k-Wert) auf instationär sich verhaltende Massivkonstruktionen übertragen. Alle „energetischen“ Aussagen sind deshalb unzutreffend – auch die im Energiepaß. Wohnungsunternehmen sollten dies ernsthaft zur Kenntnis nehmen, auch die Mieter.

Welches Resümee ziehen Sie ?

Wenn Industrie-Lobbyismus technische Erkenntnisse und administrative Entscheidungen prägen, dann muß das Fehlerhafte zum Wohle des Kunden, des Mieters erkannt werden. Die Logik - wird sie als wissenschaftliches Argument überhaupt akzeptiert? - hilft dabei.

Umfangreiche Informationen zum Thema Bauphysik werden im Internet angeboten unter:
„Altbau und Denkmalpflege Informationen“ (Dipl.-Ing. Architekt Konrad Fischer)


Prof. Dr. Ing. Habil. Claus Meier* zum Thema:
Heizkesselaustausch

Auch das grundsätzliche Auswechseln des Heizkessels wird als notwendig erachtet. Damit allerdings wird lediglich der Heizkesselbranche die Möglichkeit eröffnet, überall neue Heizkessel einbauen zu können – Geschäfte müssen auch hier durch novellierte Verordnungen forciert werden.

Die beiden großen Zauberworte für diese Verkaufskampagne lauten:

Abgasverlust und Wirkungsgrad.

Was damit energetisch überhaupt erreicht wird und welche technischen Schwierigkeiten damit eingehandelt werden, davon ist nicht die Rede.

Je besser die Verbrennung ist (niedrige O2-Anteile und dadurch jedoch hohe CO2 Anteile), desto geringer sind die Abgasverluste; kurioserweise würde damit eine schlechte Verbrennung (!) den CO2-Ausstoß mindern – wäre das nicht ein hübscher CO2-Minderungsansatz?. Aber auch geringere Abgastemperaturen führen zu geringeren Abgasverlusten, so dass hohe CO2- Anteile und niedrige Abgastemperaturen die Abgasverluste mindern. Damit erreicht man auch höhere Wirkungsgrade.

Diese berechneten Werte beziehen sich auf einen Betriebszustand der Beharrung. Dieser Zustand wird in der Regel nach einer Brennzeit von einer halben bis zu einer Stunde erreicht, auf jeden Fall dann, wenn sich weder Temperatur noch der CO2-Gehalt der Abgase mehr verändern. Diese voraussetzende Randbedingung sollte ins Gedächtnis gerufen werden, wenn durch einen geringen Wärmebedarf der Brenner kleine Intervalle fährt.

Dieses Denkschema eines ”guten” Wirkungsgrades wird ohne Rücksicht auf die Bewohnbarkeit und die damit verbundenen Schäden durchgesetzt. Bei niedrigen Abgastemperaturen versotten die Schornsteine durch anfallendes Kondensat aus den schwefelhaltigen Rauchgasen. Der Zwang zu glasierten Tonrohren, Glasschornsteinen und zu nichtrostenden Stahlkaminen ist damit gegeben.

dass sich hohe Abgastemperaturen langsam im gemauerten Schornstein abkühlen und damit eben auch Wärme ins Haus liefern, daran hat man genau so wenig gedacht wie bei der Formulierung in der Energieeinsparverordnung, in der die abgegebene Wärme des Verteilungsnetzes nicht als ”innere Wärmequelle” des Gebäudes, sondern als ”Verteilungsverluste” in die Bilanz mit eingehen. Jede Glühbirne wird als Energiequelle berücksichtigt, bei der Heizung jedoch wird anders entschieden – ein größeres Durcheinander gibt es kaum.

Da immer vom ”Gesamtsystem Haus” gesprochen wird, wäre es bei der Heizung deshalb auch richtiger, die Heizenergiebilanz nicht am Kesselende, sondern am Ende des Schornsteins durchzuführen; aber wie gesagt, durchdachte Lösungen und einsichtige Verfahren waren selten Bestandteil von Verordnungen, zumal meist mit heißer Nadel gestrickt wird, um schnell die ach so begehrten Umsatzsteigerungen zu ermöglichen und zu gewährleisten.

Zur Verbesserung des Wirkungsgrades wird nun der Brennwertkessel offeriert, der nun auch den Wasserdampf der Abgase durch Kondensatbildung noch energetisch ausnutzen soll. Dies funktioniert, wie oben schon erwähnt, besser auf dem Prüfstand als in der Praxis. Dadurch werden (theoretische) Wirkungsgrade von über 1 erzielt, da die ”genutzte Wärme” auf den unteren Heizwert bezogen wird.

Was kommt eigentlich bei Einsatz eines Brennwertkessels an Energiegewinn und Heizkosteneinsparung heraus?

Bei einem sogenannten “Passivhaus” mit 100 m² Nutzfläche, einem “gerechneten” Bedarf von 30 kWh/m²a und einem Jahreswirkungsgrad eines konventionellen Kessels von ca. 0,85 würde der Heizwärmebedarf insgesamt 3530 kWh/a ausmachen.

Wird nun der Wirkungsgrad durch Wahl eines Brennwertkessels auf etwa 1,04 gesteigert (in der Praxis wird dieser Wert kaum erreicht), dann reduziert sich der Heizwärmebedarf auf 2885 kWh/a. Die Differenz beträgt dann 645 kWh/a; dies entspricht einer Heizölmenge von rund 65 Litern und einer Heizkosteneinsparung von ca. 36 DM/a – für “Passivhaus-Fanatiker” sicher ein gewaltiger Vorteil. Bei einem für technische Geräte anzusetzenden Mehrkostennutzenverhältnis von 10 würden dies maximale Mehrkosten des Heizkessels von 360 DM bedeuten. Dies ist eine technische Utopie. Die Kunden werden mit dem Schlagwort “Brennwertkessel” wiederum permanent zum Narren gemacht, aber nicht nur die, auch Politiker haben keine Ahnung.

Mit dem Wirkungsgrad-Dogma und der Abgasverlust-Parole werden auf dem Heiztechniksektor auch wieder nur die Zahlenden in ein finanzielles und bautechnisches Risiko gedrängt. Auch Steuergelder werden dabei vergeudet; der Staat wird ausgeplündert.

* Prof. Claus Meier, ehemaliger Stadtbaudirektor der Stadt Nürnberg ist der fundierteste Kenner und auch Kritiker einer inzwischen sehr fragwürdig gewordenen Bauphysik


Rechtliche Randbedingungen des Gebäudewärmeschutzes
(von Prof. Claus Meier veröffentlicht in bausubstanz 1/2000)

Bei einer baurechtlichen Würdigung des Baugeschehens erhalten unterschiedliche Rechts-Komponenten auch unterschiedliche Bedeutungen. Neben den allgemein anerkannten Regeln der Technik werden DIN-Normen, Gesetze und Verordnungen mit herangezogen, um das Baugeschehen formal-administrativ zu erfassen. Da Lobbyismus und Industrieinteressen sich immer deutlicher artikulieren, bestimmen oft auch technisch fragwürdige Sachverhalte die Inhalte, die dann trotz kritischer Hinweise auch durchgesetzt werden. An Beispielen mangelt es nicht [5], [6], [12]. Diese Geschehnisse werden oft von unschönen Debatten begleitet. Insofern sei darauf hingewiesen, auch daraus resultierende mögliche strafrechtliche Konsequenzen einmal zu überdenken.

Strafgesetzbuch

Um sich der strafrechtlichen Bedeutung von Aussagen und Handlungen der administrativen und wissen-schaftlichen Ebene bewußt zu werden, seien einige Paragraphen erwähnt:

§ 186 Üble Nachrede

Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache er-weislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 187 Verleumdung

Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreitung von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 263 Betrug

(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(3) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.
§ 263a Computerbetrug
(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er das Ergebnis eines Datenverarbeitungsvorganges durch unrichtige Gestaltung des Programms, durch Verwendung unrichtiger oder unvollständiger Daten, durch un-befugte Verwendung von Daten oder sonst durch unbefugte Einwirkung auf den Ablauf beeinflußt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Kommentar:

Manche Energieaktivisten sollten sich über die Folgen einer üblen Nachrede oder einer Verleumdung informieren. Oft wird in Ermangelung sachlicher Argumente gern darauf zurückgegriffen; Spott, Verunglimpfungen und Diffamierungen bestimmen dann den Dialog; man beachte Art. 1 (1) GG.
Darüber hinaus verdeutlicht der Betrugsparagraph die strafrechtliche Brisanz einer nicht vollständigen Information durch Vorspiegelung falscher sowie Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen. Auf diesem Gebiet wird arg gesündigt; der Kunde wird oft nur unvollständig und unzureichend informiert und aufgeklärt, die Medienlandschaft macht es möglich.

Allgemein anerkannte Regeln der Technik

Diese Regeln bilden die Grundlage bautechnischen Schaffens, sind bewährte Methoden und dienen der Planung und Herstellung von Bauwerken. Sie sind Bestandteil des Werkvertrages. Sowohl das BGB als auch die VOB/B (als Ergänzung zum BGB) stützen sich auf die a. a. R. d. Bt. Auch das Strafgesetzbuch kennt nur den Begriff der allgemein anerkannten Regel der Technik (§ 323). Diese Regeln entwickeln sich im Zusammenspiel von theoretischer Überlegung und praktischer Erfahrung langsam und stetig, müssen sich bewähren und können z. T. auf eine lange Tradition zurückblicken.
In der Rangfolge stehen die a. a. R. d. T. vor den DIN-Normen. Nun aber wird ständig versucht, in umgekehrter Rangfolge die allgemein anerkannten Regeln der Technik den oft fragwürdigen Fortschreibungen der DIN-Normen anzupassen [2], [11]. Dies bedeutet jedoch, Ursache und Wirkung zu vertauschen. DIN-Normen sind eben keine allgemein anerkannten Regeln der Technik. Darüber hinaus muß aber auch folgendes beachtet werden: Wenn vertraglich, z. B. auch abweichend von den a. a. R. d. T., etwas vereinbart wird, so gilt die Erfüllung dieser vertraglich vereinbarten Eigenschaft (BGB).
Hierzu gibt es ein BGH-Urteil:
Wie ist eine Minderung des Werklohnes zu berechnen?
BGH, Urteil vom 17.12.1996 BGB § 472 (Minderung), § 633 (Mangelbeseitigung), § 634 (Wandelung und Minderung nach Fristablauf). [IBR 1997, Privates Baurecht, S. 368]
Ein Werk ist unabhängig davon, ob die anerkannten Regeln der Technik eingehalten sind, fehlerhaft, wenn es nicht den Anforderungen des vertraglich vorausgesetzten Gebrauchs entspricht. Fazit: Maßgebend sind also die vertraglichen Vereinbarungen. Selbst die anerkannten Regeln der Technik sind dann nicht bindend - und erst recht nicht die DIN-Normen.

DIN-Normen

Im Bauvertragsrecht spielen die DIN-Normen erst dann eine Rolle, wenn sie als Vertragsbestandteil besonders vereinbart werden. Allerdings muß bei der technischen Umsetzung von DIN-Normen damit gerechnet werden, dass die Beachtung der DIN-Normen zu fehlerhaften, aber auch die Nichtbeachtung von DIN-Normen zu fehlerfreien Lösungen führen können. Diese Aussage mag überraschen, wird aber durch folgende Feststellungen verständlich:
DIN ist ein Selbstverwaltungsorgan der Wirtschaft und seit über 75 Jahren privatrechtlich organisiert. Im Vorspann von zusammengefaßten DIN-Normen steht in den Hinweisen für den Anwender:
"DIN-Normen sollen sich als anerkannte Regeln der Technik einführen. Bei sicherheitstechnischen Festlegungen in DIN-Normen besteht überdies eine tatsächliche Vermutung dafür, dass sie "anerkannte Regeln der Technik" sind. DIN-Normen sind nicht die einzige, sondern eine Erkenntnisquelle für technisch ordnungsgemäßes Verhalten im Regelfall. Durch das Anwenden von Normen entzieht sich niemand der Verantwortung für eigenes Handeln. Jeder handelt insofern auf eigene Gefahr".
Deutlicher kann die Unverbindlichkeit von DIN-Normen nicht charakterisiert werden. Trotzdem versucht DIN den Eindruck zu erwecken, eine a. a. R. d. Bt. zu sein, scheut sich aber offensichtlich vor der Verantwortung. In einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts steht u.a. [4]:
"Daneben gehören den Normausschüssen des DIN aber auch Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen an, die deren Interessenstandpunkte einbringen. Die Ergebnisse ihrer Beratungen dürfen deshalb im Streitfall nicht un-kritisch als geronnener Sachverstand oder als reine Forschungsergebnisse verstanden werden".
Und weiter:
"Andererseits darf aber nicht verkannt werden, dass es sich dabei zumindest auch um Vereinbarungen interessierter Kreise handelt, die eine bestimmte Einflußnahme auf das Marktgeschehen bezwecken".
DIN-Normen (und jetzt Euro-Normen EN) sind industrie- und wirtschaftsorientiert. Demzufolge haben sich "fortentwickelte Normen" oft auch als fehlerhaft und falsch erwiesen. Auch die DIN 4108 "Wärmeschutz im Hochbau", Teil 5, z. B. enthält bei den Diffusionsberechnungen einen methodischen Fehler, der zu ganz fatalen Ergebnissen führt.
Der Satz: "Tauwasserausfall während der Verdunstungsperiode ist rechnerisch nicht zu berücksichtigen" bescheinigt jedem, auch einem bauphysikalisch völlig falsch aufgebauten Flachdach die "Unschädlichkeit" einer Tauwasserbildung. Falsche Konstruktionen werden somit nicht erkannt, im Gegenteil, sie werden durch DIN legitimiert.
Bei der Unverbindlichkeit der DIN-Normen ist auch der Versuch der EnEV 2000 bedenklich, Normen nun auf dem Verordnungswege zu a. a. R. d. T. umfunktionieren zu wollen; das rechtliche und fachliche Durcheinander wäre vollkommen [2].
Wegen übertriebener Kooperation mit der Wirtschaft, des großen lobbyistischen Einflusses der Industrie und der daraus resultierenden technischen Fehler in der DIN müssen die DIN-Vorschriften mit großer Zurückhaltung und Vorsicht angewendet werden. Mehr Verlaß ist auf die a. a. R. d. Bt, die sich von der Bindung der Industrie lösen sollten; allerdings hängen sie unverständlicherweise oft im repressiven Schlepptau der DIN-Normen.
Dies drückt sich auch in Urteilen des Bundesgerichtshofes aus:
BGH, Urteil vom 14.05.1998

Luftschallschutz: Wann liegt Mangel vor?

BGB § 633 (Mangelbeseitigung). [IBR 1998, Privates Baurecht, S. 376]

Der BGH wendet sich gegen die DIN-Gläubigkeit vieler Baubeteiligter. Es kommt in erster Linie nicht auf die Einhal-tung der DIN-Normen an; wichtig ist:
(1) Welches Schalldämm-Maß haben die Parteien vereinbart?
(2) Aus der bloßen Beachtung der DIN-Normen folgt noch nicht, dass damit auch die anerkannten Regeln der Technik genügt ist.

Gibt es keine Vereinbarung, so kommt es auf die anerkannten Regeln der Technik an.
Fazit: In der juristischen Rangfolge kommen zunächst eventuelle Vereinbarungen, dann die aner-kannten Regeln der Technik. DIN-Normen spielen für die Beurteilung insofern nur eine untergeord-nete Rolle. BGH, Urteil vom 14.05 1998

Welche Bedeutung haben DIN-Normen?

BGB § 633 (Mangelbeseitigung). [IBR 1998, Privates Baurecht, S. 377]

Die DIN-Normen sind keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter. Sie können die anerkannten Regeln der Technik wiedergeben oder hinter diesen zurückbleiben. Nach BGH kommt es auf die Einhaltung der anerkannten Regeln der Technik an. Diese dürfen keineswegs mit den DIN-Normen identisch gesetzt werden. Die Mangelfreiheit kann nicht ohne weiteres einer DIN-Norm entnommen werden. Maßgebend ist nicht, welche DIN-Norm gilt, sondern ob die Bauausführung zur Zeit der Abnahme den anerkannten Regeln der Technik entspricht.

Fazit: Selbst bei Einhaltung der gültigen Norm besteht ein Mangel, wenn die anerkannten Regeln der Technik nicht eingehalten werden. Vorsicht also bei der Anwendung von DIN-Normen. Energieeinsparungsgesetz

Die Ermächtigungsgrundlage zum Erlaß der Wärmeschutzverordnungen, das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), enthält im §5 (1) das Wirtschaftlichkeitsgebot, im §5 (2) das Härtefallgebot:

(1) "Die in den Rechtsverordnungen ... aufgestellten Anforderungen müssen ... wirtschaftlich vertretbar sein. Anforderungen gelten als wirtschaftlich vertretbar, wenn generell die erforderlichen Aufwendungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer durch die eintretenden Einsparungen erwirtschaftet werden können."
Fazit: Damit kann das Fazit gezogen werden, dass unwirtschaftliche Energiesparmaßnahmen gesetzwidrig sind; sie können - und müssen - unterbleiben. Die Auslegung des § 5 (1) läßt keine andere Schlußfolgerung zu.

(2) "In den Rechtsverordnungen ist vorzusehen, dass auf Antrag von den Anforderungen befreit werden kann, soweit diese im Einzelfall wegen besonderer Umstände durch einen unangemessenen Aufwand oder in sonstiger Weise zu einer unbilligen Härte führen".

Dieser Absatz (2) findet sich deshalb im § 14 der Wärmeschutzverordnung 95 und auch im Entwurf der EnEV § 17 "Härtefälle" wieder und ermöglicht eine Befreiung [8].

Voraussetzung hierfür ist der Nachweis der Unwirtschaftlichkeit. Da in der Mehrzahl die k-Wert-Anforderungen an den Wärmeschutz unwirtschaftlich sind, kann fast von einem generellen Zwang zur Befreiung nach § 14 WSchVO 1995 ausgegangen werden. Die Anforderungen in der WSchVO 1995 und dann besonders die der EnEV 2000 sind gemäß EnEG schlicht und einfach gesetzwidrig. Der Grund liegt in der mathematisch bedingten Hyperbeltragik des k-Wertes. Die Effizienz nimmt bei kleinen k-Werten quadratisch ab, Superdämmungen sind somit hinausgeworfenes Geld, das ist Mathematik [9].

Auch hierzu gibt es ein BGH-Urteil:
BGH, Urteil vom 22.01.1998
Muß Architekt die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes optimieren?
BGB § 634 (Wandelung und Minderung nach Fristablauf), § 635 (Schadensersatz).
[IBR 1998, Architekten und Ingenieurrecht, S. 157]

Ein Mangel des Architektenwerks kann vorliegen, wenn übermäßiger Aufwand getrieben wird. Sofern die Nutz-flächen und Geschoßhöhen nicht den Vorgaben entsprächen, könne die Planung mangelhaft sein. Das gleiche gelte, wenn bei der Wärmedämmung oder der Dachkonstruktion überflüssiger Aufwand betrieben worden sei. Eine unwirtschaftliche Planung könne auch dann mangelhaft sein, wenn sie sich im Rahmen der vorgegebenen Kosten halte.

Fazit: Entscheidend ist also die Wirtschaftlichkeit einer Baukonstruktion (Vermeidung übermäßigen Aufwandes). Ist die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben, kann die Planung mangelhaft sein - mit allen Konsequenzen (Minderung des Werklohnes).

Wärmeschutzverordnung

Die Wärmeschutzverordnung 95 ist seit dem 01.01.1995 in Kraft. Der methodische Aufbau unterscheidet sich nicht vom Aufbau früherer Verordnungen, trotz gegenteiliger Behauptungen. Der Lüftungswärmebedarf (51,4 kWh/m²a) und die internen Wärmegewinne (25 kWh/m²a) sind konstante Werte. Insofern reduziert sich das "Energiebilanzverfahren" zu einem km-Verfahren (Solargewinne über die Fenster können über kFeq -Werte berücksichtigt werden). Zur Erfüllung der verschärften Anforderungen müssen nur entsprechend kleine k-Werte gewählt werden [7].

Dies ändert sich auch nicht bei der vorgesehenen EnEV 2000. Methodisch bedeutet die WSchVO 95 wegen fehlerhafter Schlußfolgerungen und der bürokratisch / technokratischen Grundstruktur eine einzige Konfusion, ist voller Widersprüche und Ungereimtheiten; dies wird bei der EnEV 2000 lediglich weiter verfeinert. Maßgebend für die Erfüllung der Anforderungen bleiben nach wie vor allein die k-Werte, die allerdings beim Vereinfachten Verfahren "variiert" eingesetzt werden können - je nach "Heiztechnik- Standard".

Wie aber ist die Gülltigkeit des k-Wertes einzuschätzen?

Hier muß folgender Tatbestand erwähnt werden, der ein bedrückendes Schlaglicht auf den Einsatz und die Aufgabe von Normen und Verordnungen wirft:

Jeder beruft sich beim Wärmeschutz auf die Fouriersche Wärmeleitungsgleichung, die ja bereits seit 1822 bekannt sei, und suggeriert damit, der k-Wert beschreibe die Transmissionswärmeverluste einer Wand in zutreffender Weise. Mitnichten! In [10] ist darüber berichtet worden, wobei dort die Solarstrahlung noch nicht einmal berücksichtigt wurde.

Zusammenfassend kann festgestellt werden:

Die für instationäre Zustände allgemeingültige, aus fünf Komponenten bestehende Fouriersche Wärmeleitungsgleichung geht durch Nullsetzung in die Laplace-Gleichung (Potentialgleichung) über:
Damit wird deutlich:

Jeder der ursprünglich fünf Summanden wird zu Null. Dies bedeutet:

1. Die Speicherkomponente mit dem charakteristischen Speicherwert c , wird zu Null. Speicherfähigkeit wird somit völlig ignoriert.

2. Die Differenz der Wärmestromdichten wird auch zu Null. Wenn jedoch die Differenz an einer Stelle im Bauteil zu Null wird, dann muß überall die gleiche Wärmestromdichte vorliegen. Charakteristikum des Beharrungszustandes, des stationären Zustandes, ist also die konstante Wärmestromdichte mit geradlinigen Temperaturverteilungen.

3. Auch die sonstige Wärmequelle, wie z. B. die Solarstrahlung, wird zu Null. Durch Nullsetzung der Fourierschen Wärmeleitungsgleichung werden somit die Speicherfähigkeit der Außenbauteile negiert, die konstante Wärmestromdichte im Bauteil erzwungen und die Solarstrahlung ignoriert. Mit diesen "Randbedingungen" wird der Beharrungszustand, der stationäre Zustand erreicht.

Erst diese rigorose Vorgehensweise führt zum konstanten Wärmestrom q, der nun in der DIN 4108 manifestiert ist und durch den k-Wert beschrieben wird.
Deshalb steht in [3]:

"Beim Anheizen oder Auskühlen von Räumen oder bei Sonnenzustrahlung liegen jedoch instationäre Verhältnisse vor, so dass diese durch die Werte 1/L (oder R in m²K/W) und k (oder U in W/m²K) nicht erfaßt werden".

In alten Fachbüchern wird die Speicherung nicht negiert. Nach Cammerer benötigt eine massive Ziegelwand konstante Lufttemperaturen über einen Zeitraum von etwa zwei Tagen, um den Beharrungszustand zu erreichen [1].

Auch in [3] steht geschrieben:
"Die Wärmeleitung durch eine ebene Platte eines Baustoffes im Beharrungszustand der Temperaturverteilung, das heißt nach genügend langer Zeit bei konstanten Temperaturen zu beiden Seiten der Platte, erfolgt nach der Gleichung ..." und nun wird die allseits bekannte Formel der DIN 4108 für den Beharrungszustand aufgeführt.

Da jedoch konstante Lufttemperaturen über einen derart langen Zeitraum in Realität nicht vorliegen, bedeutet der "Beharrungszustand" nur eine Fiktion.

Die DIN 4108 "Wärmeschutz im Hochbau", die DIN V 4108-6 "Berechnung des Jahresheizwärmebedarfes von Gebäuden", die DIN EN 832 "Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden; Berechnung des Heizenergiebedarfes", die geltende Wärmeschutzverordnung (WSchV 1995) und auch die beabsichtigte Energieeinsparverordnung (EnEV 2000), alle rechnen jedoch stationär, alle gehen vom Beharrungszustand aus, der jedoch nie vorliegen kann.

Alle Berechnungen mit dem k-Wert entsprechen somit nicht der Wirklichkeit, sind Phantomrechnungen. Das Dilemma begann mit dem grundsätzlichen Fehler, den k-Wert nun auch zur quantitativen Bestimmung von Energieverbräuchen verwenden zu wollen.

Zur Rechtfertigung dieses Fehlverhaltens wird nun gesagt, auch der stationäre k-Wert beschreibe in zutreffender Weise instationäre Verhältnisse, wenn konstante Lufttemperaturen mindestens drei Wochen vorliegen. Tatsächlich können bei konstanten Randbedingungen von drei Wochen die Einpendelungszeiten zum Beharrungszustand keine allzu großen Fehler hervorrufen, doch liegen in Realität durch den 24stündigen Rhythmus einer Tag-Nacht-Periode keine konstanten Randbedingungen für einen so langen Zeitraum vor.

Nun glaubt man allen Ernstes, durch Verwendung von Monatsmitteldaten diesen langen Zeitraum erreichen und damit das stationäre Rechnen legitimieren zu können - oh, welche fehlerhafte Schlußfolgerung [13]. Man sieht, all die Überlegungen zur Rechtfertigung fehlerhaften Rechnens sind ein einziger, kapitaler Irrtum und erinnern mehr an Quacksalberei.

Schlußbemerkung

Die Basis zum Berechnen von Energiebedarfszahlen im Rahmen des Gebäudewärmeschutzes nach DIN oder Verordnung ist falsch. Damit aber geraten diese administrativen Krücken des falsch berechneten Wärmeschutzes ins Zwielicht. Bei dieser konkreten und nicht zu widerlegenden Sachlage sind rechtliche Konsequenzen zu ziehen. Es darf doch in einer Demokratie nicht möglich sein, per Dekret, Verordnung oder Gesetz etwas vorzuschreiben, das nachgewiesenermaßen fehlerhaft ist - auch wenn darüber in entsprechenden einschlägigen Kreisen ein Konsens erzielt wurde.

Folgende Fehlentwicklungen sind ohne Zweifel festzustellen:

  • Die Ausuferung des Vorschriften- und Normungswesens kennt keine Grenzen. Dient diese viel-leicht der Unübersichtlichkeit und Verschleierung der wahren Zusammenhänge und führt demzufolge auch zur Resignation der Anwender?
  • Die Verbürokratisierung des Bauwesens nimmt immer weiter zu. Ingenieurmäßiges Denken und Handeln wird damit zweitrangig, es regiert die CD-ROM.
  • Wissenschaft und Politik unterwerfen sich mehr und mehr den Wirtschaftsinteressen. Damit treten Kunden- und Bauherrnwünsche in den Hintergrund.
  • Für viele unsachgemäße Aussagen und Festlegungen sind auch persönlicher Ehrgeiz und jesuitenhaftes Sendungsbewußtsein verantwortlich. Anders ist das technische Durcheinander im Gebäudewärmeschutz nicht zu erklären.
  • Die richterliche Gewalt hat durch BGH-Urteile bereits Zeichen gesetzt, dass bei der praktischen Handhabung von Bautechnik nicht alles so zu sehen ist, wie der Gesetz- und Verordnungsgeber es auslegt. Es ist zu wünschen, dass hier alternative Pfade vorgezeichnet werden, die sich dann mehr der Wahrheit und weniger den merkantilen Interessen verpflichtet fühlen, damit die im Gebäudewärmeschutz eingeschlagenen Irrwege verlassen werden können. Naturgesetze und die Logik müssen die Bausteine wahrer Erkenntnisse sein.

Literatur:

[1] Cords-Parchim, W.: Technische Bauhygiene. Teubner Verlag Leipzig, 1953

[2] Entwurf der "Verordnung über einen energiesparenden Wärmeschutz und eine energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden" (EnergiesparV) - April 99, § 15, Regeln der Technik.

[3] Gösele,K.; Schüle, W.: Schall, Wärme, Feuchte. Bauverlag Wiesbaden Berlin 1985, S. 167/168.

[4] "Meersburg-Urteil": Bundesverwaltungsgericht Aktenzeichen 4 C 33 - 35/83, Urteil vom 22.05.87. Fundstelle: Neue Juristische Wochenschrift 1987, H. 45, S. 2888 (Quelle: Raimund Probst-Frankfurt).

[5] Meier, C.: Berichterstattung wegen eines methodischen Fehlers in der DIN 4108, Teil 5, "Diffusionsberechnungen" am 28. 04. und 08. 11. 1989 im Koordinierungsausschuß NA-Bau.

[6] Meier, C.: Einspruch zur DIN EN 832 am 29. 01. 1993.

[7] Meier, C.: Die Wärmeschutzverordnung 1995. Methodische und inhaltliche Ungereimtheiten. Berlin-Brandenburgische Bauwirtschaft 1994, H. 19 (1.Oktober), S. 408.

[8] Meier, C.: Praxis-Ratgeber zur Denkmalpflege Nr. 7, Januar 1999. Altbau und Wärmeschutz - 13 Fragen und Antworten. Informationsschriften der Deutschen Burgenvereinigung e.V. Marksburg - 56338 Braubach.

[9] Meier, C.: Wirtschaftlichkeit von Energiesparkonstruktionen. DBZ 1999, H. 6. S. 99.

[10] Meier, C.: Richtig oder falsch. Ist der k-Wert als Maß für den Energieverbrauch gültig? bausubstanz 1999, H. 7-8, S. 46.

[11] Meier, C.: Ein Anschlag auf die Baukultur. Kritik am Entwurf der DIN 4108, Teil 2. bausubstanz 1999, H. 9, S. 42.

[12] Probst, M.: Offener Brief an das DIN Deutsches Institut für Normung e.V. bausubstanz 1999, H. 7-8, S. 51.

[13] Werner, H.: Leserbrief in db 8/99, S. 30 zum Artikel "Gut gespeichert ist auch gedämmt" (db 5/99, S. 138).


Inhaltsverzeichnis

Prof. Dr. Wolfgang Wild hielt auf dem 5. Bildungspolitischen Forum des BFW (Bund Freiheit der Wissenschaft e. V.) einen Vortrag über das Thema
Die Auswirkungen des grün-alternativen Wissenschaftsverständnisses auf die Forschung
(veröffentlicht in: Freiheit der Wissenschaft, Nr. 3, März 1986).

Bei der Behandlung der Themen:

  • 1. ”Wider den Methodenzwang”, Paul Feierabends Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie,
  • 2. ”Erkenntnisse und Interesse”, Jürgen Habermas und die These von der unauflöslichen Verquickung von Erkenntnis und gesellschaftlichen Interessen,
  • 3. ”Das Prinzip Verantwortung”, Hans Jonas und die Forderung nach einer Selbstbeschränkung der Wissenschaft,
  • 4. ”Die Rückkehr zum menschlichen Maß”, E. F. Schumacher und das Konzept einer sanften Technologie.

kommt Wild unter anderem zu folgenden, für die Beurteilung der jetzigen Situation in den Wissenschaften so wichtigen Aussagen (Zitate):  

”Die Macht der Naturwissenschaften beruht auf ihrer Wahrheit”.
”Die Wissenschaft hat in den Augen der Öffentlichkeit ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt. 

Der Mann auf der Straße ist heute davon überzeugt, dass man bei jedem Problem für jede Auffassung einen Wissenschaftler gewinnen kann, der sich die gewünschte Auffassung zu eigen macht und sie mit Verve und im Brustton der Überzeugung vertritt. 

Noch schlimmer als dieser Prestigeverlust der Wissenschaft aber ist die allgemeine Unsicherheit, die sich ausgebreitet hat. Der Laie – und auch fast alle Politiker sind in diesem Sinne Laien – weiß, wenn zwei Experten entgegengesetzte Meinungen vertreten, im allgemeinen nicht, wem er glauben soll. Er wird sich oft für die Ansicht entscheiden, die rhetorisch überzeugender vorgetragen wird, oder die seinen Überzeugungen näher steht; noch häufiger wird er eine anstehende Entscheidung hinausschieben mit dem Argument, die Wissenschaft sei sich in der betreffenden Angelegenheit noch nicht entscheidungsreif. 

In Wirklichkeit aber ist in vielen Fällen die Sachlage völlig klar und durch unzweideutige Fakten belegbar; der Dissens kommt nur dadurch zustande, dass der sogenannte ”Experte” der einen Partei von der Sache nichts versteht oder – vor sich selbst legitimiert durch sein Engagement für ein vermeintlich höheres Ziel – bewußt die Wahrheit verschleiert. 

Ich meine, dass diese Situation unerträglich geworden ist und dass die Wissenschaftler in ihrem ureigensten Interesse handeln, wenn sie von der Konfrontationsstrategie abrücken. Wo der Wissenschaftler als Wissenschaftler gefordert ist, muß er sich an das Ethos der Wissenschaft binden und alle anderen Rücksichten und Bindungen demgegenüber zurückstellen. Wenn ein Wissenschaftler befürchtet, dass eine Sachaussage politische Wirkungen haben kann, die er nicht wünscht oder die er sogar für verderblich oder moralisch inakzeptabel hält, dann kann er die Aussage verweigern, aber er darf objektiv unstreitige Sachverhalte nicht verfälschen oder manipulieren. Denn das Ethos der Wissenschaft fordert, dass das Bekenntnis zur Wahrheit allen, aber auch wirklich allen anderen Rücksichten überzuordnen ist”. 

Weiter sagt Wild:
”Bei aller historisch oder sonstwie bedingten Einkleidung muß in den Naturgesetzen ein unbestreitbarer Wahrheitskern enthalten sein. Die Verpflichtung auf das Bekenntnis zur Wahrheit und auf das Bemühen um Unvoreingenommenheit ist deshalb sinnvoll und gerechtfertigt. Wir erreichen zwar die volle Objektivität niemals, aber wir können uns um sie bemühen und wir können ihr nahekommen”. 

”Ich meine, dass wir Wissenschaftler uns auf diese ethische Grundlage unseres Handelns wieder stärker besinnen müssen. Man fordert heute mit Recht eine Ethik der Technik, die uns die Grenzen aufzeigt, die dem Machbaren zu ziehen sind. Wir werden aber schwerlich eine Ethik verantwortlichen Handelns entwickeln können, wenn wir uns nicht auf die Wahrheit verpflichten und wenn wir der Forderung wissenschaftlicher Redlichkeit zuwiderhandeln. Der Zweck hat noch nie die Mittel geheiligt und das Mittel der Manipulation der Wahrheit am allerwenigsten. Bemühen wir uns also um Sachlichkeit, Aufrichtigkeit, Redlichkeit und prüfen wir uns selbstkritisch, ob unsere Aussagen wirklich durch Fakten fundiert sind und nicht aus Vorurteilen entspringen. Wenn wir so handeln, dann wird es zwar noch immer richtige und falsche Aussagen geben, aber die Beeinträchtigung der Glaubwürdigkeit durch eine willentliche Verschleierung, Verstümmelung oder gar Verfälschung der Wahrheit, dieses Problems, das heute die Atmosphäre vergiftet und das Ansehen der Wissenschaft zu ruinieren droht, wird seine Brisanz einbüßen und hoffentlich sogar gänzlich verschwinden”.   

”Die etablierte Wissenschaft gilt nicht länger als eine Institution, die objektiv gültige Erkenntnis zu Tage fördert, sondern als ein Instrument zur Durchsetzung von Interessen der herrschenden Klasse, sie ist in den Streit der Parteien hineingezogen worden.”

Schlußbemerkung
Diesen Äußerungen ist nichts hinzu zu fügen. Die Praxis heutiger “Wissenschaft” belegt, dass  

  • 1)  von den hehren Zielen verantwortungsvollen Handelns in der Wissenschaft sehr stark abgewichen wird und
  • 2)  die negative Wertung der Wissenschaft voll zutrifft. 

Das Bauen betritt Irrwege, die Bauphysik befindet sich in der Sackgasse. Mit der These der ”Pluralität der Meinungen” nistet sich Lug und Trug überall ein. Die Baconsche Aufforderung zur Verwirklichung ”nützlicher” Wissenschaft wird konsequent in eigenem Sinne umgesetzt – von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Administration. DIN mischt kräftig mit. Die einen sind naiv und unwissend genug, dass sie das, was sie da von sich geben, selbst alles glauben, die anderen sind raffiniert und trickreich genug, bei diesem Treiben genügend abzuschöpfen und dabei treuherzig den Biedermann zu mimen. Die Wissenden und Sachkompetenten jedoch werden eliminiert – sie stören nur. 

Die reale Welt des Seins wird ersetzt durch die virtuelle Welt des Scheins. Wissenschaft baut eine pseudowissenschaftliche Märchenwelt auf, die gläubig akzeptiert werden soll. Eloquente Rhetorik vernebelt die Wirklichkeit. Das (manipulierte) Geschäft steht im Vordergrund. Die Tyrannei der Meinungsbildung nimmt immer schlimmere Formen an. Nicht Wissen, sondern ideologische Bekenntnisse sind gefragt. Werden Aussagen widerlegt, erfährt der Kritisierende Beleidigungen und Schmähungen, zumindest aber ignorante Verachtung. 

Kritiker und ”Abweichler” werden sondiert, sortiert, selektiert, isoliert. Ausspruch eines Diplomanden: ”Ich entschuldige mich für meine naive (Wahn-)Vorstellung, ich könne meine Professoren überzeugen. Für meine Diplomarbeit werde ich wohl oder übel entweder total umdisponieren oder lügen müssen”. Dies bezeugt fehlende Einsicht. Es werden Glaubenssätze verbreitet – analog der Scholastik im Mittelalter. Mit Wissenschaft hat dies alles nichts zu tun. 

Hubert Markl sagte in einem Vortrag auf der EXPO in Hannover: ”Lügen und Betrug seien integrale Bestandteile des Forschens”. Wenn im Spiegel vom 23. Febr. 2001 zu lesen steht: ”Der akademische Anstand steht an vielen deutschen Unis nicht mehr sehr hoch im Kurs. Republikweit wird gelogen, betrogen, geschludert und getrickst”, dann ist dies reale Wirklichkeit. 

Nicht umsonst sagt di Trochio in seinem Buch ”Der große Schwindel, Betrug und Fälschung in der Wissenschaft”: ”..., dass die enorme Ausdehnung der Wissenschaft zur Vorherrschaft mittelmäßiger Wissenschaftler über ihre hochgradig kreativen Kollegen führte". Dies hat natürlich Folgen. Auf Eliten ist kein Verlaß mehr. So heißt es bei Hubert Markl: ”Da Eliten gesellschaftliche Vorrechtsrollen sind, ziehen sie nicht nur Leistungsträger, sondern auch Schmarotzer an. Daher tut jede Gesellschaft gut daran, ständig zu überprüfen, ob die, die in bevorzugte Stellungen gekommen sind, dort wirklich und immer noch hingehören”. 

In dieser Frage besteht wohlbegründeter Handlungsbedarf. 

Prof. Dr.-Ing. Claus Meier
Architekt SRL, BayAK
Nürnberg


In der FAZ vom 26. Juli 2000 wird auf der Seite N1 ”Natur und Wissenschaft” eine interessante Meldung gebracht.
Lug und Trug

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl, hat in einem wenig beachteten Vortrag auf der Expo unlängst eine interessante These zum Ethos des Wissenschaftlers aufgestellt. Lüge und Betrug, sagte er, seien integraler Bestandteil des Forschens, ja des menschlichen Handelns überhaupt. Denn nicht für den Erwerb von lexikalischem Wissen habe sich das menschliche Gehirn so hoch entwickelt, sondern zum – möglichst geschickten – Täuschen. Ob diese niederträchtige zweite Natur des Forschers auch bei jenen fränzösischen Biologen zum Tragen gekommen ist, die in einer der Zeitschrift ”Nature” eingereichten Arbeit vorgaben, schon vor fünf Jahren einen Quastenflosser in Indonesien gefunden und fotografiert zu haben? Sie wären damit jedenfalls wesentlich schneller gewesen als ein amerikanischer Kollege, der seinen Fund 1998 in Nature dokumentierte. Mit der abenteuerlichen Behauptung, ihr jetzt eingesandtes Foto vom indonesischen Quastenflosser sei zwischenzeitlich bei dem Umzug eines Wissenschaftlers verloren gegangen, wollten die Franzosen ihre Verspätung entschuldigen. Wie die Analyse des Fotos jedoch zeigte, handelt es sich bei dem ”fränzösischen” Fund offensichtlich um das gleiche Exemplar wie auf dem Bild des amerikanischen Biologen. Dessen Foto war vermutlich kopiert und mit Computerhilfe auf einen vermeintlich authentischen Marktstand montiert worden. Die Gutachter verhinderten die Veröffentlichung. Damit ist scheinbar auch Markls zweite, auf der Expo präsentierte These bestätigt, wonach die Wissenschaft zwar betrügerische Motive kenne, zugleich auch das beste System darstelle, die schwarzen Schafe zu überführen. Ein Fragezeichen bleibt trotzdem. Denn über die vielen gelungenen Täuschungsmanöver, die durch voreiliges Handauflegen der Gutachter gedeckt werden, dringt natürlich selten etwas an die Öffentlichkeit. Jom

Immerhin wird konstatiert, dass es viele gelungene Täuschungen gibt, die gutachterlich gedeckt werden und die selten an die Öffentlichkeit dringen. Es gilt also, in der Wissenschaft Lug und Trug aufzudecken und die schwarze Schafe zu überführen, die, unterstützt und gedeckt durch Claqueure, mit krimineller Energie ihr Dasein ausfüllen und Einkommen maximieren. Es handelt sich dabei in der Mehrzahl um empirische Forschungen, die besonders mit Datenmanipulationen und daraus abgeleiteten verwegenen Behauptungen operieren; hier das Falsche nachzuweisen, erfordert akribisches Arbeiten und dauert seine Zeit. Wenn dagegen Naturgesetze, die Mathematik und die Logik herangezogen werden können, dann ist es sehr einfach, Betrüger zu entlarven.

Damit man weiß, worüber geredet wird, muß zunächst geklärt werden, was nun unter Betrug zu verstehen ist; das Strafgesetzbuch gibt darüber Auskunft:

§ 263 Betrug
(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(3) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

Wichtig für den Betrug ist also: Vorspiegelung falscher sowie die Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen, die zu einem Irrtum führen. Dies sind eindeutige Kriterien.

Die ”offizielle Bauphysik und der ”offizielle Gebäudewärmeschutz” wimmelt nur so von derartigen Delikten. An dieser Stelle sei an das Buch, ebenfalls von Hubert Markl, erinnert: ”Wissenschaft: zur Rede gestellt. Über die Verantwortung der Forschung”, R. Pieper Verlag, München 1989, Serie Pieper – Aktuell, in dem u. a. folgende Aussagen gemacht werden:

(A) Die Förderung der Wissenschaft erfolgt aus einen völlig anderem Grunde, als die leider seit Francis Bacon nur allzu naheliegende, aber fatal in die Irre führende Folgerung, es gelte vor allem, nützliche Wissenschaft zu fördern.

(B) ..., wie auch die Wirtschaft Forschung und Entwicklung in noch erheblicherem Umfange fördert: im wohlverstandenen eigenen Interesse.

(C) Die Freiheitsgarantie des Art. 5 Absatz 3 GG ist die Anerkennung der Tatsache, dass es ein unveräußerliches Recht des Menschen ist, nach Erkenntnis zu streben.

(D) Wissenschaftsfreiheit bedeutet, dass niemand, nicht einmal die Staatsmacht, anordnen kann, was als wahr zu gelten hat.

(E) Ethische Normen muß man nicht neu entdecken, man muß sie nur immer wieder aufs neue anzuwenden bereit sein.

(F) Auch die Aufbewahrung und getreue Wiedergabe der bisher bewährten Methoden und Ergebnisse gehören zu den Aufgaben der Wissenschaft.

(G) Um die Wirklichkeit der Welt, in der wir uns befinden, aufzuklären, ist diese kritischrationale oder hypothetico-deduktive Methode offenkundig unschlagbar.

(H) Gegenüber bloßer Meinung oder dem Glauben aus Hörensagen muß sich eine Behauptung von wissenschaftlichem Anspruch dadurch auszeichnen, dass sie sich erstens überprüfen läßt und dass sie zweitens solch kritischen Überprüfungen standhält, d. h., dass sie sich bewährt.

(I) Bekenntnis begründet in der Wissenschaft keine Erkenntnis.

Wenn derartige Mahnungen ausgesprochen werden, dann geschieht dies nicht ohne Grund. Der z. Zt. praktizierte Wissenschaftsbetrieb entfernt sich immer mehr von seiner eigentlichen Aufgabe der Wissensmehrung und Erkenntniserweiterung.

Dies wird auch in Di Trocchio, F.: Der große Schwindel, Betrug und Fälschung in der Wissenschaft. Campus Verlag Frankfurt/ Main New York, 2. Auflage 1995, sehr deutlich; hier einige Auszüge:

[A] Karl Popper widerlegte die Überzeugung, es sei immer möglich, den Beweis zu erbringen, dass etwas wahr oder falsch ist. Popper zeigte, dass immer nur der Beweis dafür möglich ist, dass etwas falsch ist, während es sich nie letztgültig beweisen läßt, dass etwas wahr ist. Dies bedeutet, dass alle wissenschaftlichen Theorien, die wir für wahr halten, nicht deshalb als wahr betrachtet werden können, weil ihre Wahrheit wirklich bewiesen worden ist, sondern nur, weil es den Wissenschaftlern, die sie formuliert haben, gelungen ist, ihren Kollegen und uns glaubhaft zu machen, dass sie wahr seien. Normalerweise schließt das die Verwendung mehr oder weniger schwerwiegender Fälschungen und Tricks mit ein, die jedoch nicht als solche erkannt werden, oder wenn, dann erst nach langer Zeit.

[B] Nach allgemeiner Auffassung hingen die großen Erfolge der modernen Wissenschaft mit der seit Galilei angewandten deduktiven Methode zusammen. Sie bestand in dem 3 kombinierten und umsichtigen Einsatz von Beobachtung, Logik, Mathematik und Experiment.

[C] ..., dass die Forschung nach den Kriterien der pragmatischen Effizienz- und Managerlogik organisiert wurde, wie sie für die amerikanische Gesellschaft typisch ist.

Dies sind deutliche Worte, die für die ”heutige Wissenschaft” ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Die jetzigen Ziele decken sich nicht mehr mit den früheren; sie unterliegen den Kriterien einer pragmatischen Gewinnmaximierungs-Ideologie und haben mit Lauterkeit, Wahrhaftigkeit und Integrität kaum mehr etwas zu tun. Effizienz- und Managerlogik gehorcht weniger ethischen, sondern mehr gewinnträchtigen Vorstellungen.

Auch in einem anderen Buch charakterisiert Di Trocchio unmißverständlich die Situation in der Wissenschaft: Newtons Koffer, Geniale Außenseiter, die die Wissenschaft blamierten. Campus Verlag Frankfurt/Main New York, 1998. Auch hier einige Aussagen:

[a] Wissenschaftler mit abweichender Meinung riskieren heute, die Finanzmittel und die für ihre Arbeit erforderlichen Instrumente zu verlieren, ganz zu schweigen von der Möglichkeit, ihre Ideen bekannt zu machen und zu verbreiten. Aber wenn nonkonformistische Wissenschaftler ihre Karriere riskieren, riskiert die westliche Gesellschaft Stagnation, oder, schlimmer noch, technologischen Rückschritt.

[b] Viele vorgebliche Wissenschaftler halten es für gerechtfertigt, eine totale Kontrolle über das Wissenschaftssystem auszuüben. Diese Anmaßung, die heute allgemein für legitim gehalten wird, droht die Wissenschaft ihrer besten Köpfe zu berauben. Allzu häufig gründet sich das Verdikt gegen innovative, die "Kompetenz" der Experten übersteigende Ideen, sie seien unmöglich oder nicht schlüssig, allein auf diese Anmaßung und nicht auf reale und streng wissenschaftlich Argumente.

[c] Dabei bilden Wissenschaftler (häufig unsichtbare) Tribunale, die ebenso, wenn nicht sogar grausamer als die Inquisition sind. Es bleibt nur der Schluß, dass heute die Intoleranz der Religion durch die Intoleranz der Wissenschaft ersetzt worden ist.

Dies sind nun keine Vermutungen mehr, sondern leider knallharte Realität. Dabei entpuppt sich die Informationsgesellschaft immer mehr zu einer Desinformationsgesellschaft.

Dies beschreibt Karl Steinbuch in: Maßlos informiert. Die Enteignung unseres Denkens, Goldmann Sachbuch 11 248, 11/79:

(1) Uns werden ständig Fortschritte eingeredet, die sich in der Wirklichkeit als schwerwiegende Rückschritte erweisen.

(2) Wo Begriffe und Strukturen verflüssigt werden, versinkt man im Sumpf.

(3) Die wichtigste Voraussetzung des Informationstrainings ist eine solide sprachliche, logische und erfahrungswissenschaftliche Schulung. Mit ihr durchschaut man leichter die semantischen Betrügereien.

(4) Kants Aufforderung, sich seines eigenen Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen, war ein Appell zur geistigen Freiheit. Aber in unserer Zeit wurde die Massenkommunikation zum Instrument der Steuerung des eigenen Verstandes und behindert dessen autonomen Gebrauch.

(5) Die meisten politischen Entscheidungen - besonders demokratisch legitimierte Entscheidungen - beruhen auf intuitiven Urteilen und sind deshalb häufig falsch.

(6) In unserer Zeit kommt erstaunlicherweise wieder die archaische Methode auf: die Behauptung, man sehe die Zukunft voraus und wisse, welches Verhalten für sie notwendig ist. Wenn man dieses oder jenes nicht tue - so beschwören uns manche Futurologen - träten katastrophale Folgen ein. Um dieses jedoch abzuwenden, müsse man einfach das tun, was sie vorgeben, es ginge ja um das Überleben schlechthin.

(7) Unsere Freiheit hängt davon ab, ob die politische Organisation anstrebt, dem einzelnen möglichst viel Entscheidungsspielraum zu belassen oder ob sie anstrebt, möglichst viel durch Bürokratie zu erzwingen.

(8) Es ergibt sich zwangsläufig aus dem gegenwärtigen Umgang mit der Information, der - ähnlich dem Umgang der Alchimisten mit ihren Elixieren - mit Verstand und Verantwortung wenig, mit Unverstand, Täuschung und Betrug aber viel zu tun hat. Wir werden zugleich informiert, verwirrt und betrogen, wir sehen kaum mehr die Wirklichkeit, fast nur noch Kulissen und Spiegelbilder.

(9) Wir nähern uns .... der Situation, in der die Massenmedien zur Dressur der Massen mißbraucht werden.

(10) Aber Information kann auch das Bewußtsein verwirren und die Menschen gegeneinander aufhetzen.

(11) Und sollte mal einer wagen, diesen Skandal der gegenwärtigen Informationsproduktion, dieses Mißverhältnis von Macht und Moral zur Sprache zu bringen, dann zeigen sie ihm, was eine Harke ist.

(12) War früher die geistige Entwicklung durch immer bessere Unterscheidungen bestimmt, so dominiert in unserer Zeit eine gigantische Simplifikationsmaschine.

(13) So bilden sich Clans gegenseitiger Zustimmung, Bestätigung, Hochlobung und Prämierung - und gemeinsames Abblocken gegenüber Kritikern dieses Privilegs.

(14) ....dass am Ende der ”Demokratisierung” regelmäßig die Herrschaft der Demagogen und Funktionäre steht.

(15) Aber mancher Sprachgebrauch der letzten Jahre ist nur als Mittel gewollter babylonischer Sprachverwirrung zu verstehen - wobei diese Verwirrung häufig zur Tarnung sehr bewußter Zwecke dient.

(16) ....wir leiden auch unter informellen Übeln, beispielsweise unter stumpfsinniger Arbeit, Irreführung und Lüge, Mißtrauen, Einschränkung der geistigen Freiheit, fehlender menschlicher Kommunikation und moralischer Ausbeutung.

(17) Es entsteht eine Massenkommunikation, der es in erster Linie darum geht, mit Information Geld und Macht zu gewinnen.

(18) Die Ablösung der öffentlichen Meinung von der veröffentlichten Meinung.

(19) Man übersieht aber leicht die viel schlimmere Entfremdung des Menschen von ”seiner” Meinung, die tatsächlich nicht mehr seine Meinung ist, sondern von anderen professionell produziert wird.

(20) Hier wird Bewußtsein enteignet.

(21) Die Pluralität der Meinungen in den Massenmedien schafft Rechtfertigung für fast alle Verrücktheiten unserer Zeit und vernachlässigt das ”Normale”, auf dessen Existenz unser Zusammenleben beruht.

Wenn ”Neoliberalismus” alle tradierten Dämme bricht, dann ist Umdenken der einzige Weg. Deshalb wird es immer zwingender, letztendlich wieder zu einer Phase der Aufklärung zu kommen. Diese Notwendigkeit beschreibt Neal Postman in seinem Buch: Die zweite Aufklärung, vom 18. ins 21. Jahrhundert. Berlin Verlag 1999. Hier einige fundamentale Aussagen: 5

(a) Der Schlüssel zum 21. Jahrhundert könnte in den Erkenntnissen des 18. Jahrhunderts liegen.

(b) Vor zweitausenddreihundet Jahren dachten sich Pädagogen ein Unterrichtsmodell aus, das den Zweck verfolgte, Studenten dazu zu bringen, sich sowohl gegen die Verführungskunst der Eloquenz wie gegen den Reiz des Unsinns zur Wehr zu setzen. Im Mittelalter wurde dieses Modell formalisiert und unter dem Namen "Trivium" bekannt. Es bestand aus Logik, Rhetorik und Grammatik.

(c) Die intellektuelle Kraft, Ehrlichkeit, Klarheit, Courage und selbstlose Wahrheitsliebe der begabtesten Denker des achtzehnten Jahrhunderts sind bis heute ohne Parallele.

(d) Aussagen (die Welt der Wörter) können die Realität (die Welt der Nicht-Wörter) beschreiben, wenn dies mit Klarheit, Logik und geistiger Strenge geschieht und es ist möglich, die Struktur der Realität mit ausreichender Genauigkeit aufzudecken und zu verstehen, wie sie funktioniert.

(e) Ist eine repräsentative Demokratie noch voll funktionsfähig, wenn das Denken ihrer Bürger nicht der Disziplinierung durch das gedruckte Wort ausgesetzt ist? Die Einpeitscher digitaler Verfahren scheren sich um diese Frage nicht. In ihrem unbesonnenen und aggressiven Optimismus schauen sie nur nach vorn in Richtung einer Welt, in der man leicht und schnell an Informationen herankommt. Das reicht ihnen schon. dass die für den Druck charakteristischen langsameren, linearen, nachdenklichen Formen der Informationsverarbeitung für eine Erkenntnisphilosophie, eine Geisteshaltung, eine bestimmte Art der Einordnung von Wissen stehen, ist ihnen nicht geläufig.

(f) Wie kann man mehr Informationen schneller und in verschiedenartigeren Formen zu mehr Menschen bringen. Mit der Lösung wurde ein anderes, bisher noch nie dagewesenes Problem geschaffen: die Informationsschwemme, den Informationsmüll, die zweck- und sogar sinnlose Information.

(g) Schließlich sind Unternehmen geblendet von den Möglichkeiten, die sich aus der Nutzung neuer Technologien ergeben, und ganz mit Strategien beschäftigt, um ihre Profite zu maximieren.

(h) Man sollte aus dem Geschäft mit der Information aussteigen und sich im Geschäft mit dem Wissen engagieren. Wer über Wissen verfügt, weiß, wie er Informationen einzuschätzen hat, ... und vor allem weiß er, wenn Informationen irrelevant sind.

(i) Die Medien sagen uns nur, was wir denken sollen. Wichtig ist jedoch, das wir erfahren, was wir wissen müssen, um zu denken. Das ist der Unterschied zwischen bloßer Meinung und Erkenntnis. Es ist auch der Unterschied zwischen Dogmatismus und Bildung. Eine Meinung kann jeder Dummkopf haben; zu wissen, was man wissen muß, um sich eine Meinung zu bilden, ist Erkenntnis.

(j) Wissen allein genügt nicht, Erkenntnis gehört dazu. Man kann über eine Menge Wissen über die Welt verfügen und dabei doch gänzlich ohne Erkenntnis sein. Bei Naturwissenschaftlern, Politikern, Unternehmern, Universitätsleuten und sogar bei Theologen ist das oft der Fall. Wissen muß mit Hilfe des Rückgriffs auf anderes Wissen beurteilt werden, und darin liegt der Kern der Erkenntnis.

Wie man sieht, es gibt genügend Beispiele, die die intellektuelle Welt von heute nicht gerade als lobenswert charakterisieren. Als Fazit kommt nichts Gutes heraus. Es muß deshalb wieder ein Weg beschritten werden, der verantwortungsvoll in die Zukunft blickt und das gegenwärtige geistige Gezerre, mit Lug und Trug überzogen, überwindet.


Widersprüche im Wärmeschutz
von Prof. Claus Meier

In der Zeitschrift für integratives Gebäudemanagement, USV-Technik, Energie- und Facility- Management erschien in Ausgabe 2, April 2000 der folgende Artikel (Abbildungen hier nicht dargestellt):

Die allgegenwärtige k-Wert Euphorie

Die Umsetzung des Wärmeschutzes mit seinen erhöhten Anforderungen an die Gebäudedämmung wird immer aufwendiger und schwieriger. Eine bauphysikalische und wirtschaftliche Ausgewogenheit darf durch vermehrtes Auftreten methodischer Widersprüche bezweifelt werden.
Der Wärmeschutz von Gebäuden entwickelt sich einseitig und recht fragwürdig. Die wahrnehmbaren Trends müssen deshalb immer auf ihre Plausibilität hin analysiert werden. Dabei geht es weniger um die Berücksichtigung veröffentlichter Meinungen, sondern ausschließlich um die Einbeziehung gesicherten Wissens. Naturgesetze, Mathematik und formale Logik bilden die Grundlage; die Aufforderung Kants, sich seines Verstandes ohne Leitung durch einen anderen zu bedienen, liefert die Handlungsanweisung.
Ein allgemein verbreiteter Trugschluß in unserer „Informationsgesellschaft„ besteht doch im Glauben, Meinung sei Wissen. Dabei sind dies doch drei völlig unterschiedliche Begriffsinhalte mit verschiedenartiger Bedeutung und Zuordnung.
Der Schein ersetzt also oft das Sein; bereiten wir uns also auf so manche Überraschung vor, denn viele Vorstellungen erweisen sich als Trugschluß. Die Transparenz und die Vollständigkeit einer In-formation wird deshalb zur Pflichtaufgabe eines jeden Anbieters, denn Enttäuschungen führen zu blamablen Folgen – das Vertrauen ist beschädigt.
 

Gültigkeit des k-Wertes

Die Transmissionswärmeverluste der Außenhülle eines Gebäudes werden in den vorgeschriebenen Berechnungen ausschließlich durch den k-Wert quantifiziert, der jedoch nur für den Beharrungszustand, für stationäre Verhältnisse gilt, also nur die Dämmeigenschaft einer Konstruktion beschreibt. In unseren Breitengraden liegen jedoch wegen der 24 stündigen Solarstrahlungs-Periode ständig instationäre Verhältnisse vor, so dass die Speichereigenschaft der Außenwand ebenfalls zum Tragen kommt.
Bei gut speicherfähigem Material stellt sich der Beharrungszustand, also der stationäre Zu-stand, infolge der Wärmeträgheit erst recht langsam ein. Nach Cammerer liegt die dafür not-wendige Zeit bei weit über 24 Stunden (siehe Abbildung 1). Der Beharrungszustand ist in Realität also eine Fiktion – nur in Klimakammern läßt er sich simulieren.

Speichern und Dämmen

Die Absorption direkter und diffuser Solarstrahlung durch Außenwände wird sogar durch Feist mit der Abbildung 2 in seinem Beitrag „Dämmen oder Speichern„ bekräftigt. Allerdings ist seine darin gemachte Aussage: „Die Speicherfähigkeit der Wand spielt in der Praxis keine Rolle", absolut falsch, denn Richtung und Größe eines Wärmestromes werden durch die Nei-gung der Temperaturkurve, dem Temperaturgradienten, gekennzeichnet. Somit führt die gezeigte Temperaturkurve zu einem Wärmefluß von außen zur Mitte der Wand. Die höhere Temperatur auf der Innenseite führt ebenfalls zu einem Wärmefluß in Richtung Mitte, der jedoch von dem von außen entgegenkommenden Wärmestrom gestoppt wird. Die Außenwand wird von zwei Seiten mit Energie aufgeladen, die eingespeicherte Energie kann während der Aufladungsphase am Tage nicht nach außen abfließen und wird "gestapelt"; sie steht als Energiereserve für die Entladungsphase in der Nacht zur Verfügung.
Eine speicherfähige Außenwand vereinnahmt insofern wertvolle Sonnenenergie kostenlos und stoppt den stationären Transmissionswärmeverlust von innen nach außen; Dies ist der bedeut-same Vorteil einer speicherfähigen, massiven Außenwand. Die Heizungsanlage wird dadurch entscheidend entlastet, wesentliche Einsparungen sind die Folge.
In unseren Breitengraden besteht Wärmeschutz deshalb aus Dämmung und Speicherung. Bei der transparenten Wärmedämmung und auch beim Massiv-Absorber werden die Speichereigenschaften hoch gelobt, warum geschieht dies dann nicht bei der massiven Außenwand?
Mit dem k-Wert wird somit fundamental falsch gerechnet. Dies benachteiligt den speicherfähigen Massivbau, der nun jedoch aufgrund der fehlerhaft berechneten großen k-Werte als „energieverschwendend„ bezeichnet wird und demzufolge energetisch „aufgerüstet„ werden soll. Die Energieeinsparverordnung soll dies erzwingen. Eine falsche Berechnung führt zu fal-schen Aussagen – und damit zu falschen Maßnahmen. dass damit neben vielen anderen Nachteilen auch Feuchteschäden einhergehen, sei nur am Rande vermerkt.

Fehlinterpretation

Diese Fehlentwicklung im Mauerwerksbau wird kurioserweise nun auch noch durch eine Fehlinterpretation der Thermografie scheinbar gestützt. Eine Infrarot-Kamera z. B. mißt die Wärmestrahlung, die maßgebend von der absoluten Temperatur der strahlenden Oberfläche abhängt. Je höher die Temperatur, desto höher die Strahlung. Dieses Naturgesetz wird in der Thermografie jedoch arg und listig fehlgedeutet. Infolge absorbierter Solarstrahlung werden Oberflächentemperaturen bis zu 30°C erreicht, die dann gegenüber den kalten Oberflächen z. B. eines Wärmedämmverbundsystems besonders intensiv strahlen. Und nun wird eilfertig ge-schlußfolgert: „Schlechte k-Werte bedeuten große Wärmeverluste„. Geflissentlich wird ver-schwiegen, dass die abgestrahlte Energie von der Sonne und nicht vom Heizsystem des Ge-bäudes stammt (siehe Abbildung 2). Selbst Greenpeace unterliegt diesem simplen Trick - und startet eine bundesweite Thermografie-Tour, um „Wärmelecks„ aufzuspüren – arme, bedauernswerte Aktivisten, die einer Mär auf den Leim gehen.

Wirtschaftlichkeitsgebot

Soll nun fälschlicherweise trotzdem ein Beharrungszustand angenommen werden, dann erfolgt die nächste Informationsselektion. Die Hyperbelform der k-Wert-Funktion (siehe Abbildung 3) katapultiert die im Wärmeschutz geforderten kleinen k-Werte in uneffiziente Bereiche. Die Nachhaltigkeit ist nicht mehr gegeben, weil zusätzliche Energie kaum noch eingespart werden kann - das ist unwiderlegbare Mathematik. Es ergeben sich bei unterschiedlichen Dämmstoffdicken folgende Wärmedurchgangskoeffizienten:

•    5 cm Dämmstoff ergeben einen k-Wert von 0,8 W/m²K
•  10 cm Dämmstoff ergeben einen k-Wert von 0,4 W/m²K
•  20 cm Dämmstoff ergeben einen k-Wert von 0,2 W/m²K
•  40 cm Dämmstoff ergeben einen k-Wert von 0,1 W/m²K
Die Verdoppelung der Dämmung führt zu einer Halbierung des k-Wertes.

Im Energieeinsparungsgesetz als Ermächtigungsgrundlage zum Erlaß der Wärmeschutzver-ordnung werden Nachhaltigkeit und Effizienz zwingend gefordert (EnEG, § 5). Deshalb wird auch ständig behauptet, die Wirtschaftlichkeit sei gegeben. Rechnerische k-Werte von 0,5 bis 0,6 sind noch leicht und mit geringem Aufwand wirtschaftlich zu realisieren, dagegen bedeutet die konstruktive Umsetzung von kleineren k-Werten einen unverhältnismäßig hohen Aufwand, welcher zur Unwirtschaftlichkeit führt. Die großen Dämmstoffdicken sind nach dem EnEG somit gesetzwidrig, da sie nicht wirtschaftlich zu realisieren sind; wer etwas anderes zu beweisen versucht, präsentiert Mogelpackungen.
Gesetz geht vor Verordnung. Also muß sich der Planer gesetzestreu verhalten und Super-dämmungen ablehnen; dies ist er gemäß Berufsordnung auch seinem Bauherren gegenüber schuldig. Seine Verordnungstreue kann er untermauern, indem er die Befreiung z. B. nach § 17 "Härtefälle" beantragt. Man muß diesen Dämmwahn also nicht mitmachen.
Mit dem „Passivhaus„ von Feist werden Dämmstoffdicken von 40 cm Dämmstoff empfohlen. Überall läuft die Meinungsmanipulation auf vollen Touren, sie bedeutet jedoch eine exzellente Fehlinformation des Kunden.
Äpfel mit Birnen
In fast jedem Aufsatz über das Energiesparen heißt es: „Die Raumheizung umfaßt 30 % des Gesamtenergieverbrauches der BRD„. Dies stimmt nicht. Die Basis dieser 30 % (vielleicht auch besser 25 %) bilden die fünf „Endenergieverbrauchssektoren„:

•   Haushalte
•   Kleinverbraucher
•   Industrie
•   Straßenverkehr
•   Übriger Straßenverkehr

Diese entsprechen etwa einem Drittel der „Gesamtenergie„ (einschließlich der Umwandlungsverluste). Damit schrumpfen die 30 % zu etwa 10 % zusammen (siehe Abbildung 4; Daten für die alten Bundesländer). Mit Statistik läßt sich trefflich manipulieren.
Gleichzeitig wird dann noch von einer 25 bis 30 % igen Energieeinsparung gesprochen, die bei Einführung der novellierten Wärmeschutzverordnung eintreten würde. Jeder Leser denkt nun: 25 bis 30% von 30 % ,das ist doch eine gewaltige Menge. Mitnichten, denn die 25 bis 30 % beziehen sich auf das Anforderungsniveau der Verordnung; hier werden ganz simpel Äpfel mit Birnen verglichen. Die völlige energetische Belanglosigkeit einer Novellierung wurde bereits mit der Einführung der Wärmeschutzverordnung 1995 nachgewiesen. Bei ei-nem Heizenergieverbrauch von ca. 2000 PJ pro Jahr erbringt der Sprung von der WSchVO 1982 zur WSchVO 1995 knapp 14 PJ; dies sind 0,7 %, also ein Nichts. Grafisch läßt sich der Gewinn überhaupt nicht darstellen – für fünf Jahre wären es dann rund 70 PJ; gegenüber dem Gesamtverbrauch ebenfalls ein Nichts, dafür müssen dann aber Mehrkosten von 25 Mrd. DM aufgebracht werden (siehe Abbildung 4).
Mit der EnEV 2000 wird gegenüber der WSchVO 1995 jedoch nominell noch weniger Energie und damit CO2 eingespart – hier dann wiederum von einer maßgebenden CO2-Entlastung der Umwelt zu sprechen, ist ein baupolitischer Skandal. Der Kunde wird in Sachen Energieeinsparung permanent falsch und irreführend informiert.

Mehrkostennutzenverhältnis

Bei der Einführung der Wärmeschutzverordnung 1995 hieß es: Damit werden bei nur 2 bis 4 % Mehrkosten etwa 30 % Energie eingespart. Man bedenke:

Etwa 30 % Energieeinsparung für nur ca. 3 % Mehrkosten, wer ist da nicht begeistert?

Die absoluten Zahlen allerdings sind ernüchternd. Der durchschnittliche Heizenergiebedarf der WSchVO 1982 lag bei 150 kWh/m²a. Davon 30 % bedeuten 45 kWh/m²a bzw. 4,5 Liter Heizöl und damit etwa 2,70 DM/m²a Heizkosteneinsparung. Bei angenommenen 2000 DM/m² Baukosten (sehr niedrig angesetzt) würden 3 % dann 60 DM/m² Mehrkosten ausmachen. Das Mehrkostennutzenverhältnis (MNV) beträgt damit 60 : 2,70 = 22 und dies bedeutet das wirtschaftliche Fiasko.
Jeder Betriebswirt kann dies bestätigen. Als wirtschaftlich gilt etwa ein MNV von 8 bis 12, als unwirtschaftlich ein MNV von ca. 15 und die Divergenz wird etwa mit einem MNV von 20 erreicht (Maßnahme amortisiert sich nie).
Die Unwirtschaftlichkeit der Gebäudehülle wird damit zum Normalfall – und dies schon bei der Wärmeschutzverordnung von 1995. Wieviel schlimmer wird es erst bei Einführung der EnEV 2000. Der Kunde wird nur gehörig zur Kasse gebeten, von Umweltentlastung kann je-doch keine Rede sein.
Weitere Fehleinschätzungen
Diese stationäre Betrachtungsweise im Gebäudewärmeschutz führt zu weiteren Unzulänglichkeiten und Absurditäten wie:

•   Einbeziehung des A/V-Verhältnisses als Maß für das Anforderungsniveau,
•   fehlerhafte Behandlung von Wärmebrückeneffekten,
•   fehlende Berücksichtigung eines temporären Wärmeschutzes (Rolladen, Jalousien),
•   widersprüchliche Regelungen eines notwendigen Lüftungsbedarfes,
•   Begründungen zur Luftdichtheitsprüfung (Blower-Door-Messung),
•   und den daraus entstehenden Folgen:
•   kostenintensive Ersatzmaßnahmen für Überheizungen infolge fehlender Wärmeträgheit des Gebäudes (Notwendigkeit des Kühlens),
•   hohe Bauschadensanfälligkeit der Leichtbauweise infolge sorptionsverhindernder und diffusionsbehindernder Schichten,
•  Gesundheitsgefährdung der Bewohner durch Schimmelpilzbildung,
•  Häufung der Feuchteschäden durch Abschottung von der Solarenergie (z. B. Algenbildung bei Wärmedämmverbundsystemen).

Fazit

Trotz dieser klaren Fakten sollen nach dem Willen der Bundesregierung wahre Dämmstoffhalden eingebaut werden, bar jeder bautechnischen Vernunft - und wer entsorgt eigentlich in Zukunft diesen Sondermüll?
Oft wird zur Durchsetzung dieser unwirtschaftlichen "Dämmstoffhäuser" als Druckmittel auch die Finanzierung mißbraucht; bei Unterschreitung der Anforderungen gibt es Fördermittel. Damit werden jedoch Steuergelder nutzlos verschwendet – zumindest nutzlos im Sinne einer Umweltentlastung. Auch Bußgelder (EnEV 2000, § 18) sind vorgesehen, um eine „Nichterfüllung„ in den Bereich einer Ordnungswidrigkeit zu rücken. Es wird alles unter-nommen, um diesen bautechnischen k-Wert-Unfug durchzusetzen. Die Wissenschaft bemüht sich dabei weniger um Erkenntnisse, sondern liefert lieber Bekenntnisse und konzentriert sich dabei mehr auf die Produktion Verwirrung stiftender Meinungen.
Weil all diese Gebäudedämmaktivitäten, die voller Widersprüche stecken, rational nicht zu begründen sind, werden in der Bevölkerung Ängste geschürt. Die Klimakatastrophe, der sorglose Lebensabend, das Ozonloch, die Überschwemmung weiter Landstriche, all dies muß herhalten, damit Geschäfte blühen, die, und das ist das Widersinnige und Betrügerische, auf diese „Bedrohungen„ der Umwelt kaum einen Einfluß haben. Wenn Naturgesetze, Mathematik und formale Logik ernst genommen werden, zeigt sich der angeordnete Wärmeschutz als ein mühsam errichtetes und krampfhaft abgestütztes Kartenhaus, das bei rationalem Denken und Handeln längst zusammengestürzt wäre. Die Täter-Opfer-Diskussion wird nicht ausbleiben.


Widerwärtige Aktivitäten

Wenn, wie beim Gebäudewärmeschutz, gegensätzliche Aussagen vorliegen, dann müssen nach Karl Raimund Popper die Argumente entweder widerlegt - oder akzeptiert werden. Naturgesetze und die Logik sind hierfür die richtigen Arbeitsmittel. Die immer wieder festzustellende übliche Art des Widersprechens hilft hier nicht weiter; sie deckt nur die Hilflosigkeit und/oder die mafiaähnliche Vernetzung der offiziellen Bauphysik auf, die, durch Drittmittel bedingt, industrieorientiert arbeitet. Fehlen bei vorgebrachter Kritik die Sachargumente, dann werden diese meist durch Beleidigungen und Verleumdungen ersetzt - untrügliche Zeichen berechtigter Kritik.

Die überall vorgebrachten und zu lesenden Argumente offizieller Organe für die jetzige bautechnische Entwicklung bis hin zum sogenannten Energiesparhaus mit dem Superdämmwahnsinn können alle ausnahmslos widerlegt werden. Sie beruhen auf falschen Annahmen. Denkfehlern und Irrtümern. Manipulationen der Baufachwelt stehen dann notgedrungen im Vordergrund. Fachzeitschriften reproduzieren all dies und DIN mischt dabei fleißig mit.

Grundsätzlich muß zum Thema Gebäudewärmeschutz folgendes vorausgeschickt werden:

1) Bautechnisch-konstruktive Lösungen müssen sich immer nach dem Klima richten.

Im mediterranem Raum wird nachhaltig massiv mit speicherfähigen Materialien gebaut. Die Sonnenstrahlung ist derart intensiv, dass man sich davor schützen muß. Auch für die nächtlichen Abkühlungen ist der Massivbau hervorragend geeignet, da er die am Tage aufgenommene Energie dann in der Nacht wieder abgeben kann. Innen herrscht ein ausgeglichenes, angenehmes Raumklima.

Im hohen Norden mit sehr geringer (oder keiner) Sonneneinstrahlung werden mehr die "Leicht"-Konstruktionen mit guter Dämmwirkung erforderlich. Das Iglu (Schnee ist ein schlechter Wärmeleiter) kann hier als ein traditionell bedingtes Beispiel angeführt werden.

Wir in Mitteleuropa liegen dazwischen und brauchen beides. Die Speicherwirksamkeit und Dämmfähigkeit einer Außenkonstruktion. Dies hat Sinn und hat sich demzufolge bauhistorisch auch so entwickelt.

2) Der Wärmeschutz eines Gebäudes in unseren Breiten setzt sich also aus der Speicherung und der Dämmung zusammen. Dies wurde in früheren Zeiten auch dadurch berücksichtigt, dass für die bauphysikalische Bewertung neuer Konstruktionen zwei Merkmale angegeben wurden: die "gleichspeichernde Ziegeldicke" und die "gleichdämmende Ziegeldikke". Die Speicherfähigkeit einer Außenkonstruktion war ein bedeutender Aspekt und grundsätzlicher Bestandteil einer Außenkonstruktion.

Die Speicherung wird günstiger bei schweren, massiven Baustoffen, die Dämmung wird günstiger bei leichten, porösen Baustoffen. Eine solide Mischung beider Eigenschaften schafft in unseren Breiten gesunde Wohnverhältnisse und spart Energie. Warum?

3) Irrigerweise beschränkt sich der heutige Wärmeschutz eines Gebäudes nur auf die Dämmung der Außenwand, die durch den allgegenwärtigen k-Wert manifestiert wird. Die segensreiche Speicherung der Außenwand wird dabei völlig negiert. Auch die Solarstrahlung, die wesentliche Energieeinsparungen, sogar kostenlos, erzielt, wird beim k-Wert unberücksichtigt gelassen.

Und dies kommt so: Die Fouriersche Wärmeleitungsgleichung, auf die man sich bei der Berechnung der Transmissionswärmeverluste einer Außenwand immer beruft, besteht aus fünf Teilen, die folgende Merkmale beschreiben:

a) die Speicherfähigkeit des Baustoffes,
b) Die Wärmeleitung in den drei Richtungen innen-außen, oben-unten und seitwärts, wobei die beiden letzteren unberücksichtigt bleiben, so dass nur die Richtung innen-außen verbleibt.
c) Die Solarstrahlung als sonstige Wärmequelle.

Diese allgemeine, für den instationären Zustand zutreffende Gleichung wird nun für den stationären Zustand durch die mathematische Operation einer "Nullsetzung" völlig verwandelt. Einzig aus dieser Verwandlung resultiert dann der nur für den Beharrungszustand geltende k-Wert, der bei allen Energiebedarfsberechnungen die Grundlage bildet. Diese Nullsetzung der allgemeinen Gleichung hat jedoch für die Energiebilanz einer Außenwand und damit für die tatsächlichen Transmissionswärmeverluste verheerende Folgen:

a) Die Speicherfähigkeit wird null; d. h., der k-Wert berücksichtigt nicht diese in unseren Breiten so wertvolle Eigenschaft einer Außenwand als Energie-Absorber.
b) Es wird damit eine konstante Wärmestromdichte, die ja bei jeder Temperaturberechnung die Grundlage bildet, angenommen bzw. vorausgesetzt. Die Realität einer massiven Außenwand zeigt jedoch überall in Größe und Richtung unterschiedliche Wärmestromdichten, so dass der k-Wert nur eine rechnerische Fiktion ist.
c) Auch die Solarstrahlung wird mit null angenommen. Dies aber kann nur in der Klimakammer simuliert werden; in der Realität dagegen liegt immer eine Strahlung vor, selbst wenn es nur die diffuse Strahlung ist, die immerhin ca. 40 % der direkten Strahlung ausmacht (ein Nordfenster liefert ja auch schon solare Wärmegewinne).

Trotz dieser entscheidenden Fehler wird von seiten der Administration und der industriefreundlichen Wissenschaft am nur für den Baharrungszustand geltenden k-Wert dogmatisch festgehalten. Obgleich er logischerweise in der Realität immer falsche Ergebnisse liefert - wegen der Nullsetzung einfach liefern muß, wird der k-Wert fälschlicherweise zum fatalen Symbol des Wärmeschutzes erhoben.

4) Selbst wenn eine Richtigkeit des k-Wertes, was ja nicht stimmt, angenommen werden soll, liefert der k-Wert aus mathematischen Gründen eine Effizienzgrenze, die weit über den jetzt angestrebten und empfohlenen k-Werten liegt. Bei den eingebauten Superdämmungen fehlt generell die Nachhaltigkeit einer merkbaren Energieeinsparung.

Woran liegt das? Der k-Wert folgt einem fatalen Naturgesetz: Die Verdoppelung der Dämmung führt zu einer Halbierung des k-Wertes.

Es ist also festzustellen:
05 cm Dämmstoff ergibt einen k-Wert von 0,8 W/m²K
10 cm Dämmstoff ergibt einen k-Wert von 0,4 W/m²K
20 cm Dämmstoff ergibt einen k-Wert von 0,2 W/m²K
40 cm Dämmstoff ergibt einen k-Wert von 0,1 W/m²K
80 cm Dämmstoff ergibt einen k-Wert von 0,05 W/m²K

Es muß also doppelt soviel Dämmstoff eingebaut werden, um damit einen halb so großen k-Wert zu erreichen!

Welch ein makabres Spiel beim "Verschärfen des Anforderungsniveaus":
- Dem Dämmstoff werden überproportionale Umsatzsteigerungen garantiert,
- dem Bauherrn werden überproportionale Baukostenverteuerungen aufgezwungen,
- Der Umwelt nutzt dies nichts (unterproportionale Verbesserungen), denn der Energieeinsparungseffekt pro Zentimeter Mehrdämmung wird immer kleiner und nähert sich dem Wert null. Dies bedeutet die Sinnlosigkeit einer zusätzlichen Dämmung.

Allein dieses energetisch nutzlose Einbauen von Superdämmungen ist der Grund, weshalb immer nur von prozentualen Einsparungen gesprochen wird. Bei den einzelnen oben angeführten Schritten wird immerhin der k-Wert jeweils um 50% reduziert, was ja eine "gewaltige" Energieeinsparung suggeriert. In Wirklichkeit handelt es sich bei den kleineren k-Werten um vernachlässigbare und unscheinbare nominelle Werte. Von Umweltentlastung kann überhaupt keine Rede mehr sein.

Hier sei nun ein Gedankenexperiment eingeschoben, das zum Verständnis der Wirksamkeit von Speicherung und Dämmung beitragen soll:

Zwei Würfel von 10x10x10 cm und einer Wandung von jeweils 3 cm, bestehend einmal aus Stahl und einmal aus Polystyrol, werden im Kühlschrank durch und durch auf 0°C temperiert.

Nun werden beide Würfel herausgenommen und von außen durch warme Luft und Sonneneinstrahlung erwärmt.

Bei welchem Würfel ist eine Erhöhung der Innenlufttemperatur eher feststellbar? Beim Stahlwürfel oder beim Styroporwürfel?

Auch der umgekehrte Weg kann einmal nachgefragt werden:

Zwei Würfel von 10x10x10 cm und einer Wandung von jeweils 3 cm, bestehend einmal aus Stahl und einmal aus Polystyrol, werden durch und durch auf 20°C temperiert.

Nun werden beide Würfel im Winter bei 0°C draußen deponiert.

Bei welchem Würfel ist ein Absinken der Innenlufttemperatur eher feststellbar? Beim Stahlwürfel oder beim Styroporwürfel?

Die Antworten werden am Ende des Beitrages gegeben.

Wenn die oben angeführten vier Grundpositionen verlassen werden, und sie werden kontinuierlich mißachtet, ergeben sich infolge der dann grundsätzlich falschen Annahmen und der damit verbundenen Irrtümer fatale bautechnische Entwicklungen, die unisono zu Widersprüchen beim Gebäudewärmeschutz führen müssen.

Wie sieht nun der Katalog der Widersprüche aus?

1. Immer wird als Grund für bautechnisch/konstruktive Veränderungen mittels Verschärfung des Anforderungsniveaus die notwendige Energieeinsparung genannt. Bei den Superdämmungen geht es wegen der Hyperbeltragik jedoch nicht um Energieeinsparungen und damit CO2 -Einsparungen, sondern nur um den Einbau von Dämmstoff und damit bei der Gebäudeerstellung auch um die Produktion von Sondermüll. Diejenigen, die heute den Dämmstoff einbauen, werden ihn dann später für teueres Geld wieder entsorgen. Damit winkt das nächste Geschäft.

2. Die energetische Gleichmacherei aller Bauten durch einheitliche "Anforderungen" entspricht nicht der klimatischen Vielfalt in der Bundesrepublik. Hier ergeben sich große Diskrepanzen zwischen wärmeren und kälteren Regionen. Frühere Vorschriften haben noch drei Wärmedämmgebiete unterschieden, heute wird überall "gleich gedämmt". Diese Vereinheitlichung des Dämmstoffeinbaues dient deshalb ausschließlich den Vermarktungsinteressen der Fertighaushersteller und Systemanbieter, die ihre Produkte quer durch die Republik karren wollen. Auch dem ausländischen Anbieter werden damit einheitliche Lieferbedingungen eingeräumt. Handwerkliche Erfahrung und regionalspezifische Bauweisen kommen damit nicht zum Tragen.

3. Dieser Dämmstoffeinbauwahn wird auch von DIN forciert und getragen. Sich jedoch nun auf Normen zu stützen, ist kein Verlaß, denn DIN sagt selbst, durch das Anwenden entziehe sich niemand der eigenen Verantwortung und demzufolge handle jeder auf eigene Gefahr. Das Bundesverwaltungsgericht sagt, DIN-Normen seien keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter. DIN ist also eine denkbar schlechte Basis für den Nachweis wissenschaftlicher Richtigkeit. Es stellen sich damit folgende Fragen:

Können Schreibtisch-Normen das Erfahrungswissen und die Nachhaltigkeit von Bautechnik ablösen? Sind nun die aus der Erfahrung heraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse oder demgegenüber Vereinbarungen interessierter Kreise wichtig? Soll kreatives Ingenieursdenken durch administrative Verordnungstexte ersetzt werden?

4. Wie "flexibel" DIN-Normen sind, zeigt der Feuchtenachweis in der DIN 4108. Früher war eine trockene Konstruktion Stand der Technik. DIN paßte sich dem an und deshalb hieß es in der DIN 4108, "Wärmeschutz im Hochbau" früherer Jahre: "Auch im Innern von unsachgemäß aufgebauten Bauteilen kann Tauwasser auftreten, besonders dann, wenn sie mehrschichtig und die Schichten unzweckmäßig hintereinander angeordnet sind".

Tauwasser in der Konstruktion war damals also nicht Stand der Technik und galt demzufolge als unsachgemäß! Heute bietet die Industrie Chemieprodukte an, die bei Schichtkonstruktionen wegen der ungenügenden Sorptionsfähigkeit und der gefährlichen Diffusionsdichtigkeit automatisch zu Tauwasserbildungen führen.

Die DIN mußte deshalb "technisch weiterentwickelt" werden. Die Auffassung von der Notwendigkeit einer trockenen Konstruktion wurde korrigiert. Jetzt darf im Winter Tauwasser bis zu 1 Liter (bzw. ½ Liter) pro Quadratmeter auftreten, wenn dieses im Sommer wieder ausdiffundiert !

Die dem Nutzer dienende Forderung nach einer absoluten Trockenheit der Konstruktion wurde umgedeutet in eine relative Trockenheit in Form einer jährlichen Bilanz. Laßt doch die Konstruktion im Winter feucht werden, Hauptsache ist, dass sie im Sommer wieder austrocknet. Welch ein technischer Fortschritt, wenn man bedenkt, dass trockene Konstruktionen im Winter und nicht im Sommer wichtig werden.

Was ist daraus abzuleiten? Fortschreibungen von DIN-Normen entsprechen meist den Wünschen der Industrie und nicht den berechtigten Bedürfnissen der Bewohner. Vorsicht also bei Schichtkonstruktionen, die v. a. in der Außenhaut besondere Zusätze enthalten, die die Diffusionsfähigkeit der Gesamtkonstruktion mindert. Wichtig für die innere Kondensatfreiheit wird die richtige Schichtung, wobei auf eine Abnahme der µ- Werte (nicht der sd-Werte) in Diffusionsrichtung geachtet werden muß. Neuerdings wird wegen Mißachtung dieser Regel der Feuchtetransport nach innen mittels "intelligenter Dampfbremse" favorisiert. Feuchte gehört jedoch nach außen und nicht nach innen.

5. Die DIN behandelt im Teil 5 nur den Feuchtetransport durch Diffusion. Viel wichtiger und entscheidender ist jedoch der kapillare Transport von Feuchtigkeit, der an die Außenoberfläche treten soll und dann dort verdunsten kann. Kapillarer Wassertransport wird jedoch durch Chemieprodukte wie Dämmschichten, Folien und Beschichtungen weitgehend unterbunden. Bei WDV-Systemen besteht die Gefahr, dass Konstruktionen durchfeuchten. Besonders bei der Innendämmung muß mit Durchfeuchtungen gerechnet werden. All dies führt zu ungesunden Wohnverhältnissen.

6. Die DIN 4108 enthält bei den Diffusionsberechnungen auch einen methodischen Fehler. DIN weist jedes unbelüftete Dach, und sei es als Schichtkonstruktion bauphysikalisch noch so falsch aufgebaut, als eine "im Sinne von DIN unschädliche Konstruktion" aus. Selbst bei Akzeptanz der eben erläuterten Mißstände werden fehlerhafte Konstruktionen somit nicht mehr erkannt.

Im Gegenteil: falsche Konstruktionen werden durch DIN legitimiert; dem Kunden wird Richtigkeit vorgegaukelt, obwohl Feuchteschäden eintreten werden. All dies geschieht durch Mißbrauch der Richtlinienkompetenz zusammengerufener "Experten", die alle die Fehlerhaftigkeit dieses Sachverhaltes nicht erkannt haben. Die Beispiele mögen zeigen, dass eine Fortschreibung von DIN-Vorschriften oft auch zweifelhaften Motiven entspringt.

7. Die Fehlerhaftigkeit einer k-Wert-Berechnung wird besonders durch Energieverbrauchsanalysen dokumentiert, die unmißverständlich die Unzuverlässigkeit der gewählten Berechnungsansätze zeigen. Altbauten verbrauchen weniger, die "neuen Bauweisen" aber mehr Energie als berechnet. Um nun den k-Wert zu retten, werden in sophistischer Manier "Forschungsergebnisse" präsentiert, die u. a. sogar unbesonnte Nordwände energe- 5 tisch günstiger einstufen als besonnte Südwände - ein recht dubioses und nur manipulativ zu erzielendes Ergebnis, erarbeitet am Institut für Bauphysik. Dies offenbart die Unglaubwürdigkeit so mancher empirischer Forschung. Selbst auf die Forschung ist somit nicht immer Verlaß.

8. Zur Rechtfertigung einer "k-Wert-Verwendung" wird die Aussage verbreitet, dass der stationäre k-Wert den Transmissionswärmeverlust auch instationärer Zustände beschreibe, wenn infolge zeitlich abhängiger Temperaturschwankungen im eingeschwungenen Zustand der Mittelwert verwendet wird. Voraussetzung für diese Annahme ist es, dass die Zeit der Mittelwertbetrachtung groß genug sei und bis zu drei Wochen betrage. Aber gerade diese Bedingung wird doch nicht eingehalten, da die Temperaturschwankungen im Tagesrhythmus auftreten und demzufolge ständig energetische Auswirkungen auf die speicherfähige Wand haben.

Neben den Außentemperaturschwankungen geht es jedoch hauptsächlich um die direkte Absorption von Solarstrahlung; erst diese erbringt die wesentlichen Energieeinsparungen durch Nutzung kostenlos zur Verfügung gestellter Sonnenenergie. Bei der transparenten Wärmedämmung und auch beim Massiv-Absorber wird die Speicherfähigkeit hoch gelobt, warum geschieht dies dann nicht bei der massiven Außenwand?

9. Durch die "neuen Bauweisen" treten verstärkt Feuchteschäden mit Schimmelpilzbildung auf. Getreu der Dämmstoffdoktrin wurde nun ständig als Ursache eine mangelhafte Dämmung diagnostiziert. Dies trifft nicht den Kern des Problems und führt zu fragwürdigen Therapievorschlägen. Die Gründe sind:

a) Kondensat kann nur auftreten, wenn feuchte Luft abgekühlt wird. Dies geschieht bei einer Konvektionsheizung (Zentralheizung mit Radiatoren), da hier die Lufttemperatur immer höher als die Wandoberflächentemperatur ist. Bei einer Strahlungsheizung dagegen (z. B. Kachelofenheizung, Wandstrahler) kann Kondensat nicht entstehen, da die Lufttemperatur immer niedriger als die Wandoberflächentemperatur ist. Wärmestrahlung als elektromagnetische Erscheinung wie der Strom, das Licht oder die Röntgenstrahlen erwärmt keine Luft, sondern nur Materie.

b) Die alte DIN 4108 "Wärmeschutz im Hochbau" diente als Hygienenorm der Vermeidung von Kondensat an der Innenoberfläche. Die gebräuchlichen k-Werte lagen etwa bei 1,0 W/m²K. Bei der früheren Bausubstanz traten jedoch kaum Kondensatschäden auf. Bei den heute üblichen kleineren k-Werten wird der Schimmel an den Wänden jedoch zur Dauerplage. Am "zu schlechten k-Wert" kann es also nicht liegen. Aber jeder Energieberater empfiehlt einen "besseren" Wärmeschutz! Falsch !

c) Einen viel größeren Einfluß auf die Schimmelpilzbildung hat die rel. Feuchte der Innenraumluft. Bei hohen rel. Feuchten kann selbst ein "guter" k-Wert die Kondensatbildung nicht vermeiden. In jeder Tabelle über Taupunkttemperaturen kann dies abgelesen werden. Wichtig wird es also dafür zu sorgen, dass es zu keinen zu hohen rel. Feuchten der Innenraumluft kommt.

10. Mitverantwortlich an diesem Schimmelpilz-Dilemma sind die jesuitenhaft vorgetragenen Beschwörungen zur (mißverstandenen) Energieeinsparung.

a) Der hygienisch notwendige Luftaustausch, der automatisch die hohen rel. Feuchten vermeidet, wurde als Lüftungswärmeverlust diskredidiert. Dabei handelt es sich hier um einen immerhin hygienisch notwendigen Lüftungswärmebedarf.

b) Um die "Lüftungswärmeverluste" zu minimieren, wurden dichte Fenster verordnet. Damit entfiel der Grundaustausch der Raumluft durch undichte Fenster, die immerhin die Feuchtespitzen abzubauen in der Lage waren. In welcher Form der notwendige Luftaustausch erfolgt, ist dabei zweitrangig; die Hauptsache ist doch, dass der Lüftungsstrom durch Abkühlung zu keinen Feuchteschäden führt.

c) Mit dem Einbau neuer Fenster kamen Einrahmenfenster zum Einsatz, die besonders wärmebrückenempfindlich sind, da der lange Wärmeleitungsweg eines Kastenfenster wegfiel. Der Schimmel in den Laibungen war kaum zu vermeiden. Mit den Einrahmenfenstern und den Isolierglasscheiben wurde aber auch der Schallschutz wesentlich verschlechtert.

d) Mit dem Abriß des alten Kachelofens (Strahlungsheizung) und dem Einbau einer Zentralheizung (Konvektionsheizung) wurde die Schimmelpilzanfälligkeit erst heraufbeschworen.

e) Mit dem Heizen eines Kachelofens wurde automatisch auch morgens gelüftet.

11. Der durch "verschärfte Anforderungen" zu erzielende "Energiegewinn" durch Superdämmungen liegt volkswirtschaftlich gesehen unter 1 %. Anderslautende Meldungen können leicht widerlegt werden. Auch betriebswirtschaftlich kann die im Energieeinsparungsgesetzt geforderte Wirtschaftlichkeit infolge der Hyperbeltragik nicht nachgewiesen werden. Alle Beteuerungen, die Wirtschaftlichkeit sei eingehalten, beruhen auf Mogelpackungen. Dieses betrügerische Verhalten tangiert den § 263 StGB (Betrug) und ist ein typischer Fall manipulierender Rhetorik.

12. Durch die normierten Randbedingungen reduziert sich sehr wohl die Energieeinsparverordnung zu einem km-Wert Verfahren. Genauso, wie der dritte Entwurf der WSchVO 1995, der als "Energiebilanzverfahren mit neuer Methodik" gefeiert wurde, zu einem km-Verfahren mit sieben Varianten mutiert, genauso verwandelt sich die EnVO 2000 zu einem km-Verfahren - allerdings mit noch mehr Varianten.

Das Gedankenexperiment hat folgende Lösung: In beiden Fällen schneidet der Stahlwürfel besser ab, weil er, bevor die Temperaturveränderung nach innen dringt, mehr von der aufgenommenen Energie einspeichert als der Styroporwürfel. Die Phasenverschiebung ist beim Stahlwürfel größer.


Interview in den Nürnberger Nachrichten vom 15. Sept. 2000 mit Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier

Bei uns ein glattes Tabuthema
k-Wert im Visier: Ingenieur und Architekt Claus Meier zu Sinn und Unsinn beim Wärmeschutz

Wie muß ein Haus beschaffen sein, damit es möglichst wenig (teure) Heizenergie verbraucht, wie können bestehende Gebäude energetisch saniert werden? Wer sich mit diesen Fragen beschäftigt, stößt schnell auf das Thema ”Wärmeschutz” – ein Gebiet, bei dem nach Überzeugung von Claus Meier ziemlich viel falsch läuft. Was genau, das erläuterte uns der promovierte Ingenieur und Architekt, der sich seit Jahren dem Thema Wärmeschutz widmet, bei einem Redaktionsgespräch.

Besserer Wärmeschutz = geringerer Heizenergieverbrauch und damit weniger Kosten für den Hausbewohner – diese Rechnung wird oft und gern aufgemacht. Geht sie auf?

Meier: Im Grundsatz ist diese Rechnung schon richtig. Zunächst aber gilt es zu klären, was den ”Wärmeschutz” ausmacht. Dies ist zum einen die Dämmung, zum anderen aber auch die Wärmespeicherfähigkeit von Material, zum Beispiel Mauerziegeln. Bei uns allerdings wird der Begriff ”Wärmeschutz” immer mit ”Dämmung” gleichgesetzt – die Fähigkeit von Außenwänden und –flächen, Sonnenwärme zu speichern, bleibt unberücksichtigt. Sie ist in unseren Breiten aber ein entscheidender Faktor. Bei massiven Außenwänden ist die Nutzung der Sonnenenergie, sonst in aller Munde, ein glattes Tabuthema.

Frage nach der Wirtschaftlichkeit

Wenn es um das Thema Wärmeschutz geht, gilt der k-Wert, der so genannte Wärmedurchgangskoeffizient, als Maß aller Dinge. Zu Recht?

Meier: Nein. Und zwar aus zwei Gründen. Erstens: Der k-Wert berücksichtigt nicht die oben erwähnte Wärmespeicherfähigkeit von massiven Wänden und damit die solaren Energiegewinne. Zudem geht er von konstanten Wärmeströmen aus. Die aber liegen bei massiven Außenwänden infolge der absorbierten Solarenergie nie vor. Mit dem k-Wert wird also schlicht falsch gerechnet. Wird der k-Wert (fälschlicherweise) trotzdem akzeptiert, dann kommt das zweite Problem: Man glaubt, k-Werte von Bauteilen mit Hilfe von Dämmstoffen immer weiter minimieren zu müssen. Ab einem gewissen Punkt stellt sich hier dann die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von Dämmmaßnahmen. Mit den kleinen k-Werten, wie sie in der geplanten neuen Energieeinsparverordnung, aber auch bereits in der jetzigen Wärmeschutzverordnung gefordert werden, bewegt man sich in ineffizienten Bereichen.

Inwieweit ineffizient?

Meier: Je kleiner der k-Wert ist, desto aufwendiger ist es, ihn noch weiter zu reduzieren. Denn eine Halbierung des k-Wertes erfordert die Verdopplung der Dämmung. Lassen Sie es mich an einem Beispiel erklären: Fünf Zentimeter Dämmstoff ergeben einen k-Wert von 0,8, zehn Zentimeter drücken ihn auf 0,4. Um den k-Wert auf 0,2 zu reduzieren, braucht es eine 20 Zentimeter Dämmschicht; soll er aber 0,1 betragen, muß die Dämmung sogar 40 Zentimeter dick sein. dass hier die Grenze der Wirtschaftlichkeit schnell erreicht ist, liegt auf der Hand.

Welche k-Werte sind denn aus Ihrer Sicht mit Blick auf die Kosten-/Nutzenrelation sinnvoll?

Meier: Für Dach und Wand sind k-Werte von 0,35 bis 0,4 rentabel. Superdämmungen, die den Wert weiter drücken, rechnen sich nicht: Die dadurch - rechnerisch auf dem Papier - erzielte minimale Energieeinsparung steht in keinem Verhältnis zu dem Kostenaufwand, den die Dämmung verursacht.

Nun heißt es ja allenthalben, dass Altbauten in Sachen Wärmeschutz regelrechte Energiefresser sind und deshalb dringend nachgerüstet werden müssen. Was raten Sie denn Besitzern von Häusern?

Meier: Altbauten sind nicht generell Energiefresser; dies wird nur infolge unzutreffender Berechnungen mit dem k-Wert- ständig behauptet. Bei Berücksichtigung der Speicherfähigkeit massiver Wände werden Resultate erzielt, die sogar günstiger als die oben erwähnten ”rentablen” k-Werte sind. Wenn das Haus aus 36,5 Zentimeter dicken Vollziegelwänden besteht, würde ich gar nichts machen, denn Dämmung und Speicherung sind gut ausgewogen. Der Ziegel verfügt über eine hohe Wärmespeicherfähigkeit. Zusammen mit einem mineralischen Innen- und Außenputz ist diese Wandkonstruktion ideal, auch bezüglich des Feuchteschutzes.

Solarenergie ausgesperrt

Was halten Sie von einem Wärmedämmverbundsystem?

Meier: Prinzipiell gilt, dass die Dicke des Dämmschutzes und die daraus resultierenden Kosten in einem vernünftigen Verhältnis zu der damit - rechnerisch - zu erzielenden Energieeinsparung stehen muß. Für Kalksandstein bedeutet das: mit einer 24 Zentimeter dicken Wand, auf der ein höchstens sechs Zentimeter starkes Dämmsystem aufgebracht ist, kann man leben. Allerdings wird dadurch die segensreiche Solarenergie ausgesperrt – sie kann in diesem Fall nicht gespeichert werden. Auch sind Abstriche im Feuchteschutz zu machen: Denn die Sorptionsfähigkeit, also die Fähigkeit der Mauer, Feuchtigkeit aufzunehmen und zu transportieren, wird behindert.

Ihre Aussagen stehen im Widerspruch zu den gängigen Meinungen. Geraten Sie nicht in den Verdacht, gegen einen verbesserten Wärmeschutz zu sein?

Meier: Um es ganz klar zu sagen: Ich bin nicht gegen Wärmeschutzmaßnahmen – ich bin nur gegen den Unfug, aufgrund falscher Rechnungen und Vorstellungen Superdämmungen zu propagieren, die mehr die Interessen der Industrie berücksichtigen als die der Kunden. Es gibt Alternativen, die vorzuziehen sind.

“Viele Mitstreiter”

Sehen sie sich in Ihrem Kampf gegen k-Wert-Gläubigkeit und Superdämmungen als einsamer Rufer in der Wüste?

Meier: Nicht mehr. Ich habe inzwischen viele Mitstreiter. Auch die Wohnungswirtschaft hat erkannt, dass vorgelegte Energiesparprognosen nicht stimmen; im Interesse der Mieter wird hier umgedacht. Die falschen Rechnungen, die derzeit aufgemacht werden, kann man einfach nicht akzeptieren.

Interview: VERENA LITZ Info zum Thema im Internet unter http://www.konrad-fischer-info.de


Verbundsysteme für die Fassade: kritisch betrachtet
(veröffentlicht von Prof. Claus Meier  in "Althaus modernisieren" 2/3-2000)

Energiesparen tut not – das weiß jedes Kind.

Ob man dazu allerdings die Außenwände der Häuser mit Dämmung vollpacken soll, darüber streiten sich die Gelehrten. Eine kritische Position bezieht Professor Dr.-Ing. Claus Meier, wissenschaftlicher Direktor und ehemaliger Leiter des Hochbauamts der Stadt Nürnberg.

Wenn, wie beim Gebäudewärmeschutz offensichtlich, gegensätzliche Aussagen vorliegen, dann müssen die Argumente entweder widerlegt oder akzeptiert werden. Naturgesetze und die Logik sind hierfür die richtigen Arbeitsmittel.

Grundsätzlich ist zum Thema Gebäudewärmeschutz folgendes vorauszuschicken: Bautechnische Lösungen müssen sich immer nach dem vorliegenden Klima richten.

Im mediterranen Raum zum Beispiel wird nachhaltig massiv mit speicherfähigen Materialien gebaut. Die Sonneneinstrahlung ist sehr intensiv; man muß sich davor schützen. Auch für die nächtlichen Abkühlungen ist der Massivbau hervorragend geeignet, da er die am Tage aufgenommene Energie dann in der Nacht wieder abgeben kann. Innen herrscht ein ausgeglichenes, angenehmes Raumklima.

Im hohen Norden dagegen mit sehr geringer (oder keiner) Sonneneinstrahlung entsprechen mehr die "Leicht"-Konstruktionen mit guter Dämmwirkung den Erfordernissen. Das Schnee-Iglu kann hier als ein Beispiel angeführt werden.

Wir in Mitteleuropa liegen dazwischen und brauchen beides. Die Speicherwirksamkeit und die Dämmfähigkeit einer Außenkonstruktion. Dies macht Sinn und hat sich demzufolge bauhistorisch über die Jahrhunderte auch so entwickelt.

Der Wärmeschutz eines Gebäudes in unseren Breiten besteht somit aus der Speicherung und der Dämmung. Dies wurde früher auch praktiziert. Die bauphysikalische Bewertung neuer Konstruktionen erforderte zwei Merkmale: die "gleichspeichernde Ziegeldicke" und die "gleichdämmende Ziegeldicke".

Heute dagegen wird die Speicherung einer Außenkonstruktion konsequent negiert.
Grundwissen: Die Speicherung wird günstiger bei schweren, massiven Baustoffen, die Dämmung wird günstiger bei leichten, porösen Baustoffen. Eine solide Mischung beider Eigenschaften schafft in unseren Breiten gesunde Wohnverhältnisse und spart sogar Energie.

Irrigerweise beschränken viele Entscheidungsträger bei ihren Vorgaben den heutigen Wärmeschutz eines Gebäudes nur auf den so genannten k-Wert, also auf die Dämmung der Außenwand. Die segensreiche Speicherung wird völlig vernachlässigt. Auch die Solarstrahlung, die wesentliche kostenlose Energieeinsparungen erzielt, wird beim k-Wert unberücksichtigt gelassen. Diese in unseren Breiten so wertvolle Eigenschaft einer Außenwand als Energie-Absorber bleibt also außen vor.

Es wird demnach eine konstante Wärmestromdichte, die bei jeder Temperaturberechnung die Grundlage bildet, angenommen beziehungsweise. vorausgesetzt. Die Realität einer massiven Außenwand zeigt jedoch überall in Größe und Richtung unterschiedliche Wärmestromdichten.
Auch die Solarstrahlung wird mit null angenommen. Dies aber kann nur in Klimakammern simuliert werden; in der Realität dagegen liegt immer eine Strahlung vor, selbst wenn es nur die diffuse Strahlung ist, die immerhin zirka 40 Prozent der direkten Strahlung ausmacht (ein Nordfenster liefert ja auch schon solare Wärmegewinne).

Trotz dieser entscheidenden Fehler wird von seiten der Administration und der einen, sehr industriefreundlichen Seite der Wissenschaft am nur für den Beharrungszustand geltenden k-Wert geradezu dogmatisch festgehalten.

Obgleich der k-Wert in der Realität immer falsche Ergebnisse liefert, immer nur eine rechnerische Fiktion bedeutet, wird er somit fälschlicherweise zum Symbol des Wärmeschutzes erhoben.
Selbst wenn eine Richtigkeit des k-Wertes, was ja nicht stimmt, angenommen werden soll, liefert der k-Wert aus mathematischen Gründen eine Effizienzgrenze, die weit über den jetzt angestrebten und empfohlenen k-Werten liegt.

Superdämmung: eine Fehlentwicklung?

Der k-Wert folgt einem fatalen Naturgesetz: Die Verdoppelung der Dämmung führt zu einer Halbierung des k-Wertes. Das bedeutet im Klartext:

5 cm Dämmstoff ergibt einen k-Wert von 0,8 W/m²K
10 cm Dämmstoff ergibt einen k-Wert von 0,4 W/m²K
20 cm Dämmstoff ergibt einen k-Wert von 0,2 W/m²K

Die Dämmstoffdicke muß also verdoppelt werden, um eine Halbierung des k-Wertes zu erreichen.

Das heißt: Der durch verschärfte Anforderungen in der WSchVO zu erzielende Energiegewinn durch Superdämmungen liegt volkswirtschaftlich gesehen unter 1 Prozent. Anderslautende Meldungen können durch einfache Rechnung leicht widerlegt werden. Auch betriebswirtschaftlich kann die im Energieeinsparungsgesetzt geforderte Wirtschaftlichkeit keinesfalls nachgewiesen werden. Alle Beteuerungen, die Wirtschaftlichkeit sei eingehalten, beruhen auf Mogelpackungen - ein typischer Fall manipulierender Rhetorik.

Welch ein makabres Spiel beim ständigen "Verschärfen des Anforderungsniveaus": Dem Dämmstoffverkäufer werden überproportionale Umsatzsteigerungen garantiert, dem Bauherrn werden überproportionale Baukostenverteuerungen aufgezwungen. Der Umwelt nutzt dies alles nichts, denn die Energieeinsparung wird nominell immer kleiner und nähert sich dem Wert null.

Allein das Phänomen, dass man eine Verdoppelung der Dämmschichtdicke benötigt, um den Wärmedurchgangskoeffizienten (k-Wert) zu halbieren, ist auch der Grund, weshalb immer nur von prozentualen Einsparungen gesprochen wird. So ergeben sich erst die "gewaltigen" Energieeinsparungen.

Wie sieht nun der Katalog der Widersprüche aus? Immer wird bei den Wärmeschutzverordnungen als Grund für eine Verschärfung des Anforderungsniveaus die notwendige Energieeinsparung genannt.

Bei den jetzt geforderten Superdämmungen kann es wegen des oben angesprochenen Phänomens nicht um Energie und damit um weitere CO2 -Einsparungen gehen, sondern einzig und allein nur um den Einbau von viel Dämmstoff. Damit aber wird dann auch viel Sondermüll produziert.

Diejenigen, die heute den Dämmstoff einbauen, haben schon signalisiert, ihn später auch wieder zu entsorgen - für teueres Geld. Damit winkt das nächste Geschäft.

Die energetische Gleichmacherei aller Bauten durch einheitliche "Anforderungen" entspricht nicht der klimatischen Vielfalt in der Bundesrepublik. Hier ergeben sich große Diskrepanzen zwischen wärmeren und kälteren Regionen. Frühere Vorschriften enthielten noch drei Wärmedämmgebiete, heute wird überall "gleich viel gedämmt". Diese Vereinheitlichung des Dämmstoffeinbaues dient hauptsächlich Vermarktungsinteressen.

Handwerkliche Erfahrung und regionalspezifische Besonderheiten gehören damit ein für allemal der Vergangenheit an - Globalisierung des Marktes nennt man das.

Dieser Dämmstoffeinbauwahn wird auch von DIN forciert und getragen. Auf Normen ist jedoch kein Verlaß, denn DIN sagt selbst, durch das Anwenden entziehe sich niemand der eigenen Verantwortung und demzufolge handle jeder auf eigene Gefahr. Das Bundesverwaltungsgericht sagt, DIN-Normen seien keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter. DIN ist also eine denkbar schlechte Basis für den Nachweis wissenschaftlicher Richtigkeit - und Redlichkeit.

Folgende Fragen sind zu stellen: Können Schreibtisch-Normen das Erfahrungswissen und die Nachhaltigkeit von Bautechnik ablösen? Sind die aus der Erfahrung heraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse wichtig oder statt dessen Vereinbarungen interessierter Kreise? Soll kreatives Ingenieursdenken durch administrative Verordnungstexte ersetzt werden?

Vieles geschieht durch den Missbrauch der Richtlinienkompetenz zusammengerufener "Experten", die alle die Fehlerhaftigkeit wichtiger Sachverhalte nicht erkennen.

Beispiel: Die DIN 4108 behandelt im Teil 5 nur den Feuchtetransport durch Diffusion. Viel wichtiger und entscheidender ist jedoch der kapillare Transport von Feuchtigkeit zur Außenoberfläche, um dort zu verdunsten. Kapillarer Wassertransport wird jedoch durch Dämmschichten, Folien und Beschichtungen weitgehend unterbunden.

Bei WDV-Systemen besteht die Gefahr durchfeuchteter Konstruktionen; Pilz- und Algenbefall sind die Folge. Bei einer Innendämmung muß fast immer mit Durchfeuchtungen gerechnet werden. All dies führt zu ungesunden Wohnverhältnissen mit Krankheitsbildern wie z. B. Asthma.

Die Fehlerhaftigkeit einer k-Wert-Berechnung wird auch durch Energieverbrauchsanalysen untermauert. Altbauten verbrauchen weniger, die "neuen Bauweisen" dagegen mehr Energie als berechnet. Um den k-Wert zu retten, werden die Absorptionsgewinne als unbedeutend bezeichnet und zu diesem Zweck sogar auch "Forschungsergebnisse" vorgelegt, die unter anderm unbesonnte Nordwände energetisch günstiger einstufen als besonnte Südwände - ein recht dubioses Ergebnis, erarbeitet an einem Institut für Bauphysik. Dies offenbart fehlende Glaubwürdigkeit und Seriosität so mancher empirischer Forschung.

Entscheidend ist die direkte Absorption von Solarstrahlung. Erst diese erbringt die wesentlichen Energieeinsparungen durch Nutzung kostenlos zur Verfügung gestellter Solarenergie. Bei der transparenten Wärmedämmung und auch beim Massiv-Absorber wird die Speicherfähigkeit hoch gelobt, warum geschieht dies dann eigentlich nicht bei der massiven Außenwand?

Tatsache ist: Durch die "neuen Bauweisen" treten verstärkt Feuchteschäden mit Schimmelpilzbildung auf. Getreu der Dämmstoffdoktrin wurde als Ursache ständig eine mangelhafte Dämmung diagnostiziert. Dies trifft nicht den Kern des Problems. Die Gründe liegen woanders:
Kondensat kann nur auftreten, wenn feuchte Luft abkühlt. Dies kann nur bei einer Konvektionsheizung (Zentralheizung mit Radiatoren) geschehen, da hier die Lufttemperatur immer höher als die Wandoberflächentemperatur ist.

Ein Raum mit einer Strahlungsheizung dagegen (Kachelofenheizung, Wandheizflächen) bleibt kondensatfrei, da die Lufttemperatur immer niedriger als die Wandoberflächentemperatur ist.
Wärmestrahlung als elektromagnetische Erscheinung wie der Strom, das Licht oder auch die Röntgenstrahlen erwärmt keine Luft, sondern nur Materie.

Die alte DIN 4108 "Wärmeschutz im Hochbau" war eine richtige Hygienenorm. Bei Beachtung wurde Kondensat an der Innenoberfläche vermieden. Die hierfür notwendigen k-Werte lagen bei 1,0 W/m²K und darüber. Wenn bei der früheren Bausubstanz kaum Kondensatschäden auftraten, bei den heute üblichen kleineren k-Werten jedoch der Schimmel an den Wänden zur Dauerplage wird, dann kann es also nicht am "zu schlechten k-Wert" liegen. Trotzdem empfehlen Energieberater einen "besseren" Wärmeschutz! Das ist absolut falsch!

Einen viel größeren Einfluß auf die Schimmelpilzbildung hat die relative Feuchte der Innenraumluft. Denn bei hohen relativen Feuchten kann selbst ein "guter" k-Wert die Kondensatbildung nicht vermeiden. In jeder Tabelle über Taupunkttemperaturen kann dies abgelesen werden. Entscheidend ist, dafür zu sorgen, dass es zu keinen zu hohen relativen Feuchten der Innenraumluft kommt.

Mitverantwortlich an diesem Schimmelpilz-Dilemma sind die missionarisch vorgetragenen Beschwörungen zur (mißverstandenen) Energieeinsparung. Der hygienisch notwendige Luftaustausch, der sozusagen automatisch die hohen relativen Feuchten vermeidet, wurde als Lüftungswärmeverlust diskredidiert. Dabei handelt es sich hier um einen immerhin hygienisch notwendigen Lüftungswärmebedarf.

Um die "Lüftungswärmeverluste" zu minimieren, wurden dichte Fenster verordnet. Damit entfiel der Grundaustausch der Raumluft durch undichte Fenster, denn diese bauten die Feuchtespitzen ab. Es ist zweitrangig, in welcher Form der notwendige Luftaustausch erfolgt, wichtig dabei ist nur: Ein abgekühlter Lüftungsstrom darf zu keinen Feuchteschäden führen.

Mit dem Einbau von neuen Fenstern kamen Einrahmenfenster zum Einsatz, die besonders wärmebrückenempfindlich sind, da der lange Wärmeleitungsweg des bisherigenKastenfenster wegfiel. Der Schimmel in den Laibungen war kaum zu vermeiden.

Wer glaubt, durch die Wärmeschutzverordnungen sei man "per Gesetz" dazu verpflichtet, die gestellten Anforderungen zu erfüllen, unterliegt einer gezielten Meinungskampagne.

Die Wärmeschutzverordnung 1995 enthält die Möglichkeit, sich diesem Dämmungsdiktat zu entziehen. Der Paragraph 14 kann sogar als eine Art Generalbefreiung angesehen werden.

Und warum wurde dieser ganze Zirkus inszeniert? Nur aus dem einen Grunde, um von den unwirtschaftlichen und barbarischen k-Werten abzulenken, die sich bei der Umsetzung ergeben. Der Anwender wird mit solchen Verwirrspielen zum Narren gehalten.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Die Entwicklung des Gebäudewärmeschutzes nimmt groteske Formen an. Fast alle offiziellen Aussagen, die durch gezielte Medienpolitik sogleich breit gestreut werden, sind fragwürdig, dubios und zwiespältig und verfolgen einseitige Interessen der Industrie, die sich mit den Interessen der Nutzer kaum decken.

Es überwiegen die falschen Vorstellungen von einem ausgewogenen und gesunden Gebäudewärmeschutz.

Da in der heutigen Zeit fast an jedem Tag eine "unglaubliche Geschichte" serviert wird, die normalerweise für unmöglich gehalten wurde, kann auch auf dem Gebiet des Bauens und speziell des Gebäudewärmeschutzes sicher auf so manche Überraschung gewartet werden.

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