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:: Bautechnik & Bauphysik, Grundsätze und Regeln zur Vermeidung von Schimmelpilz

 

 


Die AMz ist die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel
im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e.V.

Sie beschäftigt sich - was sicher keinen verwundert - mit einer Vielzahl an Aspekten bezüglich des Mauerwersbaus: Bauphysik, Statik, Langlebigkeit, Wirtschaftlichkeit, Alterungsverhalten, Umwelt usw.

Da ich diese Berichte unerhört lehrreich finde, zudem gut unterlegt und auch objektiv gehalten, möchte ich sie Ihnen hier zugänglich machen. Per Klick gelangen Sie mit neuem Fenster auf eine andere Internetseite (thermopor.de).

Die "wichtigsten" Berichte habe ich hier eingestellt, weil sie eine wertvolle Ergänzung zu anderen Beiträgen im Infobereich darstellen. Wenngleich sich Forschungen auf Schwerpunktthemen konzentrieren, habe ich eine Bitte: Betrachten Sie alles nur als Puzzle-Teil und lösen Sie keine Fakten und Schlussfolgerungen aus dem Zusammenhang.

1 Wasserdampfdiffusion durch Mauerwerk aus Hochlochziegeln
2 Rißsicherheit von Außenputz auf Wärmedämmziegelmauerwerk bei extremer Temperaturwechsel-Beanspruchung (Schlagregen-Simulation)
3 Brandverhalten von Wänden mit Zusatzdämmung aus Polystyrol-Hartschaum
5 Solarabsorption auf Außenwänden und Reduktion der Transmissionswärmeverluste
7 Brandschutztechnische Eigenschaften von Ziegelmauerwerk mit Zusatzdämmung
8 Außenputz auf Ziegelmauerwerk
9 Biegezugfestigkeit von Planziegelmauerwerk
10 Gitterziegel für Mauerwerk ohne Stoßfugenvermörtelung
11 Mauerwerk aus Plan-Gitterziegeln
12 Alterungsverhalten und Bauphysik von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS)
14 Brandschutz mit Ziegeln
15 Kriechen von Ziegelmauerwerk mit Leicht- und Dünnbettmörtel
16 Arbeitszeitwerte für Ziegelmauerwerk
17 Druckfestigkeit von Ziegelmauerwerk
18 Schubfestigkeit von Ziegelmauerwerk
19 Übermauerung von Ziegel-Flachstürzen
20 Injektionsdübel in Ziegelmauerwerk
21 Energie sparen um jeden Preis ?
22 Stumpfstoßverankerung von Ziegelwände
23 Handbuch Arbeitsorganisation Bau neu aufgelegt und um aktuelle Bauweisen ergänzt
24 Luftdichtheit in Ziegel-Massivgebäuden
25 Brandschutz mit Ziegelmauerwerk
26 Porenbeton mit Produktivitätsvorsprung?
27 Ausführung von Deckenauflagern bei Ziegelmauerwerk
28 Rißsicherheit von wärmedämmendem Ziegelmauerwerk
29 Gesundheits- und umweltverträgliche Baustoffe
30 Ziegel Massivhäuser in Niedrigenergiebauweise
31 Schubbemessung von Ziegelmauerwerk
32 Abschirmwirkung massiven Ziegelmauerwerks gegenüber hochfrequenter Strahlung
33 Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten U nach zukünftig geltenden Normen
35 Putz auf hochwärmedämmendem Ziegelmauerwerk
36 Mörtelausgleichsschichten unter Wänden
37 Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (KMB) - erdberührter Bauteile
38 Biegezugfestigkeit von Ziegelmauerwerk senkrecht zur Lagerfuge
39 Brandschutz mit Ziegelmauerwerk: Neue allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse ermöglichen die Anwendung von Mauerwerk aus Ziegeln nach DIN 105 über die Regeln der DIN 4102-4 hinaus

Weitere Informationen erhalten Sie über meine LINKLISTEN BAU: Rohbau » Mauerwerk.


(AMz-Bericht 1/1997)

Wasserdampfdiffusion durch Mauerwerk aus Hochlochziegeln

1. Ausgangssituation

Hochlochziegel weisen bekanntermaßen ein günstiges feuchteschutztechnisches Verhalten auf. Neben dem Austrocknungsverhalten, bei dem vorrangig flüssiges Wasser in kurzer Zeit durch die Kapillaren des porosierten Scherbenmaterials entweicht, ist auch der Wasserdampftransport des gasförmigen Mediums Wasser von Bedeutung. Die treibende Kraft für diesen Transportmechanismus ist der Ausgleichsprozeß zwischen einer hohen Feuchtekonzentration (meist raumseitig) und einer trockenen Umgebung (meist außenseitig). Diese Feuchtekonzentration wird durch den Partialdampfdruck gekennzeichnet. Dieser liegt bei einer Raumlufttemperatur von 20° C und einer relativen Feuchte von 50 % bei etwa 2340 Pa.
Die DIN 4108, Teil 1 [1] gibt für feuchteschutztechnische Berechnungen als Bemessungswert für die äußere Randbedingung - 10,0° C bei einer relativen Feuchte von 80 % vor. Dies entspricht einem Partialdampfdruck von etwa 260 Pa. Die Differenz dieser beiden Partialdampfdrücke von etwa 2100 Pa setzt somit den Diffusionsvorgang innerhalb der Konstruktion in Bewegung. Die Menge des Wasserdampfes, die durch dieses Dampfdruckgefälle durch das Bauteil entweichen kann, wird durch die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke oder auch sd3 dem Produkt aus µ-s bestimmt.
Hierbei bedeutet µ die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl, die für Hochlochziegel zwischen 5 und 10 liegt [1] und s beschreibt die Dicke des Materials in m.

2. Monolithisches Mauerwerk

Monolithisches Ziegelmauerwerk aus wärmedämmenden Hochlochziegeln kann mit Werten der Wärmeleitfähigkeit bis etwa 0,14 W/mK und einer Dicke von 36,5 cm mit beidseitigem Putz einen Wärmedurchgangskoeffizienten (k-Wert) bis etwa 0,35 W/m2K erreichen. Dieser Wert bedingt die Verwendung von Leichtmörteln LM 21 und unvermörtelten aber dafür verzahnten Stoßfugen. Hierdurch ergibt sich für den Bauteilquerschnitt streng genommen eine Dreiteilung von Ziegel, luftgefüllter Stoßfuge und Lagerfuge aus Mörtel. Alle drei Bereiche weisen für sich betrachtet ein etwas abweichendes feuchteschutztechnisches Verhalten auf. So ist die theoretische Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl der luftgefüllten Fuge mit µ=1 anzusetzen, während die Lagerfuge mit µ=15 bis 35 für Leicht- und Normalmörtel angesetzt werden müßte. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass der Einfluß der Lagerfugen und insbesondere der nicht vermörtelten Stoßfuge für den Wasserdampftransport des gesamten Bauteils nicht erkennbar ist [2]. Dies gilt auch für Stoßfugen, die bis zu 1 cm geöffnet sind. Gegenüber dem z. B. mit Wachs verschlossenen Fugenbereich wurde im Versuch eine mittlere Diffusionswiderstandzahl von µ=8,8 gegenüber 7,3 für den Fall der 1 cm luftgefüllten Fuge attestiert. Somit kann bei monolithischen, hochwärmedammenden Mauerwerk von einem gleichmäßigen und völlig unkritischen Diffusionsverhalten ausgegangen werden. Zudem wird es in diesen einschaligen, verputzten Konstruktionen durch das lineare Temperaturverhalten und den damit linearen Partialdampfdruckverlauf im Inneren der Konstruktion niemals zu Tauwasserausfall kommen können.

3. Zusatzgedämmtes Mauerwerk

Erhöhte Anforderungen an den Wärmeschutz und an die Energieeinsparung im Gebäudebereich machen zunehmend zusatzgedämmte Ziegelwandkonstruktionen erforderlich. Auch hier kann die Frage der feuchteschutztechnischen Eignung schnell und klar beantwortet werden. Werden auf Hochlochziegelwände relativ diffusionsdichte Zusatzdämmungen aufgebracht, kann es nach dem Rechenverfahren nach Glaser [1] zu Tauwasserausfall innerhalb der Konstruktion kommen. Dieser Tauwasserausfall geschieht vorrangig im Kontaktbereich zwischen Dämmstoff und Außenputz (Bild 1). Grundsätzlich ist ein Tauwasserausfall in mehrschichtigen Außenbauteilen nach DIN 4108 zulässig. Dabei dürfen bestimmte Tauwassermengen nicht überschritten werden und es muß gewährleistet sein, dass das Tauwasser während der normierten Verdunstungsperiode beidseitig aus dem Bauteil entweichen kann. Die Tauperiode dauert für diese Berechnungen 1440 h, die Verdunstungsperiode 2160 h. Weiterhin gilt eine Beschränkung der Tauwassermenge auf insgesamt 1,0 kg/m2, vorausgesetzt, dass mindestens eine der Grenzschichten an der Tauwasser anfällt, kapillar wasseraufnahmefähig ist. Dies trifft sowohl für den Ziegel als auch für Putze zu. Tritt dagegen Tauwasser an kapillar nicht wasseraufnahmefähigen Grenzschichten auf, so darf die zulässige Tauwassermenge 0,5 kg/m2 während der Tauperiode nicht überschreiten.

Bild 1: Dampfdruck und Temperaturverlauf in einer zusatzgedämmten Ziegelwand im Bereich der luftgefüllten Stoßfuge, Aufbau gemäß Tabelle 1.

Um nachzuweisen, dass mit relativ dampfdichten Zusatzdämmungen auf Basis von Polystyrol und in Verbindung mit Kunstharzputzen das feuchteschutztechnische Verhalten einer Ziegelwand völlig problemlos ist, wurden eine Reihe von Diffusionsberechnungen nach DIN 4108 [1] durchgeführt. Hierbei ist allerdings gegenüber den Berechnungen in Kapitel 2 wegen der erhöhten Sensibilität von einer differenzierteren Betrachtung ausgegangen worden. Neben dem reinen Ziegelquerschnitt wurden auch die luftgefüllte, unvermörtelte Stoßfuge und die mit Normalmörtel ausgeführte Lagerfuge als Teilbereiche berechnet. Danach ergeben sich für eine 24 cm starke Ziegelkonstruktion aus HLz und einer Zusatzdämmung aus 8 cm Polystyrol mit kunstharzgebundenem Außenputz eine Tauwassermenge von max. etwa 340 g/m 2 in der Tauperiode. Die Verdunstungsmenge erreicht einen Wert von ca. 1060 g/m 2. Die Verdunstungsmenge ist damit etwa 3 mal so hoch wie die Tauwassermenge, die zudem noch deutlich unter der zulässigen Höchstmenge von 1000 g/m 2 liegt. Dies zeigt eindeutig, dass auch im eher kritischen Bereich der luftgefüllten Stoßfuge einer zusatzgedämmten Ziegelwand keine unzulässigen Tauwasseransammlungen auftreten.

Die Tabelle 1 gibt einen Überblick der dieser Berechnungen zugrundegelegten Randbedingungen. In Tabelle 2 sind die Ergebnisse weiterer Berechnungen für die drei Bereiche Ziegel, Stoßfuge und Lagerfuge zusammengestellt. Hierbei ist davon ausgegangen worden, dass die zur Tauwasserbildung ungünstigsten Materialrandbedingungen in die Rechnungen mit einflossen. Erkennbar ist, dass insbesondere die zusatzgedämmten Konstruktionen mit mineralischen Außenputzen hinsichtlich der Tauwassermenge etwas kritischer sind, da diese Putze in der Regel dicker aufgetragen werden als die etwas dampdichteren Kunstharzputze und damit ein höherer sd Wert vorliegen kann. Weiterhin fällt auf, dass mit zunehmender Dämmstoffdicke die Tauwassermenge deutlich sinkt, die mögliche Verdunstungsmenge allerdings auch, aber in kleinerem Umfang, so dass eine größere Sicherheit gegeben ist.

Tabelle 1

Bauteilaufbau einer zusatzgedämmten Ziegelaußenwand im Bereich der luftgefüllten Stoßfuge (k-Wert: 0,36 W/m 2K) und Klimarandbedingungen zur Dampfdiffusionsberechnung nach DIN 4108, Teil 5:

  Material Dichte
[kg/m3]
Dicke
s [mm]
[W/mK] Diffusionswiderstandszahl
µ [-]
  1/ai 0,13 - - - -
1 Gipsputz 1200 15 0,35 10
2 Stoßfuge Ziegel/luftgefüllt 1 240 0,45 1
3 Kleber 1800 2 0,87 15
4 Polystyrolhartschaum 040 15 80 0,04 20
5 Unterputz Zement 1800 5 0,87 15
6 Oberputz Kunstharz 1200 4 0,35 150
  1/aa 0,04 - - - -


  Tauperiode Verdunstungsperiode
  Warmseite Kaltseite Warmseite Kaltseite
Lufttemperatur [°C]
relative Feuchte[%]
20
50
-10
80
12
70
12
70
Zeitdauer [h] 1440 2160

Tabelle 2

Bauteilaufbauten der untersuchten zusatzgedämmten Ziegelkonstruktionen:

Mauerwerk Bereich Polystyrol Außenputz Tauwassermenge
[kg/m2]
Verdunstungsmenge
[kg/m2]
HLz
d=24,0 cm
Ziegel
(konventionell)
8 cm mineralisch 0,211 0,897
16 cm 0,120 0,807
Ziegel
(konventionell)
8 cm kunstharzgeb. 0,193 1,102
16 cm 0,103 0,971
luftgefüllte
Stoßfuge
8 cm mineralisch 0,356 0,917
16 cm 0,175 0,727
luftgefüllte
Stoßfuge
8 cm kunstharzgeb. 0,339 1,059
16 cm 0,157 0,840
Lagerfuge 8 cm mineralisch 0,083 0,806
16 cm 0,056 0,780
Lagerfuge 8 cm kunstharzgeb. 0,065 1,011
16 cm 0,038 0,985

4. Zusammenfassung

Verschiedene meßtechnische und rechnerische Untersuchungen zeigen, dass sowohl monolithischem als auch zusatzgedämmtem Ziegelmauerwerk ein gutes feuchteschutztechnisches Verhalten attestiert werden kann. Während monolithische Ziegelaußenwände unter Normbedingungen grundsätzlich tauwasserfrei bleiben, kann bei bestimmten Materialkombinationen in zusatzgedämmten Ziegelkonstruktionen Tauwasser innerhalb der Dämmebene anfallen. Die dann auftretenden Tauwassermengen sind aller Erfahrung nach unkritisch, wenn das aufgebrachte Wärmedämmverbundsystem handwerklich korrekt ausgeführt wurde und eine Überlagerung aus Feuchteeintrag von außen (Schlagregen) durch beschädigte Außenputze, undichte Anschlußfugen ausgeschlossen werden kann. Auch in den Bereichen luftgefüllter Stoßfugen des Mauerwerks treten keine kritischen Tauwassermengen auf. Im Zweifelsfalle können diffusionstechnische Berechnungen nach Glaser durchgeführt werden. Dafür sind die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahlen von Ziegelmauerwerk mit µ = 5 - 10 und diese der Dämmstoffe und Außenbeschichtungen den bauaufsichtlichen Zulassungen der Wärmedämmverbundsystem-Hersteller entsprechend anzusetzen. Auch bei Verwendung relativ diffusionsdichter kunstharzgebundener Oberputze mit µ-Werten von 150 bewegen sich die auftretenden Tauwassermengen deutlich unter den vorgeschriebenen Grenzwerten.

5. Literatur

[1] DIN 4108 "Wärmeschutz im Hochbau", 8.81; 11.91, Beuth-Verlag.
[2] Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V., München: "Bestimmung der Wasserdampfdurchlässigkeit nach DIN 52615 von HLz ohne Stoßfugenvermörtelung", Untersuchungsbericht vom 11.12.1990, München.
[3] Deutsches Institut für Bautechnik: "Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung" verschiedener Wärmedämmverbundsysteme, Berlin.

März 1997
Gi-GdJ-AMz
Link zum Original: Wasserdampfdiffusion durch Mauerwerk aus Hochlochziegeln


(AMz-Bericht 3/1997)

Brandverhalten von Wänden mit Zusatzdämmung aus Polystyrol-Hartschaum

Einleitung

Im Geschoßwohnungsbau werden neben den bewährten einschaligen Mauerwerkkonstruktionen zunehmend zusatzgedämmte Wandkonstruktionen eingesetzt.
Aus Kostengründen werden die Zusatzdämmungen häufig aus brennbaren Materialien (z. B. Polystyrol - Hartschaum) hergestellt.
DIN 4102-4 enthält Aussagen zum Brandverhalten solcher Konstruktionen. Bauteile mit Zusatzdämmungen aus brennbaren Baustoffen werden grundsätzlich wie unverputzte Bauteile behandelt.
Brennbare Zusatzdämmungen können jedoch eine erhebliche Steigerung der maßgeblichen Brandlast ergeben.
Zudem ist die Verhinderung einer vertikalen Brandausbreitung bei solchen Konstruktionen zu beachten.
In einem orientierenden Brandversuch nach DIN 4102-2 wurde in /1/ die Feuerwiderstandsdauer einer nichttragenden zusatzgedämmten Wandkonstruktion untersucht.

Wesentliche Kriterien zur Einstufung von Bauteilen in Feuerwiderstandsklassen nach DIN 4102-2

  1. Raumabschließende Bauteile müssen einen Feuerdurchgang verhindern, d. h. insbesondere, dass keine Flammen auf der feuerabgewandten Seite auftreten dürfen.
  2. Die Temperatur auf der feuerabgewandten Seite darf im Mittel nicht mehr als 140 K und an keiner Meßstelle über 180 K über der Ausgangstemperatur des Prüfkörpers liegen.
  3. Tragende Bauteile dürfen unter ihrer rechnerisch zulässigen Gebrauchslast nicht zusammenbrechen.
  4. Die Norm enthält keine Festlegungen zu zulässigen Mengen von toxischen Gasen, die infolge der Brandbeanspruchung auf der feuerabgewandten Seite auftreten können.

Untersuchter Prüfkörper

In /1/ wurde eine nichttragende, 115 mm dicke Wand aus Kalksand-Lochsteinen KSLR-12-1,4-8DF (115) nach DIN 106 mit Normalmörtel der Mörtelgruppe II in den Lagerfugen und unvermörtelten Stoßfugen untersucht.
Auf der Feuerseite war ein Wärmedämmverbundsystem aus 100 mm dicken Wärmedämmplatten W nach DIN 18 164-1 (Polystyrol-Hartschaum PS 15 SE) appliziert.
Die feuerabgewandte Seite blieb unverputzt. Diese hinsichtlich des Durchgangs von Rauchgasen sicherlich sehr ungünstige Ausführung wurde gewählt, um die Auswirkung von Dünnputzen auf das Brandverhalten von zusatzgedämmten Konstruktionen abzuschätzen.

Zusammengefaßte Versuchsergebnisse

Die untersuchte Konstruktion erfüllte die Anforderungen der DIN 4102-2 an die Feuerwiderstandsklasse F 90.
Die Einstufung der DIN 4102-4 für eine solche unverputzte Wandkonstruktion (Feuerwiderstandsklasse F 120) wurde, vermutlich aufgrund der erhöhten Brandlast durch das brennbare Wärmedämmverbundsystem, nicht erreicht.
Die erreichte Feuerwiderstandsdauer betrug 95 min. Kriterium hierbei war die Überschreitung der maximal zulässigen Temperaturerhöhung von 180 K im Bereich der offenen Stoßfugen. Da die nach DIN 4102-2 erforderliche zweite Brandprüfung nicht erfolgte, ist die Prüfung in /1/ als orientierende Brandprüfung zu bewerten.
Bereits nach 5 Prüfminuten erfolgte ein sehr starker Austritt von kalten Schwelgasen. Kritisch ist hierbei insbesondere der Kohlenmonoxid-Gehalt, die ebenfalls freiwerdenden Monostyrole liegen meist nur in unkritischen Konzentrationen vor.
Diese Gase traten i. w. auf der feuerabgewandten Seite, d. h. der Innenraumseite aus, da infolge des Kunstharz-Oberputzes des Wärmedämmverbundsystems ein Überdruck zwischen Wand und Kunstharzputz auf der Feuerseite entstand.

Schlußfolgerungen

Bei Verwendung von Zusatzdämmungen auf Mauerwerk sollten folgende Randbedingungen beachtet werden:

  1. Wegen der Problematik der vertikalen Brandweiterleitung an der Außenfassade sollten vorzugsweise nichtbrennbare Wärmedämmverbundsysteme zur Anwendung kommen. Solche Wärmedämmverbundsysteme haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie wie Putzschichten im Sinne der DIN 4102-4, Abschnitt 4.5.2.10, angerechnet werden können.
  2. Durch die Verwendung von brennbaren Wärmedämmverbundsystemen und die damit verbundenen höheren Brandlasten können die in DIN 4102-4 angegebenen Feuerwiderstandsdauern für unverputztes Mauerwerk reduziert werden. Dies sollte im Einzelfall hinterfragt werden.
  3. Bei der Verwendung von brennbaren Zusatzdämmungen ist unbedingt darauf zu achten, dass die Innenputzdicken mindestens entsprechend DIN 18 550-1 ausgeführt werden, um den Austritt von toxischen Schwelgasen in Wohnräumen im Brandfall zu erschweren.

Foto: Brandversuch Zeitpunkt 5:00 min.

Literatur

/1/ LGA Bayern; Prüfungsbericht Nr. MB 5600275 vom 18.03.1997; Nürnberg.

Mai 1997
Dr.My-GdJ-AMz
Link zum original: Brandverhalten von Wänden mit Zusatzdämmung aus Polystyrol-Hartschaum


(AMz-Bericht 7/1997)

Brandschutztechnische Eigenschaften von Ziegelmauerwerk mit Zusatzdämmung

Einleitung

Im Geschoßwohnungsbau kommen in der letzten Zeit auch Außenwandkonstruktionen aus Ziegelmauerwerk in den Wanddicken 175 bzw. 240 mm mit Zusatzdämmung zum Einsatz.
Dieser Bericht gibt eine Übersicht über die brandschutztechnischen Eigenschaften dieser Konstruktionen.

Brandschutztechnische Bewertung von Zusatzdämmungen

Die deutsche Brandschutznorm DIN 4102-4 /1/ unterscheidet zwischen nichtbrennbaren Zusatzdämmungen (Baustoffklasse A, z.B. Mineralfaser-Platten) und brennbaren Zusatzdämmungen (Baustoffklasse B, z.B. Polystyrol-Hartschaum). Eine Dämmung aus nichtbrennbaren Baustoffen darf nach DIN 4102-4 wie eine Putzschicht angesetzt werden.
Wände mit brennbarer Dämmschicht werden in DIN 4102-4 dagegen wie unverputzte Wände eingestuft. Ein brandschutztechnisch wirksamer Putz schützt das Ziegelmauerwerk zusätzlich daher sind die aus Brandschutzgründen erforderlichen Wanddicken von verputztem Mauerwerk meist geringer als bei unverputztem Mauerwerk.

Tabelle 1: Brandschutztechnisch wirksame Bekleidungen von Mauerwerk nach DIN 4102-4, Abs. 4.5.2.10

  • Putze der Mörtelgruppe P IV nach DIN 18 550-2 (Gipsputze)
  • Wärmedämmputze nach DIN 18 550-3 (nach Prüfzeugnis Nr. 3867/4436 und Gutachten des IBMB Braunschweig)
  • Leichtputz nach DIN 18550-4
  • Verblendschalen
  • nichtbrennbare Dämmstoffe, z. B. Mineralwolle oder Foamglas

Brandschutz-Anforderungen an Ziegelaußenwände mit Zusatzdämmung

Bauaufsichtlich wird nach den Anforderungen

  • feuerhemmend (F30)
  • feuerbeständig (F 90) sowie
  • Brandwand

unterschieden.

Brandwände aus Ziegeln

An Brandwände werden technisch und auch bauaufsichtlich die höchsten Anforderungen gestellt. Brandwände dürfen nach den Landesbauordnungen nur aus nichtbrennbaren Baustoffen hergestellt werden.
Zusatzgedämmte Brandwände müssen also immer mit nichtbrennbaren Dämmstoffen der Baustoffklasse A bekleidet werden.

Erforderliche Mindestdicke von Brandwänden aus Ziegeln

Brandwände aus Ziegelmauerwerk müssen nach DIN 4102-4 und neueren Prüfzeugnissen des IBMB Braunschweig die in der Tabelle 2 angegebenen Mindestwanddicken aufweisen. Die Prüfzeugnisse können bei der Arge Mauerziegel, Schaumburg-Lippe-Str. 4, 53113 Bonn bezogen werden.

Tabelle 2: Einschalige Brandwände aus Ziegelmauerwerk innenseitig verputzt mit nichtbrennbarer Außendämmung

Mauerwerk aus
Ziegeln nach
erforderliche Mindest-
Wanddicke d
in mm
DIN 105-1 1751)
DIN 105-2 HLz B
Þ>=0,9
1751)
DIN 105-2 HLz W
Þ>=0,8
2402)

1) nach Prüfergebnis Nr. 3152/1494 des IBMB Braunschweig
2) nach Prüfergebnis Nr. 3250/6463 des IBMB Braunschweig

Feuerbeständige Wände aus Ziegeln (F 90)

Die Anforderungen an feuerbeständige Wände sind geringer als an Brandwände. Daher sind die erforderlichen Wanddicken für F 90-Konstruktionen meist geringer als für Brandwände.

Erforderliche Mindestdicke von zusatzgedämmten F 90-Wänden aus Ziegeln

Die erforderlichen Wanddicken für feuerbeständige Ziegelwände mit nichtbrennbarer Zusatzdämmung (Baustoffklasse A) enthält die Tabelle 3.

Tabelle 3: Einschalige Wände aus Ziegelmauerwerk
Feuerwiderstandsklasse F 90
Ausnutzungsfaktor = 1,0
innenseitig verputzt mit nichbrennbarer Außendämmung (F 90-A)

Mauerwerk aus
Ziegeln nach
erforderliche Mindest-
Wanddicke d
in mm
DIN 105-1 1151)
DIN 105-2 HLz A und B
Þ>=0,8
1151)
DIN 105-2 HLz W
Þ>=0,8
240

1) In Fällen, wo feuerbeständige Wände anstelle von
Brandwänden ausgeführt werden dürfen (z.B. Gebäude-
abschlußwände zwischen Wohnhäusern geringer Höhe
OFF <= 7 m, s. auch Bild 1 aus /2/) müssen diese
Wände in der gleichen Dicke wie Brandwände
ausgeführt werden, s. Tabelle 2.

Gebäudeabschlußwände dürfen bei Gebäuden geringer Höhe mit <= 2 Wohneinheiten in der offenen Bauweise als öffnungslose (d.h. raumabschließende) feuerbeständige Wände unter Verwendung von brennbaren Zusatzdämmungen ausgeführt werden.

Tabelle 4: Einschalige raumabschließende Wände aus Ziegelmauerwerk
Feuerwiderstandklasse F 90
Ausnutzungsfaktor = 1,0
unverputzt ( F 90-A) oder innenseitig verputzt mit brennbarer Außendämmung (F 90-AB)

Mauerwerk aus
Ziegeln nach
erforderliche Mindest-
Wanddicke d
in mm
DIN 105-1 1751)
DIN 105-2 HLz A und B
Þ>=1,0
2402)

1) für nichtraumabschließende Wände gilt d>=240 mm
2) nach Prüfzeugnis Nr. 3210/0745 des IBMB Braunschweig, vermauert mit LM 36 oder Normalmörtel

Zusammenfassung

Ziegelaußenwände erfüllen auch mit brennbarer Zusatzdämmung bereits in der aus statischer und schallschutztechnischer Sicht empfehlenswerten Mindestwanddicke d = 240 mm die brandschutztechnischen Anforderungen für feuerbeständige Wände ( F 90-AB). Brandwände müssen grundsätzlich aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen.

Literatur

/1/ DIN 4102-4; 03.94; Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen; Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile

/2/ Hahn, C.: Mauerwerk nach DIN 4102-4, Ausgabe 1994. Berlin, Ernst & Sohn, In: Mauerwerk-Kalender 22 (1997), S. 531-565

Bild 1: Anordnung von Brandwänden an Grundstücksgrenzen (Beispiele) aus /2/

Dr. My-AMz, September 1997
Link zum Original:
Brandschutztechnische Eigenschaften von Ziegelmauerwerk mit Zusatzdämmung


(AMz-Bericht 6/1998)

BRANDSCHUTZ MIT ZIEGELN
Aktualisierte Broschüre der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel

Der bauliche Brandschutz ist eines der umfangreichsten Kapitel im Bauordnungsrecht. Ziegel sind als nichtbrennbare Baustoffe der Baustoffklasse A1 für diesen Anwendungszweck besonders geeignet. Neben der Verwendung nichtbrennbarer Baustoffe sind jedoch noch eine ganze Reihe weiterer Aspekte zu beachten, um allen Brandschutz-Anforderungen gerecht zu werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel hat ihre Broschüre "Baulicher Brandschutz" aktualisiert und dabei vollständig überarbeitet. Die Broschüre enthält umfassende Informationen zum Brandschutz mit Ziegelbauteilen.

Nach ausführlichen Begriffsdefinitionen werden die bauaufsichtlichen Brandschutzanforderungen erläutert und für wichtige Konstruktionsdetails Ausführungshinweise gegeben.

Schwerpunkt der Broschüre ist die brandschutztechnische Einstufung von Ziegelbauteilen. Behandelt wird dabei neben dem einschaligen Ziegelmauerwerk auch zweischaliges Ziegelmauerwerk sowie Ziegeldecken. Dabei wird auch detailliert auf spezielle Themen wie Putze und Wärmedämmverbundsysteme auf Ziegelmauerwerk eingegangen.

Für typische Ziegelkonstruktionen

  • einschaliges verputztes Ziegelmauerwerk
  • einschaliges Ziegelmauerwerk mit Wärmedämmputzsystemen
  • einschaliges Ziegelmauerwerk mit Wärmedämmverbundsystemen
  • einschaliges unverputztes Ziegelmauerwerk
  • zweischaliges Ziegelmauerwerk
  • bewehrtes Ziegelmauerwerk
  • Ziegeldecken

werden die erforderlichen Mindest-Bauteildicken zur Erfüllung der brandschutztechnischen Anforderungen "feuerhemmend (F30)", "feuerbeständig" (F90-AB)" und "Brandwand" angegeben.

Die Anwendungsbereiche für Ziegelmauerwerk konnten aufgrund neuer Prüfungen im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel im Vergleich zu DIN 4102-4, Ausgabe 1994, deutlich erweitert werden. So liegt jetzt z. B. für beidseitig verputztes 175 mm dickes Mauerwerk aus Hochlochziegeln nach DIN 105-2, Rohdichteklasse >= 0,9 der Nachweis der Brandwandeignung vor.

Dieses und viele weitere neue Prüfergebnisse sind in der neuen Broschüre enthalten.

Die Broschüre "Baulicher Brandschutz" kann bei der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e. V., Schaumburg-Lippe-Str. 4, 53113 Bonn und den Produktgruppen angefordert werden.

Oktober 1998
Dr. My-GdJ AMz
Link zum Original: Brandschutz mit Ziegeln


(AMz-Bericht 5/1998)

Alterungsverhalten und Bauphysik von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS)

1. Einleitung

Die ersten WDVS im Bausektor wurden zu Beginn der 60er-Jahre ausgeführt. Ihr großflächiger Einsatz begann mit der Ölkrise in den Jahren 1973/1974. Zu dieser Zeit wurden Styropor-Hartschaumplatten mit Dämmstärken zwischen 20 und 50 mm eingesetzt. Die Dämmstoffplatten wurden auf dem Untergrund verklebt und mit Kunstharzputzen wettergeschützt. Von die sem WDVS aus den Anfangsjahren waren schon nach im Schnitt 3 Jahren Standzeit nur zwei Drittel aller Systeme ohne jegliche Mängel [1]. Nach im Mittel 8 weiteren Jahren wurden die zuvor begutachteten Systeme im Jahr 1983 ein weiteres Mal untersucht [2]. Es stellte sich heraus, dass nach einer durchschnittlichen Standzeit von 11 Jahren noch 49 % der untersuchten Systeme gänzlich ohne Mängel waren. Eine neuere Untersuchung aus den Jahren 1994/1995 in der 21 Gebäude mit WDVS untersucht wurden [3], lag das Durch schnittsalter der Systeme bei 22 Jahren. Hierzu zeigte sich, dass lediglich 22 % ohne Mängel, 28 % mit geringen Mängel und 50 % aller Systeme mit größeren Mängel behaftet waren.

Die Auswertung weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen zeigt Tendenzen, die hinsichtlich der Mängelhäufigkeit zwischen den zuvor genannten Ergebnissen [3, 4, 5, 6, 7] liegen und auf eine entsprechende Reparaturanfälligkeit schließen lassen. Eine Übersicht hierzu gibt Tabelle 1. Die ausführlichen Ergebnisse sind in der Studie von Prof. Dr.Ing. Menkhoff nachzulesen, die die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel beauftragt hat.

Übersicht der Beurteilungen
Gutachten
Nr.
Herstellungs
zeitraum
Untersuchungs
zeitraum
Alter   Beurteilung Mängel in %
von bis
Jahre
meistens
Jahre
Anzahl
WDVS
1
ohne
2
geringe
3
größere
1 1959 - 1974 1974 - 1976 1 - 16 3 93 66 31 3
2 1959 - 1974 1983 9 - 24 11 82 49 35 16
3 1980 - 1988 1989 1 - 9 5 26 61 27 12
4 1975 1990 15 15 3 - (33) (67)
5 1963 - 1981 1994 - 1995 14 - 31 22 18 22 28 50

2. Renovierungszyklen

Außenwände mit WDVS unterliegen wäh rend ihrer Lebensdauer bestimmten Renovierungszyklen. Diese werden nach [8] wie folgt angegeben:

  • Mineralische Außen-/Oberputze müssen zwischen dem 15. und 50. Jahr erneuert bzw. überarbeitet werden. Der Mittelwert liegt bei 35 Jahren. Da insbesondere diese Art von Putzen unter Umständen mit einem Anstrich verse hen werden, müssen auch hierfür Renovierungszyklen eingeplant werden. Diese werden mit 5 bis 20 Jahren bei einem Mittelwert von 10 Jahren angegeben. Kunstharzputze auf Mauerwerk oder auf WDVS weisen deutlich kürzere Lebensdauern auf. Diese liegen zwischen 10 und 25 Jahren bzw. bei einem Mittelwert von etwa 18 Jahren.
  • Selbst wenn neue entwickelte Kunstharzputze eine gegenüber den zuvor genannten Zahlen deutlich längere Lebensdauer aufweisen, wird häufig eine zumindest optische Renovierung notwendig, da schon nach kurzer Zeit die Putzoberflächen der kunststoffmodifizierten Oberputze an nord- und ostorientierten Fassaden zur Veralgung und Grünbildung neigen. Dies kann auch eine Ausrüstung der Systeme mit Fungiziden nicht dauerhaft ausschließen.
  • Zum Renovierungszyklus der Wärmedämmschichten liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor. Aus den o. g. Gutachten ist nur bekannt, dass beschädigte oder abgelöste Dämmplatten nachträglich ausgetauscht werden mußten. Diese haben allerdings ihre Lebensdauer noch lange nicht erreicht und hätten, wäre das System schadensfrei geblieben, ihre Funktion weiterhin erfüllt.

3. Typische Schadensbilder

Am häufigsten vertreten sind Putzrisse insbesondere an Bauteilanschlüssen wie am Fenster, Brüstungen, Rolladenkästen etc. Diese Risse stellen sich schon sehr frühzeitig nach Fertigstellung des WDVS ein, werden aber in der Anfangsphase häufig nicht wahrgenommen. Erst mit der Zeit bilden sich in den Rissen durch den Eintrag von Schmutzwasser dunkle Verfärbungen, die dann den eigentlichen Riß erst sichtbar machen. Vor allem an Südfassaden aber auch an Westseiten sind diese Schäden vorzufinden. Ursache hierfür sind die starken Temperaturänderungen durch die Sonneneinstrahlung. Von kleinen Rissen kann kaum eine Gefährdung der Systemdauerhaftigkeit ausgehen, größere ermöglichen insbesondere in Westlagen ein Eindringen von Regenwasser und somit eine Funktionsbeeinträchtigung des gesamten Systems.

Neben den Risseschäden sind im Erdgeschoßbereich häufig Oberflächenbeschädigungen durch mechanische Beanspruchung festzustellen. Insbesondere in Geschoßbauten mit direkt an der Fassade verlaufenden Verkehrsflächen sind diese zu beobachten (Abstellen von Fahrrädern, PKW-Anstoß, Einkaufswagen, etc.). Sie lassen sich auch trotz Einlage von sog. Panzergeweben nicht gänzlich ausschließen.

Systembedingte Schwachpunkte, die immer wieder zu beobachten sind und unabhängig vom verwendeten Dämm-Material auftreten sind sich abzeichnende Dämmplatten, Putzrisse über Dämmplattenfugen, Putzaufwölbungen und Farbaufwölbungen.

Bei großflächigen Applikationen ohne Unterbrechungen durch Bauwerksöffnungen z. B. an Giebelwänden sind häufig deutliche Putzunebenheiten oder Gewebeüberlappungen besonders bei Schlaglicht erkennbar. Hierbei handelt es sich allerdings dann nur um optische Mängel.

4. Arbeitsaufwand und Kosten der Mängelbeseitigung

Die bislang bekannten Untersuchungen lassen keine gesicherten Rückschlüsse auf den Arbeitsaufwand und die zu erwartenden Renovierungskosten zu. Man kann allerdings davon ausgehen, dass eine partielle Mängelbeseitigung in den meisten Fällen nicht möglich ist. Aus optischen Gründen wird man immer die gesamte Fassadenfläche oder zumindest große Abschnitte überarbeiten müssen. Das führt dazu, dass neben der Ausbesserung schadhafter Stellen eines WDVS zumindest eine Fassadenreinigung und ein anschließender Neuanstrich notwendig werden. Darüber hinaus wird aus einigen Gutachten ablesbar, dass schon wenige Jahre nach Instandsetzungsmaßnahmen ähnliche oder gleiche Mängel erneut auftreten. Dies läßt den Schluß zu, dass bestimmte WDVS mit systemimmanenten Fehlern behaftet sein können und deren Dauerhaftigkeit und damit die Wirtschaftlichkeit derartiger Systeme stark sinkt.

5. Brandschutz

WDVS auf Basis von Polystyrol-Hartschaumplatten sind im eingebauten Zustand als schwer entflammbar gemäß Baustoffklasse DIN 4102-B1 einzustufen. In Verbindung mit der Außenwand erfolgt daraus eine Einstufung in eine Feuerwiderstandsklasse wie für die unverputzte Wand. WDVS auf mineralischer Basis mit Dämmplatten aus Mineralwolle und mineralischen Oberputzen werden in die Baustoffklasse A2 als nichtbrennbare Baustoffe mit organischen Bestandteilen (Kleber, Bindemittel) eingestuft. Hier darf das WDVS wie eine Putzschicht angesetzt werden. Brandwände dürfen nach den Landesbauordnungen aus nichtbrennbaren Materialien der Baustoffklasse A hergestellt werden, daher dürfen ebenfalls nur nichtbrennbare Dämmstoffe zum Einsatz kommen. Weitere Informationen enthält [9].

6. Wärmeschutz

WDVS heutiger Bauart sind bauaufsichtlich zugelassen. In der Regel beschränkt sich die maximale Dämmstoffdicke auf 120 mm. Bei Verwendung von nicht thermisch entkoppelten Dübeln, die allerdings kaum noch Verbreitung finden, ist eine Abminderung des rechnerischen Wärmedurchgangskoeffizienten von bis zu 30 % möglich. Weiteste Verbreitung finden Polystyrol-Hartschaumplatten in Verbindung mit kunstharz-vergüteten Oberputzen, deren Wärmeleitfähigkeit 0,04 W/mK beträgt. Nichtbrennbare Mineralfaserplatten werden mit der gleichen Wärmeleitfähigkeitsgruppe angeboten. Bei Verwendung von Mineralfaser-Lamellenplatten, bei denen die Fasern senkrecht zur Wandebene angeordnet sind und die eine hohe Scherfestigkeit aufweisen, liegt die Wärmeleitfähigkeit bei 0,045 W/mK.

7. Feuchteschutz

Systeme mit Außenputzen auf Kunstharzbasis weisen recht hohe wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicken (SD-Werte) auf.

Diese für feuchteschutztechnische Berechnungen wichtigen Angaben sind den bauaufsichtlichen Zulassungen zu entnehmen und dort für verschiedene Materialkombinationen angegeben.

Bei ungünstiger Schichtenfolge kann es zu einem nicht unerheblichen Tauwasserausfall in der Dämmschicht kommen (s. Grafik). Allerdings haben Nachberechnungen nach DIN 4109-5 gezeigt, dass dieses in der Konstruktion anfallende Tauwasser während der Verdunstungsperiode restlos verdunstet und somit deren Funktionsfähigkeit gewährleistet ist. Dies gilt immer für den Fall, dass kein Regenwasser durch Anschlußfugen oder schadhafte Außenputze eindringen kann.

8. Schallschutz

Hinsichtlich des Direktschalldämm-Maßes von Außenwänden mit WDVS ergeben sich gegenüber einer Berechnung nach DIN 4109 grundsätzlich Abweichungen. So sind insbesondere WDVS mit Kunstharzputzen mit einem Korrekturwert von bis zu - 5 dB behaftet. Lediglich Außenwände mit WDVS mit dicken mineralischen Außenputzen können bewertete Schalldämm-Maße erreichen die bis zu 4 dB über denen nach DIN 4109 liegen. Allerdings trifft diese zahlenmäßige Veränderung der Schalldämm-Maße sowohl in positiver als auch negativer Richtung nicht unbedingt die Realität. Da die Resonanzfrequenzen der WDVS zu niedrigen Frequenzen hin verschoben werden, ergibt sich im Bereich tiefer Frequenzen damit eine Verschlechterung der Schalldämmung. Dies ist allerdings vor dem Hintergrund des maßgeblichen Verkehrslärms besonders problematisch, da hier in der Regel recht hohe und störende Pegel vorliegen.

Somit kann sogar eine zahlenmäßige Verbesserung des Direktdämm-Maßes zu einer objektiven Verschlechterung des empfundenen Schalldämm-Maßes führen. Dies begründet sich aus der Bewertungskurve zur Einzahlangabe, die lediglich niedrige und mittlere Frequenzen im gut hörbaren Bereich bewertet und die tiefen Frequenzen z. B. des Verkehrslärms wenig. Dies hier aufgetretene Phänomen wird in naher Zukunft erheblich die schallschutztechnische Qualität zusatzgedämmter Außenkonstruktionen in bezug auf den Lärmschutz bestimmen.

9. Literatur

[1] Künzel, H. und Mayer, E.: Überprüfung von Außendämmsystemen mit Styropor-Hartschaumplatten. DBZ 6 (1976), S. 477, 1.1 und 1.2

[2] Künzel, H. und Mayer, E.: Alterungsverhalten von WDVS mit Kunstharzputzen. Schriftenreihe "Bau- und Wohnforschung" des Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. F 1933.

[3] Künzel, H. und Leonhardt, H.: WDVS mit mineralischen Dämmschichten und Putzsystemen. IBP-Mitteilungen 192, 17 (1990). Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Stuttgart.

[4] Künzel, H. und Leonhardt, H.: Praxisbewährung von mineralischen WDVS. Die Mappe 111 (1991) H. z, S. 20 - 22

[5] Künzel, H.: WDVS mit Mineralfaserdämmplatten. Wksb-Zeitschrift für Wärme-, Kälte-, Schall-, Brandschutz 32 (1992) H. 30, S. 1 - 4.

[6] Zapke, W. und Blomensaht, F.: Bewährung der Thermabauten. F 723. IfB, Institut für Bauforschung e. V., Hannover.

[7] Gerken, D.: WDVS im Wohnungsbau - Bestandsanalyse zur längerfristigen Lebensdauer und Kostendämpfung. IfB, Institut für Bauforschung e. V., Hannover. IRB-Verlag 1996, Forschungsbericht Nr. F 2304

[8] Künzel, H.: Funktionssicherheit und Lebensdauer wärmedämmender Maßnahmen. VDI-Berichte 356 (1980), S. 63 - 66

[9] Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e. V.: Brandschutztechnische Eigenschaften von Ziegelmauerwerk mit Zusatzdämmung. AMz-Bericht 7/1997, Bonn.

Gi Gdj AMz, Mai 1998
Link zum original: Alterungsverhalten und Bauphysik von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS)


(AMz-Bericht 5/1997)

Solarabsorption auf Außenwänden und Reduktion der Transmissionswärmeverluste

1. Einleitung

Die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel hat in den letzten Jahren mehrere Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben, energetischen Auswirkungen der Solarabsorption auf Außenwänden zur Reduktion der Transmissionswärmeverluste und die damit verbundene Verringerung des Heizenergiebedarfs zu untersuchen. Im Bericht 2/95 der AMz sind ein großer Teil der Ergebnisse vorgestellt worden. Aus aktuellen Anlaß erfolgt eine erneute Berichterstattung. Die Betrachtung der solaren Zustrahlung auf opake Bauteilflächen mit den damit verbundenen Energiegewinnen findet bislang zu wenig Beachtung in den bekannten Bewertungsverfahren zur Ermittlung des Wärmebedarfs von Gebäuden. Die europäischen Regelwerke zur Berechnung des Heizwärmebedarf von Gebäuden ermöglichen allerdings zukünftig die Berücksichtigung dieser Solareffekte [5] , die sich im Nachweisverfahren einer novellierten Heizenergieverordnung wiederum positiv auswirken können.

2. Durchgeführte Messungen

In [1] wurden 13 verschiedene Außenwandkonstruktionen mit unterschiedlichen Aufbauten in Leicht- und Schwerbauweise und mit verschieden gestalteten Oberflächen untersucht. Die rechnerischen Wärmedurchgangskoeffizienten der vorrangig aus Ziegelmauerwerk erstellten Wände lagen zwischen 0,27 und 0,88 W/m²K und bilden die gesamte Palette bauüblicher Konstruktionen ab. Die Absorptionskoeffizienten der farbigen Oberflächen wurden gemessen und sie ergaben für weiße Oberputze Werte von ca. 0,3 und für dunklere Oberflächen Werte zwischen 0,65 (rote VMz) und 0,78 (dunkelbrauner Anstrich). Dies bedeutet, dass zwischen 30 und 78 % der einfallenden kurzwelligen Solarstrahlung an der Oberfläche absorbiert und in Wärme umgewandelt werden kann. Tabelle 1 zeigt eine Zusammenstellung üblicher Außenbeschichtungen und -farben mit den dazugehörenden Absorptionskoeffizienten der Solarstrahlung.

Oberfläche Farbe Absorptionskoeffizient der
Solarstrahlung
Mineralischer Putz weiß (Neuanstrich) 0,15 - 0,25
Mineralischer Putz weiß - hellgrau 0,3
Mineralischer Putz mittelbraun 0,5
Vormauerziegel rot - dunkelrot 0,65 - 0,7
Mineralischer Putz oxydrot, dunkelbraun 0,65 - 0,75

Vergleicht man die Wärmeverluste einer weißen, nach Norden orientierten Wand mit einer dunklen, nach Süden orientierten über die Heizperiode, ergeben sich für diese bis zu 23 % geringere Verluste durch die Sonnenzustrahlung bei gleichem rechnerischen Wärmedurchgangskoeffizienten. Selbst eine weiße, nach Süden orientierte massive Wand kann bis zu 9 % reduzierte Wärmeverluste gegenüber einer massenlosen und ohne Strahlung beaufschlagten Außenwand aufweisen.
Ähnliche Ergebnisse werden in [2] dargestellt. Hier sind allerdings lediglich zwei unterschiedliche Südwände, nämlich eine 50 cm starke Leichthochlochziegelwand und eine 15 cm starke Ziegelwand mit Wärmedämmverbundsystem meßtechnisch und rechnerisch untersucht worden. Beide Außenwände weisen nahezu gleiche rechnerische Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,38 bzw. 0,39 W/m2 K auf. Die verputzten und nach Süden orientierten Außenoberflächen sind für die Messungen braun eingefärbt worden. Dies führt zu einem Absorptionsgrad von etwa 0,7. Die meßtechnischen Untersuchungen zu den Wärmeverlusten dieser Wände ergaben für den Meßzeitraum während der Winterperiode für das massive Ziegelmauerwerk einen effektiven k-Wert von 0,32 W/m2 K und damit eine Reduzierung der Wärmeverluste um fast 16 % gegenüber dem rechnerischen Wert. Das mit Wärmedämmverbundsystem ausgestattete Mauerwerk wies eine Verbesserung um gut 12 % d.h. einen effektiven Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,34 W/m2 K auf. Schon hier läßt sich erkennen, dass offensichtlich der konstruktive Aufbau der Außenwand keinen großen Einfluß auf die Solarabsorption und die damit verbundenen Reduktion der Transmissionswärmeverluste hat.
Die jetzt vorgelegten Ergebnisse einer Untersuchung [3] mit 13 unterschiedlichen Wandaufbauten mit rechnerischen Wärmedurchgangskoeffizienten zwischen 0,43 und 0,61 W/m2 K ergeben hinsichtlich der Wärmeverluste in den Wintermonaten ähnliche Resultate. Unterschiedliche Oberflächenstrukturen und -farben der vornehmlich südorientierten Wände führen zu Reduzierungen der Wärmeverluste von bis zu 26 % gegenüber nordorientierten, nicht der Sonneneinstrahlung ausgesetzten Wänden. Die höchsten Einsparungen wurden bei dunkelbraunen Oberflächen bzw. Sichtmauerwerk mit Absorptionsgraden von etwa 0,7 erreicht. Die helleren Oberflächen erreichen Reduktionen zwischen 2 und 10 %. Diese prozentualen Verbesserungen des k-Wertes treffen dabei für alle Wandaufbauten ähnlich zu. Darüber hinaus wird in [3] ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die hier ermittelten Reduktionen stark abhängig vom Klimastandort und damit von der verfügbaren Solarstrahlung sind. Dies läßt sich auch durch den rechnerischen Ansatz der prozentualen Wärmestromreduzierung ableiten:

Diese Reduktionen gelten für den sehr strahlungsreichen Standort Holzkirchen. Für das mittlere deutsche Klima mit Referenzort Würzburg muß von ca. 20 % geringeren Einsparungen ausgegangen werden.

Tabelle 2 zeigt eine Zusammenstellung der sich aus den Untersuchungen [1-3] ergebenden effektiven Wärmedurchgangskoeffizienten im Vergleich zu denen ohne solare Zustrahlung und der unterschiedlichen Farbgestaltung aller untersuchten Außenwände.

Tabelle 2:
Effektive Wärmedurchgangskoeffizienten und prozentuale Verbesserungsmaße von südorientierten Außenwänden mit unterschiedlicher Farbgebung und verschiedenartigem Aufbau.

Wärmedurch-
gangskoeffi-
zient ohne
Strahlung
kR[W/m2K]
Solarer
Absorpti-
onskoeffi-
zient
Bauweise Effektiver Wärmedurchgangskoeffi-
zient keff [W/m2K]
Ver-
besse-
rungs-
maß
[%]
nach [1] nach [2] nach [3]
0,77 0,78 monolith 0,59     23
0,77 0,27 mololith 0,71     9
0,68 0,65 2-schalig 0,58     15
0,45 0,78 WDVS 0,35     22
0,27 0,78 Holzständer 0,21     24
0,39 0,68 WDVS   0,34   12
0,38 0,71 monolith   0,32   16
0,72 0,67 monolith
30 cm
    0,56 23
0,72 0,49 monolith
30 cm
    0,60 17
0,73 0,26 monolith
30 cm
    0,66 9
0,66 0,15 monolith
30 cm
    0,65 2
0,48 0,67 monolith
36,5 cm
    0,38 21
0,60 0,15 monolith
36,5 cm
    0,59 2
0,44 0,32 Dämmputz
30,0+6,0 cm
    0,40 10
0,38 0,71 2-schalig
Klinker
    0,28 26
0,60 0,67 monolith
36,5 cm Nord
    0,56 7

3. Rechnerische Untersuchungen

Für die Praxis sind die zuvor dargestellten Verbesserungsmaße in die Energiebilanz eines Gebäudes aufzunehmen, um die Auswirkungen auf den Heizwärmebedarf berechnen zu können. In der Regel weisen Gebäude in der Südfassade die geringsten Außenwandanteile auf, da hier insbesondere Fensterflächen zur Solarenergienutzung angeordnet sind. Mittels rechnerischer Untersuchungen [4] sind die effektiven Wärmedurchgangskoeffizienten der Außenwände über die vier Hauptorientierungen typischer Gebäude ermittelt worden. Dazu sind die zuvor gemessenen Absorptionsgrade der Außenwände in die Energiebilanzen der Wohngebäude eingeflossen, um so mittlere effektive Wärmedurchgangskoeffizienten und deren Einfluß auf die Heizwärmeeinsparung ermitteln zu können.
Es ergeben sich im Mittel Verbesserungen des rechnerischen Wärmedurchgangskoeffizienten sämtlicher Außenwände zwischen 4 und 6% für helle und 9 und 14 % für dunkle Oberflächen. Den höchsten Bonus erreicht die zweischalige, dunkelrot verklinkerte Außenwand. Die dynamischen Berechnungsergebnisse zeigen damit eine gute Übereinstimmung mit den Meßergebnissen.

4. Auswirkung auf den Heizwärmebedarf

Bedenkt man, dass die Transmissionswärmeverluste der gut gedämmten Außenwände nur einen kleinen Teil des gesamten Heizwärmebedarfs ausmachen, wird klar, dass die Einsparpotentiale zur Heizenergie relativ gering sind. Die Simulationsrechnungen [4] haben ergeben, dass bei Einsatz heller, d.h. verputzter einschaliger Außenwände 1,5 - 4,5% Heizwärme durch Solarabsorption eingespart werden kann. Bei dunklen Oberflächen liegen diese Werte zwischen 2 und etwa 8% Eneergieeinsparung.
Dieser Bonus ist weitestgehend unabhängig von der ein-oder zweischaligen Bauweise, jedoch zeigen schwere Außenwände tendenziell höhere Verbesserungsmaße als leichte Wände wie z. B. hochgedämmte Holzständerkonstruktionen. Dies ist durch den erhöhten Ausnutzungsgrad der solaren Gewinne bei schweren Bauweisen zu erklären [6]. In jedem Fall ist das Einsparpotential durch die Farbgebung immer für das zu betrachtende Objekt zu ermitteln, um Standortdaten, Fensterflächenanteile, Verschattungen, etc. mit zu berücksichtigen.

Bild 1 gibt die Spannweite der möglichen prozentualen Heizwärmeeinsparungen durch die Berücksichtigung der effektiven Wärmedurchgangskoeffizienten sämtlicher untersuchter Außenwände unterschiedlicher Gebäude mit verschiedenen solaren Absorptionsgraden wieder.

Bild 1: Durchschnittliche prozentuale Heizwärmeeinsparung gefärbter Außenoberflächen.

5. Berücksichtigung in der Normung

Die Effekte der Verringerung der Wärmedurchgangskoeffizienten von Außenwänden durch die solare Einstrahlung sind in der Fachwelt bekannt und allgemein unumstritten. Die rechnerische Berücksichtigung dieser zusätzlichen Solargewinne ist in ein europäisches Normenwerk zur Berechnung des Jahresheizwärmebedarfs von Wohngebäuden mit eingeflossen [5]. Diese prEN 832, die aller Voraussicht nach Basis des Nachweisverfahren für eine novellierte und verschärfte Wärmeschutzverordnung wird, geht im wesentlichen auf Arbeiten von Prof. Dr. Werner zurück. In einer Paramaterstudie mit Hilfe dieses neuen Rechenverfahrens wurde nachgewiesen [7], dass die Reduzierungen der k-Werte der Außenbauteile durchaus spürbare Heizwärmeeinsparungen von etwa 2% bewirken, trotz zusätzlicher langwelliger Abstrahlungen der Dachfläche an den Himmel. Dieser Rechenansatz gilt aber richtigerweise für alle opaken Bauteile, ob leichter oder schwerer Art. Weiterhin soll für den Fall der gesonderten Ermittlung der Solarstrahlungsgewinne auch die langwellige Abstrahlung während der Nacht und der Strahlenaustausch mit der Nachbarbebauung berücksichtigt werden. Dies ist für die den Himmel zugewandten Dachflächen äußerst sinnvoll, bei Wandflächen kann man aber davon ausgehen, dass diese Effekte im äußeren Wärmeübergangskoeffizienten enthalten sind.
Diese Prozedur entspricht durchaus realen Wärmetransportvorgängen und kann innerhalb eines stationären Rechenmodells wie der pr EN 832 als gangbarer Weg angesehen werden. Eine darüber hinaus gehende detailliertere rechnerische Erfassung dieser Vorgänge erscheint aus Sicht des Verfassers auf Grund geringer Einspareffekte im Gegensatz zu anderen energiebilanzrelevanten Größen nicht zielführend.

6. Zusammenfassung

Die Auswertung der zitierten Forschungsarbeiten [1-3] unterschiedlicher Autoren zeigt, dass die solare Absorption auf Außenwänden zu durchaus kalkulierbaren Heizwärmeeinsparungen führen kann. Darüber hinaus wird erkennbar, dass die ermittelten Verbesserungsmaße hauptsächlich von der Farbgebung der Außenwandoberfläche und dem Strahlungsangebot abhängig sind. Die Flächenmasse gut gedämmter Außenbauteile und die Anordnung äußerer Dämmschichten spielt eine untergeordnete Rolle für Nutzung solarer Zustrahlung. Bei hoch absorbierenden Oberflächen wie z.B. roten Vormauerziegel- oder Klinkerwänden sind die höchsten Verbesserungsmaße von bis zu 26 % an südorientierten Wänden erreichbar. Die Reduzierung des Heizwärmebedarfs durchschnittlicher Gebäude fällt auf Grund des geringen Anteils der Außenwände an den Gesamtverlusten nur noch vermindert in Gewicht. Etwa 2 bis 8 % Heizwärmeeinsparung sind in der Praxis bei unverschatteten Fassaden möglich. Diesem Umstand wird erstmalig in der europäischen Normung Rechnung getragen, wenn gleich dort die erreichbaren Verbesserungen etwas geringer ausfallen können, da auf der sog. "sicheren Seite" liegend.

7. Literatur

[1] Kupke, C.; Stohrer, M.: Wärmeenergietransport durch Außenwände unter natürlichen Klimabedingungen. Abschlußbericht Forschungs- und Entwicklungsgemeinschaft für Bauphysik e.V. an der FH für Technik (FEB), Stuttgart (1987).
[2] Frank, T.: Energiebilanz von Außenwänden unter realen Randbedingungen. Untersuchunsbericht Nr. 136 788, Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA), Dübendorf, Schweiz (1994).
[3] Lindauer, E; Einfluß der Absorption von Sonnenstrahlung auf die Transmissionswärmeverluste von Außenwänden aus Ziegelmauerwerk. Bericht REB 4/1996 des Fraunhofer Instituts für Bauphysik, Holzkirchen (1996).
[4] Palmiter, L.; Wheeling, T.: SUNCODE - A Program User`s Manual. Ecotope Group (1981).
[5] CEN: Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden - Berechnung des Heizenergiebedarfs Wohngebäude. Entwurf prEN 832. Brüssel (1994).
[6] Lindauer, E.: Untersuchungen zum Nachweis des solaren Ausnutzungsgrades an thermisch leichten und schweren Versuchsräumen. Bericht REB 5/1996 des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, Holzkirchen (1997).
[7] Werner, H.: Parameterstudie über energetische Einflußgrößen auf den Heizenergiebedarf von Gebäuden im Hinblick auf die ESVO '99, Rottach-Egern (1997) unveröffentlicht.

August 1997
Gi-GdJ-AMz
Link zum Original:
Solarabsorption auf Außenwänden und Reduktion der Transmissionswärmeverluste


(AMz-Bericht 3/1999)

Energie sparen um jeden Preis ?
Reduzierter Heizenergiebedarf in Wohngebäuden und die damit verbundenen Kosten

Einleitung

In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von hochwärmegedämmten Wohnhäusern mit zumeist aufwendiger Anlagentechnik entstanden, deren Heizenergiebedarfswerte den sog. Niedrigenergiehaus-Standard deutlich unterschreiten. Diese, zur Zeit noch in geringer Stückzahl auf dem Markt vertretenen Objekte sind häufig gut dokumentiert und unter wissenschaftlicher Begleitung realisiert worden. Teilweise wurden umfangreiche Messungen der Energieflüsse und des Nutzerverhaltens durchgeführt und analysiert. Ultraniedrigenergiehäuser, Passivhäuser Nullheizenergiehäuser und sogar Nullenergiehäuser sind in der Literatur zu finden, eine allgemein gültige einheitliche und vor allem klare Definition der energetischen Qualität derartiger Gebäude ist ebenso wenig vorhanden wie für das seit Jahren gebaute Niedrigenergiehaus. Dennoch haben sich gewisse Bezeichnungen im allgemeinen Sprachgebrauch festgesetzt:
Niedrigenergiehaus:
Gebäude mit einem Heizwärmebedarf, der gegenüber dem nach WSchV 1984 geforderten Niveau weniger als die Hälfte beträgt, bzw. einem Heizwärmebedarf Q``H zwischen 30 - 70 kWh/ (m2a) entspricht [1] oder eine 25 - 35 prozentige Unterschreitung des nach WSchV 1995 zulässigen Heizwärmebedarfs [2] aufweist.

Ultraniedrigenergiehaus:
Etwa halbierter Heizenergiebedarf eines Niedrigenergiehauses unter besonderer Berücksichtigung der Anlagentechnik [3], also mit Bewertung der Heizungs- und/oder Lüftungsanlage.

Passivhaus:
Haus mit extremer Wärmedämmung und ohne Heizsystem, lediglich Zuluftvorwärmung über eine hocheffiziente Lüftungsanlage, kein Fensteröffnen während der Heizperiode [4].

Nullheizenergiehaus:
Gebäude ohne fossile Heizwärmeerzeugung, daher mit saisonaler Speichertechnik zur aktiven thermischen Solarenergienutzung ausgerüstet [5].

Nullenergiehaus:
Energieautarkes Gebäude ohne Strom- oder Gasanschluß bzw. Öltank [6]. Benötigt thermische und elektrische Speicherkapazitäten.

Ausstattungsmerkmale

Das Erreichen der zuvor definierten Standards erfolgt vorrangig über einen hohen baulichen Wärmeschutz und darüber hinaus je nach Reduktionsziel über entsprechend umfangreiche anlagentechnische Maßnahmen. Die nachfolgende Tabelle gibt Größenordnungen der Wärmedurchgangskoeffizienten (k-Werte) der wärmetauschenden Hüllflächen und der notwendige Anlagentechniken beispielhafter Objekte wieder. Hierbei ist nicht maßgebend, dass jede Einzelgröße exakt eingehalten wird, sondern insbesondere die Energiebilanz der Gebäude sorgfältig aufeinander abgestimmt und ausgewogen ist.

Haus-
typ
Wärmedurchgangskoeffizienten [W/(m2K)] Lüftung Heizung Sonstiges
Außen-
wand
Fenster Dach Keller/
Erdreich
Neben-
räume
     
WSchV 95 0,5 1,7 0,25 0,5 0,5 über
Fenster
Standard -
Niedrig-
energie
0,35-
0,4
1,3-
1,4
0,2 0,35 0,35 u.U.
LWRG
Standard/
optimierte Technik
-
Ultra-
niedrig-
energie
0,15-
0,20
0,75 0,12
0,17
0,24 0,14-
0,16
LWRG
h > 0,8,
Erdreich-
wärme-
tauscher
optimierte
Kombi-
nation
Warm-
wasser-
heizung/
Brauch-
wasserer-
wärmung
Abschal-
tung der
LWRG
bei Fen-
ster-
öffnen
Passiv 0,14 0,70 0,10 0,13 - LWRG
h > 0,8,
Erdreich-
wärme-
tauscher
lediglich
Nachhei-
zung der Zuluft
kein Fen-
steröff-
nen in
der HP
Null-
heiz-
energie
0,08-
0,19
0,7-
1,20
0,09-
0,12
0,10-
0,23
- LWRG
h > 0,8,
ggf. Erd-
reich-
wärme-
tauscher
einfache
Warm-
wasser-
heizung,
ohne
Heizkes-
sel
WW-
Kollek-
toren, 20
m3 saiso-
naler
Speicher
Null-
energie
0,16 0,60 0,19 0,18 - LWRG
h > 0,85,
Erdreich-
wärme-
tauscher
Brenn-
stoffzelle
mit eige-
ner Was-
serstoff-
erzeu-
gung
WW- und
PV-Kol-
lektoren, Batterien,
TWD

Ausstattungsmerkmale unterschiedlicher Gebäudetypen

Kostensituation

Die baulichen Energieeinsparmaßnahmen und vor allem die anlagentechnischen Zusatzausstattungen der zuvor beschriebenen Standards sind mit Mehrkosten behaftet. Diese sind in drei Gruppen zu unterteilen. Zum einen ergeben sich investive Mehrkosten gegenüber den Bauweisen mit einem Wärmeschutz gemäß den gesetzlichen Anforderungen.

Diese Zusatzinvestitionen führen in der Regel automatisch zu erhöhten Planungskosten, wenn bei Verwendung komplizierter Anlagentechnik die Einschaltung von Fachingenieuren erforderlich wird.
Zum anderen aber, und das wird häufig vergessen, sind erhöhte Betriebskosten für strombetriebene Aggregate durch zusätzlichen Wartungsaufwand z. B. bei Lüftungsanlagen einzukalkulieren. Eine Amortisationsrechnung zusätzlicher Maßnahmen ist daher nur für jeden individuellen Fall durchführbar und bei den derzeit niedrigen Energiepreisen fossiler Brennstoffe fast nie positiv. Ein Punkt, der bei einer Kostenbetrachtung nicht unberücksichtigt bleiben darf, sind die Entsorgungskosten spezieller Maßnahmen bei Abriß und Erneuerung. Dies trifft für die Anlagentechnik z. B. Photovoltaik aber auch für in der Gebäudehülle eingesetzte Verbundwerkstoffe zu. Da die Spannweite der Zusatzinvestitionen sehr groß ist, kann die nachfolgende Tabelle nur als grober Anhalt für die zu erwartenden Kosten gelten.

Kostenbereich Niedrig-
energie
Ultraniedrig-
energie
Passiv Nullheiz-
energie
Nullenergie
Wärmeschutz 6-10 25-40 10-50 40-50 k.A.
Anlagentechnik 2-12 15-30 10-30 80-140 700
Summe 8-22 40-70 20-80 120-190 ca. 700

Zusatzinvestitionen (ohne Planungsmehrkosten) in TDM für verschiedene Gebäudestandards nach [7, 8, 9, 10] für Einfamilienhäuser mit ca. 150 m2 beheizter Nutzfläche.

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Am Beispiel eines Einfamilienhauses stehen den dargestellten Mehrkosten zwischen z. B. dem Niedrigenergiehaus-Standard und dem Ultraniedrigenergie- bzw. Passivhaus von im Mittel 40 TDM bzw. etwa 250 DM/m2 Wohnfläche etwa 30 kWh/(m2a) Heizenergieeinsparung gegenüber. Bei Energiekosten von 0,045 DM/kWh ergäbe sich bei statischer Amortisationsberechnung ein Zeitraum von über 150 Jahren zur Refinanzierung. Berücksichtigt man darüber hinaus, dass eine Halbierung der k-Werte gegenüber der NEH-Bauweise zusätzliche Dämmstoffstärken der opaken wärmetauschenden Hüllfläche von 12 bis 16 cm Dicke erforderlich macht, fallen für ein Einfamilienhaus mit einer Hüllfläche von etwa 400 m2 zusätzlich 50 m3 Dämmstoffe an. Dies bedeutet bei festgelegten Gebäudeaußenmaßen 20 m2 Wohnraum weniger zur Verfügung zu haben. Der finanzielle Ausgleich hierfür sollte ebenfalls einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung unterzogen werden.

Die Situation der Betriebskosten stellt sich für die unterschiedlichen Baustandards in ähnlicher Weise dar. Neben den verbrauchsgebundenen Brennstoffkosten ergeben sich für alle fossil befeuerten Anlagen Fixkosten und nahezu verbrauchsunabhängige Kosten für elektrische Hilfsenergien.

Kostenart   WSchV 95 Niedrig-
energie
Ultraniedrig-
energie
Nullheiz-
energie
Gasheizung verbrauchs-
gebunden
540 340 140 0
Fixkosten 400 400 400 100
Strom Antriebe 140 140 280 410
Gesamt-
kosten
jährlich 1080 880 820 520
nutzflächen-
bezogen
[DM/(m2a)]
7,20 5,90 5,50 3,50

Jährliche Anlagenbetriebskosten in DM/a für ein Einfamilienhaus mit 150 m2 Nutzfläche [7]

Die Nicht-Inanspruchnahme fossiler Brennstoffe im Nullheizenergiehaus führt lediglich zu einer Halbierung der energierelevanten Betriebskosten gegenüber dem gesetzlich verordneten Energiebedarfsniveau und macht im Beispiel etwa 500 DM pro Jahr im Einfamilienhaus aus. Die Betriebskostenreduktion zwischen WSchV95-Standard und einem Niedrigenergiehaus liegt bei etwa 200 DM/a. Dieser Wert deckt sich mit einer Vielzahl von Literaturstellen ebenso wie mit den Erfahrungen im Ziegel-Demonstrationsvorhaben Bochum-Werne [8]. Hier betragen die Minderkosten zwischen 120 und 220 DM/a je Wohneinheit. Die hohe Schwankungsbreite wird im wesentlichen durch das stark unterschiedliche Nutzerverhalten in den neun untersuchten Gebäuden bestimmt.

Fazit

Für die in der Summe recht kleinen jährlichen Betriebskosteneinsparungen von Gebäuden mit extrem geringem Energiebedarf lassen sich bei dem derzeit sehr niedrigen Zinsniveau von etwa 5 Prozent und bei Annahme einer 1-prozentigen jährlichen Tilgungsrate etwa 2000 - 3500 DM kostenneutral finanzieren. Mit derart unattraktivem Investitionspotential lassen sich selbst bei besten Willen zu ressourcensparenden Bauen und Gebäudebetrieb keine über die gesetzlichen Anforderungen hinweg interessanten Maßnahmen realisieren.

Eine qualitativ hochwertige Ausführung bewährter Bauweisen mit einem den gesetzlichen Anforderungen entsprechenden Standard wird sich bei energiebewußtem Wohnverhalten derzeit ein wirtschaftlich interessanterer Einspareffekt erzielen lassen als überzogene bauliche und anlagentechnische Zusatzmaßnahmen.

Literatur

[1] Sperber, Schettler-Köhler: Wärmeschutzverordnung `95. Handbuch für die planerische und baupraktische Umsetzung. Verlag Hubert Wingen, Essen (1994).

[2] Ministerium für Bauen und Wohnen, NRW: Niedrigenergiehaus-Förderung NRW. Düsseldorf, Juni 1993.

[3] Hillmann, e. a. : Ultra-House Rottweil. International Symposium Energy Efficient Buildings, Proceedings, Leinfelden-Echterdingen, Germany (1993), S. 129-136.

[4] Feist : Passivhäuser in Mitteleuropa. Dissertation Universität Kassel, Institut Wohnen und Umwelt, 1993.

[5] Bine Informationsdienst: Solare Energiesparhäuser. Pilotprojekt Rottweil und Berlin, Bine Projekt Info-Service, Bonn, Nr.9, Oktober 1997.

[6] Voss, e. a.: Das energieautarke Solarhaus. Bauphysik 15 (1993) H. 1, S. 10 - 14 und H. 3, S. 90 - 96.

[7] Erhorn: Nullheizenergiehäuser marktreifauch marktgängig ? Bauphysik 20 (1998) H. 3, S. 69 - 73.

[8] Kluttig, Erhorn: Niedrigenergiehäuser in Ziegelbauweise. Abschlußbericht WB 100/1998, Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Stuttgart (1998).

[9] Eicke-Hennig, e. a.: Empirische Überprüfung der Möglichkeiten und Kosten im Gebäudebestand und bei Neubauten Energie einzusparen und die Energieeffizienz zu steigern. Endbericht IWU, Darmstadt (1994).

[10] Kluttig, e. a.: Vom Niedrigenergie zum Null-Heizenergiehaus! wksb 42 (1998), H. 42, S. 3 - 5.

Bonn, 18. März 1999
Gi-GdJ AMz
Link zum Original: Energie sparen um jeden Preis ?


(AMz-Bericht 1/2000)

Luftdichtheit in Ziegel-Massivgebäuden

Einleitung

Die Luftdichtheit der Aussenhülle eines Gebäudes wird zunehmend als Qualitätsmerkmal verstanden und kann im Massivbau dessen übrige positiven Eigenschaften weiter verbessern. Neben der Schadensfreiheit und vor dem Hintergrund der Energieeinsparung wird ein höherer thermischer Komfort erreicht, ein besserer Schallschutz erzielt und eine nachhaltige Bauqualität sichergestellt. Die Wichtigkeit dieser Forderungen bringt der III. Bauschadensbericht der Bundesregierung [1] deutlich zum Ausdruck, in dem neben der Forderung zur Bedarfslüftung insbesondere auf Schäden durch mangelhafte Luftdichtheit von Gebäuden hingewiesen wird.

Eine dauerhaft luftdichte Ausführung aller Bauteilanschlüsse wird schon seit Bestehen der DIN 4108 [2] seit dem Jahr 1952 gefordert. Dort wird die Luftdurchlässigkeit der Fensterfugen zwischen Blend- und Flügelrahmen durch den Fugendurchlasskoeffizienten a [m³/(m*h*Pa2/3)] beschrieben und je nach Anwendungsfall begrenzt. Die früher recht hohen a-Werte zwischen etwa 1 und 2 konnten zu nicht unerheblichen Lüftungswärmeverlusten beheizter Räume führen, so dass sie bei der Ermittlung der Raumheizlast nach DIN 4701 [3] berücksichtigt wurden.

War in der Vergangenheit eine hohe Luftwechselrate in den Gebäuden zur Gewährleistung einer ausreichenden Zufuhr von Verbrennungsluft für die vorwiegend ofenbeheizten Wohnräume notwendig, ergibt sich diese Erfordernis bei den heute üblichen zentralbeheizten Gebäuden nicht mehr. Auch der in der Vergangenheit deutlich schlechtere bauliche Wärmeschutz mit den damit verbundenen Tauwasserproblemen machte hohe Luftwechselraten erforderlich. Mit der Erhöhung des baulichen Wärmeschutzes und der Zunahme der personenbezogenen Wohnflächen sinkt die Tauwassergefahr deutlich und die Feuchteabfuhr aus den Räumen kann über kleinere Luftwechselraten sichergestellt werden.

Neben der energetischen Relevanz einer luftdichten Gebäudehülle kommt der Schadensfreiheit der hochwärmegedämmten Bauteile eine besonders große Bedeutung zu. So sind insbesondere nicht ausreichend luftdichte Dächer durch konvektiven Feuchteeintrag stark gefährdet. Entsprechende Untersuchungen [4] und [5] zeigen, dass bedeutende Wassermengen zusätzlich zur Diffusion in und durch wärmegedämmte Steildächer ohne ausreichende Luftdichtheitsschichten und Anschlüsse eingetragen werden können und zu erheblichen Schäden führen.

Luftwechselzahlen

Die in der Bauphysik verwendete Luftwechselzahl n gibt an, wie oft das vorhandene Nettoraumvolumen in einer Stunde mit der Außenluft ausgetauscht wird. Der Mindestluftwechsel in Wohnräumen zum CO2 - Ausgleich und zur Feuchteabfuhr sollte etwa 0,5 h-1 betragen. Berücksichtigt man eine durchschnittliche Wohn- bzw. Nutzfläche von 30 m² pro Person ergibt sich bei lichten Raumhöhen von 2,4 m ein Wert von über 30 m³/pers*h, der sich mit den Anforderungen der DIN 1946 [6] an intensiv genutzte Wohn- und Aufenthaltsräume deckt.

Neben dem in der Regel über Fensteröffnen oder über mechanische Lüftungsanlagen sicherzustellenden Luftwechsel ergibt sich ein unkontrollierter zusätzlicher Infiltrationsluftwechsel über Bauteilfugen, Undichtheiten in der Gebäudehülle etc. Dieser resultiert aus den statischen Druckdifferenzen der Windanströmung am Gebäude und aus den temperaturbedingten Luftdruckunterschieden zwischen Innenraum und Außenluft. Diese Luftwechselzahl liegt zwischen 0,1 h-1 bei sehr dichten und 0,3 h-1 bei weniger dichten Gebäuden. An dieser Stelle wird erkennbar, dass dieser Infiltrationsluftwechsel im Verhältnis zum kontrollierten Luftwechsel einen erheblichen Anteil am Lüftungswärmeverlust in der Heizperiode ausmachen kann. Diesem Umstand trägt die in der Bearbeitung befindliche Norm DIN V 4108-6 [7] Rechnung, nach der der Jahresheizwärmebedarf von Wohngebäuden berechnet werden kann. So wird in luftdichten Gebäuden mit einem Gesamtluftwechsel n von 0,6 h-1 in der Heizperiode gerechnet, während weniger luftdichte Gebäude einen Wert von 0,7 h-1 zugewiesen bekommen.

Prüfung der Luftdichtheit

Die Definition der ausreichenden Luftdichtheit eines Gebäudes erfolgt in der DIN V 4108 - 7 von 1996 [8]. Häuser mit mechanischer Lüftungsanlage müssen dichter sein als solche mit Fensterlüftung. Der nach dem Blower-Door-Verfahren ermittelte n50 Wert, der sich bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal ergibt, darf 1,0 pro Stunde in mechanisch bzw. 3,0 pro Stunde in Fenster gelüfteten Gebäuden nicht überschreiten.

Die Blower-Door-Prüfungen werden in der Regel von Ingenieurbüros durchgeführt, die Überprüfung eines Einfamilienhauses in bezugsfertigem Zustand dauert etwa eine Stunde zuzüglich der Nebenarbeiten und der Messauswertung. Sollen darüber hinaus eventuell vorhandene Leckagestellen gesucht werden, ist je nach Bauzustand und Bauweise mit einem erheblichen Mehraufwand zu rechnen. Dieser Umstand macht deutlich, dass die Überprüfung der Luftdichtheit zu einem möglichst frühen Zeitpunkt und zwar vor Beendigung aller Innenarbeiten erfolgen sollte. Dies setzt voraus, dass die Luftdichtheitsschichten komplett fertiggestellt und sämtliche Bauteilanschlüsse luftdicht ausgeführt sind. Die Kosten einer solchen Messung belaufen sich in einer weiten Spanne zwischen 500 und 2000 DM.

Neuere Untersuchungen [8] zeigen allerdings, dass die Unsicherheiten zur Genauigkeit von Blower - Door - Prüfungen sehr hoch sind. Insbesondere der während der Messung herrschende Winddruck auf die Fassaden und die Art der Leckagen beeinflussen ein Ergebnis erheblich. Nicht zuletzt die Bestimmung des Bezugsvolumens (Netto-Innenvolumen) kann bei unübersichtlichen Verhältnissen mit entsprechend hohen Fehlern behaftet sein. Sind die möglichen Leckagen z.B. nur auf einer Fassade zu finden, ist die Einzel-Messunsicherheit mit 17 - 42 % am größten. Die Gesamtunsicherheit bei keinem oder nur geringen Windanfall kann zwischen 6 und 35 % betragen. Im Zweifelsfall ist damit zur Einhaltung vorgegebener Anforderungen eine Überprüfung der Randbedingungen äußerst sinnvoll.

Luftdichtheitskonzept

Zum Erzielen einer luftdichten Gebäudehülle ist möglichst schon in der Entwurfsphase, aber spätestens im Rahmen der Detailplanung, unbedingt ein Luftdichtheitskonzept zu erstellen. Sämtliche Bauteilanschlüsse mit Konstruktions- oder Materialwechseln sind zu planen, den entsprechenden Gewerken im Rahmen der Ausschreibungen zuzuordnen und nach aller Erfahrung auch bauüberwachend zu begleiten.

Die luftdichte Hülle muss das gesamte beheizte Volumen vollflächig umschließen, im Geschoßwohnungsbau möglichst jede einzelnen Wohneinheit für sich selbst, um hier über Treppenhäuser, Versorgungsschächte, etc. Leckagen auszuschließen. Insbesondere ausgebaute Dachgeschosse mit Pfettendach und Kehlgebälk sind auf Grund der Vielzahl der konstruktionsbedingten Durchstoßpunkte zu beachten. Geringe Anschlußlängen, eine reduzierte Anzahl von Durchdringungen und ein mechanischer Schutz der im Leichtbau verwendeten Folien oder Pappen sind Voraussetzung für dauerhafte Ausführungen und reduzieren das Schadenspotential. Eine Übersicht der kritischen Details und deren sachgerechte Ausführung gibt die DIN V 4108-7 [9], die sich derzeit allerdings noch in Überarbeitung befindet.

Für den Massivbau aus Ziegeln gilt für die flächigen Bauteile, dass naßverputztes Mauerwerk mit mindestens einer verputzten Oberfläche grundsätzlich luftdicht ist. Dies wird gemäß E DIN 4108-3, 1999-07 festgestellt. Demgegenüber muß bei Holzbauteilen generell eine Luftdichtheitsschicht angebracht werden [10].

Aus der Literatur sind Werte der Luftdurchlässigkeit für verschiedene Materialien und flächige Bauteile bekannt. Die Luftdurchlässigkeit wird ebenfalls bei einem Differenzdruck von 50 Pa ermittelt und es wird ein stündlicher Luftvolumenstrom pro m² Bauteilfläche angegeben [m³/(m²*h)]. Materialschichten mit einem Kennwert größer 0,1 m³/(m²*h) gelten als nicht geeignet, der Kennwert eines Bauteils sollte kleiner 1 m³/(m²*h) sein. Dabei kann die Luftdichtheit eines Bauteils selbstverständlich kleiner sein als die Einzelwerte der verwendeteten Baumaterialien, da z.B. Stöße, Fugen und Fehlstellen in der Praxis zwangsläufig zu unvermeidbaren Leckageraten führen. Die nachfolgende Tabelle zeigt eine Übersicht der Luftdurchlässigkeit verschiedener Stoffe und Bauteile [11,12]:

  Luftdurch-
lässig-
keit [m³/(m²*h)]
bei 50 Pa
minimal maximal
Zementputz (aussen) 0,001 0,002
Kalkzementputz (aussen) 0,002 0,05
Kalkputz (innen) 0,02 0,6
Gipskartonplatte 0,002 0,03
Mauerwerk verputzt 0,1 2
Betonfertigteil-Konstruktion 1 10
Gipskartonplatten (Fugen offen) - 50
Profilholz mit Nut + Feder 60 100
Holzpanele aus MDF oder Spanplatten 8 18
Akustikdecke 90 200
Dach Aufsparrendämmung oder innenseitige Winddichtung 3 20
Dach Zwischensparrendämmung oder innenseitige Winddichtung 10 40
PE-Folie 0,1 mm - 0,0015
Baupappen 0,01 3
Bitumenpappe 0,008 0,02
Unterspannbahn - 1
Holzfaserdämmplatte bituminiert 1,1 2,3
Holzweichfaserplatte 1,1 2,3

Luftdichte Bauteilanschlüsse

Eine sorgfältige Ausführung der flächigen Bauteile und die entsprechende Fügung der aneinanderstoßenden Konstruktionen bewirkt die gewünschte Dichtheit der gesamten Hülle. In der Fläche ist darauf zu achten, dass nach Fertigstellung der Luftdichtheitsschicht durch ein bestimmtes Gewerk diese nicht durch Folgearbeiten verletzt wird. Gerade bei geschichteten Bauteilen wie im Dach, kann eine z.B. durch den Zimmermann sachgerecht angelegte Dichtheitsschicht durch Elektro-/Sanitärinstallationen oder durch nachträglichen Einsatz von Dachflächenfenstern etc. in ihrer Funktion wirkungslos werden. Die Zuordnung der Bauleistung "Luftdichtheit" ist für alle Baubeteiligten von Wichtigkeit. Etwa 15 verschiedene Positionen in einem typischen Wohngebäude sind besonders zu beachten:

Rohbau-
phase
Detail Maßnahme
1. Anschluss der Kellerdecke zur Aussenwand Aussenwände vollflächig ohne Vorlage aufsetzen
2. Mauerkronen und -brüstungen mit oberseitigem Mörtelabgleich versehen
3. Fertigrolladenkästen am Auflager rundum mit Mörtel abgleichen
4. Elektro-/Sanitärinstallationen Steckdosen rundum eingipsen, Leitungsschlitze vollflächig luftdicht schliessen
5. Vorwandinstallationen vor Außenwänden oder zu unbeheizten Bereichen ist das Mauerwerk vorher zu verputzen
6. Schornsteindurchführungen Ausstopfen und dauerelastisch verschliessen
Ausbau-
phase
Detail Maßnahme
7. Fensteranschlüsse zum Baukörper entweder komplett einschäumen oder Fugen ausstopfen und nachträglich luftdicht versiegeln
8. Innenputz Wandfuß der Außenwand bis auf die Rohdecke verputzen
9. Abseiten gemauerte Drempel bzw. Kniestöcke komplett verputzen
10. Deckenaussparungen/-durchbrüche von Installationen ausstopfen und sorgfältig verschliessen
11. Mauerkronen zusätzlich oberseitig mit Dämmstoff versehen
12. Dach-/Wandanschlüsse an Aussen-/Innenwänden mit geeigneten dauerhaften Techniken ausführen
13. Dachflächenfenster Luftdichtheitsschicht nachträglich abdichten
14. Dunstrohre Luftdichtheitsschicht nachträglich abdichten
15. Bodenluke Luftdichtheitsschicht nachträglich abdichten

Umsetzung in der Praxis

Die zuvor beschriebenen Maßnahmen sind in der Niedrigenergiebauweise seit Jahren baupraktisch erprobt und erfolgreich umgesetzt worden. Zahlreiche Veröffentlichungen zur geprüften Luftdichtheit von Wohngebäuden liegen vor [11, 13-19]. Deren Auswertung nach der Qualität der Leichtbauweisen zu derjenigen massiver Gebäude zeigt die folgende Auswertung:

Anzahl Luftdurchlässigkeit n50 [h-1]
< 1,0 1,0 - 3,0 > 3,0 Summe
Massivbauten 56 107 61 224
Leichtbauten 6 32 75 113

Erreichen 25 Prozent der untersuchten Massivbauten einen Meßwert n50 < 1,0 h-1 und sind somit für den Einsatz mechanischer Lüftungsanlagen geeignet, beträgt der Anteil bei den Leichtbauweisen lediglich 5 Prozent. Gravierender allerdings ist der Umstand, dass 66 Prozent dieser Gebäude den Grenzwert von 3,0 h-1 überschreiten, mit Maximalwerten von bis zu 15 h-1.

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die Nachhaltigkeit der Maßnahmen zur Luftdichtheit. So werden in den einschlägigen Regelwerken klare Hinweise zur Langzeitbeständigkeit verschiedener Dichtstoffe und deren Kombination gegeben. Während Ortschäume, mit Paketklebebändern verklebte Folienstöße und nachschwindende plattenförmige Holzbaustoffe nicht für langlebige Maßnahmen geeignet sind, ergeben sich bei Massivbauteilen auch über Jahre hinweg keine sichtbaren Veränderungen. Die in Bochum-Werne in Massivbauweise erstellten Ziegel-Niedrigenergiehäuser wurden mittels Blower-Door-Verfahren untersucht. Die Erstmessungen fanden unmittelbar vor Bezug im Herbst 1996 statt, Wiederholungsmessungen im Herbst 1999. Die Veränderungen der n50 - Meßwerte bewegten sich zwischen - 0,3 und + 0,4 h-1, ohne das zwischenzeitlich irgendwelche Veränderungen an den Gebäuden vorgenommen wurden. Die Mittelwerte der 9 Häuser lagen bei der Nachmessung knapp 0,1 h-1 über den Werten der Messung von 1996. Vor dem Hintergrund der hohen Unsicherheiten der Messgenauigkeit können die Veränderungen der n50 - Werte sicherlich als marginal bezeichnet werden. Daraus läßt sich ableiten, dass sogar über den Zeitraum, in dem die Gebäudeaustrocknung stattfand und Schwind- und Setzungsverformungen abliefen, die hier getroffenen Maßnahmen dauerhaft ihren Zweck erfüllen.

Da bislang allerdings auf Grund der recht jungen Meßtechnik noch keine abgesicherten Zahlen zur Langzeitbeständigkeit und zum Alterungsverhalten der in der Regel aus Kunststoffen bestehenden Abdichtungsmaterialien in der Praxis in ausreichendem Umfang vorliegen, kann die folgende, im Abstand von drei Jahren wiederholte Luftdichtheitsmessung der Ziegel-Niedrigenergiehäuser Bochum-Werne (Bild 1) nur Anhaltswerte geben:

Diagramm
Bild 1: Luftdurchlässigkeit der Ziegel-Niedrigenergiehäuser Bochum-Werne

Fazit

Die Begrenzung der Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle ist zur Vermeidung von Bauschäden und zur Reduzierung unkontrollierbarer Lüftungswärmeverluste ein anzustrebendes Ziel. Dies bedeutet auch, dass unter normalen Wohnbedingungen keine Schadstoffanreicherungen der Raumluft und keine unzulässigen Feuchteerhöhungen auftreten, da diese Belastungen grundsätzlich über eine wie auch immer zu praktizierende Bedarfslüftung abgebaut werden müssen.

Mit Ziegel-Massivbauweisen ist dies Ziel einfacher zu erreichen als mit Leichtbauweisen aus Holz. Eine Fülle von Regelwerken sowie entsprechende Ausführungsanleitungen zeigen, dass die Umsetzung derartiger Details möglich ist. Die hierzu notwendigen Arbeitsschritte müssen allerdings geplant, ausgeschrieben und überwacht werden. Die dann erreichte Qualität des Gebäudes wird nachhaltig zum Wohnkomfort beitragen und die Energieverbräuche gering halten.

Literatur zur Luftdichtheit

/1/ Deutscher Bundestag: Dritter Bericht über Schäden an Gebäuden, Ausgaben 3/1996, Drucksache 13/3593, Bonn.

/2/ DIN 4108: Wärmeschutz im Hochbau, Ausgaben 1952, 1960, 1969, 1974, 1975, 1981, Beuth Verlag, Berlin.

/3/ DIN 4701: Regeln für die Berechnung des Wärmebedarfs von Gebäuden, 1959, 1983, Beuth Verlag, Berlin.

/4/ Knublauch, E., e.a.: Über die Luftdurchlässigkeit geneigter Dächer. Gesundheits-Ingenieur 108 (1987), Heft 1.

/5/ Borsch-Laaks, A.: Tauwasserrisiken durch Dampfkonvektion im Steildach. BbauBl (1999), Heft 8.

/6/ DIN 1946: Raumlufttechnik, 1983, Beuth Verlag, Berlin.

/7/ E DIN V 4108-6: Wärmeschutz im Hochbau - Teil 6, Berechnung des Jahresheizenergiebedarfs, Ausgabe 1999, Beuth Verlag, Berlin.

/8/ Geißler, A.: Genauigkeit von Luftdichtheitsmessungen, Tagungsband des 4. EUZ BlowerDoor-Symposiums, Hannover, 14. Okt. 1999.

/9/ DIN V 4108-7: Wärmeschutz im Hochbau - Teil 7, Luftdichtheit von Bauteilen und Anschlüssen - Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele, Vornorm, Ausgabe 11/1996, Beuth Verlag, Berlin.

/10/ DIN 4108-3: Wärmeschutz im Hochbau - Teil 3, Klimabedingter Feuchteschutz - Anforderungen und Hinweise für Planung und Ausführung, Ausgabe 7/1999, Beuth Verlag, Berlin.

/11/ Feist, W.: Das Niedrigenergiehaus, 4. Auflage, Verlag C.F. Müller, Heidelberg, 1997.

/12/ Scharte, N.: Bedeutung der Winddichtigkeit ausgebauter Dachgeschosse, Bauhandwerk 1989, Heft 5.

/13/ Landesinstitut für Bauwesen des Landes NRW (Hrsg.): Das Niedrigenergiehaus - Förderprogramm NRW, 2.33 - 1998, Aachen.

/14/ Wirtschaftsmin. Baden Württemberg (Hrsg.): Energie- und kostensparende Wohngebäude in Schopfheim, Broschüre, Stuttgart, 1995.

/15/ Eicke-Hennig, W.: Erfahrungen mit dem NEH-Förderprogramm in Hessen, IBK Bau Fachtagung 212, Darmstadt, 1996.

/16/ Geißler, A., Hauser, G.: Untersuchung der Luftdichtheit von Holzhäusern, AiF Forschungsvorhaben Nr. 9579, IRB Stuttgart, T 2717, Stuttgart, 1996.

/17/ Reiß, J., Erhorn, H.: Mehrfamilien Niedrigenergiehaus Mannheim, WB 81/1995, Bericht des Fraunhofer Instituts für Bauphysik, Stuttgart, 1995.

/18/ Kluttig, H., Erhorn, H.: Niedrigenergiehäuser in Ziegelbauweise, WB 100/1998, Bericht des Fraunhofer Instituts für Bauphysik, Stuttgart, 1998.

/19/ Stadtwerke Hannover (Hrsg.): Demonstrationsprogramm Niedrigenergiehäuser (Zwischenbericht).

Bonn, 13. Januar 2000
Gi-GdJ AMz
Link zum Original: Luftdichtheit in Ziegel-Massivgebäuden


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Lehmbau

Dies war das Bilderrätsel zu einem Preisausschreiben, Einsendeschluss war der 12.05.2005,
gefragt war: Was ist hier abgebildet? richtig war: c) Der vorbereitete Baustoff für eine Stampflehmwand.

Mehr dazu erfahren Sie hier: www.LehmBauWerk.de > Projekte > 32 m Stampflehmwand Berlin


Bodenbeschichtung

Industriefußböden müssen den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden. So werden besonders hohe Ansprüche unter anderem an die Tritt- und Schlagfestigkeit, die Oberflächenfestigkeit, die Leitfähigkeit, die Abriebsfestigkeit und die Chemikalienbeständigkeit gestellt.

Desweiteren müssen umwelttechnische Kriterien wie die des Wassershaushaltsgesetzes erfüllt werden. Die am häufigsten auftauchenden Anforderungen hat der "Deutsche Ausschuss für Stahlbeton" (DAStb) in der Richtlinie "Schutz und Instandhaltung von Stahlbetonteilen" thematisiert.

Hierbei sind für den Bereich des Industriebodens z. B. folgende Klassifizierungen wichtig :

  • OS3: Versiegelung für befahrbare Flächen.
  • OS6: Chemisch widerstandsfähige Flächen für mechanisch gering beanspruchte Flächen.
  • OS8: Chemisch widerstandsfähige Beschichtungen für befahrbare, mechanisch stark beanspruchte Flächen.
  • OS11: Beschichtungen für befahrbare Flächen mit erhöhter Rissüberbrückung.
  • OS12: Beschichtungen mit Reaktionsharzen bzw. Mörtel für befahrbare, mechanisch stark beanspruchte Flächen.

Weitere Unterlagen zu diesem Thema senden wir Ihnen auf Anfrage per E-mail unter
info@bbg-direkt.de gerne zu.
Quelle : BBG News Oktober 2002
Die BBG News können Sie hier bestellen: www.bbg-direkt.de.


Deckensysteme aus Betonfertigteilen
Eine Übersicht

  • Balkendecken
    • ohne Zwischenbauteile
    • mit Zwischenbauteilen
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    • mit statisch mitwirkenden Zwischenbauteilen
    • mit statisch nicht mitwirkenden Zwischenbauteilen
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    • aus gefügedichtem Leichtbeton
    • aus Leichtbeton mit haufwerksporigem Gefüge
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  • Hohlplatten
    • aus Normalbeton, schlaff bewehrt
    • Spannbeton-Hohlplatten
    • aus Leichtbeton mit hafwerksproigem Gefüge, schlaff bewehrt
  • grossformatige Fertigteile (vorgespannt oder schlaff bewehrt)
    • TT-Platten
    • T-Platten
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  • Plattenbalkendecken
    • aus vorgefertigten Balken und Fertigplatten mit statisch mitwirkendem Ortbeton
    • aus einer Elementdecke mit biegesteifer Bewehrung
      • mit Verdrängungselementen aus Hohlkörpern
      • mit Verdrängungselementen aus Zwischenbauteilen

Anwendungsbereiche und Verkehrslasten

I Dach
Schnee 0,75 kN/m2
Dachabdichtung (Aufbau) 0,75 kN/m2

gesamt

1,50 kN/m2
II /1 übliche Wohnräume einschl. Flure
Verkehrslast 1,50 kN/m2
Trennwände (< 150 kg/m2) 1,25 kN/m2
Putz, Belag 1,25 kN/m2

gesamt

4,00 kN/m2
II /2 Büroräume
Verkehrslast 2,00 kN/m2
Trennwände (< 100 kg/m2) 0,75 kN/m2
Putz, Belag 1,25 kN/m2

gesamt

4,00 kN/m2
III Industriegebäude
Verkehrslast 5,00 kN/m2
Belag, Unterdecke, Installation 2,00 kN/m2

gesamt

7,00 kN/m2

DIN 1055 Teil 1 (07-1978): Lastannahmen für Bauten ...
DIN 1055 Teil 3 (06-1971): Verkehrslasten

Weitere Deckensysteme
Eine Übersicht

  • Holzdecken
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Farbenkauf: Eine neue Norm bürgt für Qualität

Da in Deutschland Dispersionsfarben keine Mindeststandards erfüllen müssen, unterscheiden sich die auf dem Markt angebotenen Produkte oftmals erheblich in ihrer Qualität. Eine neue Europäische Norm hilft, Premiumfarben zu erkennen.

Mit Beginn der schönen Jahreszeit überfällt so manchen die Lust, Wohnung oder Haus noch einmal so richtig "auf Hochglanz" zu bringen. Neben einem ausgiebigen Frühjahrsputz nutzen viele die Gelegenheit, um das Heim mit einem Anstrich zu verschönern. Wer dazu im Baumarkt die passende Qualitätsfarbe sucht, hat es oft schwer: Die Farbeimer sehen fast alle gleich aus, und die Angaben der Inhaltsstoffe sind für den Heimwerker nur selten verständlich.

Im Zuge der Europäisierung hilft seit kurzem eine neue Norm zwischen guter und schlechter Farbe zu unterscheiden:

Die EN 13 300 beurteilt Dispersionsfarben nach den Kriterien Reinigungsfähigkeit, Deckkraft und Reichweite und teilt sie in verschiedene Qualitätskategorien ein. Wer lange Freude an den Wänden stark beanspruchter Räume wie Küche, Flur, Wohn- oder Kinderzimmer haben möchte, sollte auf die Reinigungsfähigkeit der Farbe achten. Diese unterteilt die EN 13 300 in fünf Klassen:

Wände, die hin und wieder mal feucht abgewischt werden müssen, sollten mindestens mit einer Farbe der Klasse drei gestrichen sein; richtig scheuerbeständig sind nur die Klassen eins bis zwei. Diese halten auch mal eine Behandlung mit dem Küchenschwamm aus.

Farben, die sich in den Klassen vier bis fünf wiederfinden, sind in puncto Reinigungsfähigkeit mangelhaft. Wer diese mit einem feuchten Tuch bearbeitet, wischt damit meist die gesamte Farbe von der Wand. Ob an stark beanspruchten Wänden oder nicht: Die Deckkraft ist auf jeden Fall ein wichtiges Merkmal von Qualitätsprodukten. Denn je besser eine Farbe deckt, um so geringer ist der Arbeitsaufwand.

Bei hochwertigen Produkten erreicht man durch einen Anstrich bereits ein optimales Streichergebnis, während sonst mehrere Aufträge nötig sind. Es lohnt sich also immer, auf die gute Deckkraft eines Produkts zu achten.

Die Norm EN 13 300 hilft dabei mit vier Unterteilungen: Sehr gut decken die Farben der Klasse eins (zu 99,5% oder mehr), gut sind auch die Klassen zwei (Deckkraft zu 98% oder mehr) und drei (Deckkraft zu 95% oder mehr).

Vorsicht gilt bei Produkten der Klasse vier: Diese deckt weniger als zu 95%, wobei nach unten keine Grenze gesetzt ist. Und noch ein weiterer Punkt ist durch EN 13 300 garantiert: Die erreichte Deckkraft bezieht sich immer auf die auf dem Eimer angegebene Reichweite und gewährleistet, dass man die versprochenen Quadratmeter im optimalen Streichergebnis erhält.

Wer sich also seine Lust an der Frühjahrsrenovierung nicht verderben lassen will, sollte beim nächsten Farbenkauf auf die neue europäische Norm achten. Ihr Qualitätsurteil findet sich auf einem Etikett am Gebinde wieder.

Sollte es fehlen, kann man davon ausgehen, dass die Farbe nicht hält, was sie verspricht. Ausführliche Informationen über die neue Europäische Norm und ihre Qualitätsmerkmale sowie vieles mehr rund ums Streichen gibt es auch unter: http://www.farbqualitaet.de

Quelle: Verbrauchernews
Artikel vom 24.02.2003


Selbstverdichtende Betone (SVB)
Neue Generation von Transportbeton erlaubt völlig neue Anwendungen

Transportbeton hat sich in über 100 jähriger Anwendung in Deutschland bewährt. Die Betone sind vom ursprünglichen Stampfbeton immer weicher und einbaufreundlicher geworden. Gleichzeitig wurde die hervorragende Dauerhaftigkeit erhalten und noch weiter gesteigert. Nach der in den 80-iger Jahren etablierten „weichen“ Regelkonsistenz sind jetzt selbstverdichtende Betone praxisreif, die ohne jedwedes Rütteln auch bei engen Bewehrungen die Schalung vollständig füllen können. Neue Oberflächenstrukturen, Geometrien und Bauverfahren sind somit möglich.

Grundlage der selbstverdichtenden Betone (SVB)

Für hohe Dauerhaftigkeit und Beständigkeit ist ein geringer Wassergehalt gefordert, für leichtes Fließen beim Einbau ist ein möglichst hohes Fließvermögen erwünscht. Zwischen diesen sich widersprechenden Anforderungen galt es eine für die jeweiligen Anforderungen sinnvolle Optimierung durchzuführen. Die Zugabe von verflüssigenden Zusatzmitteln, die bei gleichem Wassergehalt die Verarbeitbarkeit deutlich verbessern, hat den Einsatz von weicheren Konsistenzen vorangetrieben. Ebenso ist es bei den neuen leicht- bzw. selbstverdichtenden Betonen. Die Praxisreife von neuen Fließmitteln hat diese Betone ermöglicht. Um ein Absetzen der Gesteinskörner zu vermeiden, wird ein fließfähiger gut zusammenhaltender Mörtel mit hohem Bindemittelanteil benötigt, in dem die Gesteinskörner „schwimmen“. Das Schmier- und Klebvermögen des Mörtels ist so abgestimmt, dass der Beton ohne jede Rüttelenergie leicht zähflüssig, in einer Konsistenz zwischen Honig und Buttermilch, fließt. Er kann so selbstständig in jede Ritze und jeden Zwischenraum laufen, wenn die Füllrichtung und Geometrie des Bauteils ein Entweichen der Luft erlauben. Aufgrund der höheren Anteile an Bindemittel und Fließmittel sind derartige Betone rund 20 €/m³ teurer als der klassische Beton in Regelkonsistenz. SVB darf nicht gerüttelt werden, denn durch ein Rütteln wird die innere Reibung aufgehoben, die die Gesteinskörner in der Schwebe hält. Also würde ein unerlaubtes Rütteln zum Absetzen der Steine und Aufschwimmen des Feinmörtels führen. Zwischenlösungen, also Betone zwischen Regelkonsistenz und Selbstverdichtung, die nicht ganz so viel Bindemittel, Feinmörtel und Fließmittel aufweisen und noch eine geringe Verdichtungsenergie erfordern, nennt man leichtverdichtbare Betone (LVB). Hier ist die Verdichtungsenergie so anzupassen, dass eine leichtes Fließen ohne die o.g. Entmischung sichergestellt wird.

Neue Anwendungen

Der freien Gestaltbarkeit von Bauteilen aus Transportbeton waren bislang nur durch Einbaumöglichkeit und Rütteltechnik Grenzen gesetzt. Die Notwendigkeit Betoniergassen und Rüttelgassen oder aufwendige Außenrüttler bei den Bauteilen vorzusehen entfällt mit selbstverdichtendem Beton weitestgehend. Somit sind Betonagen von großen Längen, Füllmöglichkeiten von der Seite oder dünnere Querschnitte möglich. U-förmige Bauteile können von einer Seite von oben gefüllt werden und der horizontale Steg kann mit SVB vollständig gefüllt werden. Sogar ein Ausnivellieren der Füllhöhen in beiden senkrechten Seiten des U-Querschnitts bis auf wenige Zentimeter ist bei einseitiger Füllung möglich; auch erfolgreich zur vollständigen Verfüllung von hochbewehrten Stützen, insbesondere bei großen Stützhöhen. Gleichzeitig wird der Erfolg der Betonage nicht mehr von der Einbaumannschaft und der Qualität der Rüttelleistung bestimmt, sondern nur von der Fähigkeit des Selbstverdichtens des angelieferten werkgemischten und qualitätsüberwachen Transportbetons.

Strukturierte Oberflächen

Die vollständige Füllung praktisch jeden „Zwickels“ bedeutet auch, dass die Struktur der Schalung deutlich wiedergegeben wird. So ist jede Imperfektion der Schalung später sichtbar oder positiv ausgedrückt, die Schalungsstruktur wird deutlich und klar wiedergegeben, so lassen sich mit Schalungsstößen und Oberflächenstruktur nahezu beliebige Gestaltungsmerkmale erreichen. Hierbei sollten die Strukturierungen so gewählt werden, dass bei bewitterten Flächen eine ungehinderte Abführung des Niederschlagswassers sichergestellt wird, um unschöne Wassernasen zu vermeiden. Auf Stahlschalungen sind z. T. so glatte Oberflächen erreicht worden, dass ein Putz gar nicht mehr ohne weiteres aufbringbar war. In den Niederlanden nutzt man diese glatten Oberflächen des SVB als Transportbeton für direkt tapezierte Wände im Wohnbau.

Selbstverdichtender Stahlfaserbeton

Für überwiegend auf Druck beanspruchte Bauteile wird erfolgreich stahlfaserbewehrter SVB eingesetzt. Die einfache vollständige Füllung der Schalung (oder auch einer Doppelwand) wird durch die Selbstverdichtung - unabhängig von der Qualifikation der Einbaumannschaft- erreicht. Die Stahlfasern übernehmen die Aufgabe der konstruktiven Bewehrung, somit kann in vielen Fällen das gesamte Gewerk des Eisenbiegens und Einbringen der Bewehrung mit Sicherung der Betondeckung entfallen. Derartige Lösungen sind häufig trotz höherer Kubikmeterpreise für den selbstverdichtenden Faserbeton wegen des einfacheren und sichereren Bauablaufes insgesamt wirtschaftlicher als konventionelle Lösungen. Hier ist die Branche sicher erst am Anfang der künftigen Einsatzmöglichkeiten.

Bodenplatten mit hoher Ebenheit

Gerade für Bodenplatten und Industriefußböden sind SVB oder LVB sinnvoll und wirtschaftlich einsetzbar. Ein entsprechend fließfähiger Beton wird durch Abrakeln so geglättet, dass keine weitere Nacharbeit, wie Abscheiben erforderlich ist. Dies ist auch bei Betonen mit hohem Widerstand gegen Frosttaumittel sinnvoll einsetzbar, da die durch Abscheiben auftretende oberflächennahe Zerstörung der Luftporen bei dem leichten Schwabbeln nicht auftritt. Also sind hier technische und wirtschaftliche Vorteile kombiniert.

Bauen im Bestand

Gerade bei Renovierung, Ertüchtigung oder in engen Baulücken kann SVB einen unschlagbaren Vorteil bringen. So ist z. B. die Erhöhung der Tragfähigkeit einer Decke im Altbau (Jugendstil mit ausreichender Geschosshöhe) nun auch von unten möglich. Man bringt die zusätzliche Bewehrung unter die alte Decke und schalt von unten ein. Durch eine oder mehrere Öffnungen, z. B. 15 cm Kernbohrungen durch die alte Decke, lässt man von einer Ecke aus die neu eingeschalte Decke voll laufen. Wie beim Verpressen von Spannkanälen, sind die entsprechenden Lüftungsöffnungen vorzusehen, an denen man auch den sichern Füllvorgang beobachten kann. Derartige schlanke und sichere Lösungen sind nur mit Transportbeton als SVB zu erreichen.

Ausbetonieren von engen Zwischenräumen

Auch im Tief- oder Tunnelbau sind häufig Zwischenräume zwischen Erdreich oder Gebirge und bestehender Betonkonstruktion mit Beton zu verfüllen. Hier erlaubt der Einsatz von SVB hohe Sicherheit der vollständigen Verfüllung, da keine Abhängigkeit von der eingebrachten Rüttelenergie besteht. Bei richtiger Wahl der Einfüll- und Entlüftungspunkte sowie der zugehörigen Füllreihenfolge sind vollständige Füllungen mit hochwertigem homogenen Beton leicht zu erreichen.

Entwicklungen

Zurzeit darf SVB nur mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung in Deutschland angewendet werden. Obwohl eine Vielzahl der Transportbetonwerke über eine Zulassung oder entsprechende Lizenzen verfügt, hat sich der SVB noch nicht auf allen Baustellen, wo er eine deutliche Rationalisierung bringen würde, durchgesetzt. Hier ist sicherlich die geringe Bereitschaft zu Neuem, vom Bauherrn über Planer bis hin zum Bauausführenden ein maßgebender Faktor. Auch muss erst im Bewusstsein aller Entscheider verankert sein, dass hier eine höhere Sicherheit der vollständigen Verfüllung und neue Bauverfahren möglich sind. Der unvermeidbare höhere Preis des SVB wird durch Ersparnisse beim Einbau und der Vermeidung von Nacharbeiten, z.B. Betonkosmetik, in vielen Fällen mehr als wett gemacht wird.
Die neue Richtlinie Selbstverdichtender Beton des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton wird Bekanntheitsgrad und Akzeptanz des SVB steigern. Die Betone weichen von der Norm nur im Gehalt an Feinstkorn und in der Konsistenz ab. Durch zusätzliche Prüfungen im Werk und auf der Baustelle sind die Selbstverdichtung und Fließfähigkeit zu bestimmen so dass eine höchstmögliche Sicherheit gegeben ist. Mit Erscheinen der Richtlinie Ende 2004 wird der SVB vom Beton mit Zulassung dann auch vorschriftentechnisch zum Normalfall.

Quelle:
Bundesverband der Deutschen Transportbetonindustrie e.V.
Presse-Information, 08.06.2004


Fördern von Transportbeton auf der Baustelle

Transportbeton wird im Fahrmischer mit den bestellten Eigenschaften just in time auf die Baustelle gebracht. Auf der Baustelle erfolgt noch die Förderung vom Fahrmischer in die Schalung. Für die üblichen weichen Betonkonsistenzen bringt hierbei die Förderung mit der Betonpumpe technische und meist auch wirtschaftliche Vorteile.

Transportbeton wird als Beton nach Eigenschaften in verarbeitungsfähiger Konsistenz als Frischbeton mit dem Fahrmischer auf die Baustelle gebracht. Dort in die vorbereitete und mit der erforderlichen Bewehrung versehene Schalung eingebracht, verdichtet und nachbehandelt. Den Transport vom Fahrmischer in die Schalung nennt man Förderung. Für Wände und Decken kommen dabei die Förderung mit dem Krankübel und die Förderung mit der Betonpumpe zum Einsatz. In einigen Regionen auch die Förderung mit dem Förderband. Die Förderung mit dem Krankübel ist eine nicht kontinuierliche Arbeitsweise. Der Beton wird in einzelnen Chargen in den Kübel gefüllt, mit dem Kran an den Einbauort gezogen und dort entleert. Ein für die Baustelle personell aufwendiges Verfahren, da ein Mann für das Aufstellen und Einweisen des Krankübels am Fahrmischer, ein Kranfahrer, ein Mann zur Annahme und Entleeren der Kranbombe und die Verdichtungsmannschaft zum Rütteln erforderlich ist.

Wirtschaftlichkeit und Technik

Bei der Förderung mit der Betonpumpe können zwei Leute eingespart werden. Man braucht seitens der Baustelle neben der Verdichtungsmannschaft nur einen Mann zum Halten und Einführen des Pumpenrüssels. Kranfahrer und Aufsteller für die Bombe am Fahrmischer sind nicht erforderlich. Allein hierdurch sind trotz der Kosten für die bestellte Pumpleistung Einsparungen auf der Baustelle möglich. Aber auch technisch bietet das Pumpen Vorteile. Der Beton wird z. B. in Wände „von unten“ eingefüllt, da sich der Pumpenschlauch durch die Betonieröffnungen in der Bewehrung tief in die Schalung hineinbringen lässt. Die kontinuierliche Förderung führt dazu, dass der Beton in sich läuft und kein Absetzen auftritt. Beim Krankübel führt jede Einzelcharge zu einer „Frischbetonfuge“, die beim Rütteln erhöhte Sorgfalt erfordert. Die Betonförderung mit der Betonpumpe ist daher in den meisten Anwendungsfällen technisch besser und wirtschaftlich sinnvoller als die Förderung per Krankübel.

Die Verwendung der Betonpumpe erlaubt auch schnellere Betoniergeschwindigkeiten, wenn entsprechend viele Verdichtungsgeräte und Personen für die Verdichtung zur Verfügung stehen. Bei Kleinbaustellen, bei denen ein „Betonbauer“ auch den Kran bedient, sind bei Kranentladung vier Personen erforderlich, von denen nur einer rüttelt und damit die maximale Einbauleistung bestimmt. Bei gleicher Mannschaft und Einsatz der Betonpumpe könnten drei Mann den Einbau übernehmen, sofern drei Rüttelflaschen vorhanden sind. Bei größeren Baustellen, wird der Kran auch für viele andere Gewerke benutzt. Somit muss vorab gut disponiert werden, dass der Kran während der Betonage nicht zum Umsetzen von Gerüstteilen, Transport von anderen Baumaterialien o. ä. gebraucht wird. Hier ist die Unabhängigkeit vom Kran häufig bereits entscheidend für den Einsatz der Betonpumpe. Immer häufiger soll aufgrund beengter Baustellenverhältnisse die Betonentladung relativ weit von der eigentlichen Baumaßnahme erfolgen. Hier bieten sich Lösungen mit Betonpumpen längerer Mastgröße an, womit der Beton leicht auch über Hindernisse hinweg gefördert werden kann.

Übliche Normalbetone werden durch das Pumpen in ihren Eigenschaften nicht verändert. Bei Betonen mit Luftporenbildenden Zusatzmittel (LP-Beton), der für hohen Frosttaumittelwiderstand zu verwenden ist, wird durch den hohen Pumpendruck üblicherweise der Luftgehalt während des Pumpens geringfügig reduziert. Da der Frischluftgehalt beim Einbau maßgebend ist, sollte hier durch Eignungsversuche der entsprechende Ausgangsluftgehalt so festgelegt werden, dass die Anforderungen an der Einbaustelle - also nach Pumpe - sicher eingehalten werden. Ähnliche Überlegungen gelten für Leichtbetone, hier kann der Pumpendruck, Wasser in die Hohlräume der Leichtzuschläge pressen, die Auswirkungen und zugehörige Steuerungsmaßnahmen sind durch entsprechende Versuche vorher festzulegen. Damit lassen sich auch diese etwas empfindlicheren Frischbetone zuverlässig pumpen, wie die erfolgreiche Tagespraxis beweist.

Kleinere Betonagen

Für Anwendungen bis etwa 14 m³ hat sich die Fahrmischer-Pumpe (PUMI) bewährt. Dabei handelt es sich um einen Fahrmischer mit angebauter Pumpe. Insbesondere für Anwendungen mit Kleinmengen wie beispielsweise bei Umbau und Instandsetzungen sind diese Geräte ideal. Die Reichweite ist für den Mehrfamilienhausbau meist ausreichend und die sonst bei Einsatz von Schubkarre und Kübel erforderliche lange Standzeit der Mischer lässt sich deutlich verkürzen.

Quelle: Pressemitteilung in puncto Transportbeton GmbH
26.07.2004


Mit Textilbeton auf dem Weg zum superleichten Bauen

Blumentöpfe aus Beton, Ruderboote aus Beton, demnächst eine filigrane Fußgängerbrücke auf der sächsischen Landesgartenschau: Auf den ersten Blick nichts wirklich Besonderes. Doch gerade das Alltägliche markiert den großen Fortschritt - textilbewehrter Beton, als Material für die genannten Gebrauchsgegenstände verwandt, hat nunmehr die theoretische Phase verlassen.

"Wir haben das Prinzip der textilen Strukturen bei den faserverstärkten Kunststoffen auf den Beton übertragen", erläutert Professor Manfred Curbach, Sprecher des Sonderforschungsbereichs "Textile Bewehrungen zur bautechnischen Verstärkung und Instandsetzung" und ergänzt: "Damit eröffnen wir völlig neue Perspektiven sowohl beim Herstellen extrem dünnwandiger Betonbauteile als auch für deren Einsatz in der Instandsetzung und Verstärkung bestehender Bauwerke."

Da mit weniger Textilbeton der gleiche Wirkungsgrad wie mit Stahlbeton erzielt werden kann, ebnet die neuartige Technologie nunmehr den Weg für das superleichte Bauen. Ein Grund für das Gewicht herkömmlicher Bauteile liegt in der Schutzfunktion der Betondeckung, sie soll den Stahl vor der Korrosion bewahren. Die textilen Fasern können hingegen in extrem dünnwandige Betonteile eingesetzt werden, um optimal den Kräften zu trotzen, die am jeweiligen Bauteil wirken.

Professor Peter Offermann, Institut für Textil- und Bekleidungstechnik, und Professor Manfred Curbach, Institut für Massivbau, entwickelten Hand in Hand mit weiteren TU-Forschern den Textilbeton. Nachdem im interdisziplinär arbeitenden Sonderforschungsbereich gesicherte Grundlagen für das Verwenden textiler Bewehrungen zur Verstärkung im Bauwesen geschaffen sind, kümmern sich die Experten jetzt um die Langzeiteigenschaften sowie die bautechnische Umsetzung: Sicherheit und Lebensdauer stehen im Mittelpunkt der aktuellen Arbeit.

Auf der Weltmesse für Technologien, Innovationen und Automation wollen die Dresdner Wissenschaftler vom 19. bis 24. April 2004 in Halle 18 mit dem fachkundigen Publikum über die Anwendungsmöglichkeiten des neuartigen Textilbetons ins Gespräch kommen. Gefördert werden die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Quelle: TU Dresden, Sonderforschungsbereich 528, 04.2004


Leichter textilbewehrter Beton jetzt im alltäglichen Einsatz
Entwicklung Dresdner Forscher hat "Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung" erhalten

Die Grundlagenforschung, die am Sonderforschungsbereich 528 "Textile Bewehrungen zur bautechnischen Verstärkung und Instandsetzung" derzeit in der zweiten Phase höchst erfolgreich vorangetrieben wird, macht sich nun auch in der Alltagspraxis bemerkbar: Unter der Nummer "Z-33.1-577" hat das Deutsche Institut für Bautechnik die "Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung" für Fassadenplatten aus Betonwerkstein erteilt. "Das ist die weltweit erste allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für ein Bauteil aus textilbewehrtem Beton!" freut sich Prof. Manfred Curbach, Sprecher des Dresdner Sonderforschungsbereichs (SFB), über den ersten "Spin-Off" des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten SFB.
Antragsteller und Hersteller der textilbewehrten dünnwandigen Fassadenplatten ist die Hering Bau GmbH & Co. KG - eine mittelständische Unternehmensgruppe, die in unterschiedlichsten Bereichen des Bauens erfolgreich und marktführend tätig ist. Sie bringt die innovative Neuentwicklung unter dem Namen betoShell in allen Farben von Betonwerksteinen auf den Markt. "Dieses System eignet sich insbesondere für die Sanierung bestehender Gebäude, da wegen des geringen Gewichts auch eine Verankerung in weniger tragfähigen Untergründen möglich ist", sagt Dipl.-Ing. Reiner Grebe, Leiter des technischen Büros bei Hering.
Die Dicke der Fassadenplatten ist mit 20 mm erstaunlich gering - typisch für textilbewehrten Beton: Da die zur Bewehrung eingesetzten textilen Glasfasern im Gegensatz zum Stahl im bekannten Stahlbeton nicht rosten können, benötigen sie als Ummantelung weniger Beton und erreichen dennoch gleiche und teils sogar bessere mechanische Eigenschaften. Ausgiebig getestet wurden die neuen Platten im Institut für Massivbau der Technischen Universität Dresden. Die Rezeptur für den verwendeten Beton ist wesentlich am Institut für Baustoffe, das ebenfalls zur Fakultät Bauingenieurwesen der TU Dresden gehört, mit entwickelt worden.
Neben der Leichtigkeit des neuen Betons sind für den alltäglichen Einsatz auch die freie farbliche Gestaltung sowie die verschiedenen lieferbaren Oberflächenbearbeitungen (glatter Sichtbeton und feingewaschene/gesäuerte/gestrahlte oder geschliffene Oberfläche) entscheidende Argumente.

Pressemitteilung TU Dresden, 17.08.2004


Liste der Merkblätter zu Fliesenarbeiten
herausgegeben vom
Fachverband Deutsches Fliesengewerbe
im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes

Hinweise für die Ausführung von Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich Januar 2005
Mechanisch hochbelastbare keramische Bodenbeläge Juni 2002
Belagskonstruktionen mit keramischen Fliesen und Platten außerhalb von Gebäuden Juli 2002
Putz und Trockenbau in Feuchträumen mit Bekleidung aus keramischen Fliesen und Platten oder Naturwerksteinen Mai 2001
Toleranzen im Hochbau nach DIN 18201 und DIN 18202 August 2000
Keramische Fliesen und Platten, Naturwerkstein und Betonwerkstein auf calciumsulfatgebundenen Estrich Januar 2000
Keramische Fliesen und Platten, Naturwerkstein und Betonwerkstein auf beheizten zementgebundenen Fußbodenkonstruktionen September 1995
Keramische Fliesen und Platten, Naturwerkstein und Betonwerkstein auf zementgebundenen Fußbodenkonstruktionen mit Dämmschichten September 1995
Prüfung von Abdichtungen und Abdichtungssystemen September 1995
Bewegungsfugen in Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten September 1995
Hinweise und Erläuterungen zu Wärme- und Schallschutzmaßnahmen bei Fußbodenkonstruktionen mit Belägen aus Fliesen und Juli 1995
Keramische Beläge im Schwimmbadbau – Hinweise für Planung und Ausführung September 1994
 


"Das Ende der Dispersionsfarbe"
Kreidezeit stellt Weltneuheit vor: GekkkoSOL ist die Haftbrücke auf rein natürlicher Basis

Sehlem. Die Natur gab das Vorbild, Nanotechnologie diente als Schlüssel, das Resultat ist eine Weltneuheit. Mit "GekkkoSOL" stellt Kreidezeit bei der Messe "Farbe 2005" in Köln den ersten Streichputz vor, der auf beinahe jedem Untergrund haftet - und dabei ohne Kunststoff auskommt. Gert Ziesemann, Geschäftsführer des Naturfarben-Herstellers aus Niedersachsen, hat nicht den geringsten Zweifel: "Das ist das Ende der Dispersionsfarbe."

Das Problem ist vielen aus leidvoller Erfahrung bekannt, die ihre vier Wände renovieren und dabei eigentlich auf Kunststoff-basierte Farben verzichten wollen: Auf alten Acryl-, Öl- oder Latexanstrichen will die Farbe einfach nicht
halten. Einziger Ausweg: Den alten Anstrich komplett entfernen. Was wiederum eine zeitaufwendige und komplizierte Prozedur ist.

Nicht selten wird dann doch auf Chemie zurückgegriffen. Denn Kunststoff auf Kunststoff, das ist von der Haftung her kein Problem. Dafür "bauphysikalischer Unsinn", so Gert Ziesemann. Je mehr Schichten von Kunststoff-Farbe übereinander liegen, desto weniger kann die Feuchtigkeit nach außen dringen. "Das tendiert Richtung Plastiktüte", pointiert Ziesemann. Die Folge: Putz- und Schimmelschäden, Feuchtigkeit in der Wohnung. Und: "Was feucht ist, dämmt nicht mehr."

Kay Reuter, Anwendungstechniker bei Kreidezeit, ist gegen Kunststoffanstriche allergisch. Darüberhinaus bereitet ihm die Tatsache Kopfschmerzen, dass die Ausgasungen des Styrolacrylats in Dispersionsfarbe "potenziell krebserzeugend" sind. So begann er zu überlegen, wie eine Haftbrücke ohne Chemie realisiert  werden könne. "Die Idee ist aus meiner Not heraus geboren", sagt Reuter. Und diese Idee sieht so aus:

Man nutzt die Entdeckung der Nanotechnologie, dass sich die Eigenschaften eines Stoffes beim Verkleinern in winzige Partikel gravierend ändern. Charakteristisch für sogenannte Nanoteilchen ist ihre riesige spezifische, also auf das Gewicht bezogene Oberfläche. Im Fall von GekkkoSOL diente Siliziumdioxid als Ausgangsmaterial. Der Quarz ist traditionell für seine guten Eigenschaften als Bindemittel bekannt. Kreidezeit verwendet Ihn in einer extrem zerkleinerten Variante- die Teilchen haben eine geringere Größe als Bakterien. So erreicht ein Gramm Siliziumoxid eine spezifische Oberfläche von 500 Quadratmetern. In 815 Versuchsreihen ist es mit anderen Mineralien kombiniert worden, seine Eigenschaften haben sich immer weiter verbessert.

Je kleiner die Teilchen, desto größer die Oberfläche. So lautet der erste Teil der Gleichung. Der zweite: Je größer die Oberfläche, desto stärker die Adhäsionskräfte. Anders gesagt: Die Haftung nimmt überproportional zu. Ein Vorbild in der Natur ist der Gecko. An den Füßen der Echse befinden sich Millionen feinster Haare, die ihr eine immense Haftung geben - selbst auf glatten Oberflächen, kopfüber. "Theoretisch könnte man 140 Kilogramm an einen Gecko hängen", berichtet Gert Ziesemann.

Bei GekkkoSOL werden Siliziumminerale unter anderem mit Wasser, Kreide, Borax und Talkum ergänzt. So werden die positiven Eigenschaften noch verbessert: Es ist rein mineralisch, geruchs-, und lösemittelfrei. Die Vorzüge: Es deckt gut, ist beständig gegen Säuren, Laugen und viele Lösemittel, hoch diffusionsfähig, spritzwasserfest und schimmelhemmend. GekkkoSOL wird als weißer Streichputz in zwei Körnungen angeboten sowie als farblose Lasur und in acht gängigen Farbtönen, die besonders für Holz geeignet ist. Ansonsten haftet GekkkoSOL auf Gips- und Kalkputzen ebenso wie auf Dispersionsfarben, auf Lacken, Acrylfugen oder auch problemlos auf Fliesen.

Da Kreidezeit nur mit natürlichen Rohstoffen arbeitet, ist zudem die Entsorgung von GekkkoSOL kein Problem - im Unterschied zu Bauschutt, der mit Dispersions-Farben gestrichen ist und als Sondermüll teuer entsorgt werden muss.

Gert Ziesemann zufolge hat nicht zuletzt die Denkmalpflege "seit Ewigkeiten" auf eine solche Haftbrücke gewartet. Aber auch für den einzelnen Verbraucher ist der Streichputz interessant, vor allem aus Gesundheitsgründen. In Analogie zu den Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen meint Gert Ziesemann schmunzelnd: "Wir  fordern einen Aufkleber: Benutzer von Dispersionsfarben sterben früher!"

Quelle: Presseinfo Kreidezeit

Kommentar DIMaGB:
1. "Was feucht ist, dämmt nicht mehr." und 2. "Styrolacrylat in Dispersionsfarbe 'potenziell krebserzeugend' ": Erstens kann ich Ihnen aus der Erfahrung heraus bestätigen, zu zweitem frage ich mich, warum das niemanden juckt, wenn dem so ist. Aber eigentlich weiß man ja die Antwort: weil noch nicht zehntausende verreckt sind. Wenigstens kommt dem Verbraucher, der ja immer auch ein Bewohner ist, das VOC-Verbot ab 2006 zugute. Stellt sich nur die Frage, was für Pampen die Industrie dann reinmischt. Ob nun wirklich das Ende der Dispersions-farben naht? Zumindest für die giftigsten, denke ich. Und ansonsten gibt es auch hier Ausnahmen. Ich kenne eine Hightech-Beschichtung, die wie eine Dispersionsfarbe aussieht und verarbeitet wird, die entfeuchtet und lange hält, die allergikergeeignet und hygieneattestiert ist. Außerdem kann sie mehr als andere Farben. Die wird es also noch lange geben. Mehr Infos hier.


Abkürzungen aus der Betontechnik

(damit Sie etwas mehr fachchinesisch verstehen)

BZM Betonzusatzmittel
PCE Polycarbonatester
F fließfähig
SF sehr fließfähig
SV selbstverdichtend
SFB Stahlfaserbeton
VZ Abbindeverzögerer
BV Betonverflüssiger
LP Luftporenbildner
FM Fließmittel

begonnen: 06.2005
 


Wettbewerbsverzerrung im Hochbau - Regierung benachteiligt Steinindustrie

 Der Holzverbrauch im Hochbau soll um 20 % steigen. Das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Frau Künast als feder­führende Ministerin weiß auch schon, wie sie dieses in der Bau­wirtschaft durchsetzen kann: Sie will nicht nur die wichtigen öffentlichen Auftrag­geber Bund, Länder und Gemeinden anwei­sen, wann immer es geht, mit Holz zu bauen. Gleich­zeitig soll der Bund - trotz leerer Kassen - umfang­reiche Werbe­maßnahmen für die ver­stärkte Erstellung von Hoch­bau­ten aus Holzkonstruk­tionen finanzieren. Mit diesen wettbe­werbsverzerrenden Maßnahmen benach­teiligt Ministerin Künast massiv die Hersteller und Ver­arbei­ter von Mauerwerk und Beton. Um neue Stellen in der Holzindustrie zu schaffen, ist sie ohne weiteres bereit, Arbeits­plätze bei Wettbewerbern zu gefährden.
 Im September 2004 veröffentlichte das Bundes­ministe­rium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirt­schaft die „Charta für verstärkte Holz­nutzung“. Das erklärte Ziel: Der Verbrauch von Holz in Deutschland soll steigen. Dass dies beim Bauen nur auf Kosten der ohnehin schon arg gebeutelten Stein- und Betonindustrien und des traditionellen Bauge­werbes erfolgen kann, interessiert Frau Ministerin wenig. Um ihr Ziel zu er­rei­chen, will sie die Beschaf­fungsregeln von Bund, Ländern und Gemein­den so gestalten, dass sie für öffentliche Bauten, sogar für den mehrgeschossigen Wohnungs­bau, präferiert Holz ein­setzen. Dass dieses mit einem Quali­tätsverlust verbunden sein kann, weiß jeder, der die Gren­zen von Holzbauten kennt. Sollte sich die Ministerin durchsetzen, müssen Mieter verstärkt mit Lärm­be­lästi­gung rechnen und haben weniger Sicher­heit im Brandfall – jedenfalls wenn die Holzbauten einigermaßen kosten­günstig sein sollen. Wohnungs­baugesellschaften müssen sich auf höhere Instand­haltungskosten einstellen.
 „Die Zusammensetzung der Steuerungsgruppe für die Charta lässt erkennen, dass es sich um eine rein politi­sche Entschei­dung handelt. Bautechnischer Sach­verstand war offensichtlich weniger gefragt,“ stellt Ronald Rast, Geschäftsführer der Deut­schen Gesell­schaft für Mauer­werksbau e.V. fest. Wie könnte die Charta sonst Holz­konstruktionen wärmetechnische Vor­züge attestieren? Jeder Fachmann weiß, dass wärmedämmende Steine in­zwischen besser dämmen als Holz. Erst der hohe Dämm­stoffan­teil in den Wänden und Decken sogenannter „Holzhäuser“ bringt die Dämmung. Dass heute Massiv­häuser mindestens ebenso hohe Dämmstandards bieten, ignoriert die Ministerin.
 Rast empfiehlt allen Bauherren, sich sorgfältig mit dem Ein­fluss der Bauweise auf die Wohnqualität ihres zukünf­tigen Heimes zu beschäftigen. Aus ökologi­scher und wirt­schaftlicher Sicht und im Dämmniveau kann die Massiv­bauweise immer mithalten. Daneben zeichnen sich Massiv­häuser mit gemauer­ten Wänden durch ein ausge­glichenes Raumklima, energie­sparende Wärmespeiche­rung, hohen Schall- und Brand­schutz, Langlebigkeit und hohen Werterhalt aus.
 Die DGfM fordert alle Verantwortlichen auf, gegen die einsei­tige Bevorzugung der Holzindustrie vorzu­gehen und ausdrück­lich bei Vergabeverfahren der öffentlichen Hand alternative Ausschreibungen zu fordern. Sie selbst wird auf der politischen Ebene gegen die wettbewerbsverzerrenden Maßnahmen der Bundesregierung vorgehen. Es kann nicht Aufgabe der Regie­rung sein, einseitig eine bestimmte Bau­weise zu fördern, den Verbraucher zu bevormunden und Arbeitsplätze in anderen Industrien zu gefährden.

Pressemitteilung, 29.11.2004
Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau e.V.


Ich finde Holz als Baustoff hervorragend, das mag an einer gewissen Naturverbundenheit liegen und dass es andere anders sehen, tut meiner Meinung keinen Abbruch. Holz ist vielseitig einsetzbar: man kann Holzhäuser errichten, da sind alle wesentlichen Bauwerksteile aus Holz: Wände, Decken, Fußböden, Dach, Fenster, Türen, Bodenbeläge, Wand- und Deckenbekleidungen, abgehängte Decken, Einbauten, Möbel. Mit einer geschickten Aufständerung kann man sogar mit Holz gründen. Außerdem kann man Holz auch noch zum Heizen nehmen.

"Ökologisch" ist ein furchtbar strapazierter Begriff, aber hinsichtlich der Recycling-Fähigkeiten dürfte Holz kaum zu überbieten sein (es sei denn, man versaut es chemisch). Im Zweifelsfall lässt man das Altholz durch den Ofen wandern, was auch keine Öko-Katastrophe ist, da Holz nur soviel CO2 freisetzt, wie es vorher gebunden hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Schwarze Haus

 


Kein Raub der Flammen – Holzhäuser bieten Sicherheit im Brandfall

3. Januar 2002 (HAF, Bonn) Das Vorurteil, Holzhäuser seien im Fall eines Brandes nicht sicher, hält sich hartnäckig. Und das völlig zu Unrecht: Moderne Holzhäuser erfüllen die Vorschriften der Bauordnung in Sachen Brandschutz zuverlässig und halten den Flammen mindestens ebenso lange stand wie Massivbauten.

Jeder, der sich in diesen Tagen am Kaminfeuer wärmt, macht die altbekannte Erfahrung, dass Holz leicht brennt. Kein Wunder also, dass dies in der Wahrnehmung Vieler auch für Holzhäuser gilt. Doch Holzbauten müssen, wie alle anderen Bauten auch, den gesetzlichen Regelungen des Brandschutzes entsprechen. Das Baurecht kennt verschiedene Brandschutzklassen, die sich auf die Feuerwiderstandsdauer beziehen, und die gelten ausnahmslos für alle Baumaterialien.

Ohnehin ist in der ersten halben Stunde das Gebäude selbst nicht an der Brandentwicklung beteiligt. Teppiche, Gardinen, Bodenbeläge und kunststoffbeschichtete Möbel stellen in dieser Zeit die Hauptgefahrenquelle dar, wie eine aktuelle Studie der TU Leipzig zeigt. Sie nehmen den Brand auf, tragen ihn weiter und führen zu giftiger Rauchentwicklung. Und dieser Umstand ist in allen Häusern, ob Holz oder Stein, derselbe.

Doch auch später ist die Brandgefahr im Eigenheim aus Holz nicht größer als bei Massivbauten. Professor Stefan Winter, an dessen Lehrstuhl die Studie durchgeführt wurde, hält moderne Holzkonstruktionen für sicher: "Tatsache ist, die Vorbehalte gegen die Holzbauweise sind überholt – und das seit mindestens zwei Jahrzehnten“. Holz brennt zwar, aber eben kontrolliert und langsam: Fangen zum Beispiel tragende Bauteile aus Holz mit großem Durchmesser Feuer, brennen zunächst die äußeren Schichten. Die dabei entstehende Kohleschicht wirkt wiederum isolierend und hält die Temperatur im Kern vergleichsweise niedrig. Wenn ein Bauteil aus Holz brennt, bleibt seine Stützfunktion also erhalten: Die tragenden Teile der Holzkonstruktion trotzen den Flammen mindestens 45 Minuten. Ein unverkleideter Stahlträger hingegen brennt zwar nicht, kann sich aber durch Hitze nach wenigen Minuten so stark verformen, dass er wegknickt. Schlimmstenfalls kann es dadurch zum unvermittelten Einsturz des gesamten Gebäudes kommen.

Holz ist also schon aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften ein Werkstoff, auf den man sich im Brandfall verlassen kann. Konstruktiver Brandschutz, wie Beplankungen, Außenwandverkleidungen und feuerhemmende Dämmschichten sorgen für zusätzliche Sicherheit. Niemand, der sich für den Baustoff Holz mit all seinen praktischen und ökologischen Vorzügen entscheidet, muss also heutzutage Kompromisse in punkto Brandsicherheit hinnehmen.

Ansprechpartner: HOLZABSATZFONDS, Dirk Alfter, Referat Grundsatz/Medien
Tel. 0228 – 308 38 16, dirk.alfter@holzabsatzfonds.de, www.holzabsatzfonds.de


Brandschutz: Perspektiven für den Holzbau

Volles Haus bei der Fachtagung Holzbau
Biberach. Rund 200 Besucher sind ins Holzkompetenzzentrum Biberach gekommen, um sich über die aktuellen Entwicklungen rund um das Thema Brandschutz im Holzbau zu informieren. Das große Interesse der Architekten, Ingenieure und Vertreter von Bauämtern signalisiert deutlich die Aktualität und den Informationsbedarf des Themas. Zur Tagung eingeladen haben der Landesbeirat Holz Baden-Württemberg gemeinsam mit der Akademie Ländlicher Raum. Um die Organisation, Themen- und Referentenzusammenstellung kümmerte sich Matthias Müller, Fachberater des INFORMATIONSDIENST HOLZ.

Bereits während der einführenden Worte des Moderators Professor Kurt Schwaner vom Institut Holzbau der FH Biberach wurde deutlich, dass der Holzbau künftig mit zahlreichen Änderungen konfrontiert sein wird. Was das konkret bedeutet, erläuterte im Anschluss Dr. Michael Reick, Kreisbrandmeister des Landkreises Göppingen. Reick beleuchtete zahlreiche Neuerungen der Landesbauordnung und berichtete von den Schwierigkeiten einer bundesweiten Harmonisierung. Ein wesentlicher Aspekt für den Holzbau in Baden-Württemberg ist die Neuregelung in Sachen Gebäudehöhe. Demzufolge können mittlerweile Gebäude bis zu einer Brüstungshöhe von 14 Metern in Holz ausgeführt werden. Bei Einhaltung baulicher Rettungswege sind Wohnbebauungen bis zu fünf Geschossen künftig problemlos in Holzbauweise zu realisieren. Für den Holzbau eröffnen sich dadurch große Chancen im mehrgeschossigen Wohnungsbau.

Über die korrekte Form eines Brandschutzkonzeptes und den behördlichen Umgang mit Baugenehmigungen referierte Philipp Degen, Geschäftsführer der Brandschutz Ingenieur Gesellschaft Stuttgart. Den Stand der Technik bei der Brandschutzbemessung in der Tragwerksplanung erläuterte Andreas Müller von der Ingenieurgesellschaft tragwerkeplus in Reutlingen.

"Holzgebäude brennen nicht häufiger als Häuser in Massivbauweise", berichtete Lutz Battran von der Versicherungskammer Bayern. Dass die Prämien bei Holzhäusern dennoch häufig höher liegen, als bei Gebäuden in Massivbauweise, liege an der unterschiedlichen Schadenshöhe. Die Erfahrungen von Battran zeigen, dass Unwissenheit über die Sanierungsmöglichkeiten von Holzkonstruktionen zu überhöhten Schadenskalkulationen führen. Der Versicherungsexperte sieht jedoch Chancen für den Holzbau, den höheren Versicherungsprämien entgegenzuwirken. Voraussetzung hierfür seien einige technische Änderungen in der konstruktiven Ausführung.

Fazit der Fachtagung: Die Baurechtsänderungen eröffnen dem Holzbau gute Perspektiven für einen weiteren Anstieg des Marktanteils. Bereits heute wird in Baden-Württemberg jedes fünfte Einfamilienhaus in Holzbauweise errichtet. Kindergärten, Schulen und öffentliche Gebäude werden ebenfalls zunehmend mit dem Baustoff Holz gebaut. Die neuen Richtlinien werden nun dazu führen, dass die Holzbauweise auch im mehrgeschossigen Wohnungsbau an Bedeutung gewinnen wird.

Pressemitteilung InfoHolz
LBR Holz Baden-Württemberg, 03.08.05


Holz schützt im Brandfall

Holzhäuser halten Feuer länger stand
16. August 2005 (HAF, Bonn) Die hohe Feuerwiderstandsdauer einer Holzbalkendecke hat bei dem verheerenden Brand in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar noch Schlimmeres verhindert. "Diese Decke hat uns gerettet", sagte Hellmut Seemann, Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, in der Neuen Zürcher Zeitung nach dem Brand im September 2004. Die solide Holzbalkenkonstruktion, eine so genannte Mann-an-Mann-Decke, hielt der Hitze und den Flammen stand.

Holz brennt zwar, aber nur sehr langsam und berechenbar. Daher fühlt sich die Feuerwehr in einem Holzhaus wohler als in anderen Gebäuden. Prof. Dr. Stefan Winter, Ingenieur und Holzbauexperte, dazu: "Ich baue mit Holz, weil es sicher ist. Es entflammt viel schwerer als die meisten anderen Materialien in unseren Wohnungen und Häusern." Holz besteht aus einer Vielzahl von Zellen, deren Wände aus Cellulose, Lignin und Polyosen aufgebaut sind. Es enthält außerdem Wasser, diverse Spurenelemente und hat nur eine geringe Wärmeleitfähigkeit. Wenn es Feuer fängt, tritt Wasserdampf aus. Es bildet sich eine Kohleschicht auf der Holzoberfläche, die isolierend wirkt. Indem das Holz an seiner Außenseite verkohlt, wird eine weitere Sauerstoffzufuhr ins Holzinnere verhindert und das Feuer erlischt – sofern nicht ständig weiter Energie zugeführt wird. Damit schützt sich das Holz selbst vor der völligen Zerstörung. Durch diese physikalischen Eigenschaften behält eine Gebäudetragkonstruktion aus Holz auch unter hohen Temperaturen lange Zeit seine Festigkeit. Ein Holzbalken hält dem Feuer länger stand als zum Beispiel ein ungeschützter Stahlträger. Auch Holzfenster schützen im Brandfall besser als Fenster aus Kunststoff. Das haben Untersuchungen und Brandversuche ergeben. Während Thermoplaste bereits bei 110 bis 130 Grad Celsius zerfließen, kann Holz Temperaturen von über 200 Grad standhalten. Das bedeutet: Ein Kunststoffrahmen verformt sich viel schneller als ein Holzrahmen. Dadurch bersten auch die Scheiben früher und Sauerstoff kann eindringen.

"Moderne Holzhäuser erfüllen nicht nur die gesetzlichen Brandschutzanforderungen, sie können mehr! Sie weisen einen Feuerwiderstand von 30 bis 60 Minuten auf und übertreffen damit zum Teil die Vorgaben der Bauordnungen für Ein- und Zweifamilienhäuser", so Prof. Winter, der an der Technischen Universität München einen Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion innehat.


Brandrisiko hängt nicht vom Konstruktionsmaterial ab
Darüber hinaus belegen weltweite Untersuchungen und Statistiken, dass die Verwendung von Holz als Baumaterial das Brandrisiko nicht erhöht. "Das Brandrisiko hängt nicht vom Konstruktionsmaterial eines Hauses ab, sondern von der Innenausstattung, vom Alter und Verhalten der Bewohner und vom Zustand der Elektroinstallationen. Das Brandentstehungsrisiko ist erwiesenermaßen in allen Gebäuden gleich – unabhängig vom Konstruktionsmaterial", erläutert Winter.

Tragende Bauteile aus Holz werden in der Regel mit feuerhemmenden Materialien wie Gipsplatten bekleidet. Dadurch sind die Oberflächen der Wände nicht brennbar. Hinzu kommt, dass Holzkonstruktionen vollgedämmt und luftdicht sind. Das vermindert Hohlraumbrände und die Ausbreitung von Brandgas. Ein Wohnungsbrand in einem Holzhaus beschränkt sich häufig auf ein Zimmer bzw. auf den Bereich, wo das Feuer ausgebrochen ist.

Bis zu fünf Geschosse in Holzbauweise erlaubt
Der technische Fortschritt mit der Entwicklung von modernen feuerhemmenden Holzkonstruktionen und die vielen positiven Erfahrungen mit Holzgebäuden haben beim Gesetzgeber zu einer Neubewertung von Holz geführt: Die Musterbauordnung lässt künftig bis zu fünfgeschossige Gebäude in Holzbauweise zu. Die Versicherungsprämien für Holzhäuser wurden vielfach auf das übliche Niveau gesenkt. In der Schweiz sind seit diesem Jahr sogar Holzbauten bis zu sechs Geschossen und Fassadenbekleidungen aus Holz bis zu acht Geschossen erlaubt. Das Tragwerk von Gebäuden ab drei Geschossen muss einen Feuerwiderstand von mindestens 60 Minuten gewährleisten.

"Wer Holz als riskant einstuft, tut dem Material Unrecht", so Winter. Der Ingenieur und Wissenschaftler hält Holz für einen der sichersten und zukunftsfähigsten Baustoffe überhaupt. Mit dieser Meinung steht er nicht allein, wie der steigende Marktanteil von Ein- und Zweifamilienhäusern in Holzbauweise belegt. Zwischen 1991 und 2002 hat er sich von 7,5 auf knapp 15 Prozent verdoppelt. Auch öffentliche und gewerbliche Bauträger entdecken die Leistungsfähigkeit des natürlichen Baustoffs. Immer mehr Schulen, Kindergärten, Bürogebäude und Messehallen werden aus Holz gebaut.

Pressemitteilung InfoHolz
HAF, 16.08.05



Baustoff Holz - Wohngesund und warm in Herbst und Winter
Mit dem natürlichen Baustoff Holz gut gerüstet gegen ungemütliche Witterung

Bauen mit Holz liegt im Trend. Zahllose Bauherren haben sich in den vergangenen Jahren für Holz entschieden - beim Bau des Eigenheims, bei Aus- oder Umbauten im und am Haus. Wohl wissend, dass Holz hervorragende Dämmeigenschaften besitzt. Nun stehen Herbst und Winter vor der Tür mit Regen und Sturm, Frost und Schnee. Wer jetzt sein Heim für den bevorstehenden Winter aufrüsten will, kann ebenfalls beruhigt auf den Bau- und Werkstoff Holz zurückgreifen. Eine zusätzliche bauliche Wärmedämmung mit vorgefertigten Holzbauteilen ist preisgünstig, raumsparend und schnell realisierbar. Zusätzliche Energie wird durch Isolierfenster aus Holz eingespart. Für die erforderlichen Maßnahmen stehen übrigens Fördergelder der Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie der Landesbauministerien zur Verfügung.

Prädestiniert für extreme Witterungen

Die natürliche Tragfestigkeit und Elastizität des Baustoffs Holz sorgen für eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Sturm, Schneelasten und extreme Kälte und machen Holz zum idealen Baustoff für ungünstige Klimaverhältnisse. Kein Wunder also, dass speziell in einigen Alpenregionen, in Skandinavien, Nordeuropa und Nordamerika mehr Menschen in Holzhäusern als in Steinbauten leben.

Auch Dauerregen und feuchte Nebeltage sind kein Problem, denn im modernen Holzbau vermeiden innovative Baustoffe und durchdachte Konstruktionsprinzipien, dass Feuchtigkeit dem Holz schadet. Die solide Planung beginnt bereits beim Baustoff selber: Holzhäuser werden heute aus industriell getrockneten Bauhölzern und Holzbaustoffen mit einer gleich bleibend niedrigen Holzfeuchte gefertigt. Ausreichende Dachüberstände und Abstände zum Erdreich etwa halten Regen- und Spritzwasser zuverlässig von außen liegenden Gebäudeteilen fern, die luftdichte Gebäudehülle verhindert einen Feuchtigkeitseintrag ins Haus. Daher kommt der moderne Holzbau heute im Inneren wie im Außenbereich komplett ohne chemischen Holzschutz aus.

Wohngesundheit durch natürliche Feuchteregulierung

In der Tat schafft Holz ein in jeder Hinsicht behagliches Raumklima, das wir speziell in Herbst und Winter genießen. Sichtbares Holz vermittelt schon optisch eine natürliche Wärme, die unser Wohlbefinden messbar steigert. Holzböden und -wände fühlen sich stets angenehm warm und trocken an, ein in Holz gebauter Raum kühlt nie ganz aus. Ein besonderer Pluspunkt in der Heizperiode: Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie bei Bedarf wieder an die Umgebung ab. Unangenehm trockene Heizungsluft ist für die Bewohner eines Holzhauses kein Thema. Andererseits haben auch Schimmelpilze keine Chance. Aufgrund der guten Dämmung im modernen Holzhaus empfiehlt sich regelmäßiges Stosslüften: Fünf Minuten am Tag sollten die Fenster ganz geöffnet werden, damit die Innenfeuchte entweichen kann.

Holz: Heizmaterial der Zukunft

Die prasselnden Holzscheite im Kamin an einem frostigen Wintertag vermitteln Harmonie und Behaglichkeit. Was die Wenigsten wissen: Das Heizen mit Holz gehört heute zu den effektivsten und umweltverträglichsten Heiztechnologien. Genutzt werden so genannte Holz-Pellets, Pressstifte aus unbehandeltem Restholz mit hohem Energiegehalt, die problemlos in entsprechend ausgerüsteten Heizanlagen jeder Größenordnung verfeuert werden können. Der Vorteil gegenüber konventionellen Heizstoffen: Heizen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz schont fossile Rohstoffe aus endlichen Lagerstätten. Dabei wird die Atmosphäre nicht belastet, denn die Verbrennung von Holz setzt nicht mehr CO2 frei als im Wachstum vom Baum gebunden wurde. Unter diesem Aspekt wird die Anschaffung oder Umrüstung von Heizanlagen für Holz-Pellets öffentlich gefördert.

Alles in allem gilt heute, was schon unsere Vorfahren wussten: Mit Holz ist man für ungemütliches Herbst- und Winterwetter bestens ausgestattet. Der traditionelle Werk-, Bau- und Brennstoff erfüllt in jeder Hinsicht die technischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts und gewährleistet ein Höchstmaß an Wohngesundheit und Umweltfreundlichkeit.

Quelle: Newsletter www.Infoholz.de, 16. September 2002 (HAF, Bonn)


Nachwachsende Rohstoffe:
Bambus

Die nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen gewinnt immer mehr Anhänger. Verständlich, besonders im Zeichen verstärkter Umweltbelastungen und endlicher fossiler Brennstoffe. So sorgen zwei Gräser im Baugewerbe für Aufmerksamkeit: Miscanthus sinensis, das Chinaschilf und verschiedene Bambusarten. Chinaschilf wird in norddeutschen Langzeitversuchen als Ersatz für das bekannte Ried (überwiegend Schilf) als Dachbedeckung eingesetzt.
Auch als Ausgangsstoff für Dämmstoffe eignet es sich. Landwirte testen die Anbaumöglichkeiten mit unterschiedlichem Erfolg. Bambus, die zweite Grasart, ist vielen schon bekannt aus dem Innenbereich. Parkette und Möbel aus Bambus zeichnen sich durch hohe Elastizität und Stabilität aus. Da Bambus härter als unsere einheimische Eiche ist, kann bei der Bearbeitung nur auf bestes Werkzeug zurückgegriffen werden. Dafür benötigt es im Außenbereich keinen chemischen Holzschutz. Wobei auf konstruktiven Holzschutz nicht verzichtet werden sollte. Mehr zu diesem Thema gibt es bei der Fachagentur Nachwachsender Rohstoffe FNR e.V. Hofplatz 1, 18276 Gülzow, Tel: 03843-69300

Quelle: re natur GmbH, Jörg Baumhauer, Tel: 04323-901011, Fax: 04323-901029
Email: Baumhauer@re-natur.de, www.re-natur.de (Newsletter)


Forschungsvorhaben der Universität Leipzig belegt:
Häuser aus Holz haben eine lange Lebensdauer

15. Mai 2002 (Holzabsatzfonds, Bonn) Private Bauherren, die ihr Haus mit dem ökologischen Baustoff Holz errichten wollen, stoßen bei Beratern von Kredit- und Versicherungsinstituten immer wieder auf Skepsis: Holzhäuser seien nicht beständig, extrem pflegebedürftig, schlecht wieder verwertbar und hätten deshalb einen hohen Wertverlust und einen niedrigen Wiederverkaufswert. Dass solche Vorbehalte längst überholt sind, zeigt ein aktuelles Forschungsvorhaben der Universität Leipzig, das sich mit der objektiven Verkehrswertermittlung von Holzgebäuden befasst. Das Ergebnis: In Sachen Lebensdauer und Wertbeständigkeit stehen moderne Holzhäuser konventionellen Bauten in nichts nach.

Das Forschungsvorhaben belegt, dass sich die Qualität des Holzbaus in den letzten 40 Jahren in allen Punkten, die für den Werterhalt einer Immobilie relevant sind, erheblich weiterentwickelt hat. Die Gesamtnutzungsdauer von Holzhäusern, die ab 1985 gebaut wurden, liegt bei 80 Jahren. Die technische Lebensdauer kann bei normaler Instandhaltung weit über 100 Jahre, wenn nicht gar mehrere 100 Jahre betragen. Damit zieht die Holzbauweise mit dem Massivbau gleich. „Im Hinblick auf die Beleihbarkeit, Wiederverwertbarkeit und Wertbeständigkeit gibt es also keine objektiven Gründe, ein Holzhaus schlechter einzustufen oder Bauherren in Fragen der Finanzierung zu benachteiligen“, sagt Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter, an dessen Lehrstuhl die Forschungen durchgeführt wurden.

Doch die bisherige Beleihungs- und Bewertungspraxis sieht in vielen Fällen anders aus: Bei der Schätzung der Gesamt- und Restnutzungsdauer von Holzhäusern greifen viele Banken und Sachverständige auf Untersuchungen aus den 70er Jahren zurück. Die Folge: Selbst modernste Holzhäuser schneiden so pauschal um bis zu 25 Prozent schlechter ab – und das nur, weil die Bewertungsgrundlage nicht aktualisiert wurde. Objektive Kriterien zur Verkehrswertermittlung bleiben unberücksichtigt. Das jetzt vorliegende Forschungsvorhaben zeigt solche Kriterien auf und dokumentiert die beachtliche Entwicklung der Holzbauweise von 1965 bis heute. Dabei kommen Professor Winter und sein Forschungsteam zu folgenden Ergebnissen:

Qualität:
Auftretende Lasten, Wetter, Temperaturschwankungen und Feuchte beanspruchen die einzelnen Bauteile eines Gebäudes und beeinflussen seine Haltbarkeit und Gesamtnutzungsdauer. Materialgüte, Bauausführung und schützende Maßnahmen, wie Wärme-, Feuchte-, aber auch Brand- und Schallschutz, spielen daher eine bedeutende Rolle. Wie das Forschungsvorhaben belegt, haben sich im Holzbau seit 1960 die Werkstoffqualitäten, industriellen Fertigungsmethoden, freiwillige Fremd- und Selbstüberwachung der Hersteller sowie die Regelungsdichte stetig verbessert. Nach 1985 erstellte Holzhäuser unterscheiden sich qualitativ nicht von konventionellen Gebäuden.

Wärmeschutz:
Die Wärmeschutzverordnungen und die ab Frühjahr 2002 geltende Energieeinsparverordnung fordern von modernen Bauten hohe Dämmwerte, die Holzkonstruktionen mit modernen Dämmstandards leicht erreichen. Vollgedämmte Außenwandkonstruktionen – Standard seit Ende der 70er Jahre – gewährleisten den gesetzlich geforderten winterlichen Wärmeschutz. Bei ausreichenden Sonnenschutzmaßnahmen ist gleichzeitig der sommerliche Wärmeschutz in vollem Umfang erreichbar. Die fehlende Speichermasse wird durch einen guten Dämmstandard kompensiert. Seit 1985 liegen die U-Werte unter 0,35 W/(m².K), heute üblich ist 0,20 W/(m².K).

Feuchteschutz:
Für die Haltbarkeit von Holzhäusern spielt der Feuchteschutz eine zentrale Rolle. Alle üblichen Fassadenausbildungen sowie Dachüberstände und Sockel an der Bauwerksbasis schützen die tragende Holzkonstruktion vor Bewitterung. Im Gebäudeinnern hat sich die Gefährdung durch Wasserdampfkondensation nach 1980 dank verbesserter Luftdichtheit kontinuierlich verringert. In modernen Holzhäusern liegt die Holzfeuchte deutlich unter dem kritischen Wert von 20 Prozent, im Durchschnitt bei 10 bis 14 Prozent.

Schallschutz:
Dem Holzbau wird oft ein schlechter Schallschutz nachgesagt. Dieses Vorurteil ist unbegründet: Heute steht eine Vielzahl an konstruktiven Möglichkeiten zur Auswahl, um die verschiedenen Schallschutzanforderungen zu erfüllen. So sorgen beispielsweise Holzbalken- und Brettstapeldecken für ausreichenden Trittschallschutz.

Brandschutz:
Das Baurecht kennt verschiedene Brandschutzklassen, die sich auf die Feuerwiderstandsdauer beziehen. So bedeutet zum Beispiel die Bezeichnung F 30, dass ein Bauteil 30 Minuten lang einem Brand standhalten muss. Die Brandschutzklassen gelten ausnahmslos für alle Bauweisen. Somit ist ein Holzbauwerk zumindest ebenso feuerwiderstandsfähig wie ein konventionelles Gebäude. Bei Zimmerbränden ist die erste halbe Stunde entscheidend, denn in dieser Zeit fangen die meisten Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände Feuer. Die Gebäudekonstruktion bleibt am Brandgeschehen zunächst noch unbeteiligt. Deshalb spielt es nahezu keine Rolle, aus welchem Material sie besteht.

Wohngifte: Holzschutz wird bei modernen Bauten konstruktiv, das heißt ohne chemische Mittel hergestellt. Hohe Formaldehydkonzentrationen wie in den 70er Jahren sind passé, und das Holzschutzmittel PCP ist ebenfalls seit 1983 vom Markt verschwunden.

Mit den Ergebnissen des Forschungsvorhabens befasst sich auch der aktuelle Informationsdienst Holz „Holzhäuser – Werthaltigkeit und Lebensdauer“.


Innenraumklima - Holz wirkt positiv

Das finnische Bauforschungsinstitut VTT in Espoo hat einen Report veröffentlicht, der die Einflüsse des natürlichen Werkstoffes Holz auf das Raumklima nachweist. Das Ergebnis: Oberflächen aus Naturholz an Wänden, Decken und auf Fußböden "puffern" das Raumklima, weil die relative Luftfeuchtigkeit deutlich stabilisiert wird. Die Luftfeuchtigkeit der Raumluft erreicht nach Aussagen der Forscher stabilere Werte als in Räumen ohne Holzoberflächen. Ein stabiles Raumklima im optimalen Bereich zwischen 30 und 55 Prozent relativer Luftfeuchte lasse zudem weniger Gesundheitsbeeinträchtigungen auftreten als bei höheren oder niedrigeren Werten.

Um sicherzustellen, dass die Untersuchungsergebnisse nicht nur nordische Klimaverhältnisse richtig beurteilen, bezogen die finnischen Bauforscher drei weitere Untersuchungsobjekte in ihre Untersuchungen und Betrachtungen ein - Häuser und Wohnungen in Holzkirchen/Deutschland, Saint Hubert/Belgien und Trapani/Italien. Damit deckten sie die unterschiedlichsten europäischen Klimazonen ab. Weiterhin stellten die Forscher fest, dass unbehandeltes Holz eine bessere klimastabilisierende Wirkung zeigte als lackierte Holzoberflächen. Ein Nebeneffekt: Die Stabilisierung des Feuchtegehalts verhindere auch größere Temperaturschwankungen und übe dadurch eine Art "passiver Klimakontrolle" aus. Vor allem in gemäßigten Klimazonen funktioniere diese hervorragend.

Die in Englisch verfasste Broschüre kann unter www.inf.vtt.fi/pdf heruntergeladen werden.

Quelle: Mailer Infoholz 14.06.02



DGfH-Merkblatt Vermeidung von Schimmelpilzbefall Januar 2002

Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Holzforschung e.V.
Bayerstr. 57-59
D-80335 München
Fax 089/531 657 www.dgfh.de

DGfH-Merkblatt
Vermeidung von Schimmelpilzbefall an Anstrichflächen außen

Inhalt:
1. Einführung
2. Ursachen des Befalls mit Schimmel
3. Vorbeugende Maßnahmen
4. Abhilfe

1. Einführung

Schimmelpilze sind eine große Gruppe von Pilzen, die hauptsächlich der Klasse der Ascomycetes und der Sammelgruppe der Fungi imperfecti angehören. Die Sporen der Schimmelpilze sind in jahreszeitlich bedingten, unterschiedlich hohen Konzentrationen überall in der Luft anzutreffen.

Sofern die Sporen auf ein Substrat fallen, das ihnen ausreichende Feuchtigkeits- und Nahrungsbedingungen bietet, keimen sie aus. Aus einer Spore heraus wächst zunächst jeweils ein einzelner Zellfaden (die Hyphe) der sich verzweigt, unter Umständen mit Zellfäden aus anderen Sporen zusammenwächst und so einen so genannten Pilzrasen (das Myzel) bildet, der je nach der Pilzart ganz unterschiedlich gefärbt sein kann.

Vor Allem aber gibt die Farbe der neuen Sporen, die auf dem Pilzrasen ausgebildet werden, diesem eine charakteristische, häufig artspezifische Färbung. Am häufigsten treten grüne und graublaue bis schwärzliche Töne auf, es sind aber alle Farben möglich. Nicht immer rühren die Verfärbungen auf den Materialien von den Hyphen oder Sporen der Schimmelpilze her. Sie können auch auf Stoffwechselprodukte der Pilze zurückzuführen sein, die mit Bestandteilen der Materialien reagieren.

Alle organischen und fast alle organischchemischen Substanzen können den Schimmelpilzen als Nahrungsgrundlage dienen, also z. B. Holz, Papier, Leime, Lacke, Binderfarben, Kunststoffe. Nicht immer ist es das Material selbst, auf das die Sporen gefallen sind, das die Nahrungsgrundlage für die Pilze bildet. Häufig sind es geringste Schmutzablagerungen mit organischen Bestandteilen (Staub, Fette, Öle usw.), die die Pilzentwicklung ermöglichen.

Schimmelpilze sind stets ein Indikator für eine erhöhte Feuchte auf den Oberflächen bzw. innerhalb der Bauteile. Schimmelpilze, die direkt am (unbehandelten) Holz auftreten verwenden für ihr Wachstum nur die Holzinhaltsstoffe wie Zucker, Fette und Wachse, nicht aber die Holzsubstanz. Bei Holzwerkstoffen können auch Bindemittel und Füllstoffe als Nahrungsquelle für die Pilze dienen.

Die Schimmelpilze bewirken selbst keine Festigkeitsverluste am Holz. Sie sind also keine holzzerstörenden Pilze. Daher sind zahlreiche, als Holzschutzmittel klassifizierte Anstrichsysteme und Imprägnierlösungen nicht gegen Schimmelpilze wirksam und umgekehrt schimmelpilzwidrig ausgerüstete Anstriche nicht als Holzschutzmittel im Sinne der DIN 68800 (nämlich als vorbeugend gegen holzzerstörende Pilze wirksam) verwendbar.

An der unbehandelten Holzoberfläche sind die Holzinhaltsstoffe in den angeschnittenen Zellen für die Schimmelpilze frei zugänglich. Da die verschiedenen Baumarten aber unterschiedliche Mengen und Arten von Inhaltsstoffen ausbilden, werden die verschiedenen Holzarten auch unterschiedlich stark von Schimmelpilzen besiedelt.

Schimmelpilze, zu denen hier auch die Bläuepilze gerechnet werden, können auf das Holz aufgebrachte Anstrichstoffe schädigen und so deren Wirkung aufheben, d. h. ihre Sperrwirkung gegen tropfbares Wasser beeinträchtigen. Bläuepilze schaffen das, indem sie Hölzer über unbeschichtete Stellen besiedeln und dann Lackschichten von unten her rein mechanisch aufbrechen. Schimmelpilze können DGfH-Merkblatt Vermeidung von Schimmelpilzbefall den Beschichtungsfilm selbst abbauen und so Einfallspforten für die Feuchtigkeit schaffen.

2. Ursachen des Befalls durch Schimmelpilze

Wesentliche Voraussetzung für das Auskeimen der Sporen und die weitere Entwicklung aller Pilze, also auch der Schimmelpilze, ist eine je nach der Gruppe der Pilze erforderliche Mindestfeuchte an den Bauteiloberflächen und / oder im Inneren der Bauteile. Diese Mindestfeuchte muss über einen ausreichend langen Zeitraum oder aber in kurzen, mehr oder weniger regelmäßig wiederkehrenden Intervallen gegeben sein (z.B. durch ein Abspritzen mit Wasser).

In diesem Merkblatt nicht behandelt werden die Ursachen von Schimmelpilzbefall in Innenräumen, z.B. auf tapezierten oder geputzten Flächen. Dieser hat in aller Regel bauphysikalische Gründe, d.h. lokale Feuchteanreicherungen, über deren Ursachen und Vermeidung bereits zahlreiche Veröffentlichungen vorliegen.

Folgende Ursachen kommen für den in den letzten Jahren zunehmend auftretenden Befall von außenliegenden Holzoberflächen in Betracht:

  • Gestiegene Feuchteeinwirkung

Auf Grund ungünstiger geometrischer Verhältnisse (die beispielsweise wegen eines ungünstigen Wärmestromes zu relativ kälteren Außenecken führen), ungenügender Belüftung oder einer starken Verschattung der Bauteile.

Ein eigenes Problem stellt das gelegentlich auftretende Schimmelwachstum an außenliegenden Dachüberständen dar. Hierzu laufen derzeit Forschungsmaßnahmen, um gezielt vorbeugende bzw. Abhilfemaßnahmen zu entwickeln.

Ein Teil der Probleme resultiert aber sicherlich aus lokal erhöhten Luftfeuchten bis hin zu tropfbarem Wasser durch Taupunktunterschreitung, bedingt durch fehlende Dämmung der außenliegenden Dachunterseiten gegenüber der Dachdeckung. Auch die Wahl der Holzart bzw. die Herkunft des Holzes kann hierbei eine entscheidende Rolle spielen.

  • Weitgehende Reduzierung schimmelpilzwidriger Bestandteile in Anstrichstoffen und Beschichtungen

Dem steigenden Wunsch der Konsumenten folgend, sind eine Vielzahl von Anstrichprodukten in ihrer Rezeptur zu Produkten mit dem „Blauen Engel“ verändert worden, was per Definition notwendiger Weise auch zu einer Reduzierung der Konzentrationen oder dem gänzlichen Weglassen schimmelpilzwidriger Konservierungsstoffe geführt hat.

  • Unterschiedlich geeignete Holzwerkstoffe

Bei Holzwerkstoffen aus Schälfurnieren wird oft durch die beim Schälvorgang stets entstandenen, kaum sichtbaren Schälrisse eine erhöhte Feuchteansammlung auf der Oberfläche begünstigt. Auch führen Leime mit erhöhten Alkalisalzanteilen zu höheren Ausgleichsfeuchten der so verleimten Holzwerkstoffe. Hinzu kommt, dass manche Holzarten (z.B. Seekiefer, Birke) auf Grund ihres höheren natürlichen Stärke- bzw. Zuckergehaltes für Schimmelpilze ein besseres Nährstoffangebot bieten als andere Holzarten.

Daher bedeutet eine wetterbeständige Verleimung nicht, dass solche Holzwerkstoffe bedenkenlos im Außenbereich eingesetzt werden können. Dies erklärt, warum einige Hersteller ihre Sperrhölzer nicht für eine Verwendung im bewitterten Außenbereich freigeben.

Weichfaserdämmplatten, die nicht herstellerseitig bereits beschichtet und für den Einsatzzweck empfohlen sind, sind auf Grund der
Verleimungsart nicht für den Einsatz im direkt bewitterten Außenbereich zu empfehlen. Diese Einschränkung bezieht sich ausdrücklich nicht auf Weichfaserdämmplatten zur Wärmedämmung in hinterlüfteten Konstruktionen, wo sie nicht direkt bewittert werden!

  • Ungeeignete Oberflächenbeschichtung

Geeignete Anstrichstoffe für bewitterte Bauteile aus Holz- oder Holzwerkstoffen müssen neben weiteren Anforderungen z.B. an die Alterungsbeständigkeit und Haftfestigkeit auch einen ausreichenden Feuchteschutz für den Untergrund aufweisen. I. d. R. sind daher Produkte einzusetzen, deren Feuchteschutz nach EN 927 als geeignet für maßhaltige Bauteile (stable) bzw. bedingt maßhaltige Bauteile (semi stable) eingestuft wird. Die vom Hersteller vorgegebenen Schichtdicken sind einzuhalten, hierzu sind insbesondere Kanten, Fasen und Ecken zu runden.

3. Vorbeugende Maßnahmen

Wenn ein Schutz gegen Schimmelpilzbefall gewünscht ist, sind Anstrichprodukte und -systeme zu verwenden, für die der Hersteller auf dem Gebinde oder im Technischen Merkblatt eine schimmelpilzwidrige Eigenschaft zusichert. Bei sachgerechter Anwendung solcher Produkte sind bisher keine Beanstandungen aufgetreten.

Die schimmelwidrige Wirksamkeit eines Produktes (Anstrichstoffes usw.) hängt sowohl von den eingesetzten Wirkstoffen und deren Konzentration als auch von der gesamten Formulierung des Produktes ab. Daher können hier gegenwärtig keine einzelnen Wirkstoffe oder Produktgruppen benannt werden.

4. Abhilfe

Wenn ein Schimmelpilzbefall aufgetreten ist, reicht im Anfangsstadium des Bewuchses mitunter ein bloßes feuchtes Reinigen der Fläche.

  • Wasser und Brennspiritus im Verhältnis 90:10 Gewichtsteilen.
  • 5%-ige Sodalösung (Apotheke)
  • Essig wird oft genannt, dient aber manchen Schimmelpilzen als Nährmittel!

Diesen Stoffen können auch geringe Tensidbeigaben zur Verringerung der Oberflächenspannung beigegeben werden. Sie haben aber keine vorbeugende Wirkung. Die Pilze können sich nach der Behandlung wieder ansiedeln.

Üblicherweise wird jedoch ein Bekämpfen des Schimmelpilzrasens mit Produkten notwendig:

  • hochprozentiger Alkohol (z.B. 70%-iger Brennspiritus) und 2% Salicylsäure

Achtung: Nicht großflächig in Räumen anwendbar, da explosive Luft-Alkohol-Gemische entstehen können!

  • 5% oder 10%-ige Wasserstoffperoxidlösung (Apotheke)

Der Einsatz von Wasserstoffperoxid kann hilfreich sein, da dieses eine abtötende Wirkung auf die Schimmelpilze und gleichzeitig eine bleichende Wirkung hat. Wegen der bleichenden Wirkung wird es insbesondere bei einem Befall von Bläuepilzen eingesetzt. Auch Wasserstoffperoxid hat keine vorbeugende Wirkung gegen einen Neubefall.

  • 5%-ige Salmiakgeistlösung

Obwohl oft genannt, ist 5%-ige Salmiakgeistlösung (Ammoniaklösung) jedoch nicht wirklich empfehlenswert, da Ammoniak stark reizend auf die Atemorgane wirkt.

  • Haushaltsreiniger mit "Aktiv-Chlor", die sog. Chlorbleichlauge

Wenn man den Sprühnebel solcher Mittel einatmet, bilden sich im Körper schädliche chlororganische Verbindungen. Daher Sicherheitshinweise unbedingt beachten! Es wirkt abtötend auf die Schimmelpilze und hat gleichzeitig noch eine bleichende Wirkung, die bei farbigen Schimmelbelägen von Vorteil ist. Vorsicht auf Metall: Korrosionswirkung!

  • Mittel, die quarternäre Ammoniumverbindungen (Quats) enthalten,

wirken meist selektiv. Manche Schimmelpilze werden von diesen nicht bekämpft, sondern verlieren ihre Nahrungskonkurrenten und entwickeln sich umso besser. Es ist darauf zu achten, dass nach einer solchen Behandlung der Oberflächen unbedingt die Verträglichkeit des eingesetzten Mittels und des vorhandenen Anstrichsystems mit dem nachfolgenden Anstrichsystem überprüft werden muss.

Für eine dauerhaft schimmelfreie Oberfläche ist entweder die Feuchte durch bauliche Maßnahmen zu vermindern, oder aber es ist das Aufbringen eines neuen, in diesem Falle schimmelpilzwidrigen Anstrichsystems erforderlich. Es ist zu beachten, dass die schimmelpilzwidrigen Wirkstoffe in den Beschichtungsprodukten nur eine begrenzte zeitliche Wirksamkeit haben und daher eine Nachpflege
erforderlich ist.

Die Pflegeintervalle hängen u.a. vom Ausmaß der Feuchte- und UVBeanspruchung der lackierten Flächen ab. Die Sicherheitsratschläge auf den Verpackungen und Hinweise zum Umweltschutz beachten. Arbeitsschutzmaßnahmen beachten – Persönliche Schutzausrüstung, z.B. undurchlässige Schutzhandschuhe und Schutzbrille tragen.


Bauvorhaben:
Errichtung eines Einfamilienhauses
K.allee yy, L.
Flur: zz, Flurstück: abc
BEIBLATT ZUM DETAIL SPARREN- UND BALKENAUFLAGER

Dachneigung = 30°
Rechenhilfe: über die Winkelfunktionen (siehe Dreieck mit, , a, b und c)
sin a = a / c tan a = a / b
cos a = b / c cot a = b / a
bei 30°: sin = 0,5, cos = 0,866, tan = 0,577, cot = 1,732

Berechnung Stützenhöhe (Holzstütze für Firstpfette):
Bezugspunkt = Schnittpunkt UK Sparren/OK Traufbalken
= 9,30 – 0,365 + 2x 0,04 = 9,015 /2 = 4,505
tan  = a / b, a = 0,577 x 4,505 = 2,60
Pos. 9: 2,60 – (0,22* – 0,10) = 2,48 m
Pos. 10: 2,60 – (0,26* – 0,10) = 2,34 m
* hierbei ist das Maß der Deckenbalken (Pos. 9 18/22, Pos. 10 20/26) berücksichtigt

Sparrenverbindung
am First nach Wahl des AN:
a) verblattet
b) Scherzapfen (bei b>= 80)
c) stumpf aufgelegt (mit Lasche)
Befestigung der Sparren an der Firstpfette 12/24 mit Sparrennägeln

Verankerung des Traufbalkens
Windsogverankerung gem. Ergänz. Bestimmungen zu DIN 1055 T4
Flachstahl min. 4 mm als Regelfall (alternativ Rundstahl min. 14 mm )
Verankerungstiefe im Ringanker min. 155 mm (ist bei diesem Detail eingehalten)
Flachstahlanker 4x30 mm 1- oder 2-seitig angeschraubt
3 Holzschrauben Ø 6,0 mm, Einschraubtiefe tg >= 50 mm
Verankerungsabstand a = 2 m, in den Eckbereichen 1,0 m
Bsp. Giebelseite: 9,30 m – (2x 1,0 m) = 7,30 m / 2 m = 3,65
= 4 + 2 zwischen den Eckpunkten

Holzverbindungen
Dachkonstruktion Nadelholz S10 (II)
Alle Verbindungen zug-, druck- und schubfest!
Zimmermannsmäßige Holzanschlüsse.
Zugelassene Holzverbinder (z.B. BMF) mit
a) Kammschrauben
b) Kammnägeln
c) Sparrennägeln
Tragfähigkeitsklasse III, Bsp.: BMF Z-9.1-225

Windaussteifung
Scheibenausbildung in der Deckenebene mit Flachpressplatten DIN 68761 / DIN 68763 (z.B. OSB-Platten), Windrispenbänder in Sparrenebene (z.B: BMF-Windrispenband genagelt)

15.07.200x, M. Bumann


Massivholz - ein Begriff für Qualität

Längst nicht jedes Möbelstück ist "massiv". Für diesen Qualitätsbegriff gibt es nach Auskunft des Vorsitzenden der Initiative Pro Massivholz, Dr. Lucas Heumann, eine strenge Norm.

Heumann: "Die DIN 68871 regelt Möbel- Bezeichnungen verbindlich. Massiv dürfen sich danach nur solche Möbel nennen, die in allen Teilen außer Rückwand und Schubladenböden aus massivem Holz gefertigt und nicht furniert sind."

"Eiche massiv" bedeutet also, dass ein Möbelstück durchgehend aus Eichenholz besteht. Massivholz-Möbel werden auch als Vollholz-Möbel bezeichnet. Das Ausgangsprodukt für solche Möbel sind Platten aus gewachsenem Holz oder aus geleimten Lamellen und Stäben. Nach langer Lagerung und Trocknung wird das Holz im Sägewerk zunächst zu Lamellen aufgetrennt, zugeschnitten und gehobelt. Dann werden Lamellen gleichen Querschnitts, gleicher Länge und gleicher Holzart mittels Leim und einer Plattenpresse dauerhaft mit einander verbunden: Es entsteht eine Leimholzplatte.

Dieser Materialaufbau kommt dem natürlichen Holz am nächsten, denn das Holz kann weiter atmen. Sperrholz , Span- und Faserplatten sind dagegen kein Massivholz. Wurde bei den sichtbaren Flächen eines Möbelstücks ein Furnier verwendet, muss dies im Handel angegeben werden. Das Möbel wird dann zum Beispiel als "Eiche-Furnier" angeboten. Als "echt" gilt das Möbel nur dann, wenn Furnier und Massivholzteile der sichtbaren Flächen aus der selben Holzart bestehen.

Mehr über Massivholz erfahren Sie in der kostenlosen Broschüre "Massivholz – eine gute Entscheidung", erhältlich im Möbelhandel. Oder im Internet: www.pro-massivholz.de.

Quelle: Initiative Pro Massivholz, www.infoholz.de
04.2004


Massivholzmöbel regulieren Feuchtigkeit

Möbel aus Massivholz wirken positiv auf das Raumklima, denn sie regulieren die Luftfeuchtigkeit. Dies teilte jetzt die Initiative Pro Massivholz mit. "Das Holz nimmt Feuchtigkeit auf, die als Wasserdampf beim Atmen und Schwitzen entsteht. Ist hingegen die Raumluft sehr trocken, wird Wasserdampf abgegeben. Diese Pufferfunktion macht Massivholz zu einem optimalen Material für wohngesunde Möbel", so Dr. Lucas Heumann, der Vorsitzende der Initiative.

Der lebendige Werkstoff aus der Natur hat eine einzigartige Zellstruktur. Die Zellen des Holzes sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden: zu Fasern, die die Festigkeit des Holzes sichern, zu Gefäßen, die Wasser transportieren, zu Markstrahlen aus Speicherzellen und zu so genannten Parenchymzellen, die Nährstoffe verteilen. Diese Struktur verleiht Holz die Eigenschaft, Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen und auch wieder abzugeben. Es besteht also ein dauernder Ausgleich zwischen Luftund Holzfeuchte. Man sagt auch: Holz ist "hygroskopisch". Es ändert seinen Feuchtegehalt bei wechselndem Umgebungsklima, bis es einen Gleichgewichtszustand erreicht. Maßgebend für das Holzfeuchte-Gleichgewicht sind die Temperatur und die relative Luftfeuchte der Umgebungsluft.

Der Feuchtegehalt von Holz ist in seiner bearbeiteten Form als Massivholzmöbel recht konstant. Er unterliegt jedoch Schwankungen, die vom Standort abhängen. So bewirken beheizte Räume im Winter einen niedrigen Feuchtegehalt des Holzes. Verändert sich die Holzfeuchte, verändert sich auch das Volumen des Materials. Man sagt dann: "Das Holz arbeitet". Das tun auch moderne Massivholzmöbel. Sie bleiben aber wegen ihrer durchdachten Konstruktionen und hohen Verarbeitungsqualität weitestgehend formstabil.

Besonders in Küche und Bad bieten diese Eigenschaften echte Vorteile für Möbel aus Massivholz. Auch im Schlafzimmer sorgen Massivholzmöbel für gute Raumhygiene. Sie regulieren durch Feuchtigkeitsaufnahme während des Schlafes sowie nachfolgende Abgabe beim Lüften die Luftfeuchtigkeit des Schlafraumes. Die offenporigen Oberflächen von Massivholzmöbeln sind außerdem besonders hygienisch. Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Krankheitserreger, die auf Kunststoffen prächtig gedeihen, auf Holz keine Überlebenschancen haben.

Durch seine offenen Poren reinigt Massivholz die Raumluft, indem es Schadstoffe absorbiert. Die Möbel nehmen auf, was für den Menschen schädlich ist, zum Beispiel Zigarettenrauch, Kohlenmonoxid, Stickstoffoxide, Kohlenwasserstoffe, Lösemittel und sogar Formaldehyd. Beim nächsten Lüften gibt das Holz die Schadstoffe dann nach außen ab. (mh)

Aussender: www.pro-massivholz.de
16.08.2004


Heizkosten sparen mit Holzfassaden
Fassaden aus Holz können an jeder Außenwand montiert werden

Zeit zum Kuscheln: Jetzt beginnen die warmen und gemütlichen Abende zu Hause. Doch viele Häuser sind nicht ausreichend gedämmt, die Wärme entweicht nach außen. Vor dem Hintergrund der drastisch gestiegenen Rohölpreise könnte dies ein teurer Winter werden. Die Preise für Heizöl liegen um 30 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Mit einer Holzfassade können die Kosten fürs Heizen deutlich gesenkt werden.

Holz ist von Natur aus ein schlechter Wärme- bzw. Kälteleiter. In Kombination mit einer zusätzlichen Wärmedämmung halten Holzfassaden das Mauerwerk frostfrei und lassen die Temperatur der Innenwände steigen. "Mit einer Holzfassade ist es auf preiswerte, sichere und einfache Art – selbst für den Heimwerker – möglich, die Außenwände zusätzlich zu dämmen, um die Kälte draußen und die Wärme drinnen zu halten", erläutert Ernst-Ulrich Köhnke, Ingenieur für Holzbau und Bauphysik.

Eine Holzfassade lässt sich an jeder Außenwand montieren. Die alte Fassade, beispielsweise aus Putz oder Ziegelsteinen, muss nicht verändert werden. Die Holzbekleidung und die Dämmung werden einfach davor gehängt. Auf diese Weise lassen sich die Anforderungen der Energieeinsparverordnung schnell und dauerhaft erfüllen. Ein weiterer Vorteil: Durch die bessere Wärmedämmung steigt auch der Wert des Hauses. (mh)

Informationsdienst Holz, 09.12.04


Renovierungstipp: Mit passenden Türen zum neuen Ambiente

Türen sind die Visitenkarten der Wohnung – bei der Renovierung und Modernisierung von Haus und Wohnung wird ihnen aber all zu oft nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei wird erst mit der passenden Tür aus dem neuem Mobiliar ein wohnliches Gesamtbild. Gleiches gilt für den neu verlegten Holzfußboden, ein Kirsche- oder Eichenboden verliert schnell sein edles Ambiente, wenn den Türrahmen noch eine alte Tür ziert.


Es sprechen jedoch nicht nur optische Gründe dafür, alte Innentüren auszutauschen. An den Aspekt Gesundheit wird bei der Renovierung oft zuletzt gedacht, dabei wurden früher Türen, Möbel und Paneele oftmals aus belasteten Holzmaterialien gefertigt. Die in den siebziger und frühen achtziger Jahren eingesetzten Holzschutzmittel befinden sich in geringen Mengen immer noch im Holzspankern und gasen selbst nach 30 Jahren noch aus.

Mit modernen Türelementen und –Zargen aus dem Holzfachhandel ist der Türenwechsel schnell realisiert. Einzig der Ausbau der Altzargen verursacht ein wenig Aufwand und Renovierungsstaub. Wer das Entfernen seiner Stahlzargen jedoch scheut, für den bieten Türenhersteller wie etwa das Bocholter Türenwerk Lebo-Türen Holzumfassungszargen, die ohne großen Aufwand über die vorhandenen Stahlzargen montiert werden.


Das Einbauen der neuen Zargen ist durch vormontierte Bauteile, die nur noch zusammengeleimt werden müssen, recht leicht. Und die Auswahl an Türendesigns ist bei den führenden Herstellern so umfangreich, dass für jeden Einrichtungsstil ein passendes Modell lieferbar ist. Das beginnt bei der hochwertigen Weißlacktür, geht über Stiltüren oder Türen mit Echtholz-, Dekor- oder Laminatoberfläche bis hin zu modernen Designtüren mit Lichtausschnitten oder Ganzglasschiebetüren.


Eine erste Orientierung zur neuen Tür geben die Türenausstellungen des Fachhandels. Hier findet man auch entsprechende fachliche Beratung hin-sichtlich der Qualitätsunterschiede von Türen und deren Einsatzgebiete - z.B. als einbruchhemmende Wohnungseingangs- oder als Schallschutztür für ruhiges Wohnen. Wer sich vor dem Gang in den Fachhandel informieren will, besucht am besten die Internetseiten renommierter Türenhersteller (z.B. www.lebo.de). Dort findet man neben Tipps zum Türen- und Zargenwechsel das gesamte Angebot hochwertiger Türen, die Möglichkeit den Gesamtkatalog zu bestellen oder, für spezielle Fragen, in direkten Kontakt mit dem Hersteller zu treten.

Quelle: LEBO-Türen, ohne Datum
veröffentlicht 01.2005


Wissenschaftliche Studien bestätigen
antibakterielle Eigenschaften von z. B. Kiefernkernholz

22. Februar 2005 (HAF, Bonn) Ob Verpackungen und Paletten in der Fleischindustrie oder Tische und Ablagen im Krankenhaus – in hygienisch sensiblen Bereichen ist Holz weitgehend verboten. Selbst Küchenutensilien, wie das Frühstücksbrettchen oder der Kochlöffel, sind heute meist aus Plastik statt aus Holz. Der Grund: Kunststoff ist nach landläufiger Meinung hygienischer. Wissenschaftliche Untersuchungen der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft und des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik haben allerdings nachgewiesen, dass bestimmte Holzarten eine antibakterielle Wirkung haben. Vor allem Kiefernkernholz saugt Bakterien auf und tötet sie ab, zum Beispiel die Erreger von Pilzinfektionen.

Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) hat die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Holzarten (Kiefer, Fichte, Lärche, Ahorn, Buche, Eiche und Pappel) und Bakterien untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Keimbelastung im Verlauf der Untersuchung je nach Holzart entscheidend abnahm. Der Grund liegt in der hygroskopischen (Feuchtigkeit anziehenden) Eigenschaft des Holzes sowie an seinen Inhaltsstoffen (Polyphenole). "Bestimmte Holzarten, insbesondere Kiefer, aber auch Eiche und Lärche, töten Bakterien ab. Die antibakterielle Wirkung tritt dabei sowohl an der Oberfläche als auch im Holzinneren gleichermaßen auf", erklärt Dr.-Ing. Helmut Steinkamp, Projektleiter am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik.

In einem sechsmonatigen Forschungsprojekt hat das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik die Ergebnisse der BBA in der Praxis überprüft. 14 Betriebe aus unterschiedlichen Bereichen der Lebensmittelverarbeitung (Fleisch, Milch, Gemüse und Backwaren) nahmen an dem Feldversuch teil. Sie setzten parallel zu Kunststoffpaletten insgesamt 500 so genannte Holz-Hygiene-Paletten ein, die aus speziell getrocknetem Kiefernkernholz hergestellt wurden. Das Ergebnis war eindeutig: Die Belastung durch Keime war bei Hygiene-Holz nur halb so groß wie bei Kunststoff. Die Kiefernkernholz-Paletten bewiesen auch bei starker Verschmutzung durch Fett und Eiweiß ihren "Selbstreinigungseffekt". Auf den Kunststoffpaletten erhöhte sich dagegen die Keimbelastung in kürzester Zeit, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt wurden.

Holz auch im Krankenhaus unbedenklich
Basierend auf diesen Forschungsergebnissen hat das Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Uni-Klinik Freiburg den Einsatz von Kiefernkernholz im Krankenhaus getestet. Dabei zeigte sich, dass das Hygiene-Holz sowohl mit als auch ohne Desinfektionsmittel deutlich weniger Keime aufwies als Kunststoffoberflächen. Damit bestätigt die Studie die antibakterielle Wirkung von Kiefernkernholz. "Aus hygienischer Sicht steht einem Einsatz von Holz im Krankenhaus nichts im Weg. Mit der Begründung, Holz sei unhygienisch, wurde es bisher in Krankenhäusern weitgehend durch glatte Kunststoffoberflächen ersetzt. Die Krankenhausatmosphäre ist dadurch jedoch sehr unpersönlich geworden", so Prof. Dr. med. Franz Daschner, Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene.

Die natürlichen keimreduzierenden Eigenschaften von Holz sollten zukünftig wieder verstärkt genutzt werden. Die Studien eröffnen dem natürlichen Roh- und Werkstoff Holz neue Einsatzgebiete und geben ausreichend Anlass, Gesetze und Verordnungen, die den Einsatz von Holz in hygienisch sensiblen Bereichen verbieten oder beschränken, den Ergebnissen entsprechend zu überprüfen und der Realität anzupassen.

Quelle: Pressemitteilung Holzabsatzfonds


Laminat und Fertigparkett
Starker Auftritt von Meister

Echtes Holz oder Holzdekor, Sonderangebot aus dem Baumarkt oder teure Markenware: Welcher Boden ist der beste? Im Test: Zehn Laminatböden und zehn Fertigparketts. Die Qualitätsunterschiede sind groß. Einige Boeden halten nicht gut. Ihre Oberfläche nutzt sich zu schnell ab. Vier Laminate und sechs Fertigparketts sind gut. Den stärksten Auftritt hat das Parkett von Meister. Endnote: sehr gut. STIFTUNG WARENTEST online gibt Entscheidungshilfe für Heimwerker und Wohnzimmerarchitekten.

Den vollständigen Artikel finden Sie unter:
http://www.test.de/online/haus_garten/1254406.html
Quelle: Stiftung Warentest, 06.05.2005

Kommentar DIMaGB:
Laminat ist unter hohem Druck geklebtes Parkett, Fertigparkett sind auf Trägerplatten aufgeklebte Holzscheiben. Fugen gibt es bei dieser Art der Verlegung immer. Die Empfindlichkeit hängt von der Güte der Oberflächen-behandlung ab. Fertigparkett kann wenigstens noch mal abgezogen (geschliffen) werden, je dicker desto öfter, aber auch desto teurer. Am teuersten ist Massivparkett; Dielen sind eine Alternative, weil sie vom Preis-Leistungs- Verhältnis gut abschneiden, weil man sie selbst verlegen kann, weil sie unterschiedlich behandelbar (ölen, wachsen, lackieren) sowie überarbeitbar (abziehen) sind und weil sie widerstandsfähiger sind als Laminat (Schmirgeleffekt). Aber egal was man sich aussucht, man achte stets darauf, wo welche Chemie drin ist. Es geht nämlich auch wohngesund: Holz + Nägel + Öl/Wachs.

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