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... denn wer weiß, wie die DIN entwickelt werden (Eintrittsgeld sichert Interessen - wessen Interessen?), weiß ihren wahren Gehalt zu schätzen. Immerhin, zur Dokumentation des technischen Fortschrittes, zumindest der technischen Entwicklung, dienen sie allemal. Leider geht der "technische  Fortschritt" hin und wieder auch mal in die falsche Richtung.

... das DIN ist privatwirtschaftlich organisiert. Primär besteht das Ziel darin, bei der so genannten Fortschreibung von Normen handfeste Interessen von Industrieverbänden durchzusetzen. Damit das nicht so auffällt, wird das ganze Brimborium pseudowissenschaftlich verbrämt. Entsprechend illuster sind die Normenausschüsse besetzt.

Theoretisch steht jedem die Mitarbeit offen, in der Praxis scheitert das aber an den hohen "Eintrittsgeldern" in Höhe von mehreren Tausend Teuros, dazu kommen die Kosten für Reise und Büro usw. Wird man als "namhafte" Größe (z.B. ein Prof., obwohl das nicht unbedingt für Güte garantiert, siehe unsere einschlägigen Klima-Experten) entsandt, steht ein Sponsor dahinter, der alle Auslagen trägt.

Im Ergebnis kommen mitunter völlig irrationale Ansätze als Norm heraus. Kein Wunder, dass ständige Korrekturen und Änderungen kommen. Das freut zumindest den Beuth-Verlag, der mehrheitlich dem Bund gehört. Das Umsatzziel bestimmt daher auch diese unglaubliche Rotation im dt. Normenwerk.

Das Prinzip ist ganz simpel: wer die meisten Vertreter in den Normenausschuss schickt, bzw. wer die meisten Stimmen für sich gewinnen kann, der biegt die neue Norm für sich hin. Da nun die Normen von "hochkarätigen" "Fachkräften" und "Experten" gemacht werden,  sieht man staatlicherseits keinerlei Grund, irgendetwas anzuzweifeln - man versteckt sich hinter angenommenem Sachverstand anderer.

So funktioniert das ja auch mit Gutachten, egal ob vor Gericht oder im Auftrage staatlicher Stellen (das Gutachter- und Beraterunwesen ist bekanntlich eine millionenschwere ABM-Maßnahme). Mit genug wissenschaftlichem Hokuspokus kann man so den größten Unfug zur Regel der Technik erklären lassen, indem die Norm in die Liste der Baubestimmungen aufgenommen wird (von Land zu Land "verschieden" wie die Landesbauordnungen).

Außenseiter bootet man durch finanzielle Hürden aus, offensichtliche Fehler werden trotz Hinweisen ignoriert (die Korrektur soll ja auch wieder Geld bringen), Einsprüche werden ignoriert oder unbegründet zurückgewiesen.

Mehr dazu erfahren Sie im Infobereich von DIMaGB.de: auf der Seite zu DIN-Normen (also hier) und zur Thematik "Einsprüche/Petitionen zur EnEV", Infobereiche GESETZE und  BAUPHYSIK (+Suchfunktion).

M. Bumann
09.08.2004

Auf dieser Seite:

Und woanders:


Einige "wichtigte" Normen
und einige neu eingeführte

E DIN EN ISO 13790 Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden – Berechnung des Heizenergiebedarfs. Ersatz für DIN E 823:1998-12. Vereinfachtes Berechnungsverfahren für die Ermittlung des Wärmebedarfs und der Energie zur Raumheizung.
DIN V 4701-10 Energetische Bewertung von Anlagentechnik (nur noch bis 10.2004)
E DIN EN 15026 Wärme- und feuchtetechnisches Verhalten von Bauteilen und Bauelementen –
Bewertung der Feuchteübertragung durch numerische Simulation
(Kommentar DIMaGB: sensationell, die Feuchte spielt doch eine Rolle!).


DIN 488 Betonstahl
DIN 1045-1 Tabelle 11 Erforderliche Eigenschaften der Betonstähle
DIN 1045-1, 12.8.4. Regeln zum Bewehren mit Lagermatten

DIN 1045 Beton und Stahlbeton »»» DIN EN 206-1 & DIN 1045-2 (1. Hj. 2002)
DIN EN 206, Ausgabe 1997-08 Beton - Eigenschaften, Herstellung und Konformität
EN   934  Betonzusatzmittel
DIN 1052 Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwerken (neu 2004)
DIN 1053 Mauerwerk
DIN 1055 Lastannahmen für Bauten

DIN 4102 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen
DIN 4103 Nichttragende innere Trennwände
DIN 4108 Wärmeschutz im Hochbau »»» z.B.- DIN V 4108 - 6: 2000-11
DIN 4109 Schallschutz im Hochbau

DIN 4165 Porenbeton- Block- und Plansteine
DIN 4166 Porenbeton- Bau- und Planbauplatten
DIN 4223 Bewehrte Dach- und Deckenplatten aus ... Gas-...Beton
DIN 4232 Wände aus Leichtbeton

DIN 1101 + 1102 Holzwolle-Leichtbauplatten als Dämmstoffe für das Bauwesen
DIN 18159 Schaumkunststoffe als Ortschäume im Bauwesen
DIN 18161 Korkerzeugnisse als Dämmstoffe für das Bauwesen
DIN 18164 Schaumkunststoffe als Dämmstoffe für das Bauwesen
DIN 18165 Faserdämmstoffe für das Bauwesen
DIN 18174 Schaumglas als Dämmstoff für das Bauwesen

DIN 18195 Bauwerksabdichtungen
DIN 18800 Stahlbau
DIN 18801 Stahlhochbau

EN 13384-1 Schornsteinberechnung

DIN EN 179   Notausgangsverschlüsse
DIN EN 1125 Paniktürenverschlüsse

DIN 18560: 2004-04 Estriche im Bauwesen
-1: Begriffe, Allgemeine Anforderungen, Prüfung
-2: Estriche und Heizestriche auf Dämmschichten (schwimmende Estriche)
-3: Verbundestriche
-4: Estriche auf Trennschicht
-7: Hochbeanspruchbare Estriche (Industrieestriche)
DIN EN 13318: 1998-10 Estrichmörtel und Estriche - Begriffe (dreisprachige Fassung)

DIN 1961 Allg. Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen (VOB Teil B)
DIN 18299 ATV Allgemeine Regelungen für Bauarbeiten jeder Art (die Nr. 1 aus VOB/C)

»»» Querverweis: Die "wichtigsten" DIN der VOB/C.

Um aktuell informiert zu sein, sollen folgende Links dienen:


Welche Formen der Qualitätssicherung gibt es?

  • Amtliche Materialprüfung (durch die Bundesanstalt für Materialprüfung)
  • Genehmigung im Einzelfall (von der Bauaufsichtsbehörde)
  • Prüfzeugnis (z.B. vom Institut für Bautechnik)
  • Zulassung (durch ein allgemein anerkanntes Prüfinstitut)
  • Güteüberwachung (am besten mittels Fremdüberwachung)
  • Normung (durch das DIN)
  • Fortschreibung der Normen (durch das DIN)
  • Vereinheitlichung nationaler Normen (Euro-Normen = Brot für Heerscharen von Beamten)
  • Richtlinien (z.B. von Industrieausschüssen, z.B. von VDE und VDI)

Richtlinien werden mit dem Ziel der Aufnahme in die Liste der Technischen Baubestimmungen an die zuständigen Fachkommissionen der ARGEBAU weitergeleitet. Es gibt z.B. eine Muster-Industriebaurichtlinie, es gibt aber auch eine Muster-Bauordnung und 16 Landesbauordnungen.

Außerdem gibt es noch Richtlinien und Vorschriften der Schadenversicherer oder der Eigenunfallversicherungen der Länder , und auch hier gilt: Unkenntnis schützt vor Strafe nicht.


Wie aber sind diese Normen zu werten? Haben sie allgemeinverbindlichen Charakter?

Sinn und Unsinn der Gesetze, Normen und Vorschriften

Zunächst ist festzustellen, dass diese Normen den Stand der Technik widerspiegeln (d.h. das was technisch möglich ist) und dass sie zur Vertragsgrundlage erklärt werden können. Also müssen sie nicht Vertragsgrundlage sein. Wenn, dann muss das vereinbart werden, denn die DIN haben keinen Gesetzescharakter.

Verstößt man dann also gegen die Regeln der Technik, wenn man die DIN nicht beachtet? Nein, denn die DIN müssen noch lange nicht zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik gehören. Das kann, muss aber nicht sein. Das heißt, man kann durchaus richtig bauen, auch wenn man auf die DIN pfeift.

Merke:
Regeln der Technik = allgemein anerkannte Regeln der Technik = das, was sich über lange Zeiträume bewährt hat, was deshalb auch nicht mehr geändert werden muss
dazu gehören: die Regeln der traditionellen Baukunst, auch einige DIN (aber eben nicht alle!)

Stand der Technik = das technisch Machbare, modern aber noch nicht bewährt (wie auch, wenn keine Langzeiterfahrung vorliegen kann), was deshalb auch schon mal revidiert wird
dazu gehören: die DIN, andere Normen, Verarbeitungs- und Anwendungsvorschriften der Hersteller, auch Zulassungen und Prüfzeugnisse (die aber auch mal zurückgezogen werden, wenn es denn so ist, dass die Sache nichts taugt).

Grundsätzlich ist es ja sinnvoll, technische Regeln in Form von DIN aufzustellen. Dadurch lässt sich vieles systematisieren und vereinheitlichen, man spricht sozusagen eine einheitliche Sprache. Die DIN sind ja keine Erfindung der 90er. Ihre Vorgänger gab es im Deutschen Reich (Stichwort: RAL), parallel gab es sie in der DDR als TGL (Technische Gütenormen und Lieferbedingungen).

Ursprünglich hatten sie einen quasi amtlichen Charakter, man konnte davon ausgehen, dass sie neben dem technisch Bewährten auch das technisch Sinnvolle vorgaben. Deshalb auch waren viele TGL inhaltlich besser als ihre westdeutschen "Kollegen". Leider wurden sie nach der Wende einfach weggebürstet, wie so vieles Bewährte und Sinnvolle (nicht nur auf die DDR bezogen).

Beispiel: es gab eine Mauerwerksvorschrift (TGL), die für die Giebelseiten eines Gebäudes eine um eine Steinstärke (NF, 115 mm + Fuge) stärkere Außenwand vorschrieb. Als Überlegung steckte dahinter, dass der Raum an der Hausecke eine Außenwand mehr hat als der innerhalb der Gebäudelängsseite. Heutzutage gibt man halt k-Werte (mittlerweile u-Werte) vor, die mittels Dämmung zu erreichen sind. Die Wände dürfen dann so dünn sein, wie es die Statik eben hergibt - Speichermasse interessiert nicht mehr.

Wie man es aus dem täglichen Leben kennt, gab es die Regulierungswut in Deutschland bereits vor Einsetzen des Eurokrampfes. Das führte letztendlich zu einem Dickicht, das für den Normalbürger undurchschaubar und großenteils unverständlich geworden ist.

Beispiel: nennen Sie nur einen vernünftigen Grund dafür, dass es in Deutschland 16 Landesbauordnungen gibt (die Antwort: um Beamtenarbeitsplätze zu sichern, lasse ich aber nicht gelten). Anhand solcher profaner Tatsachen wird das ganze Eurolandgetöse zur Farce.

Das Maß des Fortschritts: die 10 Gebote zählen 279 Wörter, die Unabhängigkeitserklärung der 13 nordamerikanischen Staaten 1776 zählt 300 Wörter, die EG-Verordnung über den Import von Karamel-Bonbons 1981 zählt 25.911 Wörter. Entschuldigung, kommen wir zum Bauwesen zurück:

Zur EnEV gehören Anlagen mit Berechnungsvorschriften: die DIN V 4108-6 mit 46 Seiten, der Entwurf zur DIN 4701-10 mit 30 Seiten und die DIN EN 832 mit 30 Seiten. Soviel zur Vermeidung der Überfrachtung mit technischen Regeln, wie in der Begründung zur EnEV gefordert.

Nun werden Sie sich fragen: wozu das Ganze? Da kann ich Ihnen wiederum nur empfehlen: fragen Sie doch so: wem nutzt das?

Schnell wird man bei der Beantwortung dieser Frage merken, dass handfeste Interessen dahinter stehen. So wie uns von einer korrupten, machtgeilen Politikerkaste vorgelebt wird, wie man selbst die Verfassung zum Knetball (= formbare Masse) parteipolitischer Interessen (= Pfründe sichern, daran hat sich seit dem Mittelalter nichts geändert) degradiert wird - so ähnlich läuft es mit den technischen Regelwerken.

Betrachten wir noch mal den theoretischen Anspruch: unabhängig erstellt, allgemeingültig gehalten, verständlich verfasst und wissenschaftlich begründet sollten sie sein. Dabei ist "wissenschaftlich" ein weit gefasster Begriff: außer Physik gibt es da noch Wirtschaft, Gesundheit, soziale Belange usw.

Bleiben wir beim Beispiel DIN: wie werden die Normen "gemacht"? Und warum sind sie so unverschämt teuer? Teuer sind sie deshalb, weil man damit (so das DIN) die wirtschaftliche Situation sichert und somit Unabhängigkeit garantiert. Wenn es nur so wäre.

Theoretisch kann jeder mitmachen, wenn es um die Fortschreibung der Normen geht. Praktisch gibt es aber einige kleinere Hürden finanziellen Charakters. Der "Eintrittspreis" für den Club der Normierer ist dermaßen hoch, dass ihn sich nur Industrie gesponserte Experten leisten können. Wer nun denkt, dass jeder dieser gesponserten Experten die Interessen seines Sponsors vertritt - liegt genau richtig.

Natürlich geht es auch hier demokratisch zu: je mehr Leute ich ins Rennen schicke, umso mehr gewinnen meine Interessen an Einfluss. Im Ergebnis dessen spiegeln die DIN dann wieder, was die einflussreichsten Kräfte erwirkt haben.

Das hab ich mir nur ausgedacht? Nein, der Lobbyismus funktioniert beim DIN genauso wie auf den Fluren des Bundestages und der Landtage. Es geht um Gesetze, Verordnungen und Vorschriften. Nehmen wir einige Beispiele.

Mittlerweile gehören auch die so genannten "alternativen" Abdichtungen zu den Regeln der Technik. Gemeint sind nichtbituminöse Abdichtungen. Sie sind nicht in der DIN 18195 geregelt, deshalb alternativ. Dazu gehören Spachtel- und Streichisolierungen, die sich nach vielen Jahren ja wohl bewährt haben. Warum gibt es dafür noch keine DIN, obwohl seit Jahren darüber geredet wird?

[Aktualitätshinweis: das ist nicht mehr aktuell]

Aus angeblich materialökonomischen Erwägungen werden so nach und nach die tragenden Außenwände immer dünner, dank der fortgeschriebenen Berechnungsvorschriften. Nun ist natürlich nicht mehr viel mit Wärmeschutz. Also fängt man an zu dämmen - und zwar nach Vorschrift: die Wärmeschutzverordnung wurde gemacht.

Nach ein paar Jahren merkt man, dass Deutschland das Weltklima retten muss. Das geschieht darin, dass noch mehr gedämmt wird. Getreu dem Motto: je mehr Dämmung ich auf die Wand klebe, desto weniger Heizmittel wird verballert, desto weniger CO2-Ausstoss in Deutschland, desto geretteter die Erde - die Energieeinsparverordnung wurde gemacht.

Mehr Charme wird dadurch vermittelt, indem man den Begriff Primärenergie hineinbringt und die gebäudetechnischen Komponenten mit betrachtet (Heizung, Lüftung). Je mehr man dämmt und je dichter man das Gebäude herstellt, um so höher sind die Aufwendungen für technische Maßnahmen, dies zu kompensieren.

Wer hat zuerst etwas davon? Diejenigen, die Dämmstoffe herstellen und verkaufen und diejenigen, die Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung herstellen und verkaufen usw. Wenn aber schon von Primär- und Endenergie die Rede ist, warum ist man dann nicht so konsequent und rechnet den energetischen Aufwand für die Herstellung der Dämmstoffe und der modernen Lüftungsanlagen hinzu?

Ich nehme an, weil da alles so schön ökologisch läuft, dass man es außer Betracht lassen kann. Der Umwelt zuliebe erhitzt man (vermutlich höchst energiesparend, weil ja der Schmelzpunkt gleich hinter dem von Wachs liegt) mineralisches Material, um es zu Dämmstoffen zu verspinnen. Auch eine Lüftungsanlage wird nicht aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und ihr Recycling dürfte wie bei Kunststoffen laufen: technisch möglich, aber wirtschaftlich uninteressant.

Stosslüftung wird propagiert, doch wer Schimmel in der Wohnung hat, lüftet eben nicht richtig. Das lässt sich auch wissenschaftlich begründen (das Gegenteil ebenfalls). Das, was über hunderte von Jahren gut funktioniert hat (z.B. Fenster auf = frische Luft), wird im modernen Zeitalter umgemodelt.

Umgemodelt bedeutet zugleich: wissenschaftlich verbrämt. Leider kommen dabei immer wieder die Stimmen der Vernunft unter die Räder. Beispiel: vor Jahren haben Wissenschaftler festgestellt, dass das Ozonloch größer wird, wenn deutsche Hausfrauen zuviel Spray verwenden. Um die Menschheit zu retten, wurde per Erlass FCKW verbannt.

Die Industrie brüstete sich mit Selbstbeschränkung und Öko-Bekenntnissen. Dann haben Wissenschaftler (ich weiß nicht, ob es dieselben waren) festgestellt, dass das Ozonloch mal groß wird und mal wieder kleiner wird - egal, was bei Lieschen Müller aus der Sprayflasche entfleucht. Heute redet kein Mensch mehr vom Ozonloch.

Umweltschutz ist gut und richtig, aber die Begeisterung ebbt ab, wenn es zum Affentheater wird. Stellen sie sich bloß mal vor, welchen Repressalien Sie ausgesetzt sind, wenn der Schutzmann feststellt, dass ein Tropfen Öl von Ihrem Auto eine Umweltkatastrophe zu verursachen scheint.

Aber müsste man dann nicht konsequenter- und reihenweise Schiffskapitäne, Reeder und Umweltbehörden respektive nachplappernder Journalisten steinigen angesichts tausender Tonnen Säuren und anderer Chemikalien, die in den Rhein gelangen, die bei Bayer regelmäßig in die Luft gelangen? Bloß gut, dass "zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden" hat.

Merke: qout licet jovi non licet bovi. Was den Göttern erlaubt ist, darf der Ochs noch lange nicht.

Da werden Fensterfugen fast bis zum Hermetischen reduziert, um nach Jahren Lüftungsschlitze zu entwickeln. Merke: Zuluft über den geregelten Lüftungsschlitz eines Fensters ist etwas anderes als Zuluft über die Fugen eines Kastenfensters.

Da wird Dämmung noch und nöcher angebracht - ohne dass mal gesicherte Daten ermittelt werden, ob denn nun wirklich Heizkosten gespart werden. Die Modernisierungsankündigung (vom Gesetzgeber vorgeschrieben, weil in Deutschland der Verbraucherschutz groß geschrieben wird) rechnet die Energieeinsparung bis zur 2. Kommastelle vor.

Wegen Formfehlern kann vom Mieter die Zustimmung verweigert werden, gegen ausbleibende tatsächliche Einsparungen besteht keine Handhabe, aber die 11% Umlage wird gelöhnt, solange man da wohnt.

Da wird durch die teure Dämmung der solare Wärmegewinn unterbunden. Das kompensiert man dann mittels noch teurerer Wärmedämmung, die nun wiederum das Licht durchlässt, um Wärme zu gewinnen. Merke: die Negation der Negation bedeutet Bejahung. Aber geht das nicht auch preisgünstiger?

Dieses Thema kann man sicherlich noch bis zur Erschöpfung ausdehnen, denn es gibt noch zahlreiche andere Beispiele. Zum Beispiel die Öko-Steuer. "Öko" kommt hier von Steuer- ÖKO- nomie. Alles klar?

Am Ende steht wieder die Frage: wem nützt es?


Die anerkannten Regeln der Technik

Der Standard der Bauausführung, den der Bauunternehmer schuldet, ist ein häufiger Streitpunkt, wenn es im Bauprozess um Gewährleistungsfragen geht. Was gestern noch den Regeln der Baukunst entsprach, kann sich heute schon als mangelhafte Bauausführung darstellen.

Streit über den Standard, der von dem Bauunternehmer einzuhalten ist, lässt sich dadurch vermeiden, dass in den Bauvertrag genaue Festlegungen zu den Baustoffen und der Bautechnik aufgenommen werden. Selbst in einem noch so ausgefeilten Bauvertrag wird es sich jedoch letztlich nicht vermeiden lassen, dass Einzelfragen bezüglich der Bauausführungen offen bleiben. Haben die Parteien hinsichtlich einzelner Merkmale des Bauvorhabens nichts Präzises vereinbart, so bestimmt die Rechtsprechung den vom Bauunternehmer einzuhaltenden Standard anhand der "anerkannten Regeln der Technik".

Welchen Inhalt die "anerkannten Regeln der Technik" haben, ist eine Frage, die nur von Fall zu Fall zu entscheiden ist. Entgegen einem weit verbreiteten Missverständnis lassen sich diese Regeln - wie eine neue Entscheidung des Bundesgerichtshofs zeigt - nicht isoliert anhand von technischen Normen entscheiden.

In dem Fall, über den der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 14.05.1998 zu entscheiden hatte (Aktenzeichen VII ZR 184/97), hatten die Kläger Eigentumswohnungen von einem Bauträger erworben. Der Bauträger hatte die Wohnungen in den Jahren 1988 und 1989 geplant und hergestellt; die Abnahme des Gemeinschaftseigentums erfolgte Anfang 1990. Nach dem Bezug der Wohnungen stellten die Kläger fest, dass Gespräche aus den umliegenden Wohnungen "als störendes Gemurmel" zu hören waren. Der Bauträger lehnte eine Mängelbeseitigung ab und verwies darauf, dass der Schallschutz der DIN 4109, Ausgabe 1984, entsprach. Mangels abweichender Vereinbarungen könnten - so der Bauträger - die Kläger nicht mehr als die Einhaltung der einschlägigen DIN-Norm verlangen.

Die Wohnungskäufer verklagten den Bauträger auf Mangelbeseitigung und auf den Ersatz von Gutachterkosten wegen der behaupteten Luftschallmängel. In der ersten Instanz hatten die Käufer zunächst Erfolg. In dem Berufungsverfahren vor dem OLG München ging es dann ausschließlich um die Frage, ob bei der Bauplanung 1988/89 bereit die DIN-Norm 4109 in der neuen Fassung des Jahres 1989 hätte eingehalten werden müssen. Das OLG München verneinte dies, da 1988/89 die Verschärfung der DIN-Norm noch nicht absehbar gewesen sei, und gab dem Bauträger recht. Das Berufungsgericht bescheinigte ihm, dass die Einhaltung der DIN-Norm des Jahres 1984 ausreichend gewesen sei.

Der Bundesgerichtshof schloss sich weder der Auffassung der erstinstanzlichen Richter noch dem Oberlandesgericht an. Das höchste deutsche Zivilgericht urteilte vielmehr, dass es auf die DIN-Norm zur Beurteilung des geschuldeten Ausführungsstandards überhaupt nicht ankomme. DIN-Normen seien keine Rechtsnormen, sondern lediglich private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter. Daher lasse sich allein anhand der DIN-Normen nicht entscheiden, ob der Lärmschutz den seinerzeit anerkannten Regeln der Technik entspricht oder nicht. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil des OLG München auf und verwies den Prozess in die Berufungsinstanz zurück mit der Anweisung, dass das OLG München zu klären habe, ob tatsächlich die Bauausführung den damals anerkannten Regeln der Technik genügte. Diese Frage - so der Bundesgerichtshof - sei gänzlich unabhängig von den damals geltenden DIN-Normen zu entscheiden.

In ungewöhnlicher Deutlichkeit schrieb der Bundesgerichtshof dem OLG München noch einen weiteren Einwand ins Stammbuch: Die Überlegung des OLG München, welcher Standard den anerkannten Regeln der Technik in den Jahren 1988/89 entsprochen habe, sei verfehlt. Maßgebend sei mangels abweichender Vereinbarungen keineswegs der Stand der Technik zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses, sondern einzig und allein der "Qualitäts- und Komfortstandard" zum Zeitpunkt der Bauabnahme im Jahr 1990. Mangels abweichender Vereinbarungen dürfe der Bauherr erwarten, dass der Bau zum Zeitpunkt der Abnahme den aktuellen technischen Regeln entspricht. Zur Bestimmung der nach den Regeln der Technik zu erwartenden Schallschutzanforderungen sei daher auf die technischen Möglichkeiten des Jahre 1990 abzustellen.

Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs ist ein Beleg für die geringe juristische Aussagekraft technischer Normen. DIN- und andere Normen werden nur dann für die Bauausführung zum verbindlichen Standard, wenn dies im Bauvertrag ausdrücklich festgehalten ist. Anderenfalls können technische Normen allenfalls einen Anhaltspunkt für die Regeln der Technik liefern, die vom Bauunternehmer zu beachten sind. Wird die Verbindlichkeit technischer Normen im Bauvertrag tatsächlich festgeschrieben, so ist es angesichts der BGH-Entscheidung zudem ratsam, zugleich eine Regelung für den Zeitpunkt zu treffen, nach dem sich der Stand der Technik beurteilen soll. Wird beispielsweise klar und deutlich vereinbart, dass der Schallschutz unter Beachtung der bei Vertragsschluss gültigen DIN-Norm erfolgen soll, so kann der Bauunternehmer das Risiko ausschließen, später vom Bauherrn auf Mängelbeseitigung in Anspruch genommen zu werden, weil sich während der Bauausführung die einschlägige DIN-Norm verschärft hat.

Quelle: Erschienen in BAU Berlin-Brandenburg Nov./'98 S. 12

Auch in der EnEV wird etwas zu den Regeln der Technik gesagt:

§ 15: Regeln der Technik

(1) Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen kann im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie durch Bekanntmachung im Bundesanzeiger auf Veröffentlichungen sachverständiger Stellen über anerkannte Regeln der Technik hinweisen, soweit in dieser Verordnung auf solche Regeln Bezug genommen wird.

(2) Zu den anerkannten Regeln der Technik gehören auch Normen, technische Vorschriften oder sonstige Bestimmungen anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft oder sonstiger Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum, wenn ihre Einhaltung das geforderte Schutzniveau in Bezug auf Energieeinsparung und Wärmeschutz dauerhaft gewährleistet.

(3) Soweit eine Bewertung von Baustoffen, Bauteilen und Anlagen im Hinblick auf die Anforderungen dieser Verordnung auf Grund anerkannter Regeln der Technik nicht möglich ist, weil solche Regeln nicht vorliegen oder wesentlich von ihnen abgewichen wird, sind gegenüber der nach Landesrecht zuständigen Behörde die für eine Bewertung erforderlichen Nachweise zu führen. (Zitat Ende)


Ist jeder Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Technik ein Mangel ?

Ein Mangel im Sinne des § 13 Nr.1 VOB/B liegt nicht vor, soweit aus einem Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Technik für den Auftraggeber kein Schadensrisiko und keine Beeinträchtigung der Gebrauchstauglichkeit entsteht.

Quelle: BBG News Dezember 2002
Die BBG News können Sie hier bestellen: www.bbg-direkt.de


Regel und Stand der Technik
von Prof. C. Meier
01.2003

Es muss zwischen Regel und Stand der Technik unterschieden werden. Unterlagen der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.)
können folgende Definitionen entnommen werden:

Stand der Wissenschaft

  • Technische Spitzenleistungen, die wissenschaftlich gesichert sind.
  • Wirksamkeit in der technischen und praktischen Umsetzung gilt es noch nachzuweisen.

Stand der Wissenschaft und der Technik

  • Richtige Ausführung oder Beweise nach neueren wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen, ohne dass bereits die überwiegende Mehrheit der Fachleute in der Praxis diese Meinung als richtig anerkennen oder anwenden muss.

Stand der Technik

  • Das ”derzeit technisch Machbare”, beispielsweise vom Deutschen Institut für Bautechnik zugelassene neue Baustoffe.
  • Wirksamkeit fortschrittlicher Verfahrensweisen nachgewiesen.
  • Vielfach noch nicht hinreichend und langjährig erprobt.

Allgemein anerkannte Regeln der Technik

  • Von der überwiegenden Mehrheit der in der Praxis Tätigen als bewährte und richtige Ausführung oder Bauweise anerkannt.
  • Bezeichnet das ”baupraktisch Bewährte”.
  • Auf die Brauchbarkeit und Qualität einer Ausführung kann der Auftraggeber durchweg vertrauen.
  • Ein Mangel nach Werkvertragsrecht liegt schon bei Nichteinhaltung vor.
  • Sie stellen für den Sollzustand Minimalforderungen dar.

Ergebnis:
Maßgebend für die praktische Tätigkeit ist immer die Regel der Technik, ein Stand jedenfalls kann nie empfohlen werden, da die langjährige Bewährung fehlt.

DIN-Vorschriften können deshalb auch nicht als "technische Regeln" verwendet werden, weil sie den Stand der Technik repräsentieren und von DIN selbst die Unverbindlichkeit von DIN erklärt wird. Insofern erlangen sie nicht die Bedeutung von allgemein anerkannten Regeln der Technik. Das StGB kennt immerhin nur den Begriff der a. a. R. d. T. Die Verbindlichkeit der DIN-Vorschriften muss erst jeweils vertraglich vereinbart werden.


DIN-Norm und Regel der Technik
von Prof. C. Meier
01.2003

In Soergel, C.: Tauwasserbildung in Außenwandecken; Teil B: Kritische rechtliche Anmerkungen zu einem Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm. Deutsches Architektenblatt 1983, H. 10, S. 1048 werden grundsätzliche Ausführungen zum Unterschied zwischen DIN-Normen und den allgemein anerkannten Regeln der Technik gemacht. Hier einige Zitate:

”Bei der Planung sind allgemein anerkannte Regeln der Technik zu beachten, wer diese außer acht läßt und damit die Ursache für einen Bauwerksmangel setzt, dem ist ein schuldhafter Planungsfehler anzulasten”.

”Mit der Beachtung der a. a. R. d. T. ist jedoch nicht gesagt, dass die in Normen festgehaltenen Regeln mit den allgemein anerkannten Regeln der Technik identisch sind. Die Nichtbeachtung einer Norm braucht deswegen kein Verstoß gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik zu sein und die Beachtung einer Norm gibt noch keine Gewähr dafür, dass allgemein anerkannte Regeln der Technik beachtet worden sind.”

”Wesen und Begriff der allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht einem berechtigtem Schutzbedürfnis des Bauherrn, nur ein Bauwerk errichtet zu bekommen, das auf Dauer gebrauchstauglich und haltbar ist. In den allgemein anerkannten Regeln der Technik finden wir solche Regeln wieder, die dieser Anforderung zu genügen vermögen, weil sie sich einmal in der Wissenschaft als richtig durchgesetzt haben und weil sie sich zum anderen in der Praxis als richtig und brauchbar bewährt haben”.

”Der Stand der Technik umfasst die Gesamtheit der bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gewonnenen technischen Erkenntnisse. Von diesem Stand der Technik sind jedoch die allgemein anerkannten Regeln der Technik zu unterscheiden. Von solchen kann man nur sprechen, wenn sich die Regeln als theoretisch richtig erwiesen und sich in der Praxis bewährt haben. Die Regel ist theoretisch richtig, wenn sie ausnahmslos wissenschaftlicher Erkenntnis entspricht und keinem Meinungsstreit ausgesetzt ist”.

”dass allgemein anerkannte Regeln der Technik nicht schriftlich festgehalten zu sein brauchen, versteht sich von selbst”.

”Wenn nach allgemein anerkannten Regeln der Technik zu bauen ist, dann erhebt sich die Frage, ob er schlechthin nach Normen bauen darf. Dies wäre ohne Umschweife zu bejahen, wenn die in den Regelwerken zusammengefassten Normen allgemein anerkannte Regeln der Technik zum Inhalt hätten. Dem ist aber nicht so. Normen sind im allgemeinen allgemein anerkannten Regeln der Technik nicht gleichzusetzen”.

”Wird in das Normenwerk eine Regel aufgenommen, deren theoretische Richtigkeit ungewiss und deren praktische Bewährung noch aussteht oder noch nicht sicher festzustellen ist, dann kann die Norm nicht einer allgemein anerkannten Regeln der Technik gleich geachtet werden”.

”Beweisvermutungen verhelfen den in Regelwerken zusammengefassten Normen zur rechtlichen Brauchbarkeit. Dies bedeutet, dass für die Norm die tatsächliche Vermutung spricht, das in ihr schriftlich niedergelegte sei mit der allgemein anerkannten Regeln der Technik identisch. Wer behauptet, dies sei nicht so, mag das Gegenteil beweisen. Es muss der Beweis dafür geführt werden, dass die Norm entweder theoretisch unrichtig ist – z. B. durch bessere Erkenntnisse überholt ist – oder dass sie sich in der Praxis nicht bewährt hat”.

Die Unrichtigkeit von Normen kann leicht nachgewiesen werden, das Buch
Meier, C. Richtig bauen – Bauphysik im Widerstreit – Probleme und Lösungen.
Renningen-Malmsheim: expert verlag, 2. Auflage 2003, 265 Seiten. ISBN: 3-8169-2187-6
liefert hier erschreckende Beispiele.


Wie die Justiz die DIN-Normen beurteilt

Beispiel 1:

„Die Schallschutzanforderungen, die in technischen Regelwerken wie den DIN-Normen enthalten sind, sind keine Rechtsvorschriften und deshalb nicht unmittelbar verbindlich. Sie geben jedoch eine Orientierung dafür, ob durch Geräusche ein über das bei einem geordneten Zusammenleben unvermeidliche Maß hinausgehender Nachteil erwächst.“

BayObLG, Beschluss vom 04.02.1993 – ZZ BR 111/92
In: Wohnungswirtschaft und Mietrecht 287/288

Beispiel 2:

„Abgesehen davon darf der Erkenntniswert von DIN-Normen im vorliegenden Zusammenhang nicht überbewertet werden. Technische Regelwerke des Deutschen Instituts für Normung e. V., zu denen die Norm DIN 18005 gehört, dienen in erster Linie einer Standardisierung von Produkten im Interesse ihrer Einheitlichkeit, Vergleichbarkeit und Austauschbarkeit. Darüber hinaus kommt ihnen praktische Bedeutung für die Vereinheitlichung behördlicher Anforderungen an Qualität und Sicherheit von Materialien, Bauwerken und dergleichen im Interesse der Gleichbehandlung und Verfahrensvereinfachung zu. Ähnlichen Zielen dient auch die hier behandelte Norm über den Schallschutz im Städtebau. Sie gibt dem Stadtplaner Orientierungshilfen für die von ihm geforderten Entscheidungen, nicht zuletzt um in ihrem Anwendungsbereich vergleichbare Lebensbedingungen in den Baugebieten zu erreichen.

Die Normausschüsse des Deutschen Instituts für Normung, sind so zusammengesetzt, daß ihnen der für ihre Aufgabe benötigte Sachverstand zu Gebote steht. Daneben gehören ihnen aber auch Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen an, die deren Interessenstandpunkte einbringen. Die Ergebnisse ihrer Beratungen dürfen deswegen im Streitfall nicht unkritisch als "geronnener Sachverstand" oder als reine Forschungsergebnisse verstanden werden. Zwar kann den DIN-Normen einerseits Sachverstand und Verantwortlichkeit für das allgemeine Wohl nicht abgesprochen werden. Andererseits darf aber nicht verkannt werden, daß es sich dabei zumindest auch um Vereinbarungen interessierter Kreise handelt, die eine bestimmte Einflußnahme auf das Marktgeschehen bezwecken. Den Anforderungen, die etwa an die Neutralität und Unvoreingenommenheit gerichtlicher Sachverständiger zu stellen sind, genügen sie deswegen nicht. Besondere Zurückhaltung ist gegenüber technischen Normen dort geboten, wo ihre Aussagen nicht als "außerrechtliche Fachfragen" eingestuft werden können, sondern, wie hier, Bewertungen entgegengesetzter Interessen einschließen, die an sich einer demokratisch legitimierten politischen Entscheidung in der Form einer Rechtsetzung bedürfen (…). Als Ersatz für derartige rechtliche Regelungen sind sie ungeeignet.“

BVerwG, Urt. V. 22.05.1987 – 4 C 33-35/83 (Mannheim)
In: NJW 1987, Heft 45, S. 2886-2889

Beispiel 3:

Das Deutsche Institut für Normung hat indes keine Rechtsetzungsbefugnisse. Es ist ein eingetragener Verein, der es sich zur satzungsgemäßen Aufgabe gemacht hat, auf ausschließlich gemeinnütziger Basis durch Gemeinschaftsarbeit der interessierten Kreise zum Nutzen der Allgemeinheit Normen zur Rationalisierung, Qualitätssicherung, Sicherheit und Verständigung aufzustellen und zu veröffentlichen. Wie weit er diesem Anspruch im Einzelfall gerecht wird, ist keine Rechtsfrage, sondern eine Frage der praktischen Tauglichkeit der Arbeitsergebnisse für den ihnen zugedachten Zweck.

Dies entspricht nicht der Sichtweise des BerGer., das sich insoweit - wenn auch unausgesprochen an dem in der höchstrichterlichen Rechtsprechung geklärten Begriff der anerkannten Regeln der Technik orientiert hat. Danach lassen sich als anerkannte Regeln der Technik diejenigen Prinzipien und Lösungen bezeichnen, die in der Praxis erprobt und bewährt sind und sich bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt haben (…). DIN-Vorschriften und sonstige technische Regelwerke kommen hierfür als geeignete Quellen in Betracht. Sie haben aber nicht schon kraft ihrer Existenz die Qualität von anerkannten Regeln der Technik und begründen auch keinen Ausschließlichkeitsanspruch. Als Ausdruck der fachlichen Mehrheitsmeinung sind sie nur dann zu werten, wenn sie sich mit der Praxis überwiegend angewandter Vollzugsweise decken. Das wird häufig, muß aber nicht immer der Fall sein. Die Normausschüsse des Deutschen Instituts für Normung sind pluralistisch zusammengesetzt. Ihnen gehören auch Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen an, die ihre Eigeninteressen einbringen.

Die verabschiedeten Normen sind nicht selten das Ergebnis eines Kompromisses der unterschiedlichen Zielvorstellungen, Meinungen und Standpunkte (…). Sie begründen eine tatsächliche Vermutung dafür, daß sie als Regeln, die unter Beachtung bestimmter verfahrensrechtlicher Vorkehrungen zustande gekommen sind, sicherheitstechnische Festlegungen enthalten, die einer objektiven Kontrolle standhalten, sie schließen den Rückgriff auf weitere Erkenntnismittel aber keineswegs aus.

BVerwG, beschl. V. 30.09.1996 – 4 B 175/96 (Lüneburg)
In: NVwZ-RR 1997, Heft 4, S. 215

Ich danke Hr. Horst Böschen, Berlin, für die Zuarbeit.
M. Bumann, 03.01.2005


Entsprechen die DIN-Normen immer den Regeln der Technik?

Das Problem
Gemäß § 4 Nr. 2 Abs. 1 VOB/B hat der Auftragnehmer seine Leistungen unter Beachtung der anerkannten Regeln der Technik zu erbringen. Es stellt sich die Frage, ob es hierzu ausreichend ist, daß der Auftragnehmer die einschlägigen DIN-Normen einhält.

Die Entscheidung
Das Oberlandesgericht Köln (Schäfer/Finnern/Hochstein Nr. 2 zu § 4 Nr. 2 VOB/B) hat mit Urteil vom 23. 9. 1980 entschieden, daß die sog. anerkannten Regeln der Technik nicht unbedingt mit den DIN-Normen oder den allgemeinen Technischen Vorschriften des Teils C der VOB identisch sein müssen.
Der Begriff der anerkannten Regeln der Technik gehe über den der DIN-Normen hinaus, wobei die DIN-Normen den anerkannten Regeln der Technik unterzuordnen seien.
Genüge eine DIN-Norm nicht mehr den Regeln der Technik, so komme der Auftragnehmer seiner Verpflichtung zur Einhaltung dieser Regeln durch die Einhaltung der DIN-Normen nicht nach.
Das Gericht hat im angesprochenen Fall beispielsweise die Meinung vertreten, daß die für den Schallschutz maßgebliche DIN 4109 aus dem Jahre 1962 im Jahr 1973 nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprochen habe, da in der Zwischenzeit erheblich höhere Anforderungen an den Schallschutz gestellt worden seien.
Der Auftragnehmer habe somit, obwohl er nach den gültigen DIN-Normen gearbeitet habe, ein mangelhaftes Werk hergestellt.
Hinweise für die Praxis
Die Verpflichtung des Auftragnehmers zur Einhaltung der Regeln der Technik macht es notwendig, nicht nur auf Einhaltung der jeweils geltenden DIN-Normen zu achten, sondern unabhängig hiervon die Entwicklung der Regeln der Technik zu beobachten.
Ein regelmäßiges Studium der Fachliteratur ist daher notwendig.
Vorsicht aber vor neuen Verfahren! Diese werden erst dann zu Regeln der Technik, wenn sie sich allgemein durchgesetzt haben.

Anerkannte Regeln der Technik und DIN-Normen

Der BGH hat mit Urteil vom 14.5.1998 - VII Zr 184/97 (Immobilien- & Baurecht 1998, S. 377) folgendes festgestellt:
Die DIN-Normen sind keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter. Sie können die anerkannten Regeln der Technik wiedergeben oder hinter diesen zurückbleiben.
Der Käufer einer neu errichteten Eigentumswohnung hatte mangelhaften Schallschutz gerügt. Sofern keine besondere Vereinbarung bezüglich des Schallschutzes zwischen den Parteien getroffen ist, kommt es nach der Entscheidung des BGH auf die Einhaltung der anerkannten Regeln der Technik an. Diese dürfen keineswegs mit den DIN-Normen identisch gesetzt werden. Die Mangelfreiheit des Schallschutzes kann nicht ohne weiteres einer DIN-Norm entnommen werden. Maßgebend ist nicht, welche DIN-Norm gilt, sondern ob die Bauausführung zur Zeit der Abnahme den anerkannten Regeln der Technik entspricht.

Schulze-Hagen gibt für die Praxis folgenden Hinweis:
DIN-Normen müssen ständig der technischen Entwicklung angepasst werden. Allein daraus ergibt sich, dass sie nicht automatisch mit den anerkannten Regeln der Technik identisch sein können. Ihre rechtliche Bedeutung liegt lediglich in einer Beweisvermutung. Es besteht eine Vermutung., dass kodifizierte Regelwerke wie DIN-Normen die allgemein anerkannten Regeln der Technik wiedergeben (Identitätsvermutung). Ferner geht von der Einhaltung der DIN-Normen auch eine Sorgfaltsvermutung aus. Wer das zuständige Regelwerk einhält, für den streitet die Vermutung, dass er mit der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt gehandelt hat. Diese Vermutungen sind jedoch widerlegbar. Ob eine DIN-Norm sich als anerkannte Regel der Technik durchgesetzt hat bzw. noch als solche gilt, muss im Streitfall durch statistische Erhebungen festgestellt werden.

Autor: Rechtsanwalt Stephan Pahl


Aus der Rubrik "Alle reden davon, keiner kennt es genau"
präsentiert Ihnen DIMaGb.de nach mühevoller Kleinarbeit die viel zitierte
Entscheidung des Reichsgerichtes
zum Begriff „allgemein anerkannte Regeln der Technik“

Für den Begriff „allgemein anerkannte Regeln der Technik“ orientiert man sich noch heute an höchstrichterlicher Festlegung, der Entscheidung RGSt 44, 76 des Reichsgerichtes zum damaligen § 320 StGB, in welcher genaue Kennzeichen ausdrücklich hinzugefügt wurden.

"Der Begriff der allgemein anerkannten Regeln der Baukunst ist nicht schon dadurch erfüllt, daß eine Regel bei völliger wissenschaftlicher Erkenntnis sich als richtig und unanfechtbar darstellt, sondern sie muß auch allgemein anerkannt, d.h. durchweg in den Kreisen der betreffenden' Techniker bekannt und als richtig anerkannt sein … Wie betont, genügt es nicht-, daß die Notwendigkeit gewisser Maßnahmen in der Wissenschaft (Theorie) erkannt und gelehrt wird, sei es auf Hochschulen, sei es in Büchern. Die Überzeugung von der Notwendigkeit muß vielmehr auch in die ausübende Baukunst und das Baugewerbe (in die Praxis) eingedrungen sein und sich dort gefestigt haben, ehe im Sinne des Gesetzes von allgemeiner Anerkennung der betreffenden Regel gesprochen werden darf. Wenn auch Erreichung größtmöglicher Sicherheit für das Publikum bei Bauten Zweck der Gesetzesbestimmung ist, so trifft diese doch den Baubeflissenen noch nicht, wenn er versäumt, was von den auf der Höhe der Wissenschaft Stehenden, vielleicht nach neuerer Erkenntnis, als Forderung hingestellt wird, sondern erst unter der Voraussetzung, daß diese Erkenntnis Gemeingut auch der ausübenden Kunst oder des Gewerbes geworden ist. Es ist ohne weiteres klar, daß mit Rücksicht auf die große Verschiedenheit in der Vorbildung von Personen, denen nach dem bestehenden Rechtszustande Leitung und Ausführung von Baulichkeiten anvertraut sein können, strafbare Vernachlässigung von Regeln der Baukunst nur da angenommen werden soll, wo sie Grundsätze verletzt, über deren Bestehen im Gewerbe kein Zweifel herrscht. Selbstverständlich muß auch hier das Anerkenntnis der großen Menge entscheiden. Die Tatsache, daß Vereinzelte, ,eine verschwindende Minderheit', sei es aus Unkenntnis, sei es aus technischen oder sonstigen Gründen, sie nicht anerkennen, vermag die Feststellbarkeit allgemeiner Anerkennung nicht auszuschließen. Der Kreis, auf dessen Anerkennung es demnach ankommt, wird durch die Gesamtheit der ,betreffenden' Techniker gebildet, d.h. derjenigen Baubeflissenen, die in dem jeweilig gegebenen Zweige der Baukunst tätig sind und die dafür erforderliche Vorbildung besitzen, Irrig. ist es also …die Kenntnis derjenigen als als ausschlaggebend zu betrachten, die sich mit der Frage, ob x notwendig ist, beschäftigt haben. Damit wird der Kreis der maßgebenden Personen in unzulässiger Weise beschränkt. Irrig ist weiter die Annahme, nur dann wären die von maßgebenden Personen anerkannten Regeln nicht als allgemein anerkannte zu erachten, wenn andere maßgebende Vertreter der Technik die Überflüssigkeit oder Fehlerhaftigkeit von x behaupteten oder lehrten. Damit wird ... das Sachverhätnis nicht in einer alle Möglichkeiten erschöpfenden Weise beurteilt. Unzutreffend ist endlich die Meinung, es komme hier nur auf die Anschauung der mit Hochschulbildung versehenen Baubeflissenen an. Denn nach den Feststellungen ... liegt die Sache keineswegs so, daß sich mit x etwa nur so vorgebildete Techniker befassen dürften, daß solche Bauarbeiten etwa im Hinblick auf deren Schwierigkeit über den Gesichtskreis anderer weniger gut vorgebildeter Techniker hinausgehen und daß daher ausgesprochen würde, die unzureichende Vorbildung dieser Klasse von Technikern raube ihnen den Anspruch auf die Berücksichtigung ihrer Anschauungen bei der zu treffenden Feststellung. Vielmehr können die Feststellungen nur in dem gegenteiligen Sinne dahin verstanden werden, daß die Befähigung der Techniker mit mittlerer Vorbildung zu Baulichkeiten der vorliegenden Art nicht bestritten werde ... Trifft dies aber zu, so kann aus dem Kreise der ,betreffenden Techniker' nicht ohne weiteres eine ganze, wie anerkannt wird, zahlreiche Personenklasse ausgeschieden und die Frage nach dem Anerkenntnis der Bauregel innerhalb ihrer als unerheblich und gleichgültig behandelt werden. Richtig wäre dies freilich, wenn in ihrem Kreise tatsächlich ein eingerissener Missbrauch … obwaltete. Indessen von solchem Mißbrauch oder einer geübten ,nachlässigen Praxis' könnte doch nur dann die Rede sein, wenn die Unkenntnis von der Regel oder ihre Nichtanerkennung wirklich auf einem Verschulden beruhte ...“

kurz definiert: es handelt sich um technische Regeln für den Entwurf und die Ausführung baulicher Anlagen, die in der technischen Wissenschaft als theoretisch richtig erkannt sind und feststehen sowie insbesondere in dem Kreise der für die Anwendung der betreffenden Regeln maßgeblichen, nach dem neuesten Erkenntnisstand vorgebildeten Techniker durchweg bekannt und aufgrund fortdauernder praktischer Erfahrung als technisch geeignet, angemessen und notwendig anerkannt sind.
(Ingenstau, Korbion, VOB-Kommentar, B § 4, 2, Rdn. 151, S. 1262)

© HTML, DIMaGB.de, 03.2005


Die Technischen Baubestimmungen

Die Liste der Technischen Baubestimmungen enthält technische Regeln für die Planung, Bemessung und Konstruktion baulicher Anlagen und ihrer Teile.

Sie sind die Basis der anerkannten Regeln der Technik aus den Bereichen

  • Bautechnische Grundlagen
  • Planungsgrundlagen
  • Baukonstruktion
  • Bauphysik
  • Bauvertrag und
  • Ausschreibung.

Ihre Anwendung ist zwingend erforderlich und wird von der Bauaufsicht geprüft. Jährlich aktualisieren die obersten Bauaufsichtsbehörden der Länder die Listen der eingeführten Baubestimmungen und ergänzen sie um zusätzliche Hinweise.

Die Datensammlung "Eingeführte Technische Baubestimmungen" enthält hunderte ausgewählte DIN-, EN-Normen und Normenteile sowie Richtlinien z.B. des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DafStb), des Deutschen Ausschusses für Stahlbau (DASt) und des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt).

Ein Beispiel für den Umfang (Rudolf-Müller-Verlag):
Die Sammlung "Technische Baubestimmungen" (TB) enthält in 26 Ordner mit mehr als 28.000 Seiten:

  • über 960 DIN, DIN-EN, DIN EN ISO- DIN-ISO Normen und Normenteile
  • mehr als 500 ergänzende Erlasse, Verordnungen, Richtlinien, Baugebührenordnungen der Länder

Die CD-ROM "Eingeführte Technische Baubestimmungen" enthält ca. 40% der Ordnersammlung. Aus urheberrechtlichen Gründen muss die CD-ROM auf die eingeführten Bestimmungen beschränkt bleiben

  • über 300 DIN, DIN-EN-Normen und Normenteile
  • 50 Richtlinien des DAfStb, DIBt
  • mehr als 240 weitere Bestimmungen ergänzende Erlasse, Verordnungen, Richtlinien, Baugebührenordnungen der Länder

Das Deutsche Institut für Bautechnik hat die Aufgabe, im Auftrag der Länder die Einführung der Liste der Technische Baubestimmungen vorzubereiten. Die Liste der Technischen Baubestimmungen enthält technische Regeln für die Planung, Bemessung und Konstruktion baulicher Anlagen und ihrer Teile.

Die Liste der Technischen Baubestimmungen (LTB) und der Bauregelliste A Teil 1 (BRL A) werden vom Deutschen Institut für Bautechnik veröffentlicht. Die Volltexte werden bei Beuth etwa zwei- bis dreimal jährlich aktualisiert.


Muster - Liste der Technischen Baubestimmungen *)
- Fassung Dezember 2001 -

Vorbemerkungen

Die Liste der Technischen Baubestimmungen enthält technische Regeln für die Planung, Bemessung und Konstruktion baulicher Anlagen und ihrer Teile, deren Einführung als Technische Baubestimmungen auf der Grundlage des § 3 Abs. 3 MBO 1) erfolgt. Technische Baubestimmungen sind allgemein verbindlich, da sie nach § 3 Abs. 3 MBO 1) beachtet werden müssen.

Soweit technische Regeln durch die Anlagen in der Liste geändert oder ergänzt werden, gehören auch die Änderungen und Ergänzungen zum Inhalt der Technischen Baubestimmungen. Es werden nur die technischen Regeln eingeführt, die zur Erfüllung der Grundsatzanforderungen des Bauordnungsrechts unerlässlich sind. Die Bauaufsichtsbehörden sind allerdings nicht gehindert, im Rahmen ihrer Entscheidungen zur Ausfüllung unbestimmter Rechtsbegriffe auch auf nicht eingeführte allgemein anerkannte Regeln der Technik zurückzugreifen.

Die technischen Regeln für Bauprodukte werden nach § 20 Abs. 2 MBO1) in der Bauregelliste A bekannt gemacht.

Inhalt
1 Technische Regeln zu Lastannahmen und Grundlagen der Tragwerksplanung
2 Technische Regeln zur Bemessung und zur Ausführung
2.1 Grundbau
2.2 Mauerwerksbau
2.3 Beton-, Stahlbeton- und Spannbetonbau
2.4 Metallbau
2.5 Holzbau
2.6 Bauteile
2.7 Sonderkonstruktionen
3 Technische Regeln zum Brandschutz
4 Technische Regeln zum Wärme- und zum Schallschutz
4.1 Wärmeschutz
4.2 Schallschutz
5 Technische Regeln zum Bautenschutz
5.1 Schutz gegen seismische Einwirkungen
5.2 Holzschutz
6 Technische Regeln zum Gesundheitsschutz
7 Technische Regeln als Planungsgrundlagen

1) Nach Landesrecht
*) Die Verpflichtungen aus der Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften (ABl. EG Nr. L 204 S. 37), geändert durch die Richtlinie 98/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Juli 1998 (ABl. EG Nr. L 217, S. 18) sind beachtet worden.

(Anmerkung: das Dokument umfasst 26 Seiten, davon 11 Seiten tabellarische Liste).

Übersicht der Listen der Technischen Baubestimmungen (LTB) der einzelnen Bundesländer
Stand: Juli 1999
Land Fassung Titel / Datum der Bekanntmachung Fundstelle
Baden-
Württemberg
Juli 1998 Bekanntmachung des Wirtschaftsministeriums über die Liste der Technischen Baubestimmungen (LTB) - Vom 30. Juli 1998 - Az.: 6-2601.1/22 - Gemeinsames Amtsblatt Nr. 12 vom 23. September 1998, S. 485-596
Bayern November 1996

Änderung:

Dezember 1997

Änderung:

November 1998

21323-I Vollzug des Art.3 Abs. 2 Satz 1 der Bayerischen Bauordnung (BayBO); Liste der als Technische Baubestimmungen eingeführten technischen Regeln - Fassung November 1996 - Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern - Vom 21. Juli 1997 Nr. II B 9 - 4132-014/91,

geändert durch:
21323-I Vollzug des Art.3 Abs. 2 Satz 1 der Bayerischen Bauordnung (BayBO); Liste der als Technische Baubestimmungen eingeführten technischen Regeln (Liste der TB) - Fassung November 1996 - Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern - Vom 4. Dezember 1997 Nr. II B 9 - 4132-014/91

zuletzt geändert durch:
21323-I Vollzug des Art.3 Abs. 2 Satz 1 der Bayerischen Bauordnung (BayBO); Liste der als Technische Baubestimmungen eingeführten technischen Regeln (Liste der TB) - Fassung November 1996 - Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern - Vom 26. November 1998 Nr. II B 9 - 4132-014/91

Allgemeines Ministerialblatt (AIIMBI.) Nr. 18 vom 8. September 1997, S. 545-600

geändert in:
Allgemeines Ministerialblatt (AIIMBI.) Nr. 25 vom 22. Oktober 1997, S. 895

geändert in:
Allgemeines Ministerialblatt (AIIMBI.) Nr. 25 vom 21. Dezember 1998, S. 909-920

Berlin Februar 1999

Änderung:

Mai 1999

Ausführungsvorschriften - Liste der Technischen Baubestimmungen - Fassung Februar 1999 - Vom 16. März 1999 - BauWohnV II A 3

geändert durch:
Berichtigung der Ausführungsvorschriften - Liste der Technischen Baubestimmungen - Fassung Februar 1999 - Vom 4. Mai 1999 - BauWohnV II A 3

Amtsblatt für Berlin Nr. 19 vom 22. April 1999, S. 1494-1521

geändert in:
Amtsblatt für Berlin Nr. 26 vom 21. Mai 1999, S. 1962-1964

aktuell

Branden-
burg
September 1997

Änderung:

Juni 1998

Technische Baubestimmungen; Bekanntmachung des Ministeriums für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr - Vom 18. Februar 1998

geändert durch:
Technische Baubestimmungen - Änderung: Stand Juni 1988 - Bekanntmachung des Ministeriums für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr - Vom 2. März 1999

Amtsblatt für Brandenburg Nr. 11 vom 25. März 1998, S. 342-366

geändert in:
Amtsblatt für Brandenburg Nr. 12 vom 29. März 1999, S. 263-268

Bremen   Anmerkung: Erstveröffentlichung geplant für Herbst 1999  
Hamburg November 1997 Technische Baubestimmungen - Liste der Technischen Baubestimmungen - vom 26. November 1997 Amtlicher Anzeiger Teil II des Hamburgischen Gesetz- und Verordnungsblattes Nr. 33 vom 18. März 1998, S. 601-720
Hessen September 1998 Liste der im Land Hessen bauaufsichtlich eingeführten Technischen Baubestimmungen vom 1. April 1999 Staatsanzeiger für das Land Hessen Nr. 18 vom 3. Mai 1999, S.1385-1407
Mecklenburg-
Vorpommern
September 1998 Liste der Technischen Baubestimmungen; Erlaß des Ministeriums für Arbeit und Bau vom 16. August 1999 - VIII 220-516.501 - Amtsblatt für Mecklenburg- Vorpommern Nr.33 vom 9. August 1999, S. 711-723
Nieder-
sachsen
Juni 1998 Anmerkung: Niedersachsen hat keine der LTB-Musterliste entsprechende Liste der eingeführten Technischen Baubestimmungen (ETB). Diese sind in der VORIS-Liste veröffentlicht (VORIS =

Niedersächsisches Vorschrifteninformations-system); Einzelvorschriften werden von Fall zu Fall bekannt gegeben.

 
Nordrhein-
Westfalen
Juli 1997 Einführung Technischer Baubestimmungen nach § 3 Abs. 3 BauO NW - RdErl. d. Ministeriums für Bauen und Wohnen v. 11.7.1997 - II B 1 - 408 Ministerialblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Nr. 51 vom 2. September 1997, S. 1018-1072
Rheinland-
Pfalz
September 1997 Einführung von technischen Regeln als Technische Baubestimmungen - Verwaltungsvorschrift des Ministeriums der Finanzen vom 1. Juni 1998 (12210-4534) Ministerialblatt der Landesregierung von Rheinland-Pfalz, Nummer 8 vom 23. Juli 1998, S. 230-258
Saarland Juni 1998 Bekanntmachung der bauaufsichtlichen Einführung Technischer Baubestimmungen: Liste der Technischen Baubestimmung - Fassung Juni 1998 - Amtsblatt des Saarlandes Nr. 19 vom 6. Mai 1999, S. 618-650
Sachsen Dezember 1998 Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministerium des Innern über die Einführung Technischer Baubestimmungen - Liste der eingeführten Technischen Baubestimmungen (LTB) - Vom 10. Dezember 1998 Sächsisches Amtsblatt, Sonderdruck Nr. 1/1999 vom 29. Januar 1999, S. S1-S28
Sachsen-
Anhalt
September 1998 Einführung Technischer Baubestimmungen; Liste der Technischen Baubestimmungen - RdErl. des MWV vom 5.5.1999 - 22/24011/01 Ministerialblatt für das Land Sachsen-Anhalt (MBl. LSA Grundausgabe) Nummer 24, 9. Jahrgang vom 1. Juli 1999, S. 977-1004
Schleswig-
Holstein
August 1998 Technische Baubestimmungen - Gl.Nr. 2130.65 - Erlaß des Innenministeriums vom 30. Oktober 1998 - IV 661 - 516.50 Amtsblatt für Schleswig-Holstein Nr. 47 vom 23. November 1998, S. 925-959
Thüringen Juni 1998 Bekanntmachung des Ministeriums für Wirtschaft und Infrastruktur über die Einführung von technischen Regeln als Technische Baubestimmungen vom 20.01.1999 Thüringer Staatsanzeiger Nr. 7 vom 15. Februar 1999, S. 350-374


die aktuelle Liste der Technischen Baubestimmungen für Berlin,
hrsg. von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung VI E / F

Ausführungsvorschriften
Liste der Technischen Baubestimmungen
Vom 23. März 2001 (ABl. S. 1652)

1. Aufgrund § 3 Abs. 3 und § 76 Abs. 10 der Bauordnung für Berlin (Bau0 Bln) in der Fassung vom 3. September 1997 (GVBl. S. 421, 512), zuletzt geändert durch Artikel II des Gesetzes vom 10. Oktober 1999 (GVBl. S. 554), werden die in der A N L A G E enthaltenen technischen Regeln als Technische Baubestimmungen eingeführt. Ausgenommen von der Einführung sind die Abschnitte in den technischen Regeln über Prüfzeugnisse.

2. Bezüglich der in dieser Liste genannten Normen, anderen Unterlagen und technischen Anforderungen, die sich auf Produkte bzw. Prüfverfahren beziehen, gilt, dass auch Produkte bzw. Prüfverfahren angewandt werden dürfen, die Normen oder sonstigen Bestimmungen und/oder technischen Vorschriften anderer Vertragsstaaten des Abkommens vom 2. Mai 1992 über den europäischen Wirtschaftsraum entsprechen, sofern das geforderte Schutzniveau in Bezug auf Sicherheit, Gesundheit und Gebrauchstauglichkeit gleichermaßen dauerhaft erreicht wird.

3. Sofern für ein Produkt ein Übereinstimmungsnachweis oder der Nachweis der Verwendbarkeit, zum Beispiel durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis vorgesehen ist, kann von einer Gleichwertigkeit nur ausgegangen werden, wenn für das Produkt der entsprechende Nachweis der Verwendbarkeit und/oder Übereinstimmungsnachweis vorliegt und das Produkt ein Übereinstimmungszeichen trägt.

4. Prüfungen, Überwachungen und Zertifizierungen, die von Stellen anderer Vertragsstaaten des Abkommens über den europäischen Wirtschaftsraum erbracht werden, sind ebenfalls anzuerkennen, sofern die Stellen aufgrund ihrer Qualifikation, Integrität, Unparteilichkeit und technischen Ausstattung Gewähr dafür bieten, die Prüfung, Überwachung bzw. Zertifizierung gleichermaßen sachgerecht und aussagekräftig durchzuführen. Diese Voraussetzungen gelten insbesondere als erfüllt, wenn die Stellen nach Artikel 16 der Richtlinie 89/106/EWG vom 21. Dezember 1988 für diesen Zweck zugelassen worden sind. 5. Diese Ausführungsvorschriften treten am 1. Mai 2001 in Kraft. Sie treten mit Ablauf des 30. April 2003 außer Kraft.

(Anmerkung: das Dokument umfasst 37 Seiten, davon 13 Seiten tabellarische Liste, gefolgt von Anlagen).


Bauregelliste A, Bauregelliste B und Liste C

Die Landesbauordnungen unterscheiden zwischen geregelten, nicht geregelten und sonstigen Bauprodukten.

Geregelte Bauprodukte entsprechen den in der Bauregelliste A Teil 1 bekannt gemachten technischen Regeln oder weichen von ihnen nicht wesentlich ab. Nicht geregelte Bauprodukte sind Bauprodukte, die wesentlich von den in der Bauregelliste A Teil 1 bekannt gemachten technischen Regeln abweichen oder für die es keine Technischen Baubestimmungen oder allgemein anerkannten Regeln der Technik gibt.

Die Verwendbarkeit ergibt sich:

  1. für geregelte Bauprodukte aus der Übereinstimmung mit den bekannt gemachten technischen Regeln
  2. für nicht geregelte Bauprodukte aus der Übereinstimmung mit
    • der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung oder
    • dem allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnis oder
    • der Zustimmung im Einzelfall.

Geregelte und nicht geregelte Bauprodukte dürfen verwendet werden, wenn ihre Verwendbarkeit in dem für sie geforderten Übereinstimmungsnachweis bestätigt ist und sie deshalb das Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen) tragen.

Sonstige Bauprodukte sind Produkte, für die es allgemein anerkannte Regeln der Technik gibt, die jedoch nicht in der Bauregelliste A enthalten sind. An diese Bauprodukte stellt die Bauordnung zwar die gleichen materiellen Anforderungen, sie verlangt aber weder Verwendbarkeits- noch Übereinstimmungsnachweise; sie sind deshalb auch nicht in der Bauregelliste A erfasst.

Die Landesbauordnungen bezeichnen das Zusammenfügen von Bauprodukten zu baulichen Anlagen oder Teilen von baulichen Anlagen als Bauart. Nicht geregelte Bauarten sind Bauarten, die von Technischen Baubestimmungen wesentlich abweichen oder für die es allgemein anerkannte Regeln der Technik nicht gibt. Die Anwendbarkeit nicht geregelter Bauarten ergibt sich aus der Übereinstimmung mit

  • der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung oder
  • dem allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnis oder
  • der Zustimmung im Einzelfall.

Das DIBt hat als Sonderheft Nr. 28 die Ausgabe 2003/1
der Bauregellisten A, B und C veröffentlicht (21 €).
12.2003


DIN sind keine Rechtsvorschriften

Viele, auch Fachleute und Profis, sind der Auffassung, dass DIN-Vorschriften die gleiche Rangordnung haben, wie Gesetze oder Verordnungen und damit unmittelbar geltendes Recht seien. Zumindest seien sie als "Regeln der Technik" anzusehen. Das ist jedoch nicht der Fall, wie nachstehende Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 30.09.1996 (Az: 4 B 175/96) zeigt.

Die Entscheidung hat folgende Leitsätze:

Die Auslegung von DIN-Vorschriften (hier: DIN 4261 Teil 1, Teil 2, Kleinkläranlagen) ist als solche keine Rechtsanwendung, sondern Tatsachenfeststellung.

DIN-Vorschriften können anerkannte "Regeln der Technik" im Sinne des § 18 b WHG sein, sind dies aber noch nicht ohne weiteres kraft ihrer Existenz; sie schließen den Rückgriff auf weitere Erkenntnismittel nicht aus.

§ 18 b WHG setzt mit der Bezugnahme auf die "Regeln der Technik" einen Mindeststandard; er schließt nicht aus, dass Landesrecht (hier: § 153 NWG) strengere Anforderungen stellt.

Die Begründung wird wörtlich wie folgt wiedergegeben:

Aus den Gründen: Die Frage, ob Sickerschächte bei Kleinkläranlagen nicht mehr den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, ließe sich in dem erstrebten Revisionsverfahren nicht klären. Sie betrifft nicht die Anwendung und Auslegung von Bundesrecht i. S. des § 137Abs. 1 Nr. 1 VwGO. Der Bundesgesetzgeber nimmt zwar in § 18 b Abs. 1 WHG ebenso wie der niedersächs. Landesgesetzgeber in § 153 Abs. 1 S. 1 des Niedersächs. Wassergesetzes (NWG) auf die "Regeln der Technik" Bezug. Diese Regeln stellen aber nicht selbst Rechtsnormen dar. Die Beschwerde leitet aus der DIN 4261 Teil 1 ab, dass es ausreicht, Kleinkläranlagen mit Sickerschächten auszustatten. Das Deutsche Institut für Normung hat indes keine Rechtsetzungsbefugnisse. Es ist ein eingetragener Verein, der es sich zur satzungsgemäßen Aufgabe gemacht hat, auf ausschließlich gemeinnütziger Basis durch Gemeinschaftsarbeit der interessierten Kreise zum Nutzen der Allgemeinheit Normen zur Rationalisierung, Qualitätssicherung, Sicherheit und Verständigung aufzustellen und zu veröffentlichen. Wie weit er diesem Anspruch im Einzelfall gerecht wird, ist keine Rechtsfrage, sondern eine Frage der praktischen Tauglichkeit der Arbeitsergebnisse für den ihnen zugedachten Zweck. Rechtliche Relevanz erlangen die von ihm erarbeiteten Normen im Bereich des technischen Sicherheitsrechts nicht, weil sie eigenständige Geltungskraft besitzen, sondern nur, soweit sie die Tatbestandsmerkmale von Regeln der Technik erfüllen, die der Gesetzgeber als solche in seinen Regelungswillen aufnimmt. Werden sie, wie dies beim Bau und beim Betrieb von Abwasseranlagen geschehen ist, vom Gesetzgeber rezipiert, so nehmen sie an der normativen Wirkung in der Weise teil, dass die materielle Rechtsvorschrift durch sie näher konkretisiert wird. Die Problematik dieses Vorgangs spricht die Beschwerde mit ihrer ersten Frage indes nicht an.

Die Frage, ob Regeln der Technik durch Verwaltungserlass begründet werden können, rechtfertigt ebenfalls nicht die Zulassung der Revision.

Das OVG hat darauf abgestellt, dass vorhandene Abwasseranlagen so anzupassen sind, das sie die in Betracht kommenden Regeln der Technik einhalten. Die Beschwerde geht davon aus, dass im Bereich der Abwasserbehandlung und -einleitung die Regeln der Technik mit der DIN 4261 Teil 1 (Kleinkläranlagen ohne Abwasserbelüftung) identisch sind. Dies entspricht nicht der Sichtweise des GVG, das sich insoweit - wenn auch unausgesprochen - an dem in der höchstrichterl. Rspr. geklärten Begriff der anerkannten Regeln der Technik orientiert hat. Danach lassen sich als anerkannte Regeln der Technik diejenigen Prinzipien und Lösungen bezeichnen, die in der Praxis erprobt und bewährt sind und sich bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt haben (vgl. BVerfG, Beschl. v. 8.8.1978, BVerfGE 49, 89, 135; BVerwG, Urt v. 25.9.1992 - 8 C 28.90 - Buchholz 401.64 § 7 AbwAG Nr. 2 und Beschl. v. 4.8.1992 - 4 B 150.92 - Buchholz 406.25 § 3 BImSchG Nr. 9; vgl. auch § 2 Abs. 10 UGB-E). DIN-Vorschriften und sonstige technische Regelwerke kommen hierfür als geeignete Quellen in Betracht. Sie haben aber nicht schon kraft ihrer Existenz die Qualität von anerkannten Regeln der Technik und begründen auch keinen Ausschließlichkeitsanspruch. Als Ausdruck der fachlichen Mehrheitsmeinung sind sie nur dann zu werten, wenn sie sich mit der Praxis überwiegend angewandter Vollzugsweisen decken. Das wird häufig, muß aber nicht immer der Fall sein. Die Normausschüsse des Deutschen Instituts für Normung sind pluralistisch zusammengesetzt. Ihnen gehören auch Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen an, die ihre Eigeninteressen einbringen. Die verabschiedeten Normen sind nicht selten das Ergebnis eines Kompromisses der unterschiedlichen Zielvorstellungen. Meinungen und Standpunkkte (vgl. B VerwG, Urt. V. 22.5.1987 - 4 C 33-35.83 - BVerwGE 77.285). Sie begründen ein tatsächliche Vermutung dafür, dass sie als Regeln, die unter Beachtung bestimmter verfahrensrechtlicher Vorkehrungen zustande gekommen sind, sicherheitstechnische Festlegungen enthalten, die einer objektiven Kontrolle standhalten, sie schließen den Rückgriff auf weitere Erkenntnismittel aber keineswegs aus. Die Behörden, die im Rahmen des einschlägigen Rechts den Regeln der Technik Rechnung zu tragen haben, dürfen dabei auch aus Quellen schöpfen, die nicht in der gleichen Weise wie etwa die DIN-Normen kodifiziert sind. Unter welchen Voraussetzungen sie sich auf dem Gebiet des Abwasseranlagenbaus von der Erkenntnis leiten lassen können, dass Sickerschächte nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, ist eine Frage der Einzelfallwürdigung.

Im übrigen verkennt die Beschwerde, dass sich das OVG nicht auf § 18 b WBG, der dem revisiblen Bundesrecht angehört, sondern auf die landesrechtliche Bestimmung des § 153 NWG gestützt hat Bei dieser Entscheidungssituation läßt sich der Bezug zum Bundesrecht nicht mit dem bloßen Hinweis herstellen, dass beide Vorschriften, soweit hier von Belang, nahezu wortgleich sind. § 18 b WHG hat auf der verfassungsrechtl. Grundlage des Art. 75 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 GG rahmenrechtl. Charakter. Er gilt nicht aufgrund eines Gesetzgebungsbefehls des Bundesgesetzgebers unmittelbar, sondern bedarf der Umsetzung in Landesrecht, um Rechte und Pflichten zu begründen. Er steckt lediglich den Rahmen ab, den die Länder auszufüllen haben. Mit der Bezugnahme auf die Regeln der Technik bezeichnet § 18 b WHG den bundeseinheitl. Mindeststandard, dem Abwasseranlagen genügen müssen. Strengere Anforderungen werden damit nicht ausgeschlossen. Dies folgt schon daraus. dass § 18 b WHG die Errichtung und den Betrieb mit den Benutzungsbedingungen und Auflagen für das Einleiten von Abwasser verknüpft, aus denen sich unter Umständen weitergehende Erfordernisse als aus den Regeln der Technik ergeben können. Welcher baulichen Vorkehrungen es bei Abwasseranlagen bedarf; um i. S. des § 1 a Abs. 2 WHG eine Verunreinigung des Wassers oder eine sonstige nachteilige Veränderung seiner Eigenschaften zu verhüten, ist der einschlägigen Norm des Landesrechts zu entnehmen, die einer revisionsgerichtlichen Prüfung entzogen ist. Daran ändert auch der Hinweis der Beschwerde aufArt 14 GG nichts. § 153 NWG erfüllt die Merkmale einer gesetzl. Inhalts- und Schrankenbestimmung i. S. des Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG.

Quelle: Die Öffentliche Verwaltung 1997, Seite 303


DIN – Normen - ein Instrument der Täuschung
von Prof. C. Meier
01.2003

DIN-Vorschriften können nicht als "technische Regeln" verwendet werden, weil von DIN selbst deren Unverbindlichkeit erklärt wird; es wird keine Verantwortung für die in DIN gemachten Konstruktionsvorschläge übernommen. Insofern erlangen sie nicht die Bedeutung von allgemein anerkannten Regeln der Technik. Auch das StGB kennt hier nur den Begriff der a. a. R. d. T. Die Verbindlichkeit der DIN-Vorschriften muß erst vertraglich vereinbart werden. [4].

Hinweise von DIN
Auf DIN-Normen ist sachlich kein Verlass, denn es heißt dort (u. a. in [1]):

  • "Durch das Anwenden von Normen entzieht sich niemand der Verantwortung für eigenes Handeln. Jeder handelt insoweit auf eigene Gefahr".
  • ”Die DIN-Normen haben kraft Entstehung, Trägerschaft, Inhalt und Anwendungsbereich den Charakter von Empfehlungen”.
  • ”DIN-Normen an sich haben keine rechtliche Verbindlichkeit”.
  • ”DIN-Normen dienen der Ausfüllung unbestimmter Rechtsbegriffe, z. B. des Begriffes Stand der Technik”.

Dies sind klare und eindeutige Aussagen – jeder sollte sich dies zu eigen machen. DIN-Normen sollten wegen der Fragwürdigkeit ihrer Entstehung einen möglichst geringen Stellenwert bekommen. Konstruktionen gemäß DIN können fehlerhaft, Konstruktionen nicht gemäß DIN können fehlerfrei sein.

Dies wird verständlich, wenn es bei DIN heißt [1], [2]:

  • ”Die Mitgliedschaft im DIN sichert einen Einfluss auf die normungspolitischen Entscheidungen des DIN”.
  • ”Die Förder- und Kostenbeiträge der Wirtschaft ... sind ein praxisnahes Steuerungsinstrument für die Normungsarbeit”.
  • ”DIN ist auf Kostenbeiträge der Wirtschaft angewiesen, mit denen die Arbeit der Normenausschüsse gefördert wird. Die Förderbeiträge sind ein Gradmesser für die Notwendigkeit von Normungsvorhaben und ein praxisnahes Steuerungsinstrument für die Normungsprogramme”.
  • ”An der Normungsarbeit interessierte Firmen, Institutionen und Verbände können
    Förderbeiträge zentral abführen”.
  • ”Wer die Normungsarbeit weder durch einen Förderbeitrag noch durch einen Kostenbeitrag finanziell unterstützt, kann von der Mitarbeit ausgeschlossen werden”.

Wer also zum finanziellen Gedeihen des DIN mit beiträgt, kann mit entsprechenden Normungsleistungen rechnen, die den Geldeinsatz mehr als ausgleichen dürfte. Das Zustandekommen so mancher dubioser DIN-Normen wird damit verständlich. Immerhin werden auch zu viele methodische und inhaltliche Fehler nachweisbar in den DIN-Vorschriften festgeschrieben [5].

Bei entsprechenden finanziellen Beiträgen der Wirtschaft wird dann auch viel genormt. Die festzustellende Verordnungs- und Normenschwemme lässt darauf schließen, dass hier Gelder zur Genüge fließen. Da es sich bei den DIN-Normen um Vereinbarungen, keineswegs jedoch um wissenschaftliche Erkenntnisse handelt, häufen sich die genormten Fehler - die Folge ist dann produzierter Normungsschrotts [5].

Meersburg – Urteil

Das Bundesverwaltungsgericht hat zu den Normenausschüssen festgestellt [3]:

  • ”Daneben gehören ihnen aber auch Vertreter bestimmter Branchen und Unternehmen an, die deren Interessenstandpunkte einbringen”.
  • ”Andererseits darf aber nicht verkannt werden, dass es sich dabei zumindest auch um Vereinbarungen interessierter Kreise handelt, die eine bestimmte Einflussnahme auf das Marktgeschehen bezwecken”.

Den Anforderungen, die etwa an die Neutralität und Unvoreingenommenheit  gerichtlicher Sachverständiger zu stellen sind, genügen sie deswegen nicht". Auch BGH-Urteile verdeutlichen die Unverbindlichkeit von DIN-Normen [4].

BGH – Urteile

BGH, Urteil vom 17.12.1996
Wie ist eine Minderung des Werklohnes zu berechnen?
BGB § 472 (Minderung), § 633 (Mangelbeseitigung), § 634 (Wandelung und Minderung nach Fristablauf). [IBR 1997, Privates Baurecht, S. 368]
Ein Werk ist unabhängig davon, ob die anerkannten Regeln der Technik eingehalten sind, fehlerhaft, wenn es nicht den Anforderungen des vertraglich vorausgesetzten Gebrauchs entspricht.

Fazit: Maßgebend sind also die vertraglichen Vereinbarungen. Selbst die anerkannten Re-geln der Technik sind nicht bindend - und erst recht nicht die DIN-Normen.

BGH, Urteil vom 22.01.1998
Muß Architekt die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes optimieren?
BGB § 634 (Wandelung und Minderung nach Fristablauf), § 635 (Schadensersatz).
[IBR 1998, Architekten und Ingenieurrecht, S. 157]
Ein Mangel des Architektenwerks kann vorliegen, wenn übermäßiger Aufwand getrieben wird. Sofern die Nutzflächen und Geschoßhöhen nicht den Vorgaben entsprächen, könne die Planung mangelhaft sein. Das gleiche gelte, wenn bei der Wärmedämmung oder der Dachkonstruktion überflüssiger Aufwand betrieben worden sei. Eine unwirtschaftliche Planung könne auch dann mangelhaft sein, wenn sie sich im Rahmen der vorgegebenen Kosten halte.

Fazit: Entscheidend ist also die Wirtschaftlichkeit einer Baukonstruktion (Vermeidung übermäßigen Aufwandes). Ist die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben, kann die Planung mangelhaft sein - mit allen Konsequenzen (Minderung des Werklohnes).

BGH, Urteil vom 14.05.1998
Luftschallschutz: Wann liegt Mangel vor?
BGB § 633 (Mangelbeseitigung). [IBR 1998, Privates Baurecht, S. 376]
Der BGH wendet sich gegen die DIN-Gläubigkeit vieler Baubeteiligten. Es kommt in erster Linie nicht auf die Einhaltung der DIN-Normen an; wichtig ist:
(1)    Welches Schalldämm-Maß haben die Parteien vereinbart?
(2)    Aus der bloßen Beachtung der DIN-Normen folgt noch nicht, dass damit auch die anerkannten Regeln der Technik genügt ist.
Gibt es keine Vereinbarung, so kommt es auf die anerkannten Regeln der Technik an.

Fazit: In der juristischen Rangfolge kommen zunächst die anerkannten Regeln der Technik. DIN-Normen spielen für die Beurteilung keine Rolle.

BGH, Urteil vom 14.05 1998
Welche Bedeutung haben DIN-Normen?
BGB § 633 (Mangelbeseitigung). [IBR 1998, Privates Baurecht, S. 377]
Die DIN-Normen sind keine Rechtsnormen, sondern private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter. Sie können die anerkannten Regeln der Technik wiedergeben oder hinter diesen zurückbleiben. Nach BGH kommt es auf die Einhaltung der anerkannten Regeln der Technik an. Diese dürfen keineswegs mit den DIN-Normen identisch gesetzt werden. Die Mangelfreiheit kann nicht ohne weiteres einer DIN-Norm entnommen werden. Maßgebend ist nicht, welche DIN-Norm gilt, sondern ob die Bauausführung zur Zeit der Abnahme den anerkannten Regeln der Technik entspricht.

Fazit: Selbst bei Einhaltung der gültigen Norm besteht ein Mangel, wenn die anerkannten Regeln der Technik nicht eingehalten werden. Vorsicht also bei der Anwendung von DIN-Normen.

Literatur:
[1] Die Finanzierung des DIN. Herausgeber: Deutsches Institut für Normung e. V. 1998
[2] DIN – Etwas über DIN. Herausgeber: Deutsches Institut für Normung e. V. 1998
[3] "Meersburg-Urteil": Bundesverwaltungsgericht Aktenzeichen 4 C 33 - 35/83, Urteil vom 22.05.87.
      Fundstelle: Neue Juristische Wochenschrift 1987, H. 45, S. 2888 (Quelle: Raimund Probst - Frankfurt).
[4] Meier, C.: Alles was recht ist. Rechtliche Randbedingungen des Gebäudewärmeschutzes.
     bausubstanz 2000, H. 2, S. 45
[5] Meier, C. Richtig bauen – Bauphysik im Widerstreit – Probleme und Lösungen.
     Renningen-Malmsheim: expert verlag, 2. Auflage 2003, 265 Seiten. ISBN: 3-8169-2187-6


Fragwürdige DIN-Normen


Die DIN-Normen enthalten zu viele methodische Fehler. Es folgt eine kurzgefaßte Auflistung als Auswahl. Die Seiten beziehen sich auf das Buch:
Meier, C. Richtig bauen – Bauphysik im Widerstreit – Probleme und Lösungen. Renningen-Malmsheim: expert verlag, 2. Auflage 2003, 265 Seiten. ISBN: 3-8169-2187-6

EnEV 2002, § 15: Regeln der Technik (S. 162):

Normen, technische Vorschriften und sonstige Bestimmungen anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft gehören zu ”anerkannten Regeln der Technik”, wenn das geforderte Schutzniveau in Bezug auf Energieeinsparung und Wärmeschutz dauerhaft gewährleistet ist.

Kommentar: Das geforderte Schutzniveau ist kein Maßstab für ”allgemein anerkannte Regeln der Technik”, DIN-Normen, technische Vorschriften und sonstige Bestimmungen gewährleisten nicht Dauerhaftigkeit, dafür aber dauerhaft unwirtschaftlich Konstruktionen (§17 ”Befreiungen”).

DIN 4108:

a) (S. 164/165): Fassung 1960: ”Bei geschichteten Außenbauteilen kann unsachgemäße Anordnung von Schichten zur Bildung von Tauwasser führen”.

Kommentar: Heute kann gemäß DIN als Jahresbilanz bis zu 1 Liter (1/2 Liter) Kondensat pro Quadratmeter Außenhülle entstehen (Stand der Technik).

b) (S. 165): ”Tauwasserausfall während der Verdunstungsperiode ist rechnerisch nicht zu berücksichtigen”.

Kommentar: Diese Vereinbarung führt zu einem methodischen Fehler, denn die falscheste unbelüftete Dachkonstruktion mit enormen Feuchteschäden wird damit immer als ”im Sinne der DIN unschädlich” ausgewiesen – ein bautechnischer Skandal.

c) (S. 166): Temperaturberechnungen und µ-Werte beim Tauwassernachweis gelten nur für den stationären Zustand.

Kommentar: Der stationäre Zustand ist unrealistisch, besonders bei massiven Baustoffen.

DIN EN 832:

a) (S. 166): Es wird der Heizenergiebedarf mit dem U-Wert berechnet.
Kommentar: Der U-Wert gilt nur für den Beharrungszustand, der nie vorliegt – dafür sorgt allein die Sonne.

b) (S. 166): Es heißt: ”Die jährlichen solaren Gewinne können vernachlässigt werden”.
Kommentar: Diese Aussage ist falsch.

c) (S. 167): Beim Abstrahlungskoeffizient hr in W/m²K wird die mittlere Temperatur aus Oberfläche und Himmel eingesetzt.
Kommentar: Günstige Gegenstrahlung der Erdoberfläche als Entlastung wird ignoriert.

d) (S. 167): In den Formeln für den Abstrahlungskoeffizienten fehlen die Werte c und r.
Kommentar: Das Speichervermögen einer absorbierenden Wand wird somit nicht berücksichtigt.

e) (S. 167): Abstrahlung wird aus der Differenz von Außenluft und Himmelstemperatur berechnet.
Kommentar: Maßgebend ist hierbei ausschließlich die Oberflächentemperatur und nicht die Außenlufttemperatur, da sie stark differieren.

f) (S. 168): Die Differenz der absorbierten Strahlungsenergie wird sofort und ausschließlich an die Luft abgegeben (Stationäres Modell mit Absorption).
Kommentar: Luft ist für Strahlung diatherm, die eingespeicherte Energie wird ignoriert. Deshalb sind diese Annahmen völlig unzutreffend.
g) (S. 168): Ein Rechenbeispiel im Anhang L endet mit einer Streuung von ±43,3%.
Kommentar: Eine derartige Rechenmethode ist ein ingenieursmäßiger Skandal.

DIN EN ISO 6946:

1) (S. 169): Es wird wie immer nur der U-Wert verwendet.
Kommentar: Der U-Wert gilt nur für den Beharrungszustand, der nie vorliegt.

2) (S. 169): Es heißt: ”Der Wärmeübergangswiderstand vernachlässigt auch jeglichen Einfluß kurzwelliger Sonnenstrahlung auf Außenflächen”.
Kommentar: Dies bedeutet die Ignoranz gegenüber kostenloser Solarenergie.

3) (S. 169): Es werden Schichten und Bereiche definiert und Mittelwerte berechnet.
Kommentar: Diese Anweisung ist praxisfremd, kompliziert und viel zu verwirrend.

4) (S. 169): Es wird eine ”Fehlerabschätzung” angeboten.
Kommentar: Diese pseudowissenschaftliche Kaschierung soll nur von den methodischen Fehlern einer stationären Berechnung ablenken.

5) (S. 169): Im Anhang A werden beim Wärmeübergangskoeffizienten Strahlung und Konvektion einheitlich behandelt (Dimension W/m²K).
Kommentar: Dies ist physikalisch absurd. Strahlung ist diatherm, erwärmt also keine Luft.

6) (S. 170): Die Wärmeleistung einer Strahlungsheizung wird proportional zur ”Übertemperatur” berechnet.
Kommentar: Die Wärmeleistung ist proportional zur vierten Potenz der absoluten Temperatur. Diese Annahme ist deshalb falsch, sie führt zu absurden Ergebnissen.

7) (S. 170): Unbelüftete Lufträume werden für Strahlung und Konvektion im Anhang B ebenfalls ”einheitlich” behandelt.
Kommentar: Dies ist deshalb ebenfalls falsch.

8) (S. 170): Es wird im Anhang B der Strahlungsaustauschgrad E zur Bestimmung des ”Wärmeübergangskoeffizienten für Strahlung” herangezogen.
Kommentar: Hier geht physikalisch alles durcheinander – eine naturwissenschaftliche Konfusion.

9) (S. 170): Im Anhang B.3 wird dann analog verfahren.
Kommentar: Überall ist alles falsch.

10) (S. 170): Anhang C behandelt die U-Wert-Berechnung von trapezförmigen Dämmstoffschichten.
Kommentar: Da die Effizienzschwelle bei maximal 6 bis 8 cm Dicke liegt, ist dies blindwütiger Aktionismus und eine pseudowissenschaftliche Absurdität.

Fazit:
DIN-Normen enthalten derart viel methodische und inhaltliche Fehler,
dass sie in der Tat nicht mehr ernst genommen werden können.

07.02.2003


Umfrage zum Thema "DIN gratis?" - und ein Grundsatzurteil dazu

Kollege Bruno Stubenrauch, manche kennen ihn bereits aus dem BauherrenForum oder von der Seite "Partnerseiten" oder überhaupt aus dem Internet, hat im Zeitraum 22.11.2001 - 01.02.2002 eine Umfrage veranstaltet - das Thema: "DIN gratis?".

Das Ergebnis muss ich hier unbedingt veröffentlichen, damit es einem breiten Publikum zugänglich wird. Ich verwende zum teil Originaltexte von Bruno Stubenrauch.

Das Ergebnis im wesentlichen:

  • Es zeigt sich ganz klar, dass mit der bestehenden Preisgestaltung für DIN-Normen wenig Einverständnis besteht.
  • Fast niemand gestand den DIN-Normen urheberrechtlichen Schutz zu.
  • Der Teilnehmerkreis bestand überwiegend aus Fachpublikum aus dem Baubereich
  • Eine klare Mehrheit plädiert für den kostenlosen Zugang zu DIN-Normen.
    Eine klare Mehrheit empfindet wie das BVerfG und ist der Meinung, dass DIN-Normen kein Urheberrechtsschutz zusteht (in der Frage waren allerdings alle DIN-Normen gemeint).
    Immerhin 2/3 der Teilnehmer erwarten vom Staat, dass er die allgemein verbindlichen DIN-Normen selbst anbietet.
    92% der Teilnehmer waren Fachpublikum aus dem Baubereich. Der weit überwiegende Teil kommt aus planenden Berufen.

    Den Volltext im Original sehen Sie sich bei ArchFee an.

    Eine Information, die den Befragten nicht zur Verfügung stand: Das Bundesverfassungsgericht hat 1998 einen bemerkenswerten Beschluss gefasst: So geniessen demnach Normen, die als Technische Baubestimmungen eingeführt sind, keinen Urheberrechtsschutz mehr.

    Beschluss der Bundesverfassungsgerichts
    siehe auch Urheberrechtsgesetz, dort § 5

    13.04.2002:
    Hallo Herr Bumann,
    das Umfrageergebnis möchte ich der Bauwelt möglichst lange erhalten. Ich habe nicht vor es in diesem Jahr zu löschen. Zur Verlinkung: es ist nicht möglich, auf eine Seite zu linken, die das Frameset von archiFee zusammen mit der Umfrage zeigt. Am einfachsten linken Sie deshalb auf http://www.archifee.de/umfrage.html . Wer archiFee finden will hat sowieso kein Problem, entweder über die URL oder über den Link unten auf der Seite.

    Zu dem Beschluss der Bundesverfassungsgerichts gibt es 2 Links:

    http://www.bverfg.de/entscheidungen/text/rk19980729_1bvr114390 (das Original) und

    http://lexetius.com/2001/9/175 (eine Kopie)

    Viele Grüsse
    Bruno Stubenrauch

    Erst mal vielen Dank an Bruno Stubenrauch für die Informationen. Endlich hat mal eine amtliche Stelle ein Machtwort gesprochen. Ich hoffe, hiermit wird dem Nepp im Bereich des allgemein zugänglichen Wissens endlich ein Riegel vorgeschoben.

    Steht hier die Frage: "Ist das in der Menschheit gesammelte und angehäufte Wissen Gemeingut oder zu verhökernde Ware?", so kommen wir zwingend wieder zu meiner oft gepredigten Fragestellung: "Wem nützt es?".

    Natürlich dürfen wir nicht erwarten, dass jetzt DIN und Beuth die Spendierhosen anziehen. Aber wir können eins tun, was viele andere neben und schon vor mir praktizieren: Regelwerke veröffentlichen und allgemein zugänglich machen (sihe Infobereich "Gesetze").

    Weiterhin sollten wir:

    • Downloadbereiche auf- und ausbauen (für Gesetze gibt es die schon)
    • Kopien austauschen (Fax, Kopien, gescannte *.tif u.a.)
    • Dateien austauschen (*.doc, *.pdf, *.txt, *.rtf)
    • freie Archive im Internet aufbauen
    • die Verlinkung intensivieren

    Was in der Musikbranche illegal ist, ist dank der Grundsatzentscheidung des BVerfG völlig legal!


    Was bedeutet Dirketgeltung privater Normen im Bauwesen?

    Bruno Stubenrauch, 04.09.2002 im BauherrenForum bei DIMaGB.de

    Von nichts kommt nichts. Deshalb möchte ich auf meine neu gegründete "Initiative gegen die Direktgeltung privater Normen im Bauwesen", kurz IDIN, hinweisen.

    Anlass zur Gründung war der kürzlich veröffentlichte Gesetzesentwurf zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes, speziell des §5. Darin soll klammheimlich und konträr zur Rechtsprechung von BGH und Bundesverfassungsgericht festgeschrieben werden, dass private Normen (DIN ist gemeint) weiter urheberrechtlichen Schutz geniessen sollen, auch wenn auf sie in amtlichen Werken verwiesen wird. Das war nach dem BVerfG-Beschluss von 1998 nämlich nicht so. Die Begründung zur Änderung räumt frech ein, dass damit Mehrkosten auf den (gezwungenen) Anwender zukommen.

    Da die einzige Möglichkeit etwas dagegen zu tun meiner Meinung nach massive Öffentlichkeitsarbeit ist, schreibe ich auch in dieses Forum. Wegschauen und Abwarten bringt nichts. Wer die Ziele von IDIN nachvollziehen kann, kann sich gerne in die Mitgliederliste eintragen. Für Ideen zu weiteren Aktionen bin ich offen, Mail an info@archiFee.de .

    DIMaGB, 05.09.2002 im BauherrenForum bei DIMaGB.de

    Hallo, Herr Stubenrauch, Sie haben meine volle Unterstützung. Es geht mal wieder nur ums Abzocken.

    Haben Sie diesen Beitrag schon mal gelesen?
    "DIN gratis?" - und ein Grundsatzurteil dazu

    Sollte das damit dann überholt sein?
    Wenn ja, was nützen Grundsatzurteile?
    Werden Grundsatzurteile geändert, wie man Unterhemden wechselt?
    Dass Gesetze am Fliessband der rot-grünen Macher hergestellt werden, kann man bei www.Rechtscentrum.de erfahren. Deren Newsletter ist Beleg dafür, dass immer neue, überarbeitete und revidierte Gesetze nur so aus der Regierungsmaschinerie hervorquellen. Das Ergebnis? - ein undurchschaubarer Dschungel.

    Bruno Stubenrauch, 05.09.2002 im BauherrenForum bei DIMaGB.de

    Hallo Herr Bumann,

    natürlich hatte ich Ihren Beitrag vor einiger Zeit schon einmal gelesen, da auch auf meine Seite Bezug genommen wurde. Er bietet darüber hinaus eine Menge Hintergrundinformation und ist aktueller denn je. Ich werde ihn deshalb auf IDIN kommentieren und verlinken.

    Gerade das Finanzierungsmodell der DIN-Normen haben Sie launisch aber zutreffend dargestellt. DIN selbst steht mit der eigenen Webseite aber kaum dahinter zurück:

    "Förderbeiträge der Wirtschaft dienen unmittelbar der Finanzierung der Geschäftstätigkeit der Normenausschüsse. Sie sind ein praxisnahes Steuerungsinstrument für die Normungsarbeit."
    http://www2.din.de/sixcms/detail.php?id=995

    "Förderbeiträge" und "praxisnahes Steuerungsinstrument" muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das sind Begriffe wie auf nahöstlichen Basaren. Wer gut schmiert der gut fährt.

    Zu Ihren Gedanken, dass hier Grundsatzurteile wie Unterhemden gewechselt werden: man muss hier den Gesetzgeber auf der einen Seite und die Gerichtsbarkeit auf der anderen Seite sehen. Die sind sich weder einig noch ziehen sie am selben Strang. Dem "geförderten" Staat ist der BVerfG-Beschluss schon lang ein Dorn im Auge. Deshalb soll das Gesetz geändert werden. Das erinnert mich irgendwie an das Kruzifix-Urteil aus dem Jahr 1995 und die anschließende gesetzgeberische Reaktion Bayerns. Dort gings aber um Kultur und Weltanschauung, hier gehts um Geld.

    Ich glaube ja nicht einmal, dass Justizministerin Däubler-Gmelin weiss, welches Ei man in ihr Gesetz gelegt hat. In ihren Presseerklärungen geht es nur um die Stichworte Kopierschutzmechanismen, digitale Kopien und Informationszeitalter. Ich werde ihr heute die Augen öffnen.

    DIMaGB, 05.09.2002 im BauherrenForum bei DIMaGB.de

    Unter "praxisnahem Steuerlement" verstehe ich, dass die Praxis dahin gebogen wird, wo es die Theorie will. Deshalb werden ja auch die viel beschworenen "Regeln der Technik" geändert.

    Wozu das gut ist? Man frage sich: wem nützt es? Und wieder sind wir beim Thema: Nepp, Abzocke, Schönfärberei. das Problem: es gibt keine Verbraucherlobby. Aber daran hat sich seit dem Mittelalter nichts geändert: das Volk ist dazu da, ausgenommen zu werden.

    Bruno Stubenrauch, 30.09.2002 im BauherrenForum bei DIMaGB.de

    Kurz zum Stand der Bemühungen der Initiative:

    Keine Reaktion kam bisher von den angeschriebenen Architektenkammern, Verbraucherverband und dem Magazin Focus. Das Bundesverfassungsgericht ist nicht zuständig (korrekt). Herta Däubler-Gmelin, die zunächst sehr schnell zu einer Diskussion bereit war, hat bekanntermaßen andere Sorgen. Derzeit warte ich auf Informationen zum Stand des Gesetzgebungsverfahrens, da es davon abhängt, was noch unternommen werden kann und wo der Hebel anzusetzen ist. Nach meiner Einschätzung ist nur noch etwas zu bewegen, wenn einige Abgeordnete des Bundestags gewonnen werden können. Nur diese haben in einem späten Stadium des Gesetzgebungsverfahrens noch die Möglichkeit, Änderungsanträge zu stellen. Wie wenig effektiv Öffentlichkeitsarbeit ist, zeigt mir der Misserfolg der Initiative www.privatkopie.net, die andere Teile des Gesetzentwurfs bekämpft, schon einige Monate länger agiert und deren Mitglieder über 30.000 Mails abgesetzt haben.

    Sollte das Gesetz nicht mehr aufgehalten werden können (es soll zum 1.1.2003 durchgepeitscht werden), gibt es immer noch andere Möglichkeiten. Gleichwertig wäre z.B., wenn sich der Staat das Verwertungsrecht an den Normen sichert, die er für allgemein verbindlich erklärt. Diese Normen könnten dann der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, trotz Urheberrecht. Zur Sicherung des Verwertungsrechts müssten nur die Verträge zwischen Staat und Normengremien geändert werden.

    Eine andere Möglichkeit wäre, keine Normen mehr für allgemein verbindlich zu erklären und das Beachtenswerte aus Normen in amtliche Verlautbarungen zu inkorporieren. Dies zu erreichen ist eigentlich das Hauptziel von IDIN.

    Sagt nachher nicht, Ihr habt von nichts gewusst! DIMaGB, 09.2002


    BUNDESINGENIEURKAMMER WEHRT SICH GEGEN EINEN NEUEN PARAGRAFEN
    Verschärfung des Urheberrechtsschutzes könnte zur erheblichen Verteuerung von Normen führen

    Die Bundesingenieurkammer und die Bundesarchitektenkammer haben sich mit Vehemenz gegen eine mögliche Verteuerung des Bezuges von Normen und gegen die Einführung einer urheberrechtlichen Kostenpflicht für den Bezug der Eingeführten Technischen Baubestimmungen (ETB) gewandt. Beides ist nämlich zu befürchten, wenn bei der geplanten Novellierung des Urheberrechtsgesetzes ein neuer Paragraf (§ 5 Abs. 3 UrhG) Wirkungskraft erhielte, mit dem gesetzlich festgelegt werden soll, dass auch private Regelwerke - also beispielsweise alle DIN-Normen und alle ETB - selbst dann urheberrechtlichen Schutz genießen, wenn in Gesetzen, Verordnungen, Erlassen oder in amtlichen Bekanntmachungen auf sie verwiesen wird (bisher unterliegen sie in solchen Fällen dem Urheberrecht nicht!).

    In einem gemeinsamen Schreiben an die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen und an alle Mitglieder des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages haben der Präsident der Bundesingenieurkammer, Dr.-Ing. Karl Heinz Schwinn, und der Präsident der Bundesarchitektenkammer, Peter Conradi, deshalb darauf hingewiesen, dass „das Preisniveau für diese Vorschriften ganz empfindlich angehoben würde", wenn eine derartige Erweiterung des Urheberrechtsschutzes Realität würde.

    Auch müsse der Gesetzgeber in diesem Zusammenhang bedenken, dass das DIN - um das es hier hauptsächlich geht - in der Regel nicht der geistige Urheber seiner Normen sei, sondern die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Normengremien. Die aber leisteten diese Arbeit nicht nur auf eigene Kosten, sondern würden dafür auch noch regelmäßig mit weiteren Kosten belegt. Schwinn und Conradi bitten ihre Adressaten daher um „tatkräftige Unterstützung" bei dem Versuch. diesen Paragrafen zu verhindern.

    Quelle: Deutsches Ingenuerblatt, DIB Heft 1/2 2003, S. 12
    im Internet: www.Deutsches-Ingenieurblatt.de


    Affentanz bei Einführung neuer Normen

    BETON-VEREIN DRÄNGT „DIE TRAGWERKSPLANER, AB SOFORT NACH NEUER DIN 1045 ZU BEMESSEN"
    Soll die Einführung der neuen DIN 1045 ohne eine Übergangszeit erfolgen?

    Der Deutsche Beton- und Bautechnik-Verein hat die Frage, ab wann die Planung und Ausführung von Betonbauwerken nach der neuen DIN 1045 erfolgen solle, kürzlich in mehreren Veröffentlichungen - unter anderem auch in der Ausgabe 8/2OO2 der Zeitschrift Baumarkt- so beantwortet, dass „die Tragwerksplaner in die Situation gedrängt werden, ab sofort nach der neuen DIN 1045 zu bemessen", wie der Präsident der Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik, Dr.-Ing. Günter Timm, in einer Stellungnahme zu diesem Artikel geschrieben hat, die wir nachfolgend im Wortlaut abdrucken.

    Mit dem ausführlichen Bericht des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins e.V, Berlin, über „die „Planung und Ausführung von Betonbauwerken - nach alter oder neuer Norm?" in der Zeitschrift Baumarkt (Ausgabe 8-2002) werden die Tragwerksplaner in die Situation gedrängt, ab sofort nach neuer Norm zu bemessen. Dies resultiert aus dem Hinweis an die Firmen, eine Bedenken-Anmeldung an den Auftraggeber vor der Ausführung im Hinblick auf die Qualitätssicherung vorzubringen. Die wenigsten Bauherren sind bei dieser Vorgehensweise bereit, eine Berechnung und Ausführung nach der alten DIN 1045 zu akzeptieren. Welche grundsätzlichen Änderungen ergeben sich aus der Anwendung der neuen gegenüber der alten DIN 1045?

    Es bleibt festzuhalten, dass die Standsicherheit nicht oder nur geringfügig in Bezug auf das Gesamttragwerk verbessert wird. Wesentliche Änderungen ergeben sich in der Sicherstellung der Dauerhaftigkeit. Dies bezieht sich auf Betonqualität, Betondeckung, Rissverhalten und Stababstände, was zum Teil auch in der DIN EN 206-1 verankert ist. Der vorgenannte Artikel setzt voraus, dass mit der Einführung der DIN 1045 neu der Inhalt dem Stand der Technik entspricht, obwohl im selben Artikel festgestellt wird, dass allein durch die Existenz einer Norm diese Vermutung nicht gilt - es sei denn, die Standsicherheit ist gefährdet.

    Der Tragwerksplaner wird durch den Wunsch des Bauherrn gezwungen, nach der neuen Norm zu bemessen, obwohl zum Teil entsprechende Programme fehlen, manche statische Berechnungen schon vor Einführung der neuen Norm aufgestellt sind und auch die Betonwerke nur bedingt den neuen Beton liefern können.

    Durch die Veröffentlichung des Beton- und Bautechnik-Vereins wird mit Sicherheit die neue DIN 1045 mit der DIN EN 206 sehr kurzfristig in die Praxis umgesetzt, obwohl die Übergangszeit bis zum 31.12.2004 gilt. Da auch die Zulassungen des Instituts für Bautechnik die Übergangszeit zur Umstellung benötigen, wird der Vorschlag
    unterbreitet, die Berücksichtigung der Dauerhaftigkeit bei Bemessung nach alter DIN insoweit zu erreichen, dass Betondeckung, Rissverhalten und Stababstände nach neuer Norm festgelegt werden.

    Obwohl ausdrücklich auf ein Mischungsverbot hingewiesen wird, kann die Berücksichtigung der oben genannten Einflüsse keinen Nachteil bedeuten. Wird dann auch der Beton nach den Expositionsklassen geliefert, ist damit eine Lösung für die Dauerhaftigkeit im bauaufsichtlich geregelten Übergangszeitraum möglich; die auch den \\ Wünschen der Nutzer entspricht. Die vorgenannten Feststellungen beziehen sich auf die DIN 1045 neu.
    Wie ist der Stand der Technik für die vielen neuen Normen und Eurocodes zu bewerten und wann wissen die Tragwerksplaner und die ausführende Firma. wann diese angewendet werden müssen? Hierfür sollten allgemein gültige Regeln gefunden werden.

    Quelle: Deutsches Ingenieurblatt, DIB Heft 1/2 2003, S. 6
    im Internet: www.Deutsches-Ingenieurblatt.de

    Was sagt uns das? Letztendlich macht ja doch jeder, was er will - ohne auf Praxistauglichkeit zu achten. Der Staat sollte sich zwar nicht in alles und jedes einmischen, aber hier sehen wir mal wieder, dass auch andere Chaos produzieren. Wozu Übergangsfristen nutzen, um alles geordnet einzuführen?

    Verwirrspiel II:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bitte Sie dringend um rechtsverbindliche Mitteilung, ob DIN 4108 in aktueller Fassung, d.h. einschl. aller Ergänzungen, Nachträge, Korrekturen der Korrekturen und Verweise auf andere Teile oder andere Normen insgesamt ernst zu nehmen ist im Sinne von Verlass auf Fehlerfreiheit, bautechnische und baukonstruktive Umsetzbarkeit , physikalische Richtigkeit und insbesondere bau-physikalisch zu erwartende schadenfreie Funktionalität in Hinblick auf die bis heute üblicherweise angesetzte Lebensdauer von Gebäuden oder deren typischen Bestandteilen.

    Dies allgemein und insbesondere z.B. in Hinblick auf 4108-3, Abs. 3.3.4; Abs. 4.3.2.1, Abs.  4.3.2.2, sowohl bezüglich der Fassung vom 2001-7 als auch hinsichtlich der Korrektur April 2002. Wobei ich Sie besonders um Erklärung bitte, wie letztgenannte Korrektur zu verstehen ist, nämlich welche Sätze ersetzt, modifiziert oder vielleicht auch überhaupt nicht gemeint sind.

    Ihre Auskunft ist sowohl für meine (gerichts) gutachterliche Praxis als auch für meine Lehrtätigkeit von entscheidender Bedeutung, weil ich mich nicht auf meine eigene unzulängliche und vermutlich fachlich minder qualifizierte Beurteilung verlassen möchte.

    Ich danke Ihnen im voraus für die vorhersehbare Mühe und bitte um baldige Antwort.

    Mit freundlichem Gruß
    Rainer Bolle

    Ingenieur und Sachverständigenbüro Dipl.-Phys. Rainer Bolle
    28359 Bremen, Klattendiek 4
    Tel. 0421-239063, Fax 0421-236973, eMail rabo.bremen@t-online.de

    Auf die Antwort bin ich aber gespannt.

    Norm in Kraft, aber nicht anwendbar

    Ende Januar vermeldete Haustechnik-Dialog eine Schildaer Posse. Demnach sei die europäische Heizlastnorm EN 12831 seit August 2003 in Kraft und damit gültig, allerdings könne niemand damit arbeiten. Sie soll zusammen mit dem Nationalen Anhang für Deutschland als DIN EN die etwas in die Jahre gekommene DIN 4701 Teil 1-3 ersetzen. Der Termin "Februar 2004" zur Veröffentlichung des Nationalen Anhangs, und damit der Beginn der Anwendbarkeit, sei abermals verschoben worden.

    Im Nationalen Anhang geht es um Werteparameter und Faktoren, z.B. meteorologische Daten, die von regionalen bzw. nationalen Gegebenheiten und Gewohnheiten (Heizverhalten) bestimmt werden. Auf telefonische Anfrage beim Normungsausschuss würden technische Probleme bei der Einarbeitung von Änderungen als Begründung für die abermalige Verzögerung genannt. Als neuer Termin sei der April als wahrscheinlich genannt worden. Dies hat Auswirkungen auf die Übergangsfrist.

    Das mit den Terminen kennen wir doch schon von woanders her?.


    Verblüffend: CE = Ü + 20%

    Liebe Kollegen, liebe Baubetroffene,

    dies zum weiteren Charakterisieren der Dämmstoffwerbung in "Fachblättern" und der Absurdität der CE-Normung.
    Antiideologie hilft nicht weiter. Getriebeknirschen erzeugt aber: Schriftliches Nachfragen z.B. beim DiBT in Berlin mit der Bitte um RECHTSVERBINDLICHE Antwort:

    ".. wie denn nun die EnEV-Rechnung erfolgen müsse, mit Dämmung "Ü" oder "CE"? Mit prozentualem Auf- oder Abschlag für die Wahrscheinlichkeit von x-% für die normkonforme Nichteinhaltung der CE-Werte ? ..."  Oder vielleicht gar mit französisch nationalen Rechenwerten, zu simulieren weil der Dämmstoff EU-mäßig von dort kommt? ...."

    Freude schöner Götterknoten ... Schließlich wird der klimaschonend EnEV-Rechen- und Nachweiswillige schlechterdings nicht wissen können, was auf die Baustelle geliefert wird. Am Ende vielleicht ein öffentlich bestellter Schwachverständiger ganz klug und Schuld zuweisend: 20% zu wenig Dämmstoff = U-Wert-multiplizierter Energieverschleuderungseffekt für 60 Jahre macht summarisch zinseszinslich 3572,80 Euro Heizmehrkosten (wenn die Hütte solange hält, die Mehrwertsteuer nicht fällt und die Klimaerwärmung sich nicht Heizkosten sparend bemerkbar macht) zzgl. CO2-Strafsteuersatz (dies ist noch Utopie)  von 550% auf 3572,80 EUR, einzuklagen beim zuständigen Landgericht, Strafsteuer zweckgebunden an das Ministerium zur Förderung des Energieverbrauches in der Dritten Welt (Außenhandel/Wirtschaftsförderung).

    Wer tut was gegen Volksverdummung und schleichende Enteignung?

    In diesem Sinne mit (er)baulichen Grüssen
    Rainer Bolle

    passend zum EU-Bankrott des Normenwesens dieses Zitat aus BINE
    Auszug: 

    1)     Bravo: Wirtschaftlichkeit in neuer Definition?

    Zitat http://www.bine.info/magazin_folgeseite.php?id_thema=24&id=225

    Je dicker, desto wärmer!
    Wenn Sie Ihr Haus einpacken, sollten Sie nicht an der Schichtdicke sparen, denn bezogen auf die Gesamtkosten verursachen ein bis zwei Zentimeter mehr keine nennenswerte Mehrinvestition. Wenngleich die Kosten zunächst mit jedem Zentimeter Außenhaut mehr steigen, nehmen die zusätzlichen Energieeinsparungen mit der Dämmstoffstärke zu (s. Abb. unten). In Anbetracht stetig steigender Energiepreise sind maximale Dämmstoffstärken von bis zu 30 cm wirtschaftlich und durchaus realistisch, empfehlenswert sind Stärken von mind. 12 cm.

     

     

     

    Kommentar RB: und ich dachte, dies zeigt die Wirtschaftlichkeitsgrenze von ca. 8 cm??

     

    Wirtschaftlichkeit eines WDVS (Thermohaut)
    Quelle: Energiedepesche; Grafik: BINE Informationsdienst

    es geht noch weiter: 

    2)     Die feinen Unterschiede Zwischen Ü und CE:

    Zitat http://www.bine.info/magazin_folgeseite.php?id_thema=24&id=225

    Ein besonders guter Dämmstoff zeichnet sich – wie sollte es anders sein! – durch eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit (Lambda-Wert von maximal 0,035 W/(mK)) aus. Wichtig sind zudem der Feuchtigkeits-Widerstand, Trittfestigkeit und Gewicht sowie die ökologische Verträglichkeit und natürlich: der Preis! All diese Merkmale sind dem Dämmstoff-Etikett (s. Abb. unten) zu entnehmen, ebenso die Klassifizierung des Brandverhaltens (A = nicht brennbar, B1 = schwer brennbar, B2 = normal entflammbar).

    Dämmstoffetiketten geben detaillierte Auskunft über die Qualität

    Ist der Dämmstoff ausschließlich mit einem CE-Zeichen (Verweis auf EU-Normen) gekennzeichnet, müssen bei gleicher Wärmeleitfähigkeit 20% mehr Dicke (Kommentar RB: Hoffentlich weiß jeder, woran das liegt?)
    gegenüber Dämmstoffen mit zusätzlichem Ü-Zeichen (Verweis auf nationale Normen) berechnet werden.

    Zitatende

    RB: Wenn nicht das ganze ohnehin außerhalb der CE-versprochenen 90% liegt ..... 

    Bolle´s Nachhaltigkeits-Tipp:
    Der Bundesverband der Denkstoffindustrie empfiehlt:
     
    Die Dämmstoffskulptur für den Vorgarten
    zur Förderung des Dämmspaßes.
     
    Der Energiespaß von Hauser für Häuser
    ganz ohne Eingriffe in die Bausubstanz.
    Kein Ärger mit der Lustdichtigkeit.
    Freipils für alle.


    AUFRUF GEGEN BÜROKRATISlERUNG lM NORMENWESEN
    Martin Aßmann. Udo F. Meißner, Karl Heinrich Schwinn, Günter Timm


    Führende Vertreter des Berufstandes haben sich in einem Aufruf gegen die weiterhin drohende Verbürokratisierung des Ingenieurwesens gewandt.

    VBI-Präsident Martin Aßmann, Bundesingenieurkammerpräsident Dr.-Ing. K. H. Schwinn, Günter Timm, Präsident der Prüfingenieure für Bautechnik, sowie der Vorsitzende des Fakultätentages Bauingenieur- und Vermessungswesen Prof. Dr.-lng. U. F. Meißner sprechen sich insbesondere gegen die Verkomplizierung des Normenwesens durch die Eurocode-Pakete und die DIN-Fachberichte aus. Der Aufruf lautet wie folgt:

    "Normenflut gegen Ingenieurverstand"

    Bauingenieure müssen bei ihrer Arbeit Naturgesetze, z.B. der Mechanik, und viele Fakten, z. B. die Eigenschaften von Baustoffen, kennen und sie bei ihren Entwürfen und bei der Ausrührung sorgfältig beachten. Studium, laufende Weiterbildung und Berufserfahrung vermitteln ihnen die dafür notwendigen Kenntnisse.

    Was uns bevorsteht, hat mit der eigentlichen Aufgabe von Baubestimmungen in großem Umfang nichts mehr zu tun: Baubestimmungen haben das festzuhalten, was normativ für normale Bauaufgaben ist. Jetzt aber würden Bauingenieure zu technischen Juristen degradiert. Unsere Arbeit würde beherrscht werden von dem Zwang, ja keine Regel zu verletzten. Für einen guten Entwurf wird uns immer weniger Zeit bleiben, und das zu einem Zeitpunkt, in dem mit Recht von vielen Seiten der Niedergang der Baukultur beklagt wird.

    Ein riesiges unübersehbares Eurocode-Paket kommt auf uns zu und daran anknüpfend Produktnormen, Bauregellisten (die keine Bauregeln enthalten!), nationale Anwendungsdokumente und anderes mehr. Parallel dazu
    entstehen neue nationale Baubestimmungen und DIN-Fachberichte. Die meisten in der Praxis tätigen Bauingenieure haben die Übersicht über diesen Wust von Regelungen verloren. Sie verstehen die vielen völlig überflüssigen Regel nicht mehr, die obendrein schlecht geordnet mit inhaltlich und sprachlich großen Mängeln und Widersprüchen präsentiert werden. Wesentliches geht gegenüber Unwesentlichem unter, die daraus entstehende  Gefahr kann gar nicht überschätzt werden.

    Die Befürworter begründen die europäische Nonnenflut damit, dass die Vermischung von Regeln und Grundlagen wegen des unterschiedlichen Wissenstandes in den einzelnen Ländern notwendig sei. Dem treten die Unterzeichner mit der Forderung entgegen, dass Normen das bleiben müssen, was sie im wesentlichen bisher waren. Der Ausgleich des Wissens muss nationalen Kommentaren mit Beispielen vorbehalten bleiben.

    Die Fehlentwicklung hängt auch damit zusammen, dass immer mehr aufwendige, vermeintlich wirklichkeitsnähere Nachweise an die Stelle von kurzen und bewährten Regeln treten, in vielen Fällen rechtfertigt die Unzuverlässigkeit der Ausgangsdaten - dies oft wegen des rauen Baustellenbetriebes - den Aufwand nicht. Manche dieser neuen Regelungen würde entfallen, wenn man sich an das Wort von Aristoteles erinnert: ,,Der geschulte Mann erstrebt keine größere Genauigkeit, als es das Wesen des Gegenstandes vernünftigerweise zulässt." Und Ergebnisse der Forschung von heute - oder sogar von morgen - gehören nicht in die Baubestimmungen von heute!

    Die Unterzeichner dieses von Universitätsprofessor Dr.-Ing. Dr.-mg. E.h. Joachim Scheer initiierten und mit ihnen abgestimmten Aufrufes appellieren an alle, diese Epidemie zu stoppen und in den zuständigen Gremien mitzuwirken, dass keine überflüssige und keine mangelhaft formulierte Regel in Baubestimmungen verbleibt. Sie sind sich dabei des Wortes von Arthur Schopenhauer bewusst:

    ,,Jede Wahrheit durchläuft drei Stufen: Erst erscheint sie lächerlich, dann wird sie bekämpft, schließlich ist sie selbstverständlich." Sie rechnen mit der in den ersten beiden Stufen vorausgesagten Reaktion, hoffen aber, dass die dritte Phase erreicht wird."


    Richtlinie "Bestimmung des solaren Energiegewinns durch Massivwände mit transparenter Wärmedämmung" zeigt gravierende Mängel der DIN 4108 / EN 832 auf

    Im Juni 2000 erschien die Richtlinie "Bestimmung des solaren Energiegewinns durch Massivwände mit transparenter Wärmedämmung" des Fachverbandes Transparente Wärmedämmung e.V. Als Autor der Überarbeitung der zweiten Auflage wird Hr. Dr. Werner J. Platzer vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) angegeben, der bereits der Redaktion der ersten Auflage des Arbeitskreises Normung des Fachverbands TWD angehörte.

    Das Prinzip der TWD wird eingangs erläutert: "Mit dem Prinzip der transparent wärmegedämmten Solarwand lassen sich auf angenehme, komfortsteigernde Art solare Gewinne erzielen. Die wärmespeichernde Massivwand, die vorgesetzte oder aufgebrachte transparent- wärmegedämmte vorgesetzte Schale mit ihren Eigenschaften bestimmen den Wirkungsgrad dieser solaren Niedrigtemperaturheizung." Das Ziel der Richtlinie wird damit angegeben, "ein eindeutiges, bauphysikalisch korrektes und verifiziertes Berechnungsverfahren für die solaren Energiegewinne durch diese Solarwände darzustellen."

    Im weiteren wird begründet: "Die europäische Norm DIN EN 832 berücksichtigt transparente Wärmedämmung im Ansatz, jedoch fehlen für die praktische Anwendung die genauen Hinweise zur Umsetzung. Weder wird festgelegt, wie aus Bauteilkennwerten unter Berücksichtigung der jeweiligen objektspezifischen Gegebenheiten der Systemwirkungsgrad berechnet wird, noch ist die explizit vorhandene Abhängigkeit des Gesamtenergiedurchlassgrades von Fassadenorientierung und Jahreszeit gegeben."

    Die Vorgaben der Richtlinie orientieren sich an den Ergebnissen des europäischen Forschungsprojektes ALTSET (Angular-dependent Light and Solar Energy Transmittance) im Rahmen des Forschungs-programmes "Messen und Prüfen". In einem ergänzenden deutschen Forschungsprojekt sollten die Arbeiten auf Sonnenschutzsysteme und Freiluftmessungen ausgeweitet werden. Ergebnisse hierzu sind dem Autor nicht bekannt.

    Bemerkenswert ist die Erläuterung zur Rolle der massiven Außenwand: "Zur Speicherung der solaren Gewinne ist ein massives Wandbauteil raumseitig zum TWD-Bauteil sinnvoll. Die Wärme muss durch dieses Bauteil nach innen abgeführt werden, daher ist ein nicht allzu hoher Wärmewiderstand erwünscht. Auch sollte die Massivwand die Wärme gut speichern. Baustoffe ab 1200 kg/m3 werden daher empfohlen."

    Die Richtlinie behandelt zwei grundlegend verschiedene Varianten der TWD-Solarwand, dabei stellt der Typ T eine Solarwand mit vorgesetztem lichtdurchlässigem TWD-Produkt (z.B. Verglasung mit innenliegendem TWD-Material) dar. "Bei Typ T trifft zumindest teilweise noch Solarstrahlung auf die Massivwand, wo sie in Abhängigkeit von deren Farbe absorbiert werden kann." Zur Charakterisierung der Massivwand wurden projektspezifisch im allgemeinen die Kennwerte der Massivwand hinter dem TWD-Bauteil ermittelt: der gesamte Wärmedurchlasswiderstand des massiven Tragwerks R(w)
    und der solare Strahlungsabsorptionsgrad der äußeren Oberfläche der Massivwand

    Die Vornorm DIN V 4108-6:1995-04wurde überarbeitet, um mit den Vorgaben der europäischen Normung Die überarbeitete Endversion der DIN V 4108-6:2000 enthält die Gleichung (23) für das im Vergleich zum vereinfachten Heizperiodenbilanzverfahren genauere Monatsbilanzverfahren. Für diese normierten Rechenverfahren wurden einige grundlegende Mängel eruiert, welche durch die Richtlinie eliminiert werden sollen:

    • "gTWD (oder engl. gTI) ist auf Grund der Winkelabhängigkeit der TWD und des unterschiedlichen Sonnenstandes für jeden Monat und jede Fassadenorientierung separat zu ermitteln; der pauschale Ansatz Fw.gi unterschätzt i.a. die Energiegewinne in der Heizperiode
    • Die Lage der Absorptionsebene der Solarstrahlung im Gesamtbauteil ist nicht eindeutig. Die Absorption findet teilweise oder sogar ganz im TWD-Bauteil statt; auch auf der Oberfläche des dahinterliegenden Bauteils (Massivwand) kann Solarstrahlung absorbiert werden. Dieser Anteil hängt neben dem Transmissionsgrad des TWD-Bauteils auch von der bauseitig bestimmbaren Farbe des Anstrichs bzw. Putzes der Massivwand ab.
    • Der Abminderungsfaktor FC für Sonnenschutzvorrichtungen kann im allgemeinen Fall identisch eins gesetzt werden, wenn der Sonnenschutz in der Heizperiode nicht aktiviert wird, oder wenn keine Sonnenschutzvorrichtung eingesetzt wird
    • Der Verschattungsfaktor Fs mit Werten zwischen 0 und 1 stellt die Reduzierung der auftreffenden Sonnenstrahlung als Folge dauernder Verschattung der betroffenen Oberfläche dar (andere Gebäude, Topographie oder Bauteilüberstände). Auch dieser Faktor kann für verschiedene Orientierungen und Jahreszeiten variieren. Im Sommer beispielsweise kann dieser Faktor auf Grund vorgesetzter Balkone oder Dachüberstände klein genug sein, um eine Verschattungsvorrichtung zu ersetzen, während er im Winter wegen tiefstehender Sonne nahe bei 1 liegt."

    Bezüglich Gleichungen (102-104) der DIN V-4108-6:2000 wird ein eklatanter Mangel aufgeführt:
    "Grundsätzlich wird in der Bestimmung des Gesamtenergiedurchlassgrades die langwellige Abstrahlung mitberücksichtigt. Es ist also auch bei der vereinfachten Methode Gleichung (104) der DIN V-4108-6:2000 zu empfehlen. Ein zusätzlicher Wärmeabstrahlungsverlust von der Bauteilaußenoberfläche an den klaren Himmel erfolgt sowohl tagsüber als auch nachts. Er hat mit den solaren Energiegewinnen nichts zu tun, sondern ist den Wärmeverlusten zuzurechnen. Auch ist dieser zusätzliche Wärmeabstrahlungsverlust keine spezielle Eigenschaft der Transparenten Wärmedämmung, sondern müsste ggf. bei allen Bauteilen (opake und transparente einschließlich der Fenster) berücksichtigt werden. Gleichung (101) der DIN V-4108-6:2000 ist daher irreführend."

    Interessant die Feststellungen zum Gesamtenergiedurchlassgrad: "Bei einem transparenten TWD-Bauteil (Typ T) ist der bauseitige Absorptionsgrad der Massivwand für die Absorption der transmittierten Solarstrahlung entscheidend. Nicht absorbierte Strahlung wird zurückreflektiert und teilweise im TWD-Bauteil absorbiert. Dieser letztere Anteil ist für dunkle Farben vernachlässigbar klein, bei höheren Wandreflexionsgraden wird er wichtig." Daher trifft man eine Fallunterscheidung bei der Berechnung des gTWD nach dunkel gestrichener oder verputzter Wandaußenoberfläche mit einem Wandreflexionsgrad > 0,9 und nach hell gestrichener oder verputzter Wandaußenoberfläche mit einem Wandreflexionsgrad = 0,9.

    In der Richtlinie wird festgestellt, dass Gleichung (19) der DIN 4108-6:2000 als Grundgleichung für die solaren Gewinne im Heizperiodenbilanzverfahren "nicht vom effektiven g-Wert, sondern von einem maximalen g-Wert (entspricht gn)" ausgeht. "Im Heizperiodenbilanzverfahren ist also implizit eine Reduktion um 15% in den Strahlungsgewinnfaktoren eingerechnet. Daher müssen die dort einzusetzenden Werte rückgerechnet werden."

    Unter 8. Ausblick wird ausgeführt: "Mit der vorgestellten Richtlinie ist erstmals eine detaillierte Anleitung für den Planer von TWD-Systemen vorhanden, die in eindeutiger und unparteiischer Weise eine Berechnung der Solargewinne innerhalb des Rahmenwerks der neu überarbeiteten DIN-V 4108-6 ausführt."

    Fazit:

    Wieder einmal wurde an einem praktischen Beispiel vorgeführt und bewiesen, dass Formelspiele allein nicht genügen und dass vereinfachende Annahmen falsche Ergebnisse liefern müssen. Deshalb stützt sich die Richtlinie auf Ergebnisse des des Forschungsprogrammes "Messen und Prüfen".

    Man darf sich insofern wünschen, dass die Methode des Messens und Prüfens, von der man sich Mitte der 80er Jahre weitgehend verabschiedet hat, wieder verstärkt Einzug halten darf.

    Die Rolle der wärmespeichernden und -leitenden Massivwand wird hier - anders als in DIN 4108, wo man die speichernde Wirkung nur noch den Innenbauteilen zuspricht - ins rechte Licht gerückt.

    DIN EN 832 trifft Berücksichtigungen im Ansatz, lässt jedoch genaue Hinweise zur Umsetzung sowie wichtige Festlegungen vermissen. Hier stellt sich die berechtigte Frage, ob Halbheiten per Dekret berechtigterweise zur Regel der Technik erhoben worden sind.

    Wichtig die Feststellungen zum zusätzlichen Wärmeabstrahlungsverlust von der Bauteilaußenoberfläche an den klaren Himmel: erfolgt sowohl tagsüber als auch nachts und er hat mit den solaren Energiegewinnen nichts zu tun, sondern ist den Wärmeverlusten zuzurechnen. Wie allgemein bekannt ist, wird er auch in der novellierten Norm für Fenster nicht angewendet.

    Im Heizperiodenbilanzverfahren wurde im Juni 2000 implizit eine Reduktion um 15% in den Strahlungsgewinnfaktoren eingerechnet. Auch daran hat sich bis heute nichts geändert. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Insofern lassen hier eine Minderung, da ein vereinfachender Faktor auf Zielorientiertheit schließen.

    Wenn erstmals mit der Richtlinie "eine detaillierte Anleitung für den Planer von TWD-Systemen vorhanden (ist), die in eindeutiger und unparteiischer Weise eine Berechnung der Solargewinne innerhalb des Rahmenwerks der neu überarbeiteten DIN-V 4108-6 ausführt", darf man darauf schließen, dass die Norm nicht eindeutig, dafür aber parteiisch angelegt ist. Nur: was wurde seit Juni 2000 übernommen?

    "auch auf der Oberfläche des dahinterliegenden Bauteils (Massivwand) kann Solarstrahlung absorbiert werden. Dieser Anteil hängt neben dem Transmissionsgrad des TWD-Bauteils auch von der bauseitig bestimmbaren Farbe des Anstrichs bzw. Putzes der Massivwand ab."

    Die mit " ... " gekennzeichneten Texte sowie das Bild sind Zitate aus Richtlinie "Bestimmung des solaren Energiegewinns durch Massivwände mit transparenter Wärmedämmung" des Fachverbandes Transparente Wärmedämmung e.V.
    Auszugsweiser Nachdruck unter Quellenangabe gestattet. Vertrieb: Fachverband TWD e.V.
    Informationen im Internet: www.fvtwd.de  (hier ist das Dokument abrufbar)

    Autor: Dipl.-Ing. Matthias G. Bumann
    © DIMaGB.de, 09.08.2004


    Stümperei bei der neuen DIN 1045

    Einen hervorragenden Artikel über Stümpern, Blocken und Ignorieren konnte man im Deutschen Ingenieurblatt, Ausgabe Juli/August 2004, lesen. Die wichtigsten Passagen sind hier zitiert. Der Link zum vollständigen Artikel steht am Ende. Auch bei der DIN 1045 - sie gilt ab Januar 2005 - wurde herumgeschustert und wenn es um Zustände geht, die in der Praxis gar nicht vorkommen, sei die Frage erlaubt, wozu das Ganze gut sein mag. Worauf begründet eine Institution ihre Legitimität, die offensichtliche Fehler ganz einfach ignoriert?

    "Sie hat allerdings zahlreiche redaktionelle und inhaltliche Defekte, die teilweise einfach nur ärgerlich, teilweise aber fachlich nicht vertretbar sind."

    "Form, Sprache, Aktualität: Von einer neuen Norm kann die Praxis eine ausgefeilte nahezu fehlerfreie Form in einer klar ausformulierten Sprache erwarten. Die umfangreichen Berichtigungen allein zur DIN 1045-1, die überwiegend Schreib- und Formulierungsfehler behandeln, stellen in dieser Hinsicht ein Armutszeugnis dar. Darüber hinaus ist es eine Zumutung, die Einarbeitung dieser Berichtigungen in den eigentlichen Normentext den Anwendern zu überlassen."

    "Fachlicher Inhalt, Eindeutigkeit: Auch in diesem Bereich besteht hinsichtlich der Festlegungen und Formulierungen Nachholbedarf."

    "Generell ist festzustellen, dass die neuen Normen die in der Praxis Tätigen zwingen, viele mühsam erarbeitete und gesammelte Erfahrungen über Bord zu werfen. Sie müssen in Zukunft in Zuständen denken (Tragfähigkeit statt Gebrauchszustand), die in der Praxis gar nicht vorkommen."

    "Im DIN-Ausschuss mitarbeiten: In der konstituierenden Sitzung DIN 277 erklärte dann der Geschäftsführer des DIN, dass alle Ausschussmitglieder, die nicht von einem das DIN finanziell unterstützenden Institut beziehungsweise Verband delegiert würden, für die Mitarbeit im Ausschuss zu den eigenen Aufwendungen zusätzlich 3.000 DM zu zahlen hätten."

    "Eingaben an den Ausschuss: Am 6. November 2003 und am 16. Januar 2004 hat der Autor Anfragen und Anregungen zu den oben aufgeführten Argumenten neben weiteren an den Ausschuss und Beteiligte gerichtet. Bis zum Juni 2004 ist weder eine Eingangsbestätigung noch eine Antwort erfolgt. Auch das Aufzeigen offensichtlicher Fehler in einer Bemessungstabelle ... führte zu keiner Reaktion."

    Quelle:
    Bedingt tauglich
    Neue Serie über die fachlichen Defekte der neuen DIN 1045
    Autor: Dieter Vogelsang

    Hier der Link zu dem zitierten Artikel


    ... dass der technische Fortschritt ständig Gefahr läuft, nur unzureichend berücksichtigt zu werden

    Die heutige Normung kann auf eine lange Entstehungsgeschichte zurückblicken: Bereits im alten Ägypten wurden aus dem Nilschlamm Ziegelsteine mit einheitlichen Maßen hergestellt. Venedig rüstete im 11 Jahrhundert seine Schiffsflotte mit genormten Rudern und Segel aus. Gutenbergs Erfindung der bewegten Gusslettern führte 1850 zur ersten internationalen Normung von Schriftgrößen.

    Mit zunehmender Arbeitsteilung infolge der industriellen Entwicklung und der damit verbundenen Massenproduktion nahm auch der Bedarf an technischen Normen zu. Schließlich ermöglichen sie den Vergleich und die Kombination von Leistungen nationaler und internationaler Märkte.

    Schaut man in die DIN, so versteht diese sich selbst als "einmalige, bestimmte Lösung einer sich wiederholenden Aufgabe unter den jeweils gegebenen wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten". Im Duden wird der Begriff "normen" so definiert: "einheitlich festsetzen, gestalten; (Größen) regeln".

    In Deutschland begann die institutionelle Definition und Organisation von Normen im Jahr 1917 mit der Gründung des Deutschen Institutes für Normung e. V. in Berlin (DIN). Auf europäischer Ebene wurde Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Normungsorganisation dem Comité Européen de Normalisation (CEN) übertragen, mit dem Auftrag, die bestehenden Normen zu harmonisieren und neue, europaweit gültige Normen zu erarbeiten.

    CEN ist der freiwillige Zusammenschluss aller Normungsinstitutionen der Mitgliedsländer. Die nationalen Normungstätigkeiten treten immer mehr in den Hintergrund. Denn jede Europa-Norm (EN) muss von jedem CEN-Mitglied ins eigene Normenwerk übernommen werden. Das führt dazu, dass immer mehr nationale Normen ihre Gültigkeit verlieren.

    Die DIN/CEN sind keine staatlichen Organisationen. Die Normen sind zunächst nur Handlungsempfehlungen, keine zwingenden Vorschriften. Ihre Anwendung ist freiwillig. Eine Pflichtanwendung kann sich jedoch aufgrund von Rechts- oder Verwaltungsvorschriften oder Verträgen ergeben. Egal, ob freiwillige Anwendung oder Pflichterfüllung: Der Verbraucher kann in der Regel davon ausgehen, dass normenkonforme Produkte die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.

    Wenn Sie den Werdegang der europäischen Normen auf der Übersicht betrachten, werden Ihnen die Probleme der Internationalisierung deutlich.

    Die internationale Normengestaltung ist nur durch Kompromissfähigkeit der Institutionen unter Berücksichtigung nationaler Interessen möglich. Mit der Folge, dass die Abstimmungsphase oft mehrere Jahre dauert. Was wiederum zur Folge hat, dass der technische Fortschritt ständig Gefahr läuft, nur unzureichend berücksichtigt zu werden Das führt dazu, dass wegen der eingegangenen. Kompromisse und der verlorenen Zeit die Anforderungen an die nach den Normen gefertigten Produkte vielfach nur "Mittelmaß" bedeuten. Hinzu kommt, dass viele Anbieter die Anforderungen zwar erfüllen, die besseren Möglichkeiten aber nicht nutzen.

    Quelle: FSB zum Thema Normen, 01.2005
    DIN EN Qualität zum Anfassen, www.fsb.de


    Bsp.: Kommentar zu einer DIN

    Im März 2005 konnte man folgende Meldung lesen: "Auf Wunsch vieler Anwenderkreise wurde zu DIN EN 12831, dem Beiblatt 1 und der Änderung A 1 zum Beiblatt ein Kommentar vom Obmann des nationalen Normungsgremiums ... herausgegeben. Der Kommentar wurde in Abstimmung mit dem nationalen Normungsgremium erstellt (d.h. unter Mitwirkung u.a. der bekannten Heizungsverbände in Deutschland). Der Kommentar enthält die genannten Normen und die Kommentierung, die auch auf bereits aus Anwenderkreisen gestellte Fragen eingeht. Die DIN EN 12831 mit Beiblatt ersetzt die bis letztes Jahr noch geltenden Normen DIN 4701-1 bis -3 "Wärmebedarfsberechnung". Die Kommentierung soll die Anwendung erleichtern und die notwendigen Unterlagen in einem Buch von 80 Seiten DIN A 4 zusammenfassen.

    Kommentar DIMaGB.de: und wie wäre es, die Normen so zu formulieren, dass man sie auch ohne Kommentar verwenden kann? Als Beispiel: in den 60ern enthielt die DIN 4108 (Wärmeschutz) eingangs Begriffserläuterungen, jeder konnte verstehen, worum es ging.

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